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Steigende Spendenbereitschaft nach Katastrophen

Subtitle: Versuch einer Erklärung anhand der Handlungstypen nach Max Weber

Scholary Paper (Seminar), 2007, 20 Pages
Author: Judith Prange
Subject: Sociology - Miscellaneous

Details

Event: Vorlesung & Vertiefung
Institution/College: University of Duisburg-Essen
Tags: Steigende, Spendenbereitschaft, Katastrophen, Vorlesung, Vertiefung
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2007
Pages: 20
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 19  Entries
Language: German
Archive No.: V117526
ISBN (E-book): 978-3-640-19881-8
ISBN (Book): 978-3-640-19899-3
File size: 125 KB

Abstract

Hitzewelle in Mitteleuropa im Juli/August 2003, Hurrikan Katrina in der Küstenregion im Golf von Mexiko im August 2004, Seebeben im Indischen Ozean im Dezember 2004, Erdbeben in Indien und Pakistan im Oktober 2005 – dies sind nur einige Naturkatastrophen der letzten Jahre, während denen Tausende von Menschen in Not gerieten und materielle und finanzielle Hilfe benötigten. Diese Hilfe kommt bei den Menschen oft durch diverse Hilfsorganisationen wie zum Beispiel dem DRK, der Kindernothilfe oder der Diakonie an. Damit diese Organisationen, nicht nur nach Naturkatastrophen sondern auch in Krisenregionen etc., helfen können, sind sie auf Spenden angewiesen. Laut IBRAHIM ist das Spendenwesen in Deutschland nur sehr begrenzt erfasst.1 Zur Bearbeitung des Themas gehört aber auch der Nachweis der Aussage, dass die Spendenbereitschaft gerade nach Katastrophen ansteigt. Dazu genügt oft der Vergleich von Jahresberichten der Hilfsorganisationen aus Jahren mit großen (medienwirksamen) Notlagen und den vorhergehenden bzw. folgenden Jahren. Angesichts der Tatsache, dass es nahezu jährlich zu verheerenden humanitären Katastrophen kommt, spielt nicht nur die Motivation der Spender in den Statistiken dazu bei, dass das Spendenvolumen steigt. Das Spendenvolumen ist auch von der medialen Berichterstattung abhängig. Ein großer Teil aller Katastrophen zählt zu den vergessenen (vgl. RADTKE 2007a: 29). Die Aspekte des Spendenverhaltens lege ich in Kapitel 4 dar. Zuvor gebe ich in Kapitel 3 einen kurzen Überblick über die Soziologie WEBERs. Ausgehend von seiner Definition von Soziologie und seiner Idee der verstehenden Soziologie, über seine Auslegung zum (sozialen) Handeln, beschreibe ich die von ihm entwickelten vier Idealtypen des Handelns, von denen im 5. Kapitel der Schluss von einem Idealtypus zum Spendenaufkommen gezogen wird. Abschließend biete ich eine kurze Zusammenfassung.


Excerpt (computer-generated)

1. Inhaltsverzeichnis

1. INHALTSVERZEICHNIS 1

2. EINLEITUNG 2

3.1 WEBERS VERSTÄNDNIS VON SOZIOLOGIE 3

3.2 WEBERS IDEALTYPEN SOZIALEN HANDELNS 5

4. DAS SPENDENWESEN 8

4.1 HISTORIE DES SPENDENS 8

4.2 SPENDENSITUATION IN DEUTSCHLAND 9

4.3.1 SPENDENEINNAHMEN NACH KATASTROPHEN 11

4.3.2 SPENDENEINNAHMEN AM BEISPIEL DES TSUNAMI 2004 12

5. DAS AFFEKTUELLE HANDELN ALS BESCHREIBUNG FÜR DIE
SPENDENBEREITSCHAFT NACH KATASTROPHEN 15

6. ZUSAMMENFASSUNG 16

7. LITERATUR 18


1


2. Einleitung

2. Einleitung

Man kann beobachten, dass nach einer Katastrophe die Bereitschaft zu spenden

enorm steigt. Mit welchem Handlungstypus von

MAX WEBER

kann man diesen

Anstieg beschreiben?

Hitzewelle in Mitteleuropa im Juli/August 2003, Hurrikan Katrina in der

Küstenregion im Golf von Mexiko im August 2004, Seebeben im Indischen Ozean

im Dezember 2004, Erdbeben in Indien und Pakistan im Oktober 2005 ­ dies sind

nur einige Naturkatastrophen der letzten Jahre, während denen Tausende von

Menschen in Not gerieten und materielle und finanzielle Hilfe benötigten. Diese

Hilfe kommt bei den Menschen oft durch diverse Hilfsorganisationen wie zum

Beispiel dem DRK, der Kindernothilfe oder der Diakonie an. Damit diese

Organisationen, nicht nur nach Naturkatastrophen sondern auch in Krisenregionen

etc., helfen können, sind sie auf Spenden angewiesen.

Laut

IBRAHIM

ist das Spendenwesen in Deutschland nur sehr begrenzt erfasst.1 Zur

Bearbeitung des Themas gehört aber auch der Nachweis der Aussage, dass die

Spendenbereitschaft gerade nach Katastrophen ansteigt. Dazu genügt oft der

Vergleich von Jahresberichten der Hilfsorganisationen aus Jahren mit großen

(medienwirksamen) Notlagen und den vorhergehenden bzw. folgenden Jahren.

Angesichts der Tatsache, dass es nahezu jährlich zu verheerenden humanitären

Katastrophen kommt, spielt nicht nur die Motivation der Spender in den Statistiken

dazu bei, dass das Spendenvolumen steigt. Das Spendenvolumen ist auch von der

medialen Berichterstattung abhängig. Ein großer Teil aller Katastrophen zählt zu den

vergessenen (vgl.

RADTKE

2007a: 29).

Die Aspekte des Spendenverhaltens lege ich in Kapitel 4 dar. Zuvor gebe ich in

Kapitel 3 einen kurzen Überblick über die Soziologie

WEBER

s. Ausgehend von

seiner Definition von Soziologie und seiner Idee der verstehenden Soziologie, über

seine Auslegung zum (sozialen) Handeln, beschreibe ich die von ihm entwickelten

vier Idealtypen des Handelns, von denen im 5. Kapitel der Schluss von einem

Idealtypus zum Spendenaufkommen gezogen wird. Abschließend biete ich eine

kurze Zusammenfassung.

1 Persönliche Mitteilung von

TANJA IBRAHIM

, Mitarbeiterin des Deutschen Zentralinstituts für

soziale Fragen (DZI).

2


3.1 Webers Verständnis von Soziologie

3.1 Webers Verständnis von Soziologie

MAX WEBER

(1864-1920) lebte in einer Zeit, zu der ,,Soziologie als

nationalökonomische Hilfswissenschaft angesehen wurde. Er gehört (aber)

zweifellos zu jenen Nationalökonomen, die sich in besonderem Maße für diese

Hilfswissenschaft interessiert haben (...)" (

BROCK

et al. 2002: 163). Heute gilt

WEBER

als einer der Gründungsväter der Soziologie aufgrund verschiedener

bedeutender Beiträge wie etwa seiner Protestantismus-These, die Deutung des

Kapitalismus als okzidentaler Rationalismus und seiner Wirtschaftsethik der

Weltreligionen. Für die Bearbeitung unserer Fragestellung von besonderer

Bedeutung ist aber sein Konzept der ,,verstehenden Soziologie"2 (vgl. a.a.O.: 161),

welches im Folgenden näher erläutert werden soll. Dazu werde ich zunächst

WEBER

s Definition von Soziologie und anschließend seine Aussagen zum Handeln

bzw. sozialen Handeln betrachten und komme abschließend zu seiner Entwicklung

von Idealtypen, welche uns später einen Hinweis darauf geben sollen, warum nach

Katastrophen die Spendenbereitschaft der Menschen zu steigen scheint.

Obwohl

WEBER

sein Konzept für eine als Erfahrungswissenschaft zu betreibende

Soziologie etwa zeitgleich zu

DURKHEIM

entwickelte (vgl. a.a.O.: 165), wurde

dieses erst 1922 nach seinem Tod von seiner Frau

MARIANNE WEBER

und seinem

Schüler

JOHANNES WINCKELMANN

unter dem Titel ,,Wirtschaft und

Gesellschaft" herausgegeben. Das erste Kapitel ,,Soziologische Grundbegriffe"

umfasst siebzehn Paragraphen, in denen

WEBER

seine Auffassung von Soziologie

darlegt (vgl.

KORTE

und

SCHÄFERS

2000: 109). Während

DURKHEIM

, so

BROCK

, den Schwerpunkt seines Soziologiekonzeptes auf die Verbindlichkeit und

Objektivität des gesellschaftlichen Zusammenlebens legt, setzt

WEBER

am sozialen

Handeln von Individuen an. Das Handeln des Einzelnen sei aber nur dann von

Belang, wenn es auf die Umwelt ausgerichtet und auf das Verhalten anderer

Menschen bezogen sei (vgl.

BROCK

et al. 2002: 165).

Diese Aspekte formuliert

WEBER

in § 1 seiner Kategorienlehre:

,,Soziologie (...) soll heißen: eine Wissenschaft, welche soziales Handeln
deutend verstehen und dadurch in seinem Ablauf und seinen Wirkungen
ursächlich erklären will. ,Handeln

soll dabei ein menschliches Verhalten

2 Laut

WEBER

setzt die Soziologie am sozialen Handeln an, dessen Beweggründe es zu verstehen gilt

(vgl.

BROCK

2002: 161).

3


3.1 Webers Verständnis von Soziologie

(...) heißen, wenn und insofern als der oder die Handelnden mit ihm einen
subjektiven Sinn verbinden. ,Soziales

Handeln aber soll ein solches
Handeln heißen, welches seinem von dem oder den Handelnden gemeinten
Sinn nach auf das Verhalten anderer bezogen wird und daran in seinem
Ablauf orientiert ist" (

WEBER

1976: 653; Hervorhebungen von

WEBER

).

Demnach besteht der Gegenstandsbereich der Soziologie im sozialen Handeln,

welches definiert wird als Handlung, die explizit auf das Verhalten anderer

Menschen bezogen ist. Das Verstehen des subjektiven Sinns dieser Handlung ist das

Spezifische, das Soziologie zu leisten hat (vgl.

BROCK

et al. 2002: 165;

BAUER

1997: 21).

BAUER

führt weiter aus, dass der Sinn in subjektiven Zwecken, Werten

etc. bestehe, die das Individuum mit seinen Handlungen verbinde und die dieses

Handeln letztlich erkläre. Damit setzt

WEBER

aber nicht voraus, dass jedes Handeln

,,sinnhaft" ist, ,,soweit Sinn aber vorhanden ist, ist damit einhergehendes Handeln

von soziologischem Interesse" (

BAUER

1997: 21; vgl.

KORTE

und

SCHÄFERS

2000: 109).

Laut

BROCK

sind zwei Formulierungen in § 1 besonders wichtig: ,,deutend

verstehen" und ,,ursächlich erklären". Handlungen können nur verstanden werden,

wenn wir uns der Motive des Handelnden bewusst sind und diese auch

nachvollziehen können. Die Aufgabe des Soziologen besteht nun darin, auf dieser

Grundlage Handlungsabläufe und ihre Folgen ursächlich zu erklären (vgl.

BROCK

et

al. 2002: 166). Da aber lediglich Individuen Träger von sinnhaftorientierten

Handlungen sein können, kann man die verschiedensten Gruppen nur dann

verstehen, wenn man sie in die Handlungsmuster der einzelnen Menschen auflöst

(vgl.

BAUER

1997: 22).

4


3.2 Webers Idealtypen sozialen Handelns

3.2 Webers Idealtypen sozialen Handelns

Als Werkzeug für soziologische Analysen bildet

WEBER

,,Idealtypen", nicht nur für

sinnhaftes Handeln, sondern auch für verschiedene Formen der Vergesellschaftung,

der Legitimation politischer Herrschaft und unterschiedlicher gesellschaftlicher

Klassen und Schichten. Diese Begriffsbildungen entsprechen der Vorstellung, ,,daß

sich

alle

soziologisch

wesentlichen

Bereiche

durch

idealtypische

Begriffskonstruktionen abdecken und mit Hilfe dieser Begriffe analysieren und

erklären lassen" (

EBERLE

und

MAINDOK

1994: 94). Laut

KORTE

und

SCHÄFERS

vergleicht

WEBER

mit Idealtypen gedachte mit empirisch vorfindbaren

Sinnzusammenhängen, um von einzelnen sozialen Handlungen auf allgemeine

Regeln schließen zu können. Ohne die Bildung von Idealtypen wäre nur eine

Ansammlung von einzelnen verstandenen Handlungen möglich, nicht aber ein

universales Verstehen.3 Der eigentliche Sinn der idealtypischen Begriffsbildung

liegt darin, bei dem Vergleich von ideal gedachten Situationen und realen sozialen

Handlungen, ursächliche Entwicklungen zu bestimmen (vgl.

KORTE

und

SCHÄFERS

, 2000: 109f.).4

Idealtypen werden, so fasst

KORTE WEBER

zusammen, durch gedankliche

Steigerung bestimmter Elemente der Wirklichkeit konstruiert (vgl.

KORTE

2004:

62). Die Konstruktion ist dann ,,als gelungen anzusehen, wenn ein Höchstmaß an

Sinnadäquanz und ein Mindestmaß an Kausaladäquanz erreicht werden kann"

(

KORTE

und

SCHÄFERS

, 2000: 110).

KORTE

definiert Sinnadäquanz als ,,ein

optimales, möglichst hundertprozentiges Verstehen des Sinnzusammenhangs

(Verhalten), den man untersucht" (

KORTE

2004: 63). Kausaladäquanz bedeutet ,,ein

Mindestmaß an empirischer Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Handlungen"

(ebd.). Bei den Idealtypen handelt es sich um Begriffe mit hoher Kausal- und

Sinnadäquanz (vgl.

KORTE

2004: 64), die Klarheit über das soziale Geschehen

3 ,,Die Soziologie bildet (...)

Typen

-Begriffe und sucht

generelle

Regeln des Geschehens" (

WEBER

1976: 667; Hervorhebungen von

WEBER

).

4 Ideal ist nicht mit der Steigerung von gut zu übersetzen (vgl.

KORTE

2004: 61). Außerdem:

Idealtypus Realtypus (vgl.

MOMMSEN

1972: 248). ,,Die angesprochenen ,Typen-Begriffe sind

(...) gedankliche Abstraktionen der Realität, deren Inhalt der generalisierte Sinn von Handlungen ist.

(...)

WEBER

(...) weist ausdrücklich darauf hin, daß es sich dabei weder um die denkerische

Abbildung eines tatsächlich empirisch gemeinten Sinns, noch um einen Durchschnitt mehrerer

sinnhafter Handlungen handelt und es daher keine Übereinstimmung idealtypischer Begriffe mit der

Realität gibt" (

BAUER

1997: 22f.).

5



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