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Subtitle: Die Bedeutung der Klassifikationskriterien
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2007, 30 Pages
Author: Melanie Rottmüller
Subject: Sociology - Gender Studies
Details
Institution/College: University of Bamberg
Tags: Vergleichende, Betrachtung, Wohlfahrtsstaattypologien, Weibliche, Erwerbsverläufe, Vergleich
Year: 2007
Pages: 30
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 28 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-19606-7
File size: 218 KB
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Abstract
Klassifikationskriterien beeinflussen die Zuordnung von Wohl-fahrtsstaaten zu verschiedenen Typen. Dabei ist zu beachten, dass man immer das Ziel der vorliegenden Analyse betrachten sollte um die Adäquatheit von Kriterien abzuwägen. Insbesondere die Geschlechterkomponente hat Auswirkungen, wenn man die „Familien- und Frauenfreundlichkeit“ von Wohlfahrtsstaaten untersucht. In diesem Zusammenhang sei auch die Inadäquatheit des Begriffs der Pfadabhängigkeit zu betonen. Staaten können, müssen aber nicht ihren einmal eingeschlagenen Weg der Wohlfahrtsstaatspolitik beibehalten. Dies hängt vor allem, wie auch Pfau-Effinger zeigt, von sozialen Aushandlungsprozessen und sich durchsetzenden Geschlechter-Arrangements ab und nicht von der Ausgangsposition des Landes.
Excerpt (computer-generated)
Sozialwissenschaftliche Fakultät der Otto-Friedrich Universität Bamberg
HS: Fortgeschrittene Themen der Lebensverlaufsforschung II:
Weibliche Erwerbsverläufe im internationalen Vergleich
Vergleichende Betrachtung von
Wohlfahrtsstaattypologien
Die Bedeutung der Klassifikationskriterien
Melanie Rottmüller
Semester: 07
Studienfach: Soziologie
Prüfungsfach: Familie, Lebenslauf und Lebensalter (Spezielle Soziologie)
Inhaltsverzeichnis:
1. TYPISIERUNG VON WOHLFAHRTSSTAATEN DIE BEDEUTUNG
DES ,,WIE" UND ,,WARUM" 1
2. VERGLEICHENDE BETRACHTUNG VON
WOHLFAHRTSSTAATSTYPOLOGIEN DIE BEDEUTUNG DER
KLASSIFIKATIONSKRITERIEN 2
2.1 THEORETISCHER VERGLEICH DER TYPOLOGIEN
KLASSIFIZIERUNGSKRITERIEN, OPERATIONALISIERUNG UND ENTSTEHENDE
TYPEN 3
2.1.2 Esping-Andersens (1990/ 1999) Konzept der drei Welten
4
2.1.2 Orloffs (1993) Erweiterung Esping-Andersens Ansatz um die
Geschlechterkomponente
6
2.1.3
Lewis′ und Ostners (1994) partikularisiertes Male-Breadwinner Modell
7
2.1.4 Siaroffs (1994) Typologie der Geschlechterungleichheiten in Hinsicht
auf Arbeit und Wohlfahrt
8
2.1.5 Mósesdóttirs (1995) Regimes der Geschlechterbeziehungen 10
2.2 PRAKTISCHER VERGLEICH: UNTERSCHIEDE UND DEREN GRÜNDE BEI DER
ZUORDNUNG VON LÄNDERN 12
2.2.1 Irland zwischen den Welten? 12
2.2.2 Niederlande - ein Paradebeispiel für einen Pfadwechsel oder nur eine
Mischform? 14
2.3 PFAU-EFFINGERS (2000) TYPOLOGIE DER GESCHLECHTERKULTURELLEN
MODELLE 16
2.3.1 Grundlagen und Theorie 17
2.3.2 Die Niederlande: Von der männlichen Versorgerehe über das egalitär-
familienbezogenen Modell zum egalitär-partnerschaftlichen Modell 20
3. FAZIT 21
4. LITERATUR 23
5. ANHANG: 25
Vergleichende Betrachtung von Wohlfahrtsstaatstypologien
1. Typisierung von Wohlfahrtsstaaten Die Bedeutung
des ,,Wie" und ,,Warum"
Seit Ende des letzen Jahrhunderts ist eine zunehmende Verwendung von Wohl-
fahrtsstaatstypologien in der vergleichenden Forschung zu verzeichnen. Es gilt als
unumstritten, dass sich die Welt, insbesondere Europa, in eine limitierte Anzahl
wohlfahrtsstaatlicher Regime einteilen lässt. Die Diskussion begann mit dem
Werk von Gosta Esping-Andersen (1990) und ist heute nicht mehr aus der Sozial-
forschung wegzudenken. Peter Abrahamson (1999) kommt zu mehreren Schlüs-
sen bezüglich idealtypischer Wohlfahrtsstaatsmodelle: Ihre Entstehung steht in
engem Zusammenhang mit Diskussionen über Globalisierung, insbesondere der
europäischen Integration. Im Speziellen wird davon ausgegangen, dass Typolo-
gien bezüglich der Konvergenz und Harmonisierung europäischer Sozialpolitik
von Nutzen sein können (Abrahamson, 1999).
Neben dem wohl etablierten Modell der drei Welten von Esping-Andersen
(1990) entwickelten sich seit den 1990ern eine große Anzahl von Typologien mit
unterschiedlichen Klassifikationskriterien, unterschiedlicher Operationalisierung
und Verfahrensweise mit dem Ergebnis der Identifikation verschiedener Typen
und deren Anzahl. Von Bedeutung sind in diesem Zusammenhang sicherlich der
thematische Fokus der jeweiligen Studie, aber auch verschiedene Ansichtsweisen
bezüglich des Kausalprinzips von Wohlfahrtsstaaten. Dies zielt ab auf unter-
schiedliche Verwendung der Wohlfahrtsstaatsideologie als zu erklärende oder
determinierende Variable, was wiederum zu unterschiedlichen Modellen führt.
Darüber hinaus muss auch der Programmsensibilität Rechnung getragen werden:
Modelle der Wohlfahrtsstaatsforschung sind kontextabhängig. Das bedeutet, dass
Analysen verschiedener Wohlfahrtsprogramme wie Arbeitslosenversicherung und
Kinderbetreuung verschiedene Regimetypologien rechtfertigen, wenn auch nicht
in einem Umfang, der die Forschung willkürlich werden lässt, da wohlfahrtsstaat-
liche Leistungen immer nur mit einer limitierten Anzahl an Regimes in Verbin-
dung gebracht werden können. Dennoch bestimmt der Fokus zu einem gewissen
Maß die Definition des Regimes (Abrahamson, 1999).
Im Folgenden soll ein besonderer Augenmerk auf die zur Typologisierung
herangezogenen Kriterien gelegt werden: Inwieweit bestimmen strukturelle De-
terminanten (wie Arbeits- und Familienpolitik) sowie kulturelle Determinanten
(Werte, Normen, Einstellung) die Zusammensetzung eines wohlfahrtsstaatlichen
1
Vergleichende Betrachtung von Wohlfahrtsstaatstypologien
Modells und die Zuordnung einzelner Staaten? Um diese Frage insbesondere auch
in Hinsicht auf die Bedeutung der Geschlechterkomponente beantworten zu kön-
nen werden nachfolgend ausgesuchte Ansätze von Lewis und Ostner (1994),
Mósesdóttir (1995), Orloff (1993), Siaroff (1994) und Esping-Andersens (1990)
Konzept der drei Welten unter anderem Fall-vergleichend betrachtet. Diese Arbei-
ten legen unterschiedlich starkes Augenmerk auf die Geschlechterkomponente
und scheinen deswegen besonders geeignet dafür, die Bedeutung dieses Kriteri-
ums für die Wohlfahrtsstaatsforschung darzustellen. Darauf aufbauend soll mit
Birgit Pfau-Effingers (1996, 2000, 2005) Typologie der geschlechterkulturellen
Modelle eine Arbeit vorgestellt werden, die erstmals die Bedeutung des Verhält-
nisses von Kultur, Struktur und Praxis für die Geschlechterkomponente zum
Thema macht und in die Untersuchung von Wohlfahrtsstaaten mit einbezieht.
2. Vergleichende Betrachtung von Wohlfahrtsstaatstypo-
logien Die Bedeutung der Klassifikationskriterien
Die große Anzahl der in den letzten Jahren formulierten Typologien von Wohl-
fahrtsstaaten unterscheidet sich unabhängig von Methodologie und Thematik le-
diglich in geringem Maß. Der Übersichtlichkeit wegen können Typologien auf
Basis der zur Klassifikation herangezogenen Variablen strukturiert werden: Von
geringerer Bedeutung sind (1) Typologien, die nur
eine bestimmte Variable
zur
Typenbildung verwenden (wie z.B. Adema, 1996). Ohne den Wert dieser Typolo-
giesierungstechnik anzuzweifeln ist zu bemerken, dass es sich hierbei hauptsäch-
lich um eine Betrachtung öffentlicher Ausgaben oder Verteilungen handelt und
die Geschlechterkomponente vollends ignoriert wird. Der Betrachtung von (2)
Typologien, die ein
Set von verschiedenen Ideologien
verwenden, soll im Folgen-
den mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Von besonderer Bedeutung dieser
Art von Typologien ist und bleibt Esping-Andersen (1990; 1999). Seine Arbeit
inspirierte viele Forscher, die entweder die Schwächen seines Ansatzes fokussier-
ten, eine kritische Sichtweise einnahmen und von seinen Fehlern lernend eigene
Typologien entwickelten, oder auf den Stärken seines Ansatzes aufbauend eigene
Forschung betrieben. Zu diesem Cluster an Wohlfahrtsstaatsvergleichen gehören
auch die hier betrachteten Arbeiten von Lewis und Ostner (1994), Mósesdóttir
(1995), Siaroff (1994) und Orloff (1993). Eine weitere Möglichkeit der Typisie-
rung ist (3) die Analyse von Wohlfahrtsstaaten auf Basis ihres
Erfolgs bezüglich
Armutsvorsorge
(Bsp.: Hausmann, 1994). Solche Ansätze unterscheiden sich von
2
Vergleichende Betrachtung von Wohlfahrtsstaatstypologien
der ersten Art an Typologien in dem Punkt, dass sie nicht einzelne Variablen be-
trachten, sondern einzelne Ergebnisse, nämlich die Effizienz des Sozialsystems
bezüglich Armut. Wie aber bereits bei der ersten Typologiesierungstechnik ange-
merkt, soll auch dieser Art im thematischen Zusammenhang dieser Arbeit weniger
Bedeutung zugeschrieben werden, da hier im Besonderen die Bedeutung Ge-
schlechterkomponente im Vordergrund steht. Vor allem aus diesem Grund wurde
von Meulders und O′Dorchai (2003) eine weitere Art von Typologien abgegrenzt,
die in ihrer Art bis heute recht alleine steht. In der zweiten Typologiesierungsart
wurde der Geschlechterkomponente hauptsächlich durch feministische Arbeiten
erstmals Bedeutung zugeschrieben. Pfau-Effinger (1996) kritisierte an diesen An-
sätzen aber, dass sie oft blind gegenüber dem kulturellen Kontext von Geschlech-
termodellen seien. Auf diesem Defizit aufbauend konstruierte Pfau-Effinger ihre
Typologie (4) der
geschlechterkulturellen Modelle
als erklärenden Ansatz für ,,
the
cultural construction of intergenerational relationships and of the gender division
of labour that are dominant in different countries
" (Meulders und O′Dorchai,
2003: 171).
Zunächst wird im Folgenden also die Arbeit des ,,Urvaters" der Vielvariablen-
typologien vorgestellt, die dem Geschlecht als Klassifikationskriterium zunächst
wenig Bedeutung zuschreibt. Diese soll als Basis für den Vergleich mit den Typo-
logien von Lewis und Ostner (1994), Mósesdóttir (1995), Siaroff (1994) und Or-
loff (1993) verwendet werden. Dabei sollen die Kritikpunkte an Esping-
Andersens Ansatz, sowie die verschiedenen herangezogenen Kriterien betrachtet
werden und deren Auswirkung auf die Zuteilung einzelner Länder zu bestimmten
Regimes nachvollzogen werden. Abschließend soll mit Pfau-Effingers Typologie
der Geschlechts-Kultur-Modelle ein weiterer Schritt vollzogen werden, der über
die unabhängige Betrachtung der Geschlechterkomponente hinausreicht, indem
das Verhältnis zu gesellschaftlich verankerten kulturellen Leitbildern mit einbe-
zogen wird.
2.1 Theoretischer Vergleich der Typologien Klassifizierungskriterien,
Operationalisierung und entstehende Typen
Im Folgenden soll dargestellt werden, wie die verschiedenen Autoren zu ihren
teils recht unterschiedlichen, teils nahezu übereinstimmenden Wohlfahrtsstaatsty-
pen gelangt sind. Ein besonderes Augenmerk soll hierbei auf die theoretische
Vorgehensweise gelegt werden: Welche Kriterien wurden herangezogen, um die
3
Vergleichende Betrachtung von Wohlfahrtsstaatstypologien
Wohlfahrtsstaaten zu klassifizieren? Wie wurden diese Kriterien operationalisiert?
Welche Typen von Wohlfahrtsstaaten konnten auf diese Weise identifiziert wer-
den?
2.1.2 Esping-Andersens (1990/ 1999) Konzept der drei Welten
Wie bereits angesprochen stellt Esping-Andersens (1990) Konzept der drei Wel-
ten eine der bedeutendsten, wenn nicht die bedeutendste Typologie von Wohl-
fahrtsstaaten dar. Unter Verwendung von (zunächst) drei Hauptkriterien zielt das
Konzept auf die Abbildung des Verhältnisses von Staat, Markt und Familie zuein-
ander ab und kommt zu dem Ergebnis einer dreifachen Typologie des konservati-
ven, liberalen und sozial-demokratischen Wohlfahrtsstaatsregimes (Meulders und
O′Dorchai, 2003).
Unter dem Konzept der Dekommodifikation versteht Esping-Andersen (1990:
23) als Minimaldefinition ,,
that citizens can freely, and without potential loss of
job, income, or general welfare, opt out of work when they themselves consider it
necessary"
, also die (teilweise) Loslösung der Wohlfahrt von der Erwerbsarbeit.
Dekommodifizierung wird in diesem Zusammenhang als Kontinuum gesehen.
Darüber hinaus ist die Bedingung der vorausgehenden Kommodifikation, also die
Charakterisierung von Arbeitskraft und Bedürfnissen als Waren (Esping-
Andersen, 1990), im Zusammenhang mit der feministischen Kritik, die später
noch genauer dargestellt werden soll, von besonderer Bedeutung (Meulders und
O′Dorchai, 2003).
Um die Auswirkungen der Wohlfahrtsstaatssicherung auf die gesellschaftliche
Schichtung abzubilden, entwickelte Esping-Andersen das Konzept der Stratifika-
tion. Die unterschiedliche Schichtung der Gesellschaft ergibt sich, wie auch der
Grad der Dekommodifikation, aus den unterschiedlichen Zielsetzungen einzelner
Wohlfahrtsstaaten.
Als letztes Kriterium zieht Esping-Andersen die Beziehung zwischen Staat
und Markt heran. Dieser Indikator bildet das Gewicht marktförmiger Wohlfahrts-
staatsicherung ab und bezieht sich auf das Mischungsverhältnis öffentlicher und
privater Vorsorge (,,
public-private-mix
") (Esping-Andersen, 1990).
Insbesondere nach dem stärker werdenden Druck durch feministische Kritik-
punkte an Esping-Andersens Ansatz wurde das Konzept in seinem Werk ,,Social
Foundations of Postindustrial Economies" (1999) um das Konzept der Defamilia-
lisierung erweitert. Ein familialistisches Wohlfahrtsregime schreibt den maxima-
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