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Untertitel: Insbesondere bei Johann Wolfgang von Goethe
Hausarbeit, 2004, 24 Seiten
Autor: Florian Steinacker
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Details
Institution/Hochschule: Universität zu Köln (Deutsche Philologie)
Tags: Mondmotivik, Lyrik, Hälfte, Jahrhunderts, Einführung, Neuere, Deutsche, Literaturwissenschaft
Jahr: 2004
Seiten: 24
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 12 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-640-19808-5
ISBN (Buch): 978-3-640-19812-2
Dateigröße: 196 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Im unbestimmten Mondlicht ist die Welt nicht mehr in hell und dunkel entzweit; die Konturen lösen sich auf und die Dinge verlieren ihre Gegenständlichkeit, ihr Entge- genstehen. Darum ist das Mondlicht zum Lieblingsmotiv einer Zeit geworden, die im Äußeren den Ausdruck des Inneren suchte. In der deutschsprachigen Lyrik ist das Motiv des Mondes ein auffallend häu- fig gewähltes Thema. Gerade im 18. Jahrhundert, und hier besonders in der zweiten Hälfte, findet sich eine Vielzahl von Gedichten, deren Verfasser sich der Darstellung des Mondes, des Mondscheins oder der Mondnacht annah- men; die Jahre zwischen 1770 und 1779 wurden vom Schriftsteller Jean Paul (1763-1825) gar als ,Seleniten-Jahrzehnt′ bezeichnet. Beginnend von der späten Aufklärung über die literarische Strömung der Empfindsamkeit bis zur Phase des Sturm und Drang ist diese Mondmotivik über die Jahre hinweg ei- ner Reihe von Wandlungen unterworfen. Um diese Veränderungen aufzuzeigen, werde ich zunächst einen kur- zen Überblick über die Entwicklung der deutschen Lyrik zwischen den Jah- ren 1750 und 1785 geben und zu diesem Zweck die diesen Zeitraum bestim- menden literarischen Richtungen Anakreontik, Empfindsamkeit und Sturm und Drang kurz vorstellen. Anhand einiger für die Lyrik dieser Zeit bedeutsamen Dichter möchte ich dann explizit auf die in diesen Jahren von ihnen behandelte Mondmotivik und deren unterschiedliche Darstellungen eingehen. Dass sich die Ambivalenz in den Darstellungen des Mondes nicht nur im Vergleich der Werke verschiedener Dichter miteinander, sondern auch in der Nebeneinanderstellung von Gedichten, die von einer Person verfasst wor- den sind, zeigt, werde ich anhand einer Analyse des Gedichts An den Mond (veröffentlicht 1769), sowie der frühen und späten Fassung des gleichnami- gen Gedichts An den Mond (1776-1778 bzw. 1788) von Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) darlegen. Die Mondgedichte von Goethe bieten sich nicht nur aufgrund dessen Ausnahmestellung in der deutschen Literatur an, sondern eignen sich auch deshalb als exemplarisches Beispiel, da in ihnen entscheidende Gehalts- und Formtendenzen der literarischen Strömungen sei- ner Zeit besonders vielfältig und nachdrücklich zum Ausdruck kommen.
Textauszug (computergeneriert)
Universität zu Köln
Institut für deutsche Sprache und Literatur
Einführungsseminar
Neuere deutsche Literatur II
WS 2003/2004
Die Mondmotivik
in der deutschsprachigen Lyrik
in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts;
insbesondere bei Johann Wolfgang von Goethe
von
Florian Steinacker
2. Fachsemester
1
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Zur deutschsprachigen Lyrik in den Jahren 17501785
4
Anakreontik 4
Empfindsamkeit 5
Sturm und Drang
6
3. Die Mondmotivik in der deutschsprachigen Lyrik des
7
18.
Jahrhunderts
4. Die Mondmotivik bei Johann Wolfgang von Goethe
11
in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts
An den Mond
(1768/1769) 13
4.2
An den Mond
Vergleich der ersten Fassung
15
(1776-1778) mit der späteren (1788)
5.
Fazit
17
6.
Anhang
19
7.
Literaturverzeichnis
22
2
1. Einleitung
Im unbestimmten Mondlicht ist die Welt nicht mehr in hell und dunkel entzweit; die
Konturen lösen sich auf und die Dinge verlieren ihre Gegenständlichkeit, ihr Entge-
genstehen. Darum ist das Mondlicht zum Lieblingsmotiv einer Zeit geworden, die im
Äußeren den Ausdruck des Inneren suchte.1
In der deutschsprachigen Lyrik ist das Motiv des Mondes ein auffallend häu-
fig gewähltes Thema. Gerade im 18. Jahrhundert, und hier besonders in der
zweiten Hälfte, findet sich eine Vielzahl von Gedichten, deren Verfasser sich
der Darstellung des Mondes, des Mondscheins oder der Mondnacht annah-
men; die Jahre zwischen 1770 und 1779 wurden vom Schriftsteller Jean Paul
(1763-1825) gar als ,Seleniten-Jahrzehnt′2 bezeichnet.3 Beginnend von der
späten Aufklärung über die literarische Strömung der Empfindsamkeit bis zur
Phase des Sturm und Drang ist diese Mondmotivik über die Jahre hinweg ei-
ner Reihe von Wandlungen unterworfen.
Um diese Veränderungen aufzuzeigen, werde ich zunächst einen kur-
zen Überblick über die Entwicklung der deutschen Lyrik zwischen den Jah-
ren 1750 und 1785 geben und zu diesem Zweck die diesen Zeitraum bestim-
menden literarischen Richtungen Anakreontik, Empfindsamkeit und Sturm
und Drang kurz vorstellen.
Anhand einiger für die Lyrik dieser Zeit bedeutsamen Dichter möchte
ich dann explizit auf die in diesen Jahren von ihnen behandelte Mondmotivik
und deren unterschiedliche Darstellungen eingehen.
Dass sich die Ambivalenz in den Darstellungen des Mondes nicht nur
im Vergleich der Werke verschiedener Dichter miteinander, sondern auch in
der Nebeneinanderstellung von Gedichten, die von einer Person verfasst wor-
den sind, zeigt, werde ich anhand einer Analyse des Gedichts
An den Mond
(veröffentlicht 1769), sowie der frühen und späten Fassung des gleichnami-
gen Gedichts
An den Mond
(1776-1778 bzw. 1788) von Johann Wolfgang
von Goethe (1749-1832) darlegen. Die Mondgedichte von Goethe bieten sich
nicht nur aufgrund dessen Ausnahmestellung in der deutschen Literatur an,
sondern eignen sich auch deshalb als exemplarisches Beispiel, da in ihnen
1 Spinner: Der Mond in der deutschen Dichtung, S. 10.
2 Selene (griechisch: Mond).
3 Vgl. Spinner: Der Mond in der deutschen Dichtung, S. 18.
3
entscheidende Gehalts- und Formtendenzen der literarischen Strömungen sei-
ner Zeit besonders vielfältig und nachdrücklich zum Ausdruck kommen.4
2. Zur deutschsprachigen Lyrik in den Jahren 17501785
Die deutsche Lyrik der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wird von drei
Richtungen bestimmt: Anakreontik, Empfindsamkeit, sowie Sturm und
Drang. Nicht immer lassen sich diese Begriffe klar voneinander abgrenzen;
Berührungspunkte und Überschneidungen sind durchaus vorhanden. Ein
Kennzeichen jedoch ist allen gemein: das Vordringen und die Durchsetzung
des subjektiven Gefühls auf der Grundlage von subjektiven Erfahrungen.5 Im
Folgenden werde ich einen kurzen Überblick über jede der drei literarischen
Strömungen geben.
Anakreontik
Vorbild für die literarische Richtung der Anakreontik sind die im Hellenis-
mus entstandenen Anakreonteen, reimlose Oden u. a. von Anakreon und Ho-
raz, die ihre Motive aus der Freude an der Welt und am Leben entnahmen. Im
16. Jahrhundert entsteht die anakreontische Dichtung zunächst in Frankreich
und findet bis zum frühen 18. Jahrhundert auch in Deutschland statt, kommt
hier jedoch über ein Vorläuferstadium und reine äußere Nachahmung nicht
hinaus. Erst gegen 1740 ermöglicht ein neues Lebens- und Weltgefühl in
Deutschland eine Dichtung, in der nicht nur formal und thematisch nachge-
ahmt, sondern das von Horaz geprägte ,Carpe diem!′6 literarisch gestaltet
wird.7
Unter Rückgriff auf antike Idyllik8 wird eine begrenzte Anzahl von
Themen (Liebe, Wein, Natur, Freundschaft, Geselligkeit, das Dichten) vari-
iert. Die amöne Landschaft9 ,,mit ihren Wiesen, Hainen, Bächen, Quellen,
4 Vgl. Sowinski, Schuster: Gedichte der Empfindsamkeit und des Sturm und Drang, S. 19.
5 Vgl. ebd., S. 9.
6 Lat. ,Nutze den Tag!′.
7 Vgl. Metzler-Literatur-Lexikon, S. 13.
8 Vgl. Sowinski, Schuster: Gedichte der Empfindsamkeit und des Sturm und Drang, S. 11.
9 Vgl. Metzler-Literatur-Lexikon, S. 13.
4
Grotten, Hütten und Büschen im Sonnenschein oder in hellen Mond-
nächten"10 ist Schauplatz der anmutig stilisierten Liebes- und Naturlyrik.
Friedrich von Hagedorn, der das für die Anakreontik als programma-
tisch geltende Gedicht
Anakreon
verfasste, folgen Dichter, die sich in
Freundeskreisen zusammenfinden und sich gegenseitig ihre Gedichte vortra-
gen. Solche Kreise entstehen u. a. in Darmstadt (unter zeitweiliger Mitwir-
kung von Goethe) sowie in Bremen und Leipzig (mit Friedrich Gottlieb
Klopstock als Gast). Als bekanntester dieser Freundschaftskreise gilt jedoch
der ,Göttinger Hain′, der auch in der Phase der Empfindsamkeit eine bedeu-
tende Rolle spielt.11
Empfindsamkeit
Beeinflusst vor allem von englischen Autoren12 wie Edward Young (und des-
sen schwermütigem Werk
Night-Thoughts
) entwickelt sich ab ca. 1750 eine
literarische Strömung, in der das Gefühlsempfinden in den Mittelpunkt dich-
terischer Aussagen rückt.13 Kennzeichen dieser sentimentalen Lyrik voll idyl-
lisch-heiterer sowie elegisch-düsterer Stimmungen und Reflexionen sind ein
neu entdecktes Naturgefühl und ein neuer, differenzierter und nuancenrei-
cher Wortschatz. Durch neue Metaphern und Bildkomplexe wird die Spra-
che um eine irrationale Komponente bereichert.14
Entgegen früherer Meinungen, die die Empfindsamkeit in Opposition
zur rationalistischen Vernunft der Aufklärung sahen, gilt die Richtung heute
als eine nach innen gewendete Aufklärung,
die versuche, [...] sich zur Erlangung moralischer Zufriedenheit (als höchstem
Zweck) der Leitung der ,guten Affekte′ (Sympathie, Freundschaft, [Menschen]-Liebe,
Mitleid, ,vermischte′ d. h. zärtl.-moral. Empfindungen) zu überlassen.15
Literarisch relevant und zum Zentrum sentimentaler Lyrik wird vor allem der
bereits erwähnte ,Göttinger Hain′, ein Dichter- und Freundesbund, der im
10 Sowinski, Schuster: Gedichte der Empfindsamkeit und des Sturm und Drang, S. 11.
11 Vgl. ebd., S. 11-12.
12 Das Wort ,sentimental′ in Laurence Sternes Werk
A Sentimental Journey
, in dem die
Tendenzen dieser literarischen Strömung zusammengefasst wurden, wurde mit seiner
deutschen Übersetzung ,empfindsam′ zum Namensgeber der ,Empfindsamkeit′. Vgl.
Metzler-Literatur-Lexikon, S. 122.
13 Vgl. Sowinski, Schuster: Gedichte der Empfindsamkeit und des Sturm und Drang, S. 13.
14 Vgl. Metzler-Literatur-Lexikon, S. 122.
15 Ebd., S.122.
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