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Die Leistung des Prologs in Gottfrieds "Tristan"- Roman hinsichtlich dessen Rezeption als Kunstwerk

Seminararbeit, 2003, 20 Seiten
Autor: Hans Kalt
Fach: Germanistik - ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Details

Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2003
Seiten: 20
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 19  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V117470
ISBN (E-Book): 978-3-640-19796-5
ISBN (Buch): 978-3-640-19805-4
Dateigröße: 76 KB

Zusammenfassung / Abstract

Gegenstand der vorliegenden Arbeit stellt die Frage nach dem Kunstcharakter des Tristan- Romans Gottfrieds dar, insbesondere, inwieweit dessen Prolog eine Klassifizierung respektive Rezeption als Kunstwerk nahe legt und welchen (literaturtheoretischen) Status der Prolog selbst einnimmt. Die Fragestellung in dieser allgemeinen Form erscheint zunächst nichts sagend; erst eine Klärung der Begrifflichkeiten Kunst(werk) und Literatur, sowie die literaturtheoretische Einordnung des Phänomens “Prolog“ werden das Anliegen der Arbeit verdeutlichen. Die nachfolgenden Erörterungen sollen dabei keine normativen Festlegungen hervorbringen, was nun der Begriff Kunst/ Literatur im intensionalen und extensionalen Sinne bedeute oder „moderne“ Begrifflichkeiten über einen Text des Mittelalters stülpen, sondern einige Kategorien ergeben, mit deren Hilfe die (literaturtheoretischen) Aussagen des Tristan- Prologs zur Rezeption des (gesamten) Textes theoretisch gefasst werden können. Dabei soll reflektiert werden, wie sich der Prolog bezüglich seines literaturtheoretischen/ aussagentheoretischen Status respektive seiner Funktion hinsichtlich der Textrezeption mit Haugs Klassifizierung des Romans als fiktionalem Text verträgt. [...]


Textauszug (computergeneriert)

.

FAU Erlangen- Nürnberg

Institut für Germanistik

PS: Gottfried v. Straßburg:

Tristan

Wintersemester 2002/ 03

Hausarbeit zum Thema:

Die Leistung des Prologs in
Gottfrieds Tristan-Roman hinsichtlich
dessen Rezeption als Kunstwerk





Inhaltsverzeichnis

1. Vorbemerkung: Ziel und Gang der Arbeit 3

2. Zu den Begriffen

Literatur/ literarisch

und

Kunst

4

2. 1 Allgemeine Überlegungen: Form oder Rezeptionsmodus als Definiens 4

2. 2 Ergebnisse der sprachanalytischen Ästhetik 7

2. 3 Zusammenfassung 8

3. Der Prolog des Tristan- Romans als poetischer 10

und metapoetischer Text 10

3. 1 Zum literaturtheoretischen Status des Prologs 10

3. 2 Literaturtheoretisch relevante Aspekte des Tristan- Prologs 14

3.3 Zusammenfassung 16

4. Schlussbemerkung: Gottfrieds Tristan als Kunstwerk 17

Literaturverzeichnis 18


1. Vorbemerkung: Ziel und Gang der Arbeit

Gegenstand der vorliegenden Arbeit stelle die Frage nach dem

Kunst

charakter des

Tristan

- Romans Gottfrieds1 dar, insbesondere, inwieweit dessen Prolog eine

Klassifizierung respektive Rezeption als Kunstwerk nahe legt und welchen (

literaturtheoretischen ) Status der Prolog selbst einnimmt. Die Fragestellung in dieser

allgemeinen Form erscheint zunächst nichts sagend; erst eine Klärung der

Begrifflichkeiten

Kunst(werk)

und

Literatur,

sowie die literaturtheoretische Einordnung

des Phänomens "Prolog"

werden das Anliegen der Arbeit verdeutlichen. Die

nachfolgenden Erörterungen sollen dabei keine normativen Festlegungen hervorbringen,

was nun der Begriff

Kunst

/

Literatur

im intensionalen und extensionalen Sinne bedeute

oder ,, moderne" Begrifflichkeiten über einen Text des Mittelalters stülpen, sondern

einige Kategorien ergeben, mit deren Hilfe die ( literaturtheoretischen ) Aussagen des

Tristan

- Prologs zur Rezeption des

( gesamten ) Textes theoretisch gefasst werden können. Dabei soll reflektiert werden,

wie sich der Prolog bezüglich seines literaturtheoretischen/ aussagentheoretischen

Status respektive seiner Funktion hinsichtlich der Textrezeption mit Haugs

Klassifizierung des Romans als

fiktionalem

Text verträgt2.

Zu diesem Zweck werde ich im anschließenden Kapitel einige allgemeine

Überlegungen zu den

Begriffen

,, Kunst" und ,, Literatur" anstellen, um die

notwendigen Kategorien für die nachfolgenden Betrachtungen zu gewinnen.

In einem dritten Kapitel kann nun näher auf den Prolog des Romans Gottfrieds

eingegangen und hinsichtlich seiner literaturtheoretisch relevanten Aussagen besehen

werden.

Den Schluss bildet ein die im Zuge der Arbeit gewonnenen Erkenntnisse

resümierendes Kapitel.

1 Nach der Ausgabe: Gottfried von Straßburg: Tristan. Nach dem Text von Friedrich Ranke. Neu

herausgegeben, ins Neuhochdeutsche übersetzt, mit einem Stellenkommentar und einem Nachwort von

Rüdiger Krohn. Bd. I- III, Stuttgart 1990.

2 Haug, Walter: Ethik und Ästhetik in Gottfrieds von Straßburg Literaturtheorie. In: Ders.:

Literaturtheorie im deutschen Mittelalter von den Anfängen bis zum Ende des 13. Jh. Darmstadt 1992. S.

197- 227.


2. Zu den Begriffen Literatur/ literarisch und Kunst

2. 1 Allgemeine Überlegungen: Form oder Rezeptionsmodus als
Definiens

Exemplarischer Ausgangspunkt für die folgenden Überlegungen soll ein Literaturbegriff

sein, der in typischer Weise

Form

oder

Rezeptionsmodus

als Kriterium der

Identifikation von Literatur ansetzt3. Es muss berücksichtigt werden, dass v.

Heydebrand/ Winko keine

Definition

des Literaturbegriffs aufstellen, sondern die Form

des

Explikats/ der Explikation

wählen, für das weniger strenge Bedingungen gelten. Ein

Explikat zeichne sich folgendermaßen aus:

,,Eine Explikation geht vor wie eine regulierende Definition, d. h sie stellt die gegebenen

Verwendungsweisen eines Begriffs fest und führt dann festsetzend eine neue und präzisere

Verwendungsweise ein. Dieser Ausdruck heißt , Explikat′. [ ... ] So wird zum Beispiel nicht

beansprucht, daß es mit dem Explikandum, also mit dem ungeklärten Begriff, in vollem

Umfang übereinstimmen müsse. Forschungspraktische Kriterien werden ausschlaggebend

für die Rechtfertigung eines angemessenen Explikats. Dazu gehören Nützlichkeit für

bestimmte Forschungszwecke, Präzision, Ähnlichkeit mit dem Explikandum und

Einfachheit."4

V. Heydebrand/ Winko versuchen den zu explizierenden Objektbereich durch immer ,,

engere" Extensionen des Literaturbegriffs zu fassen. Ein ganz allgemeiner Begriff von

Literatur umfasse ,, die Gesamtheit des Geschriebenen bzw. Gedruckten"5 überhaupt.

Nun wird innerhalb dieses Bereichs interessanterweise zwischen ,, , literarischer′

Literatur" und

,, , nicht- literarischer′ Literatur" unterschieden6. Abgesehen von dieser sprachlichen

Kuriosität soll jene Differenzierung inhaltlich als unhaltbar, respektive nicht

durchführbar im Sinne v. Heydebrands/ Winkos, erwiesen werden.

Letztendlich konstituiere sich der Objektbereich ,, literarischer Literatur"

folgendermaßen,

,,Explikat 5: , Literarisch′ heißen Texte, die autonom- ästhetisch rezipiert werden oder die

formal- ästhetische Eigenschaften aufweisen."7,

wobei die beiden Kriterien durch ein logisches ,, oder", also ein ,, entweder das eine

oder das andere oder beides" verbunden sind.

3 V. Heydebrand, Renate/ Winko, Simone: Einführung in die Wertung von Literatur: Systematik-

Geschichte- Legitimation. Paderborn, München, Wien, Zürich 1996.

4 V. Heydebrand/ Winko ( 1996 ), S.20f.

5 Ebenda, S. 22.

6 Ebenda.

7 Ebenda, S. 29.


Fragt man nun, ob mit Hilfe eines solchen Explikats überhaupt irgendeine bestimmte

Art von Texten aus ,, allem Geschriebenen und Gedruckten" identifiziert werden kann,

ergeben sich folgende Probleme.

Dem Kriterium der ,, autonom- ästhetischen" Rezeption eines Textes kann man eine

gewisse Beliebigkeit vorwerfen, da sich - aus Sicht des Lesers/ Rezipienten -

grundsätzlich jeder Text ( im Übrigen sogar jeder

Gegenstand ) ,, autonom- ästhetisch" rezipieren lässt. So kann die Bibel eben nicht nur

als religiöser, sondern genauso als literarischer Text, sprich autonom- ästhetisch

rezipiert werden. Auch ein Gebrauchsgegenstand kann, aus seinem ursprünglichen

Kontext gelöst, ästhetisch betrachtet werden: Eine unverständliche Gebrauchsanweisung

für den Videorecorder könnte autonom- ästhetisch rezipiert werden und als Symbol für

die Entfremdung des Menschen durch die Technisierung des Welt o. ä. interpretiert

werden.

Auf diesem Prinzip der ,, semantischen Richtungsänderung" beruht der

,, Wert" vieler Museumsgegenstände.

Jenes Kriterium der Rezeption stellt im Übrigen auch den Knackpunkt für

Fiktionstheorien dar. Dieser Ansatz wird später bei der Diskussion von Haugs These

eine Rolle spielen. Jene Theorien fassen - in aller Kürze - literarische Rede als fiktionale

und somit nicht- behauptende Rede auf und machen damit Freges Bedeutungstheorie für

die Literaturtheorie fruchtbar8.

Jene Definition von Literatur als fiktionale Rede hängt allerdings genauso wie die

autonom- ästhetische Rezeption von Texten ( falls sie sich nicht sowieso gegenseitig

bedingen ) von dem Rezeptionsmodus des Lesers ab, der von keinen objektiven

Merkmalen eines Textes abhängt. Jener Modus kann ihm höchstens nahe gelegt werde,

wenn klar ist, dass der Autor des Textes eines solche Rezeptionsweise intendiert hat.

Zwingend ist dieser ,, Kontrakt"9 zwischen Leser und Autor aber nicht, auch wenn eine

,, andere" Rezeption eines als fiktional/ literarisch intendierten Textes nicht unbedingt

sinnvoll erscheint.

Die Angabe von Bedingungen, unter denen

nur

eine autonom- ästhetische Rezeption

eines Textes als korrekt zu bezeichnen ist, erweist sich allerdings als unmöglich.

8 z. B.: Gabriel, Gottfried: Wahrheit und Fiktion. Eine semantische Theorie der Literatur. Stuttgart 1975.

9 Warning, Rainer: Der inszenierte Diskurs. Bemerkungen zur pragmatischen Relation der Fiktion. In:

Henrich, Dieter/ Iser, Wolfgang ( Hg. ): Funktionen des Fiktiven. München 1983. S. 183- 206.



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