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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2007, 23 Pages
Author: Kathleen Oehmichen
Subject: German Studies - Didactics
Details
Institution/College: Dresden Technical University (Philosophische Fakultät, Lehrstuhl für Sächsische Landesgeschichte)
Tags: Bilinguale, Erziehung, Regelklassen, Utopie, Wirklichkeit, Deutsch, Zweitsprache, Einführung
Year: 2007
Pages: 23
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 21 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-21083-1
File size: 188 KB
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Abstract
Im Mittelpunkt dieser Hausarbeit stehen Vor- und Nachteile, bezogen auf die Auswirkungen bilingualer Erziehung für den Zweitspracherwerb und den Erfolg in der Schule. Dabei soll nicht diskutiert werden, ob Mehrsprachigkeit an sich die Intelligenz eines Kindes beeinflusst. Es soll stattdessen die Frage beleuchtet werden, inwieweit zweisprachige Erziehung in deutschen Regelklassen umsetzbar ist und auch bereits umgesetzt wird. Dazu ist es notwendig, die bisherige Unterrichtspraxis zu untersuchen und den Stellenwert von Deutsch als Zweitsprache herauszuarbeiten. Im letzten Teil der Arbeit wird die Bildungspolitik der Hansestadt Hamburg, als aktive Vertreterin einer Bilingualität im Regelklassenunterricht, näher betrachtet. Ziel der Arbeit kann es nicht sein, ein überzeugendes Konzept für eine effektive Regelklassenbeschulung zu entwickeln.
Excerpt (computer-generated)
Technische Universität Dresden
Philosophische Fakultät
Lehrstuhl für Sächsische Landesgeschichte
HS: Deutsch als Zweitsprache eine Einführung
Sommersemester 2007
Hausarbeit
- Bilinguale Erziehung in deutschen Regelklassen -
Utopie oder Wirklichkeit?
Eingereicht von Kathleen Oehmichen
Deutsch als Fremdsprache (4), Neuere/Neueste Geschichte (9)
Dresden, den 29.08.2007
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 1
1 Spracherwerb und Zweisprachigkeit im Kontext von Migration 3
1.1 Spracherwerbssituation von Minderheitenkindern 3
2 Zweisprachige Erziehung als Unterrichtsform 4
2.1 Pro und Kontra Bilingualen Unterrichts 6
2.1.1 Pro-Argumente 6
2.1.2 Kontra-Argumente gegen bilinguale schulische Erziehung 8
3 Zweisprachigkeit im Regelunterricht 10
3.1 Fazit 13
4 HAMBURG Sprachlernkonzept auf der Grundlage von
Mehrsprachigkeit 14
4.1 Hamburger Rahmenpläne 16
4.2 Fazit 17
Literaturverzeichnis 20
Einleitung
Merkmal der globalisierten Welt ist eine zunehmende Migration und Begegnung von Menschen um
den Globus, die sich aber in vielen Fällen in ihren unterschiedlichen Sprachen nicht miteinander
verständigen können. Die Förderung von Mehrsprachigkeit gehört deshalb derzeit zu den häufig
diskutierten Themen innerhalb der Sprach- und Bildungspolitik. Allerdings verstecken sich hinter
dem Begriff ,,Mehrsprachigkeit" verschiedene Bedeutungen und Ziele. Zum einen wird darunter die
Förderung mehrerer Sprachen im Rahmen der Europäischen Union verstanden, zum anderen
handelt es sich aber auch um durch Migrationsbewegungen entstandenen gesellschaftlichen
Bilingualismus.
Ziel der Europäischen Union ist es, Bilingualität durch eine Reihe von verschiedenen Konzepten zu
fördern wie z. B. durch bilinguale Züge, bilingualen Unterricht und Modellschulen, wie der
Europaschulen. In letzterer wird eine Fremdsprache, welche die Muttersprache einer Gruppe von
Schülern ist, zur Begegnungssprache für die andere Gruppe. In diesem Zusammenhang wird der
Erwerb einer Zweit- oder gar Drittsprache definitiv als Gewinn betrachtet. Bedeutsam an dieser Art
von Modellschulen ist die Zusammenführung von Sprachen aus dem europäischen Raum und denen
von Migranten. Dennoch stellen Europaschulen kein Vorbild oder Modell für die schulische
Erziehung von Kindern mit Migrationshintergrund an allgemeinbildenden Schulen dar. Im
Gegensatz zu den Europaschulen, in denen Migrantensprachen durchaus auch in
Förderungskonzepte integriert sind, spielt die Unterstützung von Zwei- und Mehrsprachigkeit
zugewanderter Sprachminderheiten an allgemeinbildenden Schulen der BRD immer noch kein
vollständig sprachpolitisch anerkanntes Anliegen.1
PISA und IGLU-Studien zeigen sehr deutlich, dass bisherige deutsche Schulkonzepte mehr oder
weniger erfolglos verliefen. Im Vergleich mit anderen Industrienationen ist Deutschland in
negativer Hinsicht Spitzenreiter. Diese alarmierenden Befunde führten in vielen Bundesländern zu
einem Umdenken und der notwendigen Einsicht, dass insbesondere Kenntnisse in Deutsch als
Zweitsprache bei allen Lehrkräften unumgänglich sind. Zudem breitete sich eine Bewusstheit
darüber aus, dass wenig Wissen über erfolgreiche Fördermaßnahmen für Kinder und Jugendliche
mit Migrationshintergrund existiert und die Forschung in diesem Bereich im besten Falle als
bruchstückhaft bezeichnet werden kann. Paradoxerweise sind zudem auch positive Beispiele aus
anderen Ländern, die als Vorbild gelten könnten und sollten, außerhalb enger Fachkreise
weitgehend unbekannt sind.
Langsam kommt man aber zu der Erkenntnis, dass eine konstruktive Auseinandersetzung mit
Erfahrungen anderer Länder und auch positiver Beispiele guter Praxis in Deutschland wertvolle
Hilfen sind, auf dem Weg zu einer lebendigen Mehrsprachigkeit an deutschen Schulen.2
Im Mittelpunkt dieser Hausarbeit stehen Vor- und Nachteile, bezogen auf die Auswirkungen
bilingualer Erziehung für den Zweitspracherwerb und den Erfolg in der Schule. Dabei soll nicht
diskutiert werden, ob Mehrsprachigkeit an sich die Intelligenz eines Kindes beeinflusst.
Es soll stattdessen die Frage beleuchtet werden, inwieweit zweisprachige Erziehung in deutschen
Regelklassen umsetzbar ist und auch bereits umgesetzt wird. Dazu ist es notwendig, die bisherige
Unterrichtspraxis zu untersuchen und den Stellenwert von Deutsch als Zweitsprache
herauszuarbeiten. Im letzten Teil der Arbeit wird die Bildungspolitik der Hansestadt Hamburg, als
aktive Vertreterin einer Bilingualität im Regelklassenunterricht, näher betrachtet.
Ziel der Arbeit kann es nicht sein, ein überzeugendes Konzept für eine effektive
Regelklassenbeschulung zu entwickeln.
1 Vgl. Ehlers 2002: S. 38 f.
2 Vgl. Bainski 2005: S: 25 f.
1 Spracherwerb und Zweisprachigkeit im Kontext von Migration
In dieser Hausarbeit sind nur Kinder und Jugendliche relevant, deren Familiensprache nicht
Deutsch ist. Unterschieden werden müssen hierbei Kinder, die im Aufnahmeland geboren oder als
Kleinkinder zugewandert sind und solche, die im schulpflichtigen Alter3 nach Deutschland
kommen.
Erstere können in unterschiedlichen Ausprägungen im Primärspracherwerb eine ,,muttersprachliche
Zweisprachigkeit"4 entwickeln. Durch Eltern, Geschwister, Freunde und Medien kann eine Art
natürlicher, ungesteuerter Spracherwerb der Verkehrssprache stattfinden, der somit zu
unterschiedlichen Ausprägungen von Zweisprachigkeit führen kann.5
Später nach Deutschland eingewanderte Kinder werden im Gegensatz dazu, eine so genannte
sukzessive Zweisprachigkeit entwickeln. Die Wahrscheinlichkeit in der Zweitsprache ein
muttersprachliche Niveau zu erreichen, sinkt mit zunehmendem Alter.6
1.1 Spracherwerbssituation von Minderheitenkindern
Kinder mit Migrationshintergrund schneiden oft unterdurchschnittlich an deutschen Schule ab. Die
Hauptursache liegt in mangelnden Deutschkenntnissen. Oftmals haben diese Kinder als
Schulanfänger noch kein muttersprachliches Niveau im Deutschen erreicht. So sind ihre
mündlichen Fähigkeiten beim Schuleintritt häufig schlecht entwickelt. Sie bilden eine
Lernersprache aus, in der sich auf bedeutungstragende Elemente der Sprache konzentriert wird und
die meist auf grammatische Funktionswörter und Endungen verzichtet. Erst langsam findet eine
Annäherung dieser Interimssprache an das Regelsystem der L2 statt. Ohne eine gezielte Förderung
besteht die Gefahr, dass sich das anfängliche Defizit über die gesamte Schullaufbahn hinweg
negativ auswirkt.
Findet bei diesen Kindern eine Integration in den Regelunterricht mit Deutsch als
Unterrichtssprache statt, so hat das zur Folge, dass sie sehr oft Probleme haben, in der
Unterrichtskommunikation teilzunehmen und alle Inhalte zu verstehen. Ihre vorhandene mündliche,
3 Oder jene, die aus sprachlich vollkommen isoliert lebenden Migrantenfamilien stammen.
4 Reich/Roth 2002: S. 11.
5 Vgl. Söhn 2005: S. 6.
6 Forscher wie McLaughlin haben den Zeitpunkt für einen erfolgreichen Spracherwerb gleich einer Muttersprache
auf das Alter von drei Jahren gelegt. Alle Alterstufen zwischen drei Jahren und dem Ende der Pubertät werden als
kritische Phase für den Erstsprachenerwerb vorgeschlagen. Neurolinguistische Studien haben gezeigt, dass
Menschen, die mit ihrer zweiten Sprache erst nach dem dritten Lebensjahr in Kontakt kommen, diese auch anders
im Gehirn ablegen. Allerdings ist die Zeitspanne ab dem dritten Lebensjahr bis zur Pubertät noch nicht genügend
erforscht worden. Dies muss die Mehrsprachigkeitsforschung in den nächsten Jahren ändern, um Empfehlungen für
den Erwerb weiterer Sprachen nach bereits erfolgter Aneignung der Muttersprache geben zu können. Vgl. Müller,
Kupisch, Schmitz, Cantone 2006: S. 14 f.
oft dialektal geprägte Sprache, die sich durch reduzierten Wortschatz und einfache Syntax
auszeichnet, ist unzureichend für die Kommunikation im Unterricht, die in immer größerem Maße
von Merkmalen konzeptioneller Schriftlichkeit7 geprägt ist.
Ein weiterer kritischer Punkt an der Schwelle zum Übergang in die Schule bildet neben den
kognitiven, sprachlichen und pädagogischen Faktoren der soziale Faktor, insbesondere die literale
Praxis des jeweiligen Elternhauses. Diese stellt eine wesentliche Vorbereitung und Voraussetzung
für die Leseerwerbssituation in der Schule dar. Das bedeutet, dass aus pädagogischer Perspektive
für Sprachminderheiten mit einem niedrigen sozioökonomischen Status Möglichkeiten geschaffen
werden müssen, diese Lücke zwischen familiärer und schulischer Sozialisation auszugleichen.
Auf der einen Seite sollten vorschulische Fördermaßnahmen bereitgestellt werden, auf der anderen
Seite ist der Erwerb der Literalität in der Erstsprache zu sichern und die Spracherwerbsprozesse in
L1 und L2 in der Schule sollten versucht werden, aufeinander abzustimmen.8
2 Zweisprachige Erziehung als Unterrichtsform
Bilinguale Erziehung an Schulen ist bisher meist nur für stärker verbreitete Zuwanderersprachen
(Türkisch, Russisch, Spanisch etc.) und nur in wenigen Modellversuchen umgesetzt worden.
Gängiger ist das Lernen in Regelklassen mit zusätzlicher Förderung, meist auf freiwilliger Basis,
die aber größtenteils nur wenige Stunden in der Woche umfasst und vom Regelunterricht
abgekoppelt ist.
Noch immer ist zweisprachiger Unterricht heiß umstritten. Beiden Seiten, den Kritikern als auch
den Befürwortern geht es primär im die Verbesserung schulischer Leistung für Kinder und
Jugendliche unabhängig von ihrer Herkunftssprache. Im Zentrum der Diskussion steht die Frage, ob
SchülerInnen beim Unterricht in der Mutter- und Verkehrssprache oder nur in der Verkehrssprache
in ihren Leistungen besser abschneiden.
Die meisten einschlägigen Studien zu diesen Fragen wurden in den USA durchgeführt, während es
in Deutschland bis dato keine Evaluationsstudien gibt, welche die hier im Mittelpunkt stehenden
Fragen systematisch beantworten könnten.
Sowohl für Gegner als auch für Befürworter zweisprachigen Unterrichts steht zudem fest, dass ein
Beherrschen der Mehrheitssprache unbedingt erforderlich für den Bildungserfolg aller Kinder ist.9
Umstritten ist allerdings, inwieweit der Unterricht in der Muttersprache den Erwerb der
Zweitsprache und somit den bestmöglichen Schulerfolg behindert oder fördert. Außerdem wird
7 Vgl. Ehlers 2002: S. 44.
8 Vgl. Ehlers 2002: S. 44.
9 Vgl. Fürstenau 2003: S. 20.
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