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Analyse des Schlagworts „Embryonale Stammzellenforschung“ am Beispiel ausgewählter Belege aus der Süddeutschen Zeitung, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, dem Spiegel und der Zeit

Termpaper, 2005, 25 Pages
Author: Julia Schwenner
Subject: Communications: Print Media, Press

Details

Category: Termpaper
Year: 2005
Pages: 25
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 14  Entries
Language: German
Archive No.: V117777
ISBN (E-book): 978-3-640-20110-5
ISBN (Book): 978-3-640-20641-4
File size: 317 KB

Abstract

Diese Arbeit will untersuchen, auf welche Weise das Schlagwort „embryonale Stammzellenforschung“, oder „ES“, und thematisch verwandte Schlagwörter in den Medien eingesetzt und welche semantischen Taktiken dabei angewandt werden, um die eigene Position zu stärken und den Adressatenkreis zu beeinflussen. Im Rahmen dieser Untersuchung wird der Schwerpunkt auf die Analyse der Beiträge verschiedener Printmedien in Zusammenhang mit oben genanntem Schlagwort in Bezug auf die Typen des politischen Kampfs um Wörter nach Klein (1991) gesetzt. Lässt sich die Brisanz des Schlagworts an der Häufigkeit des Auftauchens in den Printmedien ablesen? Welche Techniken nach Klein im Kampf um Wörter lassen sich im Textkorpus nachweisen? Welche Schlagwörter werden von den verschiedenen Parteien verwendet, und wie gehen diese dabei vor? Um diese Fragen zu beantworten und einen theoretischen Hintergrund für meine Ausführungen zu liefern, werden im Folgenden zunächst die Natur und die Funktionen des Schlagworts erläutert. Im Anschluss daran gehe ich auf die verschiedenen Typen des politischen Kampfs um Wörter nach Klein (1989) ein, der eine strukturierte Einteilung der verschiedenen Techniken zur Instrumentalisierung von Sprache zu politischen Zwecken gibt. Daraufhin untersuche ich konkret das Schlagwort „embryonale Stammzellenforschung“ und versuche zunächst, die Bedeutung des Begriffs an sich zu klären. Im Anschluss daran folgt eine Übersicht über den Diskurs, der die Forschung an embryonalen Stammzellen umgibt. Anhand einer Frequenzanalyse werde ich des Weiteren versuchen, den Verlauf der Verwendung des hier behandelten Schlagworts in ausgewählten Medien aufzuzeigen. Es folgt die qualitative Analyse prägnanter Belege aus einem von mir erstellten Textkorpus, die ich auf die Verwendung diskursrelevanter Schlagwörter und Präsenz der Klein’schen Typen des politischen Kampfs um Wörter hin analysieren werde. Zum Abschluss erläutere ich die Probleme, auf die ich im Rahmen meiner Arbeit gestoßen bin, und gebe einen zusammenfassenden Überblick über meine Ergebnisse. Besagte Analyse führe ich für den Zeitraum von Anfang 1994 bis Ende 2004 durch, und zwar untersuche ich in diesem Rahmen die Auftrittshäufigkeit des Schlagworts in den Tageszeitungen SÜDDEUTSCHE ZEITUNG und FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG, der Wochenzeitung DIE ZEIT und im wöchentlichen Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL.


Excerpt (computer-generated)

RWTH Aachen

Institut für Sprach- und Kommunikationswissenschaft

Lehrstuhl für Deutsche Philologie

Hauptseminar: Schlagwörter in Geschichte und Gegenwart

Sommersemester 2005

Analyse des Schlagworts ,,Embryonale Stammzellenforschung" am Beispiel

ausgewählter Belege aus der Süddeutschen Zeitung, der Frankfurter

Allgemeinen Zeitung, dem Spiegel und der Zeit.


Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis 1

Einleitung 2

1 Das Schlagwort 4

1.1 Definition 4

1.2 Funktionen 4

2 Das Schlagwort in der Politik 5

2.1 Der politische Kampf um Wörter 5

2.2 Typen des politischen Kampfs um Schlagwörter 5

2.2.1 Begriffsprägung 5

2.2.2 Bezeichnungskonkurrenz 6

2.2.3. Bedeutungskonkurrenz 6

2.2.3.1 Deskriptive Bedeutungskonkurrenz 6

2.2.3.2 Deontische Bedeutungskonkurrenz 6

2.2.4 Konkurrenz um konnotativen Glanz 7

3 Untersuchung des Schlagworts ,,Embryonale Stammzellenforschung" 8

3.1 Versuch einer Begriffsklärung 8

3.2 Überblick über den Diskurs 8

3.3 Analyse des Gebrauchs des Schlagworts ,,Embryonale Stammzellenforschung" 10

3.3.1 Frequenzanalyse 10

3.3.2 Qualitative Analyse 12

3.3.2.1 Begriffsprägung im ES-Diskurs 13

3.3.2.2 Bezeichnungskonkurrenz im ES-Diskurs 15

3.3.2.3 Konkurrenz um konnotativen Glanz im ES-Diskurs 17

4 Probleme bei der Analyse 19

4.1 Probleme bei der quantitativen Analyse 19

4.2 Probleme bei der qualitativen Analyse 19

5 Resümee 20

Literaturverzeichnis 22

1


Einleitung

Diese Arbeit will untersuchen, auf welche Weise das Schlagwort ,,embryonale

Stammzellenforschung", oder ,,ES", und thematisch verwandte Schlagwörter in den Medien

eingesetzt und welche semantischen Taktiken dabei angewandt werden, um die eigene

Position zu stärken und den Adressatenkreis zu beeinflussen.

Im Rahmen dieser Untersuchung wird der Schwerpunkt auf die Analyse der Beiträge

verschiedener Printmedien in Zusammenhang mit oben genanntem Schlagwort in Bezug auf

die Typen des politischen Kampfs um Wörter nach Klein (1991) gesetzt.

Lässt sich die Brisanz des Schlagworts an der Häufigkeit des Auftauchens in den Printmedien

ablesen? Welche Techniken nach Klein im Kampf um Wörter lassen sich im Textkorpus

nachweisen? Welche Schlagwörter werden von den verschiedenen Parteien verwendet, und

wie gehen diese dabei vor?

Um diese Fragen zu beantworten und einen theoretischen Hintergrund für meine

Ausführungen zu liefern, werden im Folgenden zunächst die Natur und die Funktionen des

Schlagworts erläutert. Im Anschluss daran gehe ich auf die verschiedenen Typen des

politischen Kampfs um Wörter nach Klein (1989) ein, der eine strukturierte Einteilung der

verschiedenen Techniken zur Instrumentalisierung von Sprache zu politischen Zwecken gibt.

Daraufhin untersuche ich konkret das Schlagwort ,,embryonale Stammzellenforschung" und

versuche zunächst, die Bedeutung des Begriffs an sich zu klären. Im Anschluss daran folgt

eine Übersicht über den Diskurs, der die Forschung an embryonalen Stammzellen umgibt.

Anhand einer Frequenzanalyse werde ich des Weiteren versuchen, den Verlauf der

Verwendung des hier behandelten Schlagworts in ausgewählten Medien aufzuzeigen. Es folgt

die qualitative Analyse prägnanter Belege aus einem von mir erstellten Textkorpus, die ich

auf die Verwendung diskursrelevanter Schlagwörter und Präsenz der Klein′schen Typen des

politischen Kampfs um Wörter hin analysieren werde. Zum Abschluss erläutere ich die

Probleme, auf die ich im Rahmen meiner Arbeit gestoßen bin, und gebe einen

zusammenfassenden Überblick über meine Ergebnisse.

Besagte Analyse führe ich für den Zeitraum von Anfang 1994 bis Ende 2004 durch, und zwar

untersuche ich in diesem Rahmen die Auftrittshäufigkeit des Schlagworts in den

Tageszeitungen SÜDDEUTSCHE ZEITUNG und FRANKFURTER ALLGEMEINE

ZEITUNG, der Wochenzeitung DIE ZEIT und im wöchentlichen Nachrichtenmagazin DER

SPIEGEL. Ich habe mich für die Betrachtung der Printmedien entschieden, da mir diese

2


zugänglicher und daher auch ergiebiger erscheinen als audiovisuelle Medien wie Hörfunk

oder Fernsehen. Auf besagte schriftliche Medien habe ich mich im Konkreten festgelegt, da

ich die verschiedenen gegnerischen Positionen angemessen repräsentieren möchte, und es mir

in diesem Sinne geeignet erscheint, ein Textkorpus bestehend aus Belegen aus der SZ, dem

SPIEGEL und der ZEIT, die sich als eher links einordnen, und der FAZ, die als rechts

einzuordnen ist, zu erstellen und zu untersuchen.

Das anscheinende Ungleichgewicht in der Auswahl der Medien in Bezug auf ihre politische

Orientierung kommt durch die Schwierigkeit zu Stande, die ich empfunden habe bei der

Suche nach weiteren Zeitungen, die als dem rechten Lager zugehörig einzuordnen sind und zu

meinem Thema der embryonalen Stammzellenforschung einen Beitrag leisten können. Da

allerdings die politische Einordnung der jeweiligen Zeitungen relativ zu den anderen

Printmedien zu sehen ist, ist eine klare Grenzziehung meiner Meinung nach auch nicht

möglich.

Im Laufe meiner Recherchen habe ich festgestellt, dass sich im Jahr 2001 eine Hochphase der

Verwendung abzeichnet, welche im Jahr 2002 schon wieder stark zurückgeht. Aus diesem

Grund liegt es nahe, den Zeitraum um 2001 näher auf das Vorkommen des Schlagworts zu

untersuchen, so dass man einen gewissen Vor- und Nachlauf hat, was ein klareres Bild über

die tatsächliche Brisanzphase liefert.

Die Analyse des Schlagworts ,,embryonale Stammzellenforschung" habe ich zum Thema

meiner Hausarbeit gewählt, da es mich interessiert, die Verwendung eines Begriffs im

Sprachgebrauch zu untersuchen und dabei etwas über den aktuellen Umgang mit

Schlagwörtern in unserer Gesellschaft und deren Verwendung zu politischen Zwecken zu

lernen. Die Aktualität und Brisanz des konkreten Schlagworts und mein Interesse an der

Thematik an sich haben mich dazu bewogen, den Begriff der ES zu analysieren.

Ich beginne nun mit einer Definition des Schlagwortbegriffs.

3


1 Das Schlagwort

1.1 Definition

Manfred Kaempfert bezeichnet als Schlagwörter Ausdrücke, ,,in denen sich ein Programm

konzentriert oder die eine Zielvorstellung benennen" (Kaempfert 1990:1200). Solche Wörter

werden laut Kaempfert dadurch zum Schlagwort, dass sie ,,in einer gegebenen Gesellschaft

oder Gruppe [...] besondere Aktualität und Bedeutung gewinnen" (Kaempfert 1990:1200).

Josef Klein fügt dieser Definition hinzu, dass Schlagwörter als ,,Instrumente der politischen

Beeinflussung" (Klein 1989: 11) dienen und dazu verwendet werden, Denken, Gefühle und

Verhalten von Menschen zu steuern, soweit diese politisch relevant sind (vgl. Klein 1989:

11).

Thomas Niehr nennt als weitere Charakteristika von Schlagwörtern im Historischen

Wörterbuch für Rhetorik einerseits ihre ,,deutlich erhöhte Gebrauchsfrequenz innerhalb eines

bestimmten Zeitraums" (Niehr i.V.), andererseits aber auch die begrenzte Lebensdauer von

Schlagwörtern (vgl. Niehr i.V.). Schlagwörter erfüllen mehrere Funktionen auf einmal,

weshalb sie besonders gut zur Propagierung von Positionen und zur Beeinflussung anderer

geeignet sind. Im Folgenden werde ich die Einteilung nach Klein (1989) erläutern.

1.2 Funktionen

Nach Klein realisieren Schlagwörter gleichzeitig drei Funktionen:

1. Inhaltliche Charakterisierung des Sachverhalts, die deskriptive Funktion.

2. Bewertung des Sachverhalts, die evaluative Funktion.

3. Appell an die Adressaten, die appellative Funktion (vgl. Klein 1989:12 f.).

Fritz Hermanns fasst die Bewertung des Sachverhalts und den Appell an die Adressaten zur

,,deontischen Funktion" zusammen (vgl. Hermanns 1989: 73 f.). Petra Ballnuß erklärt hierzu:

,,Mit der Bewertung, die ein Sprecher in Bezug auf einen Redegegenstand zum Ausdruck

bringt, verbindet sich gleichzeitig der Appell an den Adressaten, sich dieser Bewertung

anzuschließen" (Ballnuß 1996: 31). In der Politik besteht nach Ballnuß die deontische

Funktion eines Begriffs meist darin, ,,eine Befürwortung oder Ablehnung des

Redegegenstands zu propagieren" (Ballnuß 1996: 31).

Nach dieser Einführung in den Begriff des Schlagworts werde ich nun genauer auf ihre

Verwendung zur politischen Beeinflussung der Öffentlichkeit eingehen.

4


2 Das Schlagwort in der Politik

2.1 Der politische Kampf um Wörter

Mit Hilfe von Wörtern und vor allem auch Schlagwörtern versuchen Politiker, die

Öffentlichkeit zu beeinflussen und von ihren eigenen Ansichten und Standpunkten zu

überzeugen. Wörter sind daher in der Politik oft umkämpft, und politische Diskussionen sind

nicht nur Kampf mit Wörtern, sondern auch Kampf um Wörter (vgl. Klein 1989: 11).

Fritz Hermanns beschreibt die Taktiken im Streit um Wörter wie folgt:

,,Im politischen Streit um Worte geht es in der Tat für jede Partei darum, daß die Begriffe, mit

denen eine Gesellschaft ihre Ordnung, Rechte, Pflichten und Institutionen beschreibt,

semantisch so besetzt sind, wie es den Zielen und Interessen dieser Partei entspricht. Dies

kann bedeuten, daß sie dafür sorgen muß, daß diese Begriffe in der Tat neu so besetzt werden;

ebenso aber auch, daß sie im Streit um Worte dafür sorgen muß, daß sie semantisch so besetzt

bleiben wie bisher" (Hermanns 1989: 73).

2.2 Typen des politischen Kampfs um Schlagwörter

Klein (1991: 50ff.) hat eine Typologie entwickelt, die die verschiedenen Typen des Kampfes

um Wörter in der Politik erfasst:

1. Begriffsprägung

2. Bezeichnungskonkurrenz

3. deskriptive Bedeutungskonkurrenz

4. deontische Bedeutungskonkurrenz

5. Konkurrenz um konnotativen Glanz

Auf die einzelnen Strategien werde ich im Folgenden näher eingehen.

2.2.1 Begriffsprägung

Eine Partei, die einen neuen sprachlichen Ausdruck in ihren Sprachgebrauch einführt, prägt

diesen Begriff. Meist handelt es sich dabei nicht um einen Neologismus, ein ,,neugebildetes

Wort" (Der kleine DUDEN Fremdwörterbuch 1991: 281) sondern um die Kombination

bereits vorhandener Wörter und Morpheme, die ,,kleinste bedeutungstragende Gestalteinheit

in der Sprache" (Der kleine DUDEN Fremdwörterbuch 1991: 273). Die Begriffs prägende

Partei bestimmt die Verwendungsregeln des neuen Begriffs (vgl. Ballnuß 1996: 34 f.).

`

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