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Unterschiedliche Einkommensverteilung in Deutschland und Schweden und ihre Entstehungszusammenhänge

Scholary Paper (Seminar), 2008, 26 Pages
Author: Jennifer Russell
Subject: Economics / Business, Miscellaneous

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2008
Pages: 26
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 22  Entries
Language: German
Archive No.: V117839
ISBN (E-book): 978-3-640-20906-4
ISBN (Book): 978-3-640-20967-5
File size: 533 KB

Abstract

Seit den 80er Jahren weisen die westlichen Industrieländer eine zunehmende Spreizung der Markteinkommen auf. Da die Einkommensverteilung über lange Zeit gesunken war um seither wieder zuzunehmen, bezeichnen Forscher diese Umkehr als „Great U-turn“. Die Einkommensverteilung ist ein Indikator für die Verteilung des Sozialstatus und spiegelt daher ein System der sozialen Schichtenbildung wider. Weiterhin hängt die Stabilität sowie die Instabilität einer Gesellschaft von ihrer Einkommensungleichheitsgröße ab. Zwischen den einzelnen Ländern sind innerhalb dieses Grundmusters deutliche Unterschiede zu verzeichnen. Dabei können zum einen Faktoren wie Globalisierung, Arbeitsmarktinstitutionen sowie Unterschiede in der demographischen Zusammensetzung der Bevölkerung und zum anderen Einflüsse der ökonomischen Struktur und deren Veränderung sowie Unterschiede bei der Steuer-, Sozial- und Bildungspolitik der Auslöser dafür sein. Seit langer Zeit beschäftigt sich die Ökonomie mit der Fragestellung der Einkommensverteilung zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen und Klassen. Wichtig dabei ist die Armuts- und Wirtschaftlichkeitsentwicklung. Somit beschäftigt sich diese Arbeit mit den Aspekten der Entwicklung der Einkommensverteilung (Betrachtungszeitraum 70er Jahre bis heute). Betrachtet werden zwei völlig unterschiedliche Wohlfahrtsstaatstypen, die einer Analyse der Entwicklung in zwei Ländern nachgehen soll: Deutschland als „konservativer Wohlfahrtsstaat“ und Schweden als „sozialdemokratischer Wohlfahrtsstaat“. Zu diesem Zweck wird zunächst die langfristige Entwicklung der Einkommensverteilung in Deutschland und Schweden dargestellt, um auf die Entwicklung der personellen Einkommensverteilung sowie auf die Umverteilungswirkung von Steuern und Transfersystemen zu sprechen zu kommen. Da eine zunehmende Einkommensspreizung mit einer sinkenden Lohnquote einhergeht und das wiederum einen Anstieg der Armutsquote zur Folge hat, wird bezüglich der Einkommensverteilung in Deutschland die relative Einkommensarmut und ihre Auswirkung untersucht. Weiterhin geht es in dieser Arbeit um das Abgabensystem in Deutschland und Schweden. Am Ende der Arbeit wird ein ausführlicher Vergleich beider Länder gezogen um zusammenfassend zu verdeutlichen, warum Schweden einen erfolgreichen Wohlfahrtsstaat führt und wo in Deutschland Nachholbedarf besteht.


Excerpt (computer-generated)

FACHHOCHSCHULE FÜR WIRTSCHAFT BERLIN




Unterschiedliche Einkommensverteilung in Deutschland und

Schweden und ihre Entstehungszusammenhänge

im Vergleich

Hausarbeit für die Lehrveranstaltung ,,Diversity Management"

von

Jennifer Russell

Berlin, 11. August 2008


Gliederung

1

Einleitung 4

2

Die Einkommensverteilung 5

2.1

Die funktionale Einkommensverteilung 5

2.2

Die personelle Einkommensverteilung 6

3

Die Entwicklung der Einkommensverteilung in Deutschland 7

3.1

Die Datenquellen 7

3.2

Die Entwicklung der personellen Einkommensverteilung 8

3.3

Die Umverteilungswirkung von Steuern und Transfersystemen 10

3.4

Die Entwicklung der relativen Einkommensarmut in Deutschland 12

4

Die Entwicklung der Einkommensverteilung in Schweden 15

4.1

Die Datenquellen 15

4.2

Die Entwicklung der personellen Einkommensverteilung 15

4.3

Die Umverteilungswirkung von Steuern und Transfersystemen 16

4.4

Die Arbeitsmarktpolitik in Schweden 18

5

Das Abgabensystem in Deutschland und Schweden 19

6

Deutschland und Schweden im Vergleich 20

7

Fazit 22

Literaturverzeichnis 24

2


Abbildungsverzeichnis________________________________________

Abbildung 1: Die Lorenzkurve

Abbildung 2: Die Entwicklung der personellen Einkommensverteilung

Abbildung 3: Die Verteilung der Nettoäquivalenzeinkommen von

1969 bis 2003

Abbildung 4: Die Entwicklung der Ungleichheit von Markteinkommen

und verfügbaren Einkommen in Westdeutschland nach

der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe

Abbildung 5: Entwicklung der Ungleichheit von Markteinkommen, Einkommen nach

Sozialtransfers, nach privaten

Transfers (Bruttoeinkommen) und verfügbaren

Einkommen in Westdeutschland, 1973-2000

Abbildung 6: Entwicklung der relativen Einkommensarmut in

West- und Ostdeutschland gesamtdeutsche Einkommensverteilung 1991-2003

Abbildung 7: Armutsquote relativer Einkommensarmut nach sozio-demographischen

Merkmalen

Abbildung 8: Entwicklung der Einkommensungleichheit in Schweden,

1967-1999

Abbildung 9: Entwicklung der Ungleichheit von Faktoreinkommen und

verfügbarem Einkommen in Schweden, 1975-2000

Abbildung 10: Entwicklung der Ungleichheit von Markteinkommen,

Einkommen nach Sozialtransfers, nach privaten Transfers (Bruttoeinkommen)

und verfügbaren Einkommen in Schweden, 1975-2000

3


1 Einleitung

Seit den 80er Jahren weisen die westlichen Industrieländer eine zunehmende Spreizung der

Markteinkommen auf. Da die Einkommensverteilung über lange Zeit gesunken war um

seither wieder zuzunehmen, bezeichnen Forscher diese Umkehr als ,,Great U-turn". Die

Einkommensverteilung ist ein Indikator für die Verteilung des Sozialstatus und spiegelt daher

ein System der sozialen Schichtenbildung wider. Weiterhin hängt die Stabilität sowie die

Instabilität einer Gesellschaft von ihrer Einkommensungleichheitsgröße ab. Zwischen den

einzelnen Ländern sind innerhalb dieses Grundmusters deutliche Unterschiede zu

verzeichnen. Dabei können zum einen Faktoren wie Globalisierung, Arbeitsmarktinstitutionen

sowie Unterschiede in der demographischen Zusammensetzung der Bevölkerung und zum

anderen Einflüsse der ökonomischen Struktur und deren Veränderung sowie Unterschiede bei

der Steuer-, Sozial- und Bildungspolitik der Auslöser dafür sein.1

Seit langer Zeit beschäftigt sich die Ökonomie mit der Fragestellung der

Einkommensverteilung zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen und Klassen.

Wichtig dabei ist die Armuts- und Wirtschaftlichkeitsentwicklung.2 Somit beschäftigt sich

diese Arbeit mit den Aspekten der Entwicklung der Einkommensverteilung

(Betrachtungszeitraum 70er Jahre bis heute).

Betrachtet werden zwei völlig unterschiedliche Wohlfahrtsstaatstypen, die einer Analyse der

Entwicklung in zwei Ländern nachgehen soll: Deutschland als ,,konservativer

Wohlfahrtsstaat" und Schweden als ,,sozialdemokratischer Wohlfahrtsstaat".

Zu diesem Zweck wird zunächst die langfristige Entwicklung der Einkommensverteilung in

Deutschland und Schweden dargestellt, um auf die Entwicklung der personellen

Einkommensverteilung3 sowie auf die Umverteilungswirkung von Steuern und

Transfersystemen zu sprechen zu kommen.4

Da eine zunehmende Einkommensspreizung mit einer sinkenden Lohnquote einhergeht und

das wiederum einen Anstieg der Armutsquote zur Folge hat, wird bezüglich der

1 Vgl. DIW 2006, S. 174 f.

2 Vgl. Bauer 2007, S. 1

3Anmerkung: die personelle Einkommensverteilung wird in dieser Arbeit ausschließlich

berücksichtigt

4 Vgl. DIW 2006, S. 175

4


Einkommensverteilung in Deutschland die relative Einkommensarmut und ihre Auswirkung

untersucht.5

Schweden hingegen wird als prominentestes Beispiel eines sozialdemokratischen

Wohlfahrtsstaates6 betrachtet, welches bis zum Ende der 80er Jahre durch eine strenge Fiskal-

, solidarische Lohn- und eine erfolgreiche Arbeitsmarktpolitik gekennzeichnet war. Nach

einer schweren wirtschaftlichen Krise im letzten Jahrzehnt und einigen nachträglichen

Änderungen im System, gilt Schweden heute wieder als erstrebenswertes Modell zur

Erzielung einer aktiven sowie passiven Arbeitsmarktpolitik.

Weiterhin geht es in dieser Arbeit um das Abgabensystem in Deutschland und Schweden. Am

Ende der Arbeit wird ein ausführlicher Vergleich beider Länder gezogen um

zusammenfassend zu verdeutlichen, warum Schweden einen erfolgreichen Wohlfahrtsstaat

führt und wo in Deutschland Nachholbedarf besteht.

2 Die Einkommensverteilung

Die Einkommensverteilung ist ein wichtiges Maß, um den Wohlstand eines Landes

auszudrücken. Dabei gibt es unterschiedliche Faktoren, die die Einkommensverteilung

beeinflussen können. Zum einen zählen persönliche Merkmale wie Fleiß, das Ausmaß von

Humankapital und Bildung und zum anderen auch Bevölkerungswachstum, technologischer

Wandel sowie politische Rahmenbedingungen zu diesen Faktoren.

Zudem werden innerhalb der Einkommensverteilung zwei grundsätzliche Konzepte

unterschieden: die funktionale- und die personelle Einkommensverteilung,7 die nachfolgend

näher beschrieben werden.

2.1 Die funktionale Einkommensverteilung

Die funktionale Einkommensverteilung bezieht sich auf die Verteilung des gesamten

Einkommens einer Wirtschaft. Dabei geht es um die Verteilung der Produktionsfaktoren

Arbeit, Boden und Kapital. Die Berechnung bekannter Kerngrößen wie Lohn- und

Besitzeinkommen verdeutlichen die sektorale Verteilung des Volkseinkommens.

Weiterhin kommt die funktionale Einkommensverteilung durch den Einsatz der

Produktionsfaktoren zustande und wird aus diesem Grund auch als primäre

5 Vgl. Dauderstädt 2008, S.1

6 Anmerkung: ,,Schwedisches Modell", ,,Dritter Weg" oder ,,Rehn-Meidner-Modell"

7 Vgl. Baur 2002, S 11f.

5


Einkommensverteilung bezeichnet. Klassische Ökonomen wie Karl Marx und David Ricardo

haben sich ausschließlich mit der funktionalen Einkommensverteilung beschäftigt. Von

Interesse war vor allem die Verteilung des Einkommens auf verschiedene Klassen, die sich

durch den Besitz von Produktionsfaktoren im städtischen und ländlichen Sektor unterschieden

haben.8

2.2 Die personelle Einkommensverteilung

In der heutigen Forschung steht weniger die Einkommensverteilung zwischen verschiedenen

Klassen oder Gruppen, sondern die personelle Einkommensverteilung im Vordergrund des

Interesses. Sie gewann in den 50er Jahren zunehmend an Bedeutung und unterteilt sich in

primäres- und sekundäres Einkommen. Zudem liefert sie eine klare Aussage über den

Wohlstand einer Bevölkerung.9

Die personelle Einkommensverteilung kann anhand unterschiedlicher Indikatoren gemessen

werden. Zu diesen Indikatoren zählen vor allem der Variationskoeffizient, das Atkinson-Maß

sowie der Theil-Index. Dabei sind die am häufigsten anzutreffenden Indikatoren die

Einkommensquantile und der Gini-Koeffizient.

Die Einkommensquantile geben den prozentualen Anteil am Gesamt-einkommen einer

bestimmten Einkommensgruppe an, zum Beispiel den Anteil, den die 10% höchsten

Einkommensbezieher erzielen. Sie werden in internationalen Statistiken oft in Verbindung

mit dem Gini-Koeffizienten ausgewiesen.10

Der Gini-Koeffizient basiert auf der Lorenzkurve. Er ist ein Maß der relativen Konzentration

und kann einen Wert zwischen 0 (Gleichverteilung) und 1 (maximale Ungleichheit)

annehmen. Abbildung 1 zeigt die relative Häufigkeit der Bevölkerung in Verbindung mit der

relativen kumulierten Häufigkeit derer Einkommen zueinander. Personen mit dem höchsten

Einkommen werden zuletzt aufgeführt und Personen mit dem niedrigsten Einkommen zuerst.

Auf der Ordinate wird der kumulierte Anteil am gesamten Einkommen gemessen. Anhand der

Kurve lässt sich ablesen, welchen Anteil am Gesamteinkommen welcher Anteil der

Bevölkerung verdient. Bei absolut gleichmäßiger Verteilung würde die Lorenzkurve eine 45-

Grad-Gerade ergeben (Linie der perfekten Gleichverteilung).

8 Vgl. Gillis et al. 1992, S. 91f.

9 Vgl. Adelman et al. 1989, S. 971

10 Vgl. Statistisches Bundesamt 2006, S. 9

6



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