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Master Thesis, 2007, 173 Pages
Author: Daniel Wladow
Subject: Biomedical technic
Details
Tags: Optimierung, Druck-, Zugverteilung, Ersatzsystem, Hüftgelenkpfanne, Problemstellung, Konzeptentwurf
Year: 2007
Pages: 173
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 163 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-21242-2
ISBN (Book): 978-3-640-21255-2
File size: 17970 KB
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Abstract
In Deutschland erhalten jährlich rund 200.000 Menschen ein künstliches Hüftgelenk. Das Ziel eines solchen Hüftgelenkersatzes ist eine möglichst dauerhafte und optimale Wiederherstellung der Funktion des betroffenen Gelenks, das durch Abnutzung, Fehlbildung oder Unfall geschädigt ist. Die für einen vollständigen Gelenkersatz verwendete Totalendoprothese (TEP) besteht dabei aus einer in den Beckenknochen zu implantierenden künstlichen Hüftpfanne sowie aus einer Schaftprothese mit Kugelkopf, die in den Oberschenkelknochen eingesetzt wird. Bei der Entwicklung von künstlichen Hüftpfannen spielt die Geometrie des Hüftgelenks eine entscheidende Rolle. Da die natürliche Gelenkpfanne annähernd halbkugelförmig ist, bietet sich diese Form auch für die Implantate an. Eine höhere Stabilität im knöchernen Lager besitzen hingegen andere Pfannenformen. Das verwendete Material und die Beschaffenheit der Schalenoberfläche sind nur zwei von vielen weiteren Faktoren, die einen Einfluss auf die Langzeitstabilität von künstlichen Hüftpfannen haben. Nicht zuletzt ist auch die Kinematik der Pfannenschale, d. h. ihre Implantationsrichtung für eine optimale Fixierung des orthopädischen Knochenimplantats und einen ausreichenden Bewegungsumfang im künstlichen Hüftgelenk von Bedeutung. Die Arbeit beschäftigt sich mit den zahlreichen Einflussfaktoren auf künstliche Hüftpfannen. Dies soll einen Aufschluss über Stabilitätskriterien des Hüftgelenkersatzes geben, die im Optimierungsprozess von künstlichen Hüftpfannen von Bedeutung sein können. Neben der ausführlichen Problemstellung wird ein Konzeptentwurf für eine Optimierung der Druck- und Zugverteilung im Ersatzsystem der Hüftgelenkpfanne ausgearbeitet und vorgestellt. Zunächst wird der aktuelle Stand der Technik für zementierte und zementfrei zu implantierende Hüftpfannen beschrieben. Anschließend wird die Arbeitshypothese formuliert und anhand eines Ordnungsschemas am Beispiel von zwei zuvor als wesentlich ermittelten Einflussfaktoren begründet. In Anforderungslisten werden zudem einige Forderungen und Wünsche für modulare Pressfit- und Schraubpfannen festgelegt. Die Ergebnisse der Arbeit fließen im Rahmen des Projektes RomEo, an dem die Helmut-Schmidt-Universität und das Berufsgenossenschaftliche Unfallkrankenhaus Hamburg beteiligt sind, in ein Teilprojekt zur Optimierung und Weiterentwicklung des Hüftgelenkersatzes ein.
Excerpt (computer-generated)
Master-Thesis
Optimierung der Druck- und Zugverteilung
im Ersatzsystem der Hüftgelenkpfanne
Problemstellung und Konzeptentwurf
Daniel Wladow
2007
Danksagung
Mein Dank gilt
den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Helmut-Schmidt-Universität / Universität
der Bundeswehr Hamburg sowie der Hochschule für Angewandte Wissenschaften
Hamburg, die mir sachlich und persönlich stets behilflich waren und so zum Gelingen
dieser Master-Thesis beigetragen haben.
Mein besonderer Dank gilt
Herrn Prof. Dr. rer. nat. Heinrich Heitmann, HAW Hamburg,
für die freundliche Übernahme des Erstgutachtens und die mir gegebenen Hinweise
während meines Studiums und meiner Master-Thesis, die mir in formalen Fragen
unverzichtbar und als fachliche Unterstützung hervorragend dienlich waren,
Herrn Prof. Dr.-Ing. Frank Mantwill, HSU / UniBw Hamburg,
für die freundliche Übernahme des Zweitgutachtens und die vertrauensvolle Überlas-
sung des Themas,
Herrn Dipl.-Ing. M.Sc. Mohamad Tarabolsi, HSU / UniBw Hamburg,
für die professionelle Betreuung bei der Erarbeitung der Inhalte dieser Master-Thesis,
seine freundschaftliche Unterstützung und Anteilnahme.
IV
Zusammenfassung
In Deutschland erhalten jährlich rund 200.000 Menschen ein künstliches Hüftgelenk.
Das Ziel eines solchen Hüftgelenkersatzes ist eine möglichst dauerhafte und optima-
le Wiederherstellung der Funktion des betroffenen Gelenks, das durch Abnutzung,
Fehlbildung oder Unfall geschädigt ist. Die für einen vollständigen Gelenkersatz ver-
wendete Totalendoprothese (TEP) besteht dabei aus einer in den Beckenknochen zu
implantierenden künstlichen Hüftpfanne sowie aus einer Schaftprothese mit Kugel-
kopf, die in den Oberschenkelknochen eingesetzt wird.
Bei der Entwicklung von künstlichen Hüftpfannen spielt die Geometrie des Hüftge-
lenks eine entscheidende Rolle. Da die natürliche Gelenkpfanne annähernd halbku-
gelförmig ist, bietet sich diese Form auch für die Implantate an. Eine höhere Stabilität
im knöchernen Lager besitzen hingegen andere Pfannenformen. Das verwendete
Material und die Beschaffenheit der Schalenoberfläche sind nur zwei von vielen wei-
teren Faktoren, die einen Einfluss auf die Langzeitstabilität von künstlichen Hüftpfan-
nen haben. Nicht zuletzt ist auch die Kinematik der Pfannenschale, d. h. ihre Implan-
tationsrichtung für eine optimale Fixierung des orthopädischen Knochenimplantats
und einen ausreichenden Bewegungsumfang im künstlichen Hüftgelenk von Bedeu-
tung.
Die Arbeit beschäftigt sich mit den zahlreichen Einflussfaktoren auf künstliche Hüft-
pfannen. Dies soll einen Aufschluss über Stabilitätskriterien des Hüftgelenkersatzes
geben, die im Optimierungsprozess von künstlichen Hüftpfannen von Bedeutung sein
können. Neben der ausführlichen Problemstellung wird ein Konzeptentwurf für eine
Optimierung der Druck- und Zugverteilung im Ersatzsystem der Hüftgelenkpfanne
ausgearbeitet und vorgestellt. Zunächst wird der aktuelle Stand der Technik für ze-
mentierte und zementfrei zu implantierende Hüftpfannen beschrieben. Anschließend
wird die Arbeitshypothese formuliert und anhand eines Ordnungsschemas am Bei-
spiel von zwei zuvor als wesentlich ermittelten Einflussfaktoren begründet. In Anfor-
derungslisten werden zudem einige Forderungen und Wünsche für modulare Press-
fit- und Schraubpfannen festgelegt.
Die Ergebnisse der Arbeit fließen im Rahmen des Projektes RomEo, an dem die
Helmut-Schmidt-Universität und das Berufsgenossenschaftliche Unfallkrankenhaus
Hamburg beteiligt sind, in ein Teilprojekt zur Optimierung und Weiterentwicklung des
Hüftgelenkersatzes ein.
V
Abstract
Each year about 200.000 people in Germany receive an artificial hip joint. The aim of
such a hip replacement is, ideally, the permanent and optimal restoration of the
function of the affected joint which has been damaged through wear, deformity or
accident. The total hip joint endoprosthesis which is being used for a complete joint
replacement consists of an artificial hip socket for implantation into the pelvic bone
and of a shaft prosthesis with a spherical head to be inserted into the femur.
The geometry of the hip joint plays an essential role in the development of artificial
hip sockets. Since the natural hip socket is practically hemispherical, this shape
suggests itself also for the implants. Other socket shapes, however, possess a higher
stability within the bone mount. The material and the texture of the surface of the
socket cup are only two of many other factors which have an influence on the long-
term stability of artificial hip sockets. Last but not least also the kinematics of the
socket cup, i.e. the direction in which it is being implanted, are of significance for an
optimal fixation of the orthopaedic bone implant and a sufficient range of motion
within the artificial hip joint.
The paper deals with the numerous factors which have an influence on artificial hip
sockets. It is to give information about the criteria affecting the stability of the hip joint
replacement, which may be of importance in the process of optimising artificial hip
sockets. In addition to a detailed outline of the problem, a draft concept for the
optimisation of the stress and strain distribution within the replacement system of the
hip joint socket is being drawn up and presented. First of all, the current state-of-the
art technology for cemented and cement-free hip socket implants is being described.
Subsequently, the working hypothesis is being formulated and substantiated by
means of an order scheme, using the example of two influencing factors which had
previously been identified as vital. In addition, several demands and requests for
modular press-fit and screw sockets are being specified in requirement lists.
The results of this work contribute within the scope of the project RomEo in which the
Helmut Schmidt University and the Trauma Hospital of the Workman′s
Compensation, Center for Reconstructive, Orthopedic Surgery and Rehabilitation, in
Hamburg participate, to a subproject for the optimisation and further development of
hip joint replacements.
VI
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Anatomie und Histologie 3
2.1 Stützgewebe 3
2.1.1 Knorpelgewebe 3
2.1.2 Knochengewebe 5
2.1.3 Vergleich Knochen Knorpel 9
2.2 Muskelgewebe 10
2.2.1 Glattes Muskelgewebe 10
2.2.2 Quergestreiftes Muskelgewebe 12
2.3 Achsen, Ebenen und Orientierungsbezeichnungen 17
2.3.1 Körperachsen und Körperebenen 17
2.3.2 Lage- und Richtungsbezeichnungen 19
2.3.3 Bewegungsrichtungen des Rumpfes und der Extremitäten 20
2.4 Anatomie des Hüftgelenks 21
2.4.1 Gelenkpfanne 21
2.4.2 Gelenkkopf 24
2.4.3 Ausrichtung des Gelenks 25
2.4.4 Gelenkkapsel 26
2.4.5 Mechanik 29
2.4.6 Gefäßversorgung 35
2.4.7 Innervation 36
2.5 Ärztliche Topographie und Zugänglichkeit 38
3. Werkstoffe und Hüftpfannen 43
3.1 Werkstoffe 43
3.1.1 Metalle 43
3.1.2 Keramiken 46
3.1.3 Kunststoffe 47
3.2 Werkstoffeignung 49
3.2.1 Anforderungen an Implantate 49
3.2.2 Anforderungen an Implantatwerkstoffe 50
3.2.3 Gestaltungseinfluss 52
3.2.4 Beurteilung 53
VII
3.2.5 Ergebnisse 54
3.3 Hüftpfannen 59
3.3.1 Zementierte Hüftpfannen 59
3.3.2 Zementfreie Hüftpfannen 60
3.3.3 Material und Oberfläche 66
3.3.4 Osseointegration 67
3.3.5 Ergebnisse 71
4. Biomechanik 73
4.1 Kontaktkraft im Hüftgelenk 73
4.1.1 Das Rechenmodell von Pauwels 73
4.1.2 Einfluss von Anatomie und Muskelfunktion auf die Kontaktkraft 75
4.2 Gelenkdruck 78
4.3 Knochenumbau 79
4.4 Endoprothesen 81
4.5 Belastung des Hüftgelenks bei komplexen Aktivitäten 82
4.5.1 Kraftberechnung 82
4.5.2 Kraftmessung 83
4.5.3 Spannungsberechnung 85
4.6 In vivo wirkende Kräfte im Hüftgelenk 87
4.6.1 Stehen 87
4.6.2 Gehen und Joggen 89
4.6.3 Treppensteigen 93
4.6.4 Aufstehen und Hinsetzen 96
4.6.5 Kniebeugen 98
4.6.6 Krankengymnastik 99
4.6.7 Gehen mit Unterarmgehstützen 99
4.6.8 Stolpern 99
4.6.9 Fahrrad fahren 100
4.6.10 Einfluss von Schuhwerk und Bodenmaterial 100
4.6.11 Belastungsrichtungen 101
4.6.12 Drehbelastung von Hüftimplantaten 102
4.7 Erwärmung von Hüftimplantaten 103
4.8 Bewegungsumfang 104
4.8.1 Implantatposition 105
VIII
4.8.2 Implantatdesign 107
4.8.3 Ergebnisse 110
5. Konzeptentwurf 114
5.1 Stand der Technik 114
5.1.1 Zementierte Hüftpfannen 114
5.1.2 Zementfreie Hüftpfannen 115
5.2 Optimierung der Druck- und Zugverteilung 118
5.2.1 Arbeitshypothese 118
5.2.2 Einflussfaktoren 120
5.2.3 Ordnungsschema am Beispiel von zwei Einflussfaktoren 124
5.2.4 Anforderungslisten 127
6. Zusammenfassung und Ausblick 138
7. Literaturverzeichnis 141
A. Abbildungsverzeichnis 157
B. Tabellenverzeichnis 160
C. Abkürzungsverzeichnis und verwendete Formelzeichen 161
IX
1. Einleitung
Allein in Deutschland erhalten jährlich rund 200.000 Menschen ein künstliches Hüft-
gelenk, weltweit sind es etwa 1,5 Millionen. Das Ziel eines solchen Hüftgelenkersat-
zes ist eine möglichst dauerhafte und optimale Wiederherstellung der Funktion des
betroffenen Gelenks.
Eine durch Abnutzung, Fehlbildung oder Unfall verursachte Hüftgelenksarthrose er-
fordert häufig den vollständigen Gelenkersatz. Die hierfür verwendete Totalen-
doprothese (TEP) besteht aus einer in den Beckenknochen zu implantierenden
künstlichen Hüftpfanne sowie aus einer Schaftprothese mit Kugelkopf, die in den
Oberschenkelknochen eingesetzt wird. Während die Schaftprothese entweder in den
Knochen einzementiert oder dort verklemmt wird, kann die künstliche Hüftpfanne
auch eingeschraubt werden. Bei den zementfrei zu implantierenden Hüftpfannen un-
terscheidet man daher zwischen Pressfit- und Schraubpfannen. Als Implantatwerk-
stoffe werden hauptsächlich Metalle wie Titan und seine Legierungen, Keramiken
sowie Kunststoffe wie Polyethylen verwendet.
Zahlreiche aktuelle Hüftendoprothesen sind modular aufgebaut. Hierdurch lassen
sich die beteiligten Implantatkomponenten so miteinander kombinieren, dass z. B.
durch die gezielte Auswahl der Gleitpaarung, also der Materialpaarung von Kugel-
kopf und Pfanneneinsatz, eine Verbesserung des Bewegungsumfangs und der Stabi-
lität des künstlichen Hüftgelenks erreicht werden kann.
Aufgrund der gestiegenen Lebenserwartung und durch die Erweiterung der Indikatio-
nen für die Implantation von künstlichen Gelenken insbesondere auf jüngere Patien-
ten müssen für moderne Hüftendoprothesen deutlich verlängerte Standzeiten ge-
währleistet werden. Die mit Abstand häufigste Ursache für ein Implantatversagen mit
nachfolgender Wechseloperation ist dabei die aseptische Prothesenlockerung. Ur-
sächlich hierfür sind vor allem Abriebprodukte aus Polyethylen, die in das Implantat-
Knochen-Interface eindringen und dort zu einer Knochenresorption führen. Eine be-
friedigende Lösung für dieses Problem gibt es trotz jahrelanger Forschung auf die-
sem Gebiet bislang nicht.
Bei der Entwicklung von künstlichen Hüftpfannen spielt die Geometrie des Hüftge-
lenks eine entscheidende Rolle. Da die natürliche Gelenkpfanne annähernd halbku-
gelförmig ist, bietet sich diese Form auch für die Implantate an. Eine höhere Stabilität
1
im knöchernen Lager besitzen hingegen konische, parabole oder elliptische Pfannen-
formen.
Das verwendete Material und die Beschaffenheit der Schalenoberfläche sind nur
zwei von vielen weiteren Faktoren, die einen Einfluss auf die Langzeitstabilität von
künstlichen Hüftpfannen haben. Nicht zuletzt ist auch die Kinematik der Pfannen-
schale, d. h. ihre Implantationsrichtung für eine optimale Fixierung des orthopädi-
schen Knochenimplantats und einen ausreichenden Bewegungsumfang im künstli-
chen Hüftgelenk von Bedeutung.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den zahlreichen Einflussfaktoren auf
künstliche Hüftpfannen. Dies soll einen Aufschluss über Stabilitätskriterien des Hüft-
gelenkersatzes geben, die im Optimierungsprozess von künstlichen Hüftpfannen von
Bedeutung sein können.
Im zweiten Kapitel wird zunächst die Anatomie und Histologie des Hüftgelenks und
dessen Gewebe erläutert. Weiterhin werden Termini technici und wichtige Orientie-
rungsbezeichnungen erklärt. Das dritte Kapitel befasst sich anschließend mit den
unterschiedlichen Hüftpfannentypen, ihren Werkstoffen und deren Eignung für einen
dauerhaften Verbleib im menschlichen Körper. Im vierten Kapitel wird dann näher auf
die Biomechanik des Hüftgelenks eingegangen. Die anhand von Berechnungsverfah-
ren und Messsystemen ermittelten, im natürlichen und künstlichen Hüftgelenk wir-
kenden Kräfte werden für verschiedene Aktivitäten analysiert. Außerdem werden die
Einflussfaktoren auf den Bewegungsumfang und die Stabilität des künstlichen Hüft-
gelenks ermittelt und näher betrachtet. Das fünfte Kapitel enthält schließlich den
Konzeptentwurf für eine Optimierung der Druck- und Zugverteilung im Ersatzsystem
der Hüftgelenkpfanne, der sich in zwei Teile gliedert. Zunächst wird der aktuelle
Stand der Technik für zementierte und zementfrei zu implantierende Hüftpfannen
beschrieben. Anschließend wird die Arbeitshypothese formuliert und anhand eines
Ordnungsschemas am Beispiel von zwei zuvor als wesentlich ermittelten Einflussfak-
toren begründet. In Anforderungslisten werden zudem einige Forderungen und Wün-
sche für modulare Pressfit- und Schraubpfannen festgelegt.
Die Ergebnisse dieser Arbeit fließen im Rahmen des Projektes RomEo, an dem die
Helmut-Schmidt-Universität und das Berufsgenossenschaftliche Unfallkrankenhaus
Hamburg beteiligt sind, in ein Teilprojekt zur Optimierung und Weiterentwicklung des
Hüftgelenkersatzes ein.
2
2. Anatomie und Histologie
2.1 Stützgewebe
Als typische Stützgewebe gelten vor allem das Knorpel- und das Knochengewebe.
Sie enthalten überwiegend kollagene Fasern und besitzen damit die Zugfestigkeit
von Bindegewebsstrukturen. Durch besondere Ausbildung der Extrazellularmatrix
beim Knorpel und durch Einlagerung von Kalksalzen beim Knochen wird zusätzlich
die Druckfestigkeit erhöht.
2.1.1 Knorpelgewebe
Knorpelgewebe kommt hauptsächlich im Skelett und in den Luftwegen vor. Kenn-
zeichnend für dieses Stützgewebe sind die Knorpelzellen (Chondrozyten), die mehr
oder weniger abgerundet sind, in kleinen Gruppen (Chondrone) in der Knorpelgrund-
substanz (Extrazellularmatrix) liegen und sich gegenseitig nicht berühren. Siehe hier-
zu
Abb. 2.1
. Je nach Art und Menge der Fasern unterscheidet man zwischen hyali-
nem Knorpel, elastischem Knorpel und Faserknorpel. Beim Erwachsenen sind alle
drei Knorpelarten frei von Blutgefäßen. Ihre Versorgung mit Nährstoffen erfolgt durch
Diffusion; entweder durch eine gefäßführende Knorpelhaut (Perichondrium) oder di-
rekt durch die Gelenkflüssigkeit (Synovia), wie es beim hyalinen Gelenkknorpel der
Fall ist. Die Knorpelentwicklung geht vom Perichondrium aus, allerdings ist die Re-
generationsfähigkeit von Knorpel sehr gering. Fehlt das Perichondrium, wie beim hy-
alinen Gelenkknorpel, findet gar keine Neubildung statt. Knorpel zeichnet sich wei-
terhin durch eine hohe Druckfestigkeit aus, er ist viskoelastisch verformbar und be-
sitzt einen hohen Widerstand gegenüber Scherkräften.
Hyaliner Knorpel sieht in frischem Zustand bläulich-milchig aus und wird aufgrund
seiner durchscheinenden Beschaffenheit häufig als glasartig bezeichnet. Er überzieht
als Gelenkknorpel die Gelenkflächen, bildet den Rippenknorpel, einen Teil der Na-
senscheidewand, das Kehlkopfskelett und die Spangen der Luftröhre sowie der gro-
ßen Bronchien. Während der Embryonalperiode wird der größte Teil des späteren
knöchernen Skeletts knorpelig vorgebildet. Beim Heranwachsenden bestehen die
Wachstumsfugen (Epiphysenfugen) innerhalb der Röhrenknochen aus hyalinem
Knorpel, der erst nach Abschluss des Wachstums durch Knochen ersetzt wird. Der
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