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Der Fünf-Dollar-Tag - Henry Ford und der Fordismus

Subtitle: Die frühen Jahre 1908 – 1922

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2003, 24 Pages
Author: M. A. Ben Büttner
Subject: History - Modern Times, Absolutism, Industrialization

Details

Event: Technisierung des Alltags
Institution/College: Dresden Technical University
Tags: Fünf-Dollar-Tag, Henry, Ford, Fordismus, Technisierung, Alltags
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2003
Pages: 24
Grade: 2
Bibliography: ~ 17  Entries
Language: German
Archive No.: V117900
ISBN (E-book): 978-3-640-21084-8
ISBN (Book): 978-3-640-21088-6
File size: 160 KB

Abstract

Im Folgenden soll nun untersucht werden, wie es dem US-Amerikaner Henry Ford gelingen konnte, ein solches Imperium aufzubauen, wie er es durch seinen Geschäftssinn, seine Skrupellosigkeit und seine Risikobereitschaft vermochte, den Weltmarkt quasi an sich zu reißen und eine ganze Epoche zu prägen. Allerdings sollen auch die sozialen Fragen nicht unbeleuchtet bleiben, da die physische und psychische Ausbeutung ‚seiner‘ Arbeiter einen wichtigen Baustein im System Fords darstellt, ohne den er sein gigantisches Unternehmen nie hätte mit solchem Erfolg führen können. Dem Ausmaß des Themas ist es geschuldet, dass ich hierbei meine Betrachtungen auf die frühen Jahre, d. h. ca. 1908-1922, beschränken möchte, nicht allein aus dem Grunde, da ich in dieser Zeit die wichtigsten und ausschlaggebenden Anstöße für das Schaffen Fords ausmache, sondern auch um der äußerst umfangreichen Forschungsliteratur in überschaubar gehaltenem Dimensionen gerecht werden zu können. Zudem scheinen mir Anfangszäsur – das Jahr 1908 leitete den Siegeszug des Modell T ein – und das Jahr 1922, in dem Ford seine Memoiren, ‚Mein Leben und Werk‘, veröffentlichte, einen geeigneten Rahmen zu bilden, um die Grundlagen und Wirkungsweise des Fordismus, vor allem die Rationalisierung der Produktionstechniken, die Massenproduktion und Massendistribution, in der Hochzeit seines Urhebers aufzuzeigen. Nebenher wird es ebenso von großem Interesse sein, wie sich Ford selbst in seinen autobiographischen und wirtschaftstheoretischen Texten zu verschiedenen Leitgedanken äußert – nicht nur als Namensgeber des Wirtschaftssystems, ebenso als Unternehmer, Theoretiker und Zeitzeuge.


Excerpt (computer-generated)

HS Technikgeschichte TU-Dresden (WS 2002/2003): Technisierung des Alltags

Der Fünf-Dollar-Tag

Henry Ford und der Fordismus.

Die frühen Jahre 1908 ­ 1922


2

Inhalt:

Seite:

0.

Einführung

3

I.

Wurzeln des Fordismus

4

1. Frederick W. Taylor und der Taylorismus

4

2. Von Taylor zu Ford

5

II.

Henry Ford und der Fordismus

6

1.

Der Ansatz Henry Fords

6

1.1. Die ersten Modernisierungen

7

1.2. Die Einführung des Fließbandes

10

1.3.

Die Kriegsjahre und die Zeit bis 1922

11

III.

Der Fünf-Dollar-Tag

14

1.

Die innerbetriebliche Organisation bei Ford

14

1.1.

Die Arbeiterschaft und Arbeitsbedingungen

16

1.2.

Arbeitszeit und Löhne

18

1.3. Werksschulen

20

2. Die Auswirkungen auf die Arbeiter

20

IV.

Resümee

21

V.

Quellen- und Literaturverzeichnis

23


3

0.

Einführung

Die Entwicklung der Industriellen Revolution in ihrer Gesamtheit sollte zu Beginn des

zwanzigsten Jahrhunderts eine neue Wendung erhalten. Die neuartigen Formen des

Kapitalismus fanden eine Ausprägung, die nicht allein die Produktionsmittel und die

Arbeitskraft des Proletariats kontrollieren, sondern auch ein soziales und wirtschaftliches

Gefüge schaffen sollten, in dem die Produktivität eine außerordentliche Optimierung erfuhr

und direkt mit den Bedürfnissen des Absatzmarktes einher ging. Massenproduktion und

Massenkonsum waren nicht nur die Schlagwörter jener Ära ­ auch später behielten sie

Gewicht ­, doch mit den Neuerungen, die Taylor und Ford in ihren Theorien bzw.

Konzeptionen entwickelten und später im Produktionsprozess realisiert sahen, entwarfen sie

ein vorher nie da gewesenes System, fußend auf sozialer Kontrolle und wirtschaftlicher

Macht. Doch ebenso wie bei den Wirtschaftsexperten ein Aufschrei um die Welt ging, legte

sich gewiss auch so manche Stirn der Vertreter des Humanitätsgedanken in Falten. Mag es

schon sein, dass ein solches Perfektionieren der Herstellung gepaart mit begrenzt geförderter

Ausbildung, überdurchschnittlichen Löhnen und Absicherung der Arbeiter auch

größtmögliche Gewinne versprach. Doch neben diesem litt die Individualität der

Beschäftigten, die nur als Maschine neben dem Fließband standen. Sie verloren jede

Eigenständigkeit, jede Möglichkeit kreativen Schaffens und freien Entscheidens ­ ja selbst ihr

Privatleben sollte unter Beaufsichtigung stehen, um ihre ,Produktivität` ins Unermessliche zu

steigern.

Im Folgenden soll nun untersucht werden, wie es dem US-Amerikaner Henry Ford gelingen

konnte, ein solches Imperium aufzubauen, wie er es durch seinen Geschäftssinn, seine

Skrupellosigkeit und seine Risikobereitschaft vermochte, den Weltmarkt quasi an sich zu

reißen und eine ganze Epoche zu prägen. Allerdings sollen auch die sozialen Fragen nicht

unbeleuchtet bleiben, da die physische und psychische Ausbeutung ,seiner` Arbeiter einen

wichtigen Baustein im System Fords darstellt, ohne den er sein gigantisches Unternehmen nie

hätte mit solchem Erfolg führen können. Dem Ausmaß des Themas ist es geschuldet, dass ich

hierbei meine Betrachtungen auf die frühen Jahre, d. h. ca. 1908-1922, beschränken möchte,

nicht allein aus dem Grunde, da ich in dieser Zeit die wichtigsten und ausschlaggebenden

Anstöße für das Schaffen Fords ausmache, sondern auch um der äußerst umfangreichen

Forschungsliteratur in überschaubar gehaltenem Dimensionen gerecht werden zu können.

Zudem scheinen mir Anfangszäsur ­ das Jahr 1908 leitete den Siegeszug des Modell T ein ­


4

und das Jahr 1922, in dem Ford seine Memoiren, ,Mein Leben und Werk`1, veröffentlichte,

einen geeigneten Rahmen zu bilden, um die Grundlagen und Wirkungsweise des Fordismus,

vor allem die Rationalisierung der Produktionstechniken, die Massenproduktion und

Massendistribution, in der Hochzeit seines Urhebers aufzuzeigen. Nebenher wird es ebenso

von großem Interesse sein, wie sich Ford selbst in seinen autobiographischen und

wirtschaftstheoretischen Texten zu verschiedenen Leitgedanken äußert ­ nicht nur als

Namensgeber des Wirtschaftssystems, ebenso als Unternehmer, Theoretiker und Zeitzeuge.

I.

Wurzeln des Fordismus

1.

Frederick W. Taylor und Taylorismus

Zwar war Frederick Winslow Taylor nicht der einzige, der sich mit den Grundlagen

wissenschaftlicher Betriebsführung mit dem Ziel eines wirtschaftlichen Arbeitsablaufes

beschäftigte, wohl aber einer der enthusiastischsten und hingebungsvollsten. Die Bezeichnung

des ,Taylorismus` wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts zum Inbegriff des amerikanischen

Systems der Massenproduktion und des industriellen Managements2. Sein Konzept, die

Produktion so zu gestalten, dass sie wie eine gut geölte Maschine funktioniere, und durch

Studien der Arbeitsabläufe und der Bewegungen die menschliche Arbeitskraft zu optimieren,

lässt sich in vier Punkten zusammenfassen:

1. Durchdachte Vorbereitung der Arbeit durch Zeit- und Bewegungsstudien

2. Trennung der Hand- von der Kopfarbeit

3. Einführung eines Pensum- und Bonussystems

4. Auslese und Anpassung der Arbeiter3

All diese Grundgedanken werden so oder aber in modifizierter, gesteigerter Form später bei

Henry Ford wiedererkennbar, doch Taylor war ein Pionier auf diesem Gebiet. Er zahlte

beispielsweise einem seiner Arbeiter, den er selbst Schmidt nannte, einen Lohn, der den der

übrigen Arbeiter um mehr als die Hälfte überstieg, allein dafür, dass der Mann exakt die zuvor

effektivierten Arbeitsschritte ausführte, seine Pausen nach Befehl machte ­ quasi das Denken

während seiner Arbeitszeit anderen überließ. Die übrigen ungelernten Arbeiter wollten solch

hohem Verdienst natürlich in keiner Weise nachstehen und stellten bald ihre Arbeitskraft in

1

Ford, Henry: Mein Leben und Werk. 14. Aufl.; Leipzig, 1926.

2

vgl. Hughes, Thomas, P.: Die Erfindung Amerikas. Der technologische Aufstieg in den USA seit 1870;

München, 1991, S. 193 f.

3

vgl. Honermeier, Emil: Die Ford Motor Company. Ihre Organisation und ihre Methoden; Leipzig,

1926, S. 5 f.


5

ähnlicher Weise zur Verfügung4. Problematisch sollte allerdings eher die Einstellung der

Facharbeiter zu einem solchen Produktionsprozess werden. Sie waren es nicht gewohnt,

derartig kommandiert zu werden, sie waren stolz auf ihr Können und ihr Selbständigkeit und

hatten ihre Bedenken ob der von F.W. Taylor eigens zur Rationalisierung des Arbeitsplatzes

und -vorgangs eingerichteten Planungsabteilung. Sie wollten sich einfach nicht als Kleinteil in

die von Taylor erdachte Produktionsmaschinerie ,einbauen` lassen5.

Diesem Konflikt begegnete Taylor auf zwei verschiedenen Wegen. Zum ersten schuf er

innerhalb des Herstellungsprozesses eine Hierarchie, gestaffelt nach Arbeitsleistung, so dass

es den Facharbeitern möglich war, ihren Status zu halten, Ungelernten aber ebenso ihren zu

verbessern. Zum anderen ­ und dies sollte für die Geschäftsplanung Henry Fords, der seiner

Massenproduktion auch einen Massenkonsum entgegensetzten musste, von entscheidender

Bedeutung werden ­ erhöhte Taylor die Löhne derartig, dass die nun in ihrem Lebensstandard

gestiegenen Arbeiter auch die Mittel besaßen, um Produkte der fabrikeigenen Produktion zu

erwerben und damit als neu erschlossener Absatzmarkt einen nicht unerheblichen Teil für den

Aufschwung der eigenen Produktion leisteten6.

2.

Von Taylor zu Ford

Die Gegenüberstellung von Frederick W. Taylor und Henry Ford soll an dieser Stelle

dazu dienen, die spezifischen Merkmale des Fordschen Ansatzes besser zu veranschaulichen.

Denn obwohl Ford, seine Jünger und Nachahmer bestritten, von Taylor inspiriert worden zu

sein7, lassen sich hingegen eine Vielzahl von Parallelen anführen, die eine Einflussnahme zu

untermauern scheinen. Grundsätzlich jedoch kann man eine generelle Unterscheidung treffen,

welche die Ansätze der beiden betrifft: Taylor als Wirtschaftstheoretiker schuf ein abstraktes

System, das Ford, eher praktisch als intellektuell, zwar in Teilen übernommen, selbst aber

enorm weitreichende Neuerungen eingeführt zu haben scheint, so dass am Ende dieser

möglichen ,Inspiration` eine völlig neue und komplettierte Produktionsmaschinerie steht, die

sich hätte Taylor in ihren gigantischen Ausmaßen wohl kaum träumen lassen. Ford

verarbeitete also die Elemente der Rationalisierung nicht zu einer Lehre, wie Taylor dies tat,

4

vgl. Hughes, Thomas, P.: Die Erfindung Amerikas. Der technologische Aufstieg in den USA seit 1870;

München, 1991, S. 199 ff.

5

vgl. ders., S. 202 ff.

6

vgl. ders., S. 204 ff.; Der Name Taylors taucht nirgendwo in den Schriften Fords auf, ebensowenig wie

bei Taylor ein Verweis auf Ford zu suchen wäre. (vgl. Gottl-Ottlilienfeld, Friedrich v.: Fordismus? Von

Frederick W. Taylor zu Henry Ford; Jena, 1925, S. 9.)

7

vgl. ders., S. 209.



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