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Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaft
Fach: Romanistik/Französisch
Traduire
Übersetzen
Übersetzungstheorien aus linguistischer Sicht
am Beispiel von Georges-Arthur Goldschmidt
Magisterarbeit zur Erlangung des Hochschulgrades
Magistra Artium (M.A.)
vorgelegt von:
Birgit Lonnemann
Sommersemester 2000
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Vorwort
2
Vorwort
Bevor ich mit den eigentlichen Ausführungen zum Thema
,,Traduire
Übersetzen. Übersetzungstheorien aus linguistischer
Sicht am Beispiel von Georges-Arthur Goldschmidt" beginne,
möchte ich mich an dieser Stelle zunächst bei allen bedanken, die
mich auf so vielfältige Weise unterstützt haben. Ein besonderer Dank
geht dabei an Frau Prof. Dr. Trudel Meisenburg und Herrn Prof. Dr.
Wolfgang Asholt von der Universität Osnabrück, die sich dazu bereit
erklärt haben, mich bei meiner Arbeit zu betreuen. Des Weiteren
möchte ich es nicht versäumen, Herrn Georges-Arthur Goldschmidt
und Herrn Bernard Lortholary meinen Dank zu sagen für die vielen
geduldigen Antworten auf meine Fragen. Bei Herrn Goldschmidt
möchte ich mich außerdem für die extra für mich angefertigte
Neuübersetzung des Anfangs der Türhüterlegende aus Franz Kafkas
Proceß bedanken.
Der aufmerksame Leser wird sicherlich schon bemerkt haben,
dass ich mich dazu entschieden habe, die neuen Rechtschreibregeln zu
verwenden. Sollten dennoch an verschiedenen Stellen die alten Regeln
Verwendung gefunden haben, so ist dieses meist bei Zitaten aus
Werken der Fall, die vor dem 01. August 1998 entstanden sind (also
vor der Einführung der neuen Rechtschreibregeln) bzw. in der zur Zeit
herrschenden Übergangszeit zwischen alter und neuer Recht-
schreibung. Aber dass Zitate nicht verändert werden dürfen, versteht
sich von selbst.
Nun noch eine letzte Anmerkung: Um das ohnehin schon sehr
umfassende Thema der Übersetzungstheorien nicht unnötig zu
verkomplizieren, werde ich mich in der vorliegenden Arbeit der
Bezeichnungen Übersetzer bzw. Dolmetscher bedienen, mit denen
natürlich auch die Übersetzerinnen bzw. Dolmetscherinnen gemeint
sind. Gleiches gilt auch für andere Berufs- und/oder Personengruppen.
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Inhaltsverzeichnis
3
Inhaltsverzeichnis
Vorwort ....................................................................................2
Abbildungsverzeichnis..............................................................5
1. Einleitung .............................................................................7
Teil I................................................................................................15
2. Definitionen........................................................................16
3. Geschichtliches Herausbildung übersetzerischer
Grundkonzeptionen.................................................................19
3.1 Die Anfänge.............................................................20
3.2 Die Antike: Herausbildung der Dichotomie
frei vs. wörtlich..............................................................22
3.3 Die Renaissance: Herausbildung der Dichotomien
Einbürgerung vs. Verfremdung
und
Übersetzung vs. Bearbeitung..........................................27
3.4 Die Romantik: Herausbildung der Dichotomie
Geringschätzung vs. Hochschätzung des Übersetzers.....37
3.5 Die Klassik: Herausbildung der Dichotomie
Übersetzbarkeit vs. Unübersetzbarkeit ...........................45
3.6 Der Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts:
Herausbildung der Dichotomie: Alternde
Übersetzungen vs. ewig junge Originale ........................49
4. Übersetzungstheorien..........................................................51
4.1 Den Transfer im Blickfeld........................................54
4.2 Das Sprachenpaar im Blickfeld ................................62
4.3 Den Text im Blickfeld..............................................66
4.4 Das Handeln im Blickfeld ........................................76
4.5 Den Übersetzer im Blickfeld ....................................80
4.6 Die Methode im Blickfeld........................................83
4.7 Die Disziplin im Blickfeld .......................................86
4.8 Fazit.........................................................................91
Teil II...............................................................................................93
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Inhaltsverzeichnis
4
5. Begründung der Textauswahl..............................................94
6. Georges-Arthur Goldschmidt: Leben und Werk ..................95
6.1 Stammbaum.............................................................95
6.2 Biographie ...............................................................98
6.3 Werke .................................................................... 108
7. Georges-Arthur Goldschmidt der ,,Komplize des
Autors" ................................................................................. 109
8. Bernard Lortholary der ,,Anwalt des Lesers" .................. 116
9. Franz Kafka im Spiegel der Übersetzungen....................... 119
9.1 Sprachliche Besonderheiten bei Franz Kafka.......... 120
9.2 Franz Kafka und seine französischen
Übersetzer Goldschmidt und Lortholary ...................... 121
9.2.1 Franz Kafka und Georges-Arthur
Goldschmidt ....................................................... 121
9.2.2 Franz Kafka und Bernard Lortholary.......... 124
10. Inhalt des Romans Der Proceß........................................ 126
11. Übersetzungsanalyse ....................................................... 128
11.1 Syntax.................................................................. 129
11.2 Lexik ................................................................... 141
11.3 Wiederholungen................................................... 148
11.4 Partikeln............................................................... 149
11.5 Auswertung der Analyseergebnisse ...................... 153
12. Semantisches Netz .......................................................... 157
13. Schlussbemerkung .......................................................... 180
14. Bibliographie .................................................................. 184
Anhang .......................................................................................... 197
15. Texte............................................................................... 198
16. Personen- und Sachregister ............................................. 207
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Abbildungsverzeichnis
5
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1 Das sprachliche Zeichen nach Ferdinand
de Saussure ......................................................................................52
Abbildung 2 Das semiotische Dreieck von C. K. Ogden
und L. A. Richards...........................................................................52
Abbildung 3 Bühlers Organonmodell der Sprache.........................53
Abbildung 4 Das Zweischrittschema von Erwin Koschmieder.......54
Abbildung 5 Das Dreischrittschema von E. A. Nida und
C. R. Taber ......................................................................................55
Abbildung 6 Das Zirkelschema des Translationsprozesses
nach Christiane Nord .......................................................................56
Abbildung 7 Das Modell des Übersetzungsprozesses nach
Wolfram Wilss.................................................................................57
Abbildung 8 Das Modell des einsprachigen Kommunikations-
prozesses..........................................................................................59
Abbildung 9 Das Modell des zweisprachigen Kommunikations-
prozesses nach Otto Kade ................................................................59
Abbildung 10 Hierarchisches Ordnungsprinzip der Über-
setzungsprozeduren nach Wolfram Wilss.........................................64
Abbildung 11 Der informative Texttyp nach Katharina Reiß .........67
Abbildung 12 Der expressive Texttyp nach Katharina Reiß...........67
Abbildung 13 Der operative Texttyp nach Katharina Reiß.............68
Abbildung 14 Feldtheorie der Übersetzungsforschung nach
James S. Holmes und Gideon Toury ................................................87
Abbildung 15 Das ,,Spannungsfeld" von Mary Snell-Hornby ........89
Abbildung 16 Stammbaum der Familie Goldschmidt ....................96
Abbildung 17 Die Villa der Familie Goldschmidt in der
Kückallee in Reinbek bei Hamburg..................................................99
Abbildung 18 Die Familie Goldschmidt im Jahre 1931 ............... 100
Abbildung 19 Georges-Arthur Goldschmidt ................................ 107
Abbildung 20 Semantisches Netz zu Satz 1-6 (FK) ..................... 159
Abbildung 21 Semantisches Netz zu Satz 1-6 (GAG: 1983) ........ 160
Abbildung 22 Semantisches Netz zu Satz 7-12 (FK) ................... 161
Abbildung 23 Semantisches Netz zu Satz 7-12 (GAG: 1983) ...... 162
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Abbildungsverzeichnis
6
Abbildung 24 Semantisches Netz zu Satz 13-15 (FK) ................. 163
Abbildung 25 Semantisches Netz zu Satz 13-15 (GAG: 1983) .... 164
Abbildung 26 Semantisches Netz zu Satz 16-17 (FK) ................. 165
Abbildung 27 Semantisches Netz zu Satz 16-17 (GAG: 1983) .... 166
Abbildung 28 Semantisches Netz zu Satz 18-23 (FK) ................. 167
Abbildung 29 Semantisches Netz zu Satz 18-23 (GAG: 1983) .... 168
Abbildung 30 Semantisches Netz zu Satz 24-27 (FK) ................. 169
Abbildung 31 Semantisches Netz zu Satz 24-27 (GAG: 1983) .... 170
Abbildung 32 Semantisches Netz zu Satz 28-31 (FK) ................. 171
Abbildung 33 Semantisches Netz zu Satz 28-31 (GAG: 1983) .... 172
Abbildung 34 Semantisches Netz zu Satz 32-35 (FK) ................. 173
Abbildung 35 Semantisches Netz zu Satz 32-35 (GAG: 1983) .... 174
Abbildung 36 Semantisches Netz zu Satz 1-3 (FK) ..................... 178
Abbildung 37 Semantisches Netz zu Satz 1-3 (GAG: 1983) ........ 178
Abbildung 38 Semantisches Netz zu Satz 1-3 (GAG: 2000) ........ 178
Abbildung 39 Semantisches Netz zu Satz 1-3 (BL) ..................... 178
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1. Einleitung
7
1. Einleitung
,,1
Alle Welt hatte nur eine Sprache und dieselben Laute. 2 Als
man vom Osten her aufbrach, fand man im Lande Sinear eine
Ebene und wohnte daselbst. 3
Sie sprachen zueinander:
,Wohlan, laßt uns Ziegel streichen und sie hart brennen!` Und
es diente ihnen der Ziegel als Stein, und das Erdpech diente
ihnen als Mörtel. 4
Dann riefen sie: ,Auf! Laßt uns eine Stadt
und einen Turm bauen, dessen Spitze bis in den Himmel reicht!
Wir wollen uns einen Namen machen, damit wir nicht in alle
Welt zerstreut werden!` 5
Der Herr aber fuhr herab, um sich
die Stadt und den Turm, den sich die Menschen erbaut hatten,
anzuschauen. 6
Der Herr sprach: ,Siehe, sie sind ein Volk, und
nur eine Sprache haben sie alle; das ist aber erst der Anfang
ihres Tuns. Nichts von dem, was sie vorhaben, wird ihnen
unmöglich sein. 7
Wohlan, laßt uns hinabsteigen! Wir wollen
dort ihre Sprache verwirren, daß keiner mehr die Rede des
andern versteht!` 8
Und der Herr zerstreute sie von da aus über
die ganze Erde hin; sie hörten mit dem Städtebau auf. 9
Darum
heißt die Stadt ,Babel`; denn dort hat der Herr die Sprache der
ganzen Welt verwirrt, und von da aus hat er sie über die ganze
Erde hin zerstreut."
1
Ob man den Mythos vom Turmbau zu Babel, der einen
Erklärungsversuch für die existierende Sprachenvielfalt darstellt, nun
glauben mag oder nicht, Tatsache ist, dass nicht alle Menschen eine
Sprache sprechen, sondern dass es heute weltweit rund 3000
2
Sprachen gibt, was die Notwendigkeit von Übersetzungen zur
Überwindung der existierenden Sprachbarrieren deutlich macht. Es
gibt aber noch zwei weitere Gründe, aus denen ich mich für die
Verwendung des obigen Zitates entschieden habe:
Zum einen war ich hierbei selbst auf eine Übersetzung
angewiesen, da ich des Hebräischen, der Sprache also, in der ein
Großteil des Alten Testamentes der Bibel ursprünglich verfasst wurde,
nicht mächtig bin.
1
H
AMP
; S
TENZEL
; K
ÜRZINGER
(1998: Gen. 11, 1-9).
2
Universallexikon
(1993:
Sprache).
Zur
Anzahl
der
Sprachen
gibt
es
unterschiedliche Angaben in den verschiedenen Lexika, je nachdem, was noch als
Sprache oder schon als Dialekt angesehen wird. Beachtet wird auch die Tatsache,
wie groß die Anzahl der Menschen ist, die eine Sprache sprechen.
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1. Einleitung
8
Ich hätte mich allenfalls für eine lateinische Übersetzung
entscheiden können, in der Hoffnung, dass diese sich sehr stark an der
Wiedergabe des ausgangssprachlichen Inhaltes orientiert hat, da die
ersten Übersetzungen der Bibel zunächst in die griechische und später
dann in die lateinische Sprache gemacht wurden. Ob das allerdings
angesichts der großen Anzahl von Neuübersetzungen ein Garant für
eine ,,richtige" Übersetzung sein kann, ist mehr als fraglich. Aus
diesem Grunde habe ich also mein vollstes Vertrauen in die
Fähigkeiten der Übersetzer gelegt, ohne mit anderen Übersetzungen,
sei es ins Deutsche oder in andere Sprachen, zu vergleichen. Im
Übrigen sei darauf hingewiesen, dass ein Großteil der Bevölkerung
neben der Muttersprache keine weitere Sprache so gut beherrscht, dass
sie auch nur einen kleinen Teil der Weltliteratur im Original lesen
könnte. Vertrauen in Übersetzer und ihre Arbeiten ist demnach das A
und O. Dass ich mich nun gerade für die oben zitierte Übersetzung
entschieden habe, hat folgenden Grund: Es handelt sich um eine sehr
moderne Bibelübersetzung, die zwar von Luthers
3
Erstübersetzung ins
Deutsche stark abweicht, auf Grund ihrer Aktualität aber bislang noch
keinem Alterungsprozess (vergleiche hierzu Kapitel 3.6) unterworfen
ist.
Zum anderen und hier komme ich nun zum zweiten Grund für
das Zitieren des Babel-Mythos ist die Bibel das meist übersetzte
Buch der Welt, das vielfach als Ausgangspunkt für Überlegungen
übersetzungstheoretischer Art genommen wurde
4
. Es sei an dieser
Stelle noch kurz darauf hingewiesen, dass sich verschiedene
Übersetzungswissenschaftler, wie z. B. Eugène A. Nida oder Jacques
Derrida
5
, ausführlich mit dem Thema Bibelübersetzungen beschäftigt
haben, worauf ich hier allerdings nicht näher eingehen möchte.
3
Vgl. zu Luthers übersetzungstheoretischen Äußerungen auch Kapitel 3.3.
4
Vgl. hierzu W
ILSS
(1977: 27).
5
Vgl. zu den Theorien von Nida und Derrida z. B. N
IDA
(1964) und D
ERRIDA
(1997a) und D
ERRIDA
(1997b).
Seite 10
1. Einleitung
9
Stattdessen komme ich nun zur Übersetzungswissenschaft:
Diese relativ junge Disziplin ist ursprünglich aus den Überlegungen
zur maschinellen Übersetzung hervorgegangen
6
und wird häufig durch
ihre Interdisziplinarität charakterisiert.
7
Die Übersetzungswissenschaft
hat immer auch Erkenntnisse aus anderen Bereichen mit in ihre
Forschungsarbeit einbezogen, was damit zu begründen ist, dass
Übersetzen z. B. auch etwas mit Sprache, Kommunikation und Kultur
8
zu tun hat.
Als Gegenstand der Übersetzungswissenschaft dient wie der
Name schon sagt die Übersetzung. Im Deutschen und im
Französischen, den beiden Sprachen, mit denen ich mich in meiner
Arbeit vorwiegend befasse, sind die Begriffe Übersetzung bzw.
traduction doppeldeutig. Diese werden einerseits zur Bezeichnung des
Prozesses, andererseits aber auch zur Bezeichnung des Produktes
verwendet.
9
Für die Übersetzungswissenschaft bedeutet dies, dass sie
zum einen eine prospektive Wissenschaft ist, die Prozessforschung
betreibt, zum anderen eine retrospektive Wissenschaft, die sich mit
Ergebnisforschung befasst.
10
Des
Weiteren sollte bedacht werden,
dass der
Begriff
Übersetzung im Volksmund häufig sowohl für den schriftlichen als
auch für den mündlichen Transfer von einer Sprache in eine andere
verwendet wird. Im Allgemeinen unterscheidet man jedoch vor allem
in wissenschaftlichen Forschungsbereichen zwischen der schriftlichen
Form des Transfers, dem Übersetzen, und der mündlichen, die als
Dolmetschen bezeichnet wird.
11
Es ist der deutsche evangelische
Theologe,
Philosoph
und
Pädagoge
Friedrich
Daniel
Ernst
6
Vgl. hierzu S
TOLZE
(
2
1997: 72).
7
Vgl. hierzu S
TOLZE
(1992: 265) und N
EUBERT
(1997: 12).
8
,,In effect, one does not translate LANGUAGES, one translates CULTURES."
Zitat von Casagrande aus dem Jahre 1954; zitiert nach B
AKER
(1996: 13).
9
Vgl. hierzu A
YAD
(1980: 24).
10
Vgl. hierzu W
ELLER
(1994: 210).
11
Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass ausführliche Definitionen im
Laufe der Arbeit folgen werden.
Seite 11
1. Einleitung
10
Schleiermacher
12
(1768-1834), der als erster konsequent zwischen
Übersetzen und Dolmetschen unterschied. Ihm fällt das Verdienst zu,
,,eine Korrelation Dolmetscher Geschäftsleben einerseits und
Übersetzer Wissenschaft, Kunst andererseits begründet zu haben."
13
Am besten lasse ich Schleiermacher hier selbst zu Wort kommen:
,,Der Dolmetscher nämlich verwaltet sein Amt in dem Gebiete
des Geschäftslebens, der eigentliche Übersetzer vornämlich in
dem Gebiete der Wissenschaft und Kunst. Wenn man diese
Wortbestimmung willkührlich findet, da man gewöhnlich unter
dem Dolmetschen mehr das mündliche, unter dem Uebersetzen
das
schriftliche
versteht,
so
verzeihe
man
sie
der
Bequemlichkeit für das gegenwärtige Bedürfniß um so mehr,
als doch beide Bestimmungen nicht gar weit entfernt sind. Dem
Gebiete der Kunst und der Wissenschaft eignet die Schrift,
durch welche allein ihre Werke beharrlich werden; und
wissenschaftliche oder künstlerische Erzeugnisse von Mund zu
Mund zu dolmetschen, wäre eben so unnüz, als es unmöglich zu
sein scheint. Den Geschäften dagegen ist die Schrift nur
mechanisches Mittel; das mündliche Verhandeln ist darin das
ursprüngliche, und jede schriftliche Dolmetschung ist eigentlich
nur als Aufzeichnung einer mündlichen anzusehen."
14
Als Oberbegriff für Übersetzen und Dolmetschen verwende ich
in Anlehnung an Otto Kade den Begriff Translation.
15
In meiner
Arbeit werde ich mich allerdings überwiegend mit dem schriftlichen
Transfer beschäftigen.
Es muss an dieser Stelle außerdem darauf hingewiesen werden,
dass häufig nicht zwischen Hin- und Herübersetzung unterschieden
wird. Und damit komme ich direkt auf das Thema meiner Arbeit zu
sprechen. Im Titel kommt ein Doppelpfeil zwischen Traduire und
Übersetzen vor, über den der aufmerksame Leser sicherlich schon
nachgedacht hat. Ich denke es ist bereits jetzt deutlich, dass damit
angedeutet werden soll, dass ich mich in meiner Arbeit nicht auf eine
Übersetzungsrichtung beschränken möchte, sondern sowohl die Hin-
als auch die Herübersetzung bearbeiten werde und das sowohl aus
12
Vgl. zu Schleiermachers übersetzungstheoretischen Äußerungen auch Kapitel 3.3.
13
K
ÖNIGS
(1979: 3).
14
Zitiert nach S
TÖRIG
(1963: 39f.). Bei H. J. Störig findet man ein umfassendes
Textkorpus zu Fragen der Übersetzungstheorien.
15
K
ADE
(1981: 199ff.). Vgl. hierzu auch W
ILSS
(1975a: 1).
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