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Subtitle: Warum tritt Gottfried nicht zum Dichterwettstreit an und überlässt Hartmann kampflos "sîn schapel" und "sîn lôrzwî"?
Termpaper, 2008, 9 Pages
Author: Raúl Gaston Krüger
Subject: German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Details
Institution/College: University of Tubingen (Deutsches Seminar - Abteilung für Mediävistik)
Tags: Literaturexkurs, Tristan, Kunst, Lüge, Liebe
Year: 2008
Pages: 9
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 7 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-20025-2
File size: 47 KB
Kommentar des Dozenten: Sehr gute Arbeit, klug argumentiertKommentar des Dozenten: Sehr gute Arbeit, klug argumentiert
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Abstract
Die ironische Art Gottfrieds von Straßburg lässt vielfach Zweifel ob der Eindeutigkeit und Aufrichtigkeit seiner Aussagen aufkommen. Vielschichtige Deutungsmöglichkeiten seiner Ausführungen und Andeutungen haben in der Tristanforschung zu unzähligen Kontroversen geführt, auch auf lange Sicht ist keine Übereinkunft auf einen gemeinsamen Interpretationskanon abzusehen. Eine der am meisten diskutierten und behandelten Passagen im Tristan ist der Literaturexkurs, auch als Dichterwettstreit, Literatur- oder Dichterschau bezeichnet. Lange Zeit wurde er in der Forschung als erste deutschsprachige Literaturkritik hochstilisiert und von seinem Kontext losgelöst betrachtet.1 Um der Kernaussage Gottfrieds näher zu kommen, muss er jedoch im Kontext des Tristan und dem Formideal seines Autors erschlossen werden. Im Folgenden wird untersucht, inwiefern Gottfried das Lob an seinem Dichterkollegen Hartmann von Aue vollends aufrichtig meinen kann. Widersprechen nicht die unterschiedlichen Auffassungen von dichterischer Gestaltung, sein Bedürfnis nach Selbstdarstellung und vor allem seine sonst durchgehend ironische Schreibweise der Annahme, dass Gottfried aufrichtig „muoz dem Ouwaere lân / sîn schapel und sîn lôrzwî“2? Ist es denkbar, dass er in Wirklichkeit diese für sich selbst in Anspruch nehmen möchte? Vielleicht sieht er sich vielmehr als rechtmäßiger Nachfolger Hartmanns? Oder spricht aus seinen Worten tatsächlich ausschließlich ehrfurchtsvolle Bewunderung? Mit der Klärung dieser Fragen befasst sich diese Untersuchung, deren Hauptaugenmerk auf dem Hartmannlob im Tristan, Vers 4621 bis 4637, liegt. [...]
Excerpt (computer-generated)
Eberhard Karls Universität Tübingen
Deutsches Seminar
PS II: Die Kunst die Lüge zu lieben
Sommersemester 2008
Der Literaturexkurs im Tristan:
Warum tritt Gottfried nicht zum Dichterwettstreit an und
überlässt Hartmann kampflos sîn schapel und sîn lôrzwî?
Verfasser:
Raúl Gaston Krüger
Fächerkombination: LA
Englisch/Deutsch
Semesterzahl:
2
Abgabedatum:
15.10.2008
S e i t e |
2
Inhaltsverzeichnis
Der Literaturexkurs im Tristan 3
Warum tritt Gottfried nicht zum Dichterwettstreit an? 5
Warum überlässt Gottfried dem Ouwaere kampflos die Dichterkrone? 6
Literaturverzeichnis 8
Antiplagiatserklärung
Fehler! Textmarke nicht definiert.
S e i t e |
3
Der Literaturexkurs im Tristan
Die ironische Art Gottfrieds von Straßburg lässt vielfach Zweifel ob der Eindeutigkeit
und Aufrichtigkeit seiner Aussagen aufkommen. Vielschichtige Deutungsmöglichkeiten
seiner Ausführungen und Andeutungen haben in der Tristanforschung zu unzähligen
Kontroversen geführt, auch auf lange Sicht ist keine Übereinkunft auf einen
gemeinsamen Interpretationskanon abzusehen.
Eine der am meisten diskutierten und behandelten Passagen im
Tristan
ist der
Literaturexkurs, auch als Dichterwettstreit, Literatur- oder Dichterschau bezeichnet.
Lange Zeit wurde er in der Forschung als erste deutschsprachige Literaturkritik
hochstilisiert und von seinem Kontext losgelöst betrachtet.1 Um der Kernaussage
Gottfrieds näher zu kommen, muss er jedoch im Kontext des
Tristan
und dem
Formideal seines Autors erschlossen werden. Im Folgenden wird untersucht, inwiefern
Gottfried das Lob an seinem Dichterkollegen Hartmann von Aue vollends aufrichtig
meinen kann. Widersprechen nicht die unterschiedlichen Auffassungen von
dichterischer Gestaltung, sein Bedürfnis nach Selbstdarstellung und vor allem seine
sonst durchgehend ironische Schreibweise der Annahme, dass Gottfried aufrichtig
,,muoz dem Ouwaere lân / sîn schapel und sîn lôrzwî"
2? Ist es denkbar, dass er in
Wirklichkeit diese für sich selbst in Anspruch nehmen möchte? Vielleicht sieht er sich
vielmehr als rechtmäßiger Nachfolger Hartmanns? Oder spricht aus seinen Worten
tatsächlich ausschließlich ehrfurchtsvolle Bewunderung? Mit der Klärung dieser Fragen
befasst sich diese Untersuchung, deren Hauptaugenmerk auf dem Hartmannlob im
Tristan
, Vers 4621 bis 4637, liegt.
Der Literaturexkurs ist eingebettet in die Schwertleite, den Akt, der Tristan symbolisch
zum Mann werden lassen soll. Dabei nimmt der Exkurs eine herausragende Stellung
ein, die sich zum einen im dramaturgischen Verlauf, zum anderen im formellen Aufbau
begründet: In Kleins Modell der neungliedrigen Motivsymmetrie3 bildet die
Dichterschau die Symmetrieachse, vierfach gerahmt von Motiven. Diese Motive ein
Handlungsteil, der Tugendpreis, die Kleiderallegorie und der Demutstopos rücken,
1 Peter Stein: Tristans Schwertleite. Zur Einschätzung ritterlich-höfischer Dichtung durch Gottfried von
Straßburg. In: DVjs 51 (1977). S. 300-325. Hier: S. 301.
2 4636f. Alle Nachweise im Primärtext werden im Folgenden durch die Verszahl in Klammern
angegeben und beziehen sich auf folgende Ausgabe:
Gottfried von Straßburg: Tristan Band 1. 11. Auflage, Stuttgart: Reclam 2006.
3 Josef Klein: Die Schwertleite in Gotfrids Tristan und Isold als ,,epische Einheit". In: Euph. 64 (1970).
S. 1-22. Hier: S. 18.
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