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Scholary Paper (Seminar), 2008, 23 Pages
Author: Katharina Fee Volling
Subject: Art - Architecture / History of Construction
Details
Institution/College: Christian-Albrechts-University of Kiel (Kunsthistorisches Institut)
Tags: Florentiner, Baptisterium, Giovanni, Bild, Ritus, Taufe, Denkmälern, Kunst, Architektur
Year: 2008
Pages: 23
Grade: 1.0
Bibliography: ~ 5 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-20064-1
ISBN (Book): 978-3-640-20619-3
File size: 2894 KB
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Abstract
In der vorliegenden Arbeit wird das Florentiner Baptisterium San Giovanni unter besonderer Berücksichtigung der liturgischen Anlage und ihres Gebrauchs, der Statik des Gebäudes und seiner stilgeschichtlichen Einordnung betrachtet. Einführend wird die Baugeschichte zusammen mit einer allgemeinen Baubeschreibung dargestellt. Den ersten Schwerpunkt dieser Arbeit stellt dann der Themenkreis zum Ort und Ritus der christlichen Taufe im Florentiner Baptisterium dar, da das Baptisterium zwecks dieser Aufgabe erbaut wurde. Hierzu gehört eine genauere Betrachtung des mittelalterlichen Taufbeckens. Weil dieses 1577 entfernt wurde, dient ein Vergleich mit dem Pisaner Baptisterium der umfassenderen Betrachtung. Die dortige Anlage wurde nach dem Vorbild des Florentiner Bassins entworfen. Der Themenkreis um die Taufe soll durch die Erläuterung des im mittelalterlichen Pisa und Florenz üblichen Taufritus zum Abschluss gebracht werden. Im Gegensatz zum Taufbecken findet die Deckenkonstruktion von San Giovanni im Italien der Entstehungszeit des Baptisteriums keinen Vergleich . Aus diesem Grund befasst sich ein weiterer Abschnitt der Arbeit mit dem Aufbau der Kuppel und dem damit zusammenhängenden statischen System des Gebäudes. Im letzten Abschnitt dieser Arbeit soll es schließlich um das Baptisterium als einem Bau der Protorenaissance gehen. Es wird beschrieben werden, in wie fern an Innen- und Außenfassade Antikenrezeptionen auszumachen sind und in welchen Punkten San Giovanni sich von einem antiken Bau unterscheidet. Hier dient das Pantheon in Rom als Vergleichsbau. Der florentinische Geschichtsschreiber Giovanni Villani (um 1280-1348) war der erste, der die Gliederung der Innenfassade des Baptisteriums mit dem Pantheon verglich. Seitdem haben sich verschiedene Historiker mit dieser These beschäftigt und sie immer wieder bestätigt. Die wesentlichen Parallelen und Unterschiede sollen hier kurz vorgestellt werden. Für die Außenfassade gibt es kein solch eindeutiges Vorbild, jedoch wird ihr Aufbau maßgeblich von der Gliederung des Innern bestimmt. Im Vordergrund wird daher stehen, die Parallelen zwischen der Gliederung der Innen- und Außenfassade aufzuzeigen und wie diese mit dem statischen System zusammenhängt.
Excerpt (computer-generated)
Das Florentiner Baptisterium San Giovanni
Kunsthistorisches Institut der Universität Kiel
Ort, Bild und Ritus der christlichen Taufe in ausgewählten Denkmälern der Kunst und
Architektur
Katharina Fee Volling
SomSem 2008
Abgabetermin: 31.08.2008
Inhaltsverzeichnis
1
Einleitung 3
2
Baugeschichte und allgemeine Baubeschreibung 4
3
Die liturgische Anlage und ihr Gebrauch 5
3.1
Das Florentiner Taufbecken 5
3.2
Das Pisaner Taufbecken 6
3.3
Der Pisaner und der Florentiner Taufritus 7
4
Die Deckenkonstruktion und das statische System 8
5
Stilgeschichtliche Einordnung des Baptisteriums 9
5.1
Antikenrezeption 9
5.1.1
Die Innenfassade 9
5.1.2
Die Außenfassade 11
5.2
Nicht-Antike Elemente 13
6
Schluss 14
Literaturverzeichnis 15
2
1 Einleitung
In der vorliegenden Arbeit wird das Florentiner Baptisterium San Giovanni unter besonderer
Berücksichtigung der liturgischen Anlage und ihres Gebrauchs, der Statik des Gebäudes und
seiner stilgeschichtlichen Einordnung betrachtet. Einführend wird die Baugeschichte
zusammen mit einer allgemeinen Baubeschreibung dargestellt. Den ersten Schwerpunkt
dieser Arbeit stellt dann der Themenkreis zum Ort und Ritus der christlichen Taufe im
Florentiner Baptisterium dar, da das Baptisterium zwecks dieser Aufgabe erbaut wurde.
Hierzu gehört eine genauere Betrachtung des mittelalterlichen Taufbeckens. Weil dieses 1577
entfernt wurde1, dient ein Vergleich mit dem Pisaner Baptisterium der umfassenderen
Betrachtung. Die dortige Anlage wurde nach dem Vorbild des Florentiner Bassins entworfen2.
Der Themenkreis um die Taufe soll durch die Erläuterung des im mittelalterlichen Pisa und
Florenz üblichen Taufritus zum Abschluss gebracht werden.
Im Gegensatz zum Taufbecken findet die Deckenkonstruktion von San Giovanni im Italien
der Entstehungszeit des Baptisteriums keinen Vergleich3. Aus diesem Grund befasst sich ein
weiterer Abschnitt der Arbeit mit dem Aufbau der Kuppel und dem damit
zusammenhängenden statischen System des Gebäudes.
Im letzten Abschnitt dieser Arbeit soll es schließlich um das Baptisterium als einem Bau der
Protorenaissance gehen. Es wird beschrieben werden, in wie fern an Innen- und Außenfassade
Antikenrezeptionen auszumachen sind und in welchen Punkten San Giovanni sich von einem
antiken Bau unterscheidet. Hier dient das Pantheon in Rom als Vergleichsbau. Der
florentinische Geschichtsschreiber Giovanni Villani (um 1280-1348) war der erste, der die
Gliederung der Innenfassade des Baptisteriums mit dem Pantheon verglich. Seitdem haben
sich verschiedene Historiker mit dieser These beschäftigt und sie immer wieder bestätigt4. Die
wesentlichen Parallelen und Unterschiede sollen hier kurz vorgestellt werden. Für die
Außenfassade gibt es kein solch eindeutiges Vorbild, jedoch wird ihr Aufbau maßgeblich von
der Gliederung des Innern bestimmt5. Im Vordergrund wird daher stehen, die Parallelen
zwischen der Gliederung der Innen- und Außenfassade aufzuzeigen und wie diese mit dem
statischen System zusammenhängt.
1 Paatz 1941, S.175
2 Paatz 1941, S. 177
3 Swoboda 1918, S. 75
4 Swoboda 1918, S. 75
5 Paatz 1941, S. 185
3
2 Baugeschichte und allgemeine Baubeschreibung
Das Florentiner Baptisterium zählt zu den Hauptwerken mittelalterlicher Architektur und ist
ein Bauwerk hauptsächlich aus dem späten 11. und frühen 12. Jahrhundert6. Die Datierung ist
bis heute nicht eindeutig möglich, da das Baptisterium an einer Stelle erbaut wurde, an der
sich Baureste älterer Kulturen aus dem 1. und 3. Jahrhundert n. Chr. finden lassen7. Um zu
einer eindeutigen Datierung des Baptisteriums gelangen zu können, müssten weitere
Ausgrabungen unternommen werden. Die nord- und die südwestliche Hälfte des Platzes um
das Baptisterium sind bereits Ende des 19. Jahrhunderts freigelegt worden, ebenso wie die
Westhälfte unter der Kirche zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Nur Grabungen an
den verbleibenden Stellen können die Baugeschichte des Baptisteriums ganz
aufdecken8.
Urkundlich wurde eine Johanneskirche bereits 897 das erste Mal erwähnt9. Doch inzwischen
ist ziemlich sicher, dass es sich dabei nicht um den gleichen Bau handelte, sondern vielmehr
um ein langobardisches Baptisterium, das an gleicher Stelle stand10. Von diesem Bau
übernahm der Baumeister des heutigen Florentiner Baptisteriums vermutlich den oktogonalen
Grundriss11. Überliefert ist eine Weihe, die Papst Nikolas II. am 6.11.1059 durchführte12.
Hierbei handelte es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um die Grundsteinweihe des heutigen
Florentiner Baptisteriums. Die Bautätigkeiten wurden 1150 zum Abschluss gebracht, als dem
achtseitigen, zeltartigen Pyramidendach eine ebenfalls achtseitige Laterne aufgesetzt wurde13.
Nachträglich wurden am Baptisterium noch einige wesentliche Änderungen vorgenommen.
So wurde 1202 die ursprünglich halbkreisförmige Apsis an der Westseite des Gebäudes von
einer querrechteckigen Chorkapelle ersetzt, die auch einen eigenen Eingang in Form einer
kleinen Priestertür an der nördlichen Seite erhielt. Von 1250 bis 1300 wurde die achtteilige,
spitzbogige Klostergewölbe-Kuppel mit ihrem heutigen Mosaikschmuck versehen14, der das
wichtigste Beispiel seiner Gattung in der Toskana ist15. Die einschneidenste Veränderung am
Baptisterium wurde jedoch 1577 durch Bernado Buontalenti (1523-1608, Florentinischer
Maler und Architekt) vorgenommen, als dieser entgegen der Proteste der Bürgerschaft das
6 Paatz 1941, S. 178
7 Giusti 2000, S. 15
8 Paatz 1941, S. 175
9 Swoboda 1918, S. 59
10 Paatz 1941, S. 173
11 Paatz 1941, S. 178
12 Giusti 2000, S. 16
13 Paatz 1941, S. 174
14 Paatz 1941, S. 174
15 Paatz 1941, S. 200
4
ursprüngliche Taufbecken und den dazugehörigen Kanonikerchor entfernen und zerstören
ließ16.
3 Die liturgische Anlage und ihr Gebrauch
3.1 Das Florentiner Taufbecken
Das von Buontalenti entfernte Taufbecken (vgl. Abschnitt 2) entstand 1128. Es ahmte in
seiner achteckigen Form den Grundriss des Baptisteriums nach und stand in der Mitte des
Raumes. Die heute sichtbare, nicht dekorierte Fläche im Boden markiert die Größe eines
Schrankenachtecks, welches das Taufbecken umgab. Auch die Maße des eigentlichen
Taufbeckens kann man noch heute anhand eines unter dem Boden befindlichen blockartigen
Fundamentes rekonstruieren17 (siehe Grundriss: Abb.1). Hieraus und aus der Beschreibung
von Giovanni Boccaccio (1313-1375, Schriftsteller und Dichter; lebte größtenteils in Florenz)
kann geschlossen werden, dass das Taufbecken ungefähr zwölf Menschen aufnehmen
konnte18. Vier brunnenartige Schächte sogenannte Pozzi , die innerhalb des Beckens an
vier Ecken angebracht waren, boten je einer weiteren Person Platz; sie dienten den Priestern
während der Taufe als Standort19.
Zusammen mit dem Kanonikerchor bildete das Taufbecken eine einheitliche Anlage, die mit
Marmor kunstvoll inkrustiert war20. Zeugen hierfür sind die zwei Platten, die im Museo del
Opera del Duomo in Florenz gelagert werden. Es sind zwei Seiten der acht Wände des
Taufbeckens und zeigen, wie diese verziert waren21. Vermutlich war jede Seitenwand in zwei
nebeneinander angeordnete Kassetten geteilt22. Wie in Abbildung 2 zu sehen ist, sind diese
Kassetten von einer Rahmenleiste umgeben. Innerhalb des Feldes, das von der Rahmenleiste
umgeben wird, befindet sich ein auf die Spitze gestelltes Quadrat. Zwischen Rahmen und
Quadrat sind die freibleibenden Flächen mit schwarzen, halbkreisförmigen und vier
dreieckigen Marmorstücken verziert. Das Quadrat bildet seinerseits einen Rahmen für das
ebenfalls quadratische innere Feld, in dem sich eine Rosette befindet. Die einzelnen Rosetten
sind alle in sehr ähnlicher Ausführung; vermutlich besaß jede Seitenwand zwei identische
Rosetten. Innerer und äußerer Rahmen sind mit einfachen ornamentalen Verzierungen
geschmückt und sind vermutlich ebenso wie die Marmorinkrustation an allen Kassetten
16 Paatz 1941, S. 175
17 Paatz 1941, S. 177
18 Paatz 1941, S. 231
19 Paatz 1941, S. 230
20 Paatz 1941, S. 177
21 Paatz 1941, S. 229
22 Paatz 1941, S. 177
5
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