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Die Darstellung des englischen Klassensystems in George Orwells frühen Werken close

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Die Darstellung des englischen Klassensystems in George Orwells frühen Werken

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2007, 24 Pages
Author: Sebastian Selle
Subject: English Language and Literature Studies - Literature

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2007
Pages: 24
Grade: 2,3
Bibliography: ~ 22  Entries
Language: German
Archive No.: V117670
ISBN (E-book): 978-3-640-20890-6
ISBN (Book): 978-3-640-20877-7
File size: 234 KB

Abstract

In dieser Arbeit soll anhand seines ersten veröffentlichen Buches "Down and Out in Paris and London" und den beiden Romanen "A Clergyman`s Daughter" und "Keep the Aspidistra Flying" gezeigt werden wie Orwell das englische Klassensystem darstellt, welche persönliche Entwicklung er in seinen Betrachtungen durchlebte und welche Schlussfolgerungen seine Erfahrungen nach sich zogen. Da ein Hauptaugenmerk bei George Orwell immer auf der Frage lag, ob ein Überwinden der Klassengrenzen möglich sei, soll auch in dieser Arbeit der Schwerpunkt auf diesem Problemkomplex liegen. Hier soll die Entwicklung Orwells, vom jungen, schuldbewussten Schriftsteller, der ein Einreißen der Klassengrenzen nicht nur für möglich sondern auch für notwendig hielt, hin zum anerkannten Autor, der diese Thesen klar verneint und die Überwindung des Hasses, der Vorurteile und der Isolation, nicht aber die Gleichmachung der Gesellschaft als oberstes Ziel ausweist, bewiesen werden


Excerpt (computer-generated)

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Institut für Anglistik und Amerikanistik

Sommersemester 2007

HS George Orwell and His Times

Die Darstellung des englischen Klassensystems

in George Orwells frühen Werken










Sebastian Selle

LAG Englisch/Geschichte, 6. Fachsemester

Abgabedatum: 27.08.07


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3

2.

Down and Out in Paris and London

5

2.1 Paris und die Sklaven der modernen Welt 5

2.2 London und das Leben als Tramp 7

3.

A Clergyman`s Daughter

9

3.1 Das Leben einer Pfarrerstochter 9

3.2 Dorothys Abstieg 10

3.3 Die Rückkehr zum Status quo 12

4.

Keep the Aspidistra Flying

14

4.1 Die Allmacht des Geldes 15

4.2 Gordons Beziehung zu Rosemary und Ravelston 17

4.3 Gordons Rückkehr ins ,,normale" Leben 18

4.3.1 Der Sieg der Aspidistra 19

4.3.2 Happy End oder Versagen? 20

5. Schlussbetrachtung 21

6. Literatur- und Quellenverzeichnis 23

2


1. Einleitung

,,Niemand hat das innerste Wesen unserer Epoche so tief und so richtig erfasst, wie Orwell. Sein Werk

ist der gelungenste Versuch eines Selbstverständnisses unserer Zeit, und weist damit auch auf

mögliche Auswege aus unserer geistigen und moralischen Not."

Dieses Urteil fällte Dr. Ludwig Borinski in seinen Ausführungen über die Meister des

modernen englischen Romans (280) und er unterstützt damit die Aussage von Jonathan Rose,

eines Studienkollegen Orwells, dass dieser wohl die beste Zusammenfassung der modernen

englischen Gesellschaft schuf, die je ein einzelner zustande bekommen hat(28) . Was ihn

hierbei besonders auszeichnete war die Fähigkeit nicht nur über die eigene Klasse zu

berichten, wie es die meisten seiner Kollegen taten, sondern eine klassenübergreifende

Darstellung der englischen Gesellschaft zu liefern( Rose 28) .

Der Grund für dieses außergewöhnliche Talent ist bei George Orwell ganz klar in seiner

Biographie zu suchen. Seine Jugend bietet den ersten Anhaltspunkt. Er wächst in einer eher

ärmlichen Familie der Mittelschicht auf, die sich nur durch ihre edle Herkunft, nicht aber

durch ihr Einkommen, von der Arbeiterklasse unterscheidet (Atkins 164) . Er erfährt am

eigenen Leib, dass trotz oder gerade durch die unmittelbare Nachbarschaft zu den unteren

Klassen, der Graben zwischen Arbeiter- und Mittelklasse, durch Vorurteile und

gegensätzliche Lebensweisen, so groß wird, dass es unmöglich scheint ihn wieder zu

überwinden (Atkins 154) . Die Schulzeit verbrachte er an den Privatschulen von St. Cyprian

und Eton. Die Diskriminierung aufgrund seiner relativen Armut im Vergleich zu seinen

Mitschülern prägten nicht nur seine negative Meinung über das englische Bildungssystem,

sondern verstärkten ebenso seine Sensibilität gegenüber sozialer Ungerechtigkeit (Lang 17) .

Entscheidender für seine künftige Karriere als politischer und sozialkritischer Autor, sollte

jedoch seine Erfahrung als britischer Polizeioffizier, in der Kolonie Burma, angesehen

werden. In seiner sechsjährigen Dienstzeit , als aktiver Teil des imperialistischen Systems,

wuchs in ihm die Erkenntnis, dass dieses System der Unterdrückung, einer, per damaliger

Definition, minderwertigen Rasse, falsch sei (Williams 101) . Außerdem zog er Parallelen

zwischen der Unterdrückung der Burmesen durch die Engländer und der Unterdrückung der

englischen Arbeiterklasse durch die höheren Schichten der englischen Gesellschaft

(Woodcock 81f.). Er selbst beschrieb es in

The Road to Wigan Pier

mit den Worten: "

I now

realized that there was no nead to go as far as Burma to find tyranny and exploitation

"

(Orwell, "

The Road to Wigan Pier

" Kapitel 9) . Die Grundlage für die Tyrannei und die

3


Ausbeutung der unteren Klassen stellte für ihn das englische Klassensystem selbst dar.

Während es in Burma seine Rasse war, die ihn selbst zum Unterdrücker und damit zum

Schuldigen werden ließ, war es in England seine edle Herkunft (Crick 243) . Um sich eines

Teils dieser Schuld zu entledigen, musste er nicht nur aus Burma fliehen, wie er selbst schrieb

"

not merely from imperialism but from every form of man`s dominion over man

" (Orwell,

"

The Road to Wigan Pier

" Kapitel 9), sondern auch direkte Erfahrungen sammeln mit wahrer

Armut, Unterdrückung und Ausbeutung. Also "

to submerge himself, to get right down among

the opressed, to be one of them on their side against the tyrants

" (Orwell, "

The Road to

Wigan Pier

" Kapitel 9) .

In den Jahren von 1927, dem Jahr, in dem er seinen Dienst in Burma quittierte, bis zu seiner

Expedition nach Spanien und der Teilnahme am dortigen Bürgerkrieg im Jahre 1937 studierte

er so die unteren Schichten der Gesellschaft und verarbeitete seine Erfahrungen und

Beobachtungen in mehreren fiktionalen und nichtfiktionalen Werken (Lang 12f.) .

In dieser Arbeit soll anhand seines ersten veröffentlichen Buches

Down and Out in Paris and

London

und den beiden Romanen

A Clergyman`s Daughter

und

Keep the Aspidistra Flying

gezeigt werden wie Orwell das englische Klassensystem darstellt, welche persönliche

Entwicklung er in seinen Betrachtungen durchlebte und welche Schlussfolgerungen seine

Erfahrungen nach sich zogen. Da ein Hauptaugenmerk bei George Orwell immer auf der

Frage lag, ob ein Überwinden der Klassengrenzen möglich sei, soll auch in dieser Arbeit der

Schwerpunkt auf diesem Problemkomplex liegen. Hier soll die Entwicklung Orwells, vom

jungen, schuldbewussten Schriftsteller, der ein Einreißen der Klassengrenzen nicht nur für

möglich sondern auch für notwendig hielt, hin zum anerkannten Autor, der diese Thesen klar

verneint und die Überwindung des Hasses, der Vorurteile und der Isolation, nicht aber die

Gleichmachung der Gesellschaft als oberstes Ziel ausweist, bewiesen werden (Woodcock

145) .

4


2.

Down and Out in Paris and London

Mit der Veröffentlichung von

Down and Out in Paris and London

am 9. Januar 1933, durch

den Verleger und Mitbegründer des Left Book Clubs Victor Gollancz, erschien nicht nur

Orwells erstes Buch überhaupt, sondern trat Eric Blair auch zum ersten mal unter seinem

Pseudonym, George Orwell, in Erscheinung (Atkins xiii). Damit endete für ihn eine, durch

zahlreiche Misserfolge und Rückschläge geprägte und fast sechs Jahre dauernde, Periode sich

als Schriftsteller durchzusetzen (ebd.).

Das Werk stellt die literarische Umsetzung seiner gesammelten Erfahrungen als Landstreicher

in London und Tellerwäscher und junger, erfolgsuchender Autor in Paris dar (ebd.). Das

grundsätzliche Thema ist Armut (Lang 34). Er schreibt dazu: "

Poverty is what I am writing

about and I had my first contact with poverty in this slum

" (Orwell, "

Down and Out in Paris

and London

" Kapitel 1). Die Bezeichnung erster Kontakt resultiert aus der These, dass er in

Burma zwar genug Armut gesehen habe, jedoch von der falschen Seite aus, und das er in

seiner Jugend weitestgehend von der Armut abgeschottet wurden sei (Woodcock 113).

Außerdem wird der Abstieg in die unteren Klassen dargestellt, wie es ja schon der Titel

verrät. Hierbei steht das `Down` für den Abstieg aus der Mittelschicht in die Klasse der

Arbeiter und die Klasse der Ausgestoßenen. Das `Out` repräsentiert das Leben außerhalb

seiner normalen gesellschaftlichen Stellung und außerhalb der damit verbundenen

Denkweisen, Ansichten und Verhaltensweisen (ebd.109). Er beschreibt die zahlreichen Arten

und Folgen der Armut, insbesondere der untersten Schichten der Gesellschaft, weist auf die

physischen und psychischen Probleme hin, die das Leben in Armut für ein Mitglied der

Mittelschicht bedeutet und versucht mit Vorurteilen gegenüber den Armen aufzuräumen. Sein

oberstes Ziel dabei bleibt die Aufklärung. Die vorrangig aus der Mittelschicht stammende

Leserschaft wird am Ende nicht als Schuldiger hingestellt, sondern soll durch seine

Beobachtungen zum Nachdenken gebracht werden (Gardner 23).

2.1

Paris und die Sklaven der modernen Welt

Die ersten dreizehn Kapitel des Buches beschäftigen sich mit dem Leben in Paris als

Schriftsteller, der von seinen Ersparnissen lebt und versucht sich durch Veröffentlichungen

seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Als dies nicht gelingt und seine Ersparnisse

aufgebraucht sind, beginnt der Protagonist der Geschichte als Plongeur, einer Art von

Tellerwäscher, in verschiedenen Hotels zu arbeiten. Das Außergewöhnliche daran ist nicht die

Mittellosigkeit des jungen Schriftstellers, sondern seine Weigerung Hilfe aus seiner

5



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