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Diploma Thesis, 2002, 151 Pages
Author: Sascha Lock
Subject: Pedagogy - Pedagogic Sociology
Details
Tags: Spiel, Kinder, Kinderspiel, Piaget, Fritz, Spielmobil, Marburg
Year: 2002
Pages: 151
Grade: 1
Bibliography: ~ 47 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-17849-5
File size: 409 KB
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Excerpt (computer-generated)
Fachbereich Erziehungswissenschaften
der Philipps - Universität Marburg
Kinderspiel
als Sozialisationsfaktor und Lernfeld
Forschungsleitfrage :
Welche Funktionen hat das Kinderspiel,
und wie kann es spielpädagogisch gefördert und initiiert werden?
Diplomarbeit
von
Sascha Lock
Abgabetermin : 02.12.2002
Inhaltsverzeichnis
Einleitung ... 4
1. Theoretische Ansätze zum Kinderspiel ... 8
Vorüberlegungen zu den Ansätzen ... 8
1.1. Das Kinderspiel aus einer motivationspsychologischen Perspektive ... 9
1.2. Das Kinderspiel aus einer interaktionistischen Perspektive ... 12
1.3. Das Kinderspiel aus einer psychoanalytischen Perspektive ... 15
1.4. Das Kinderspiel aus einer ökopsychischen und sozialkulturellen Perspektive ... 17
Zusammenfassung ... 23
2. Die Entwicklung des Kinderspiels ... 25
Die Klassifikation der Kinderspiele nach Einsiedler ... 25
2.1. Die psychomotorischen Spiele ... 27
2.1.1. Beschreibung und Definition der psychomotorischen Spiele ... 27
2.1.2. Entwicklung des Spielverhaltens von Kindern bei psychomotorischen Spielen ... 28
2.1.2. Funktionen der psychomotorischen Spiele ... 32
2.2. Die Phantasie - und Rollenspiele ... 34
2.2.1. Beschreibung und Definition der Phantasie - und Rollenspiele ... 34
2.2.2. Entwicklung des Spielverhaltens von Kindern bei Phantasie - und Rollenspielen ... 36
2.2.3. Funktionen der Phantasie - und Rollenspiele ... 57
2.3. Die Bauspiele ... 66
2.3.1. Beschreibung und Definition der Bauspiele ... 66
2.3.2. Entwicklung des Spielverhaltens von Kindern bei Bauspielen ... 67
2.3.3. Funktionen der Bauspiele ... 68
2.4. Die Regelspiele ... 69
2.4.1. Beschreibung und Definition der Regelspiele ... 69
2.4.2. Entwicklung des Spielverhaltens von Kindern bei Regelspielen ... 74
2.4.3. Funktionen der Regelspiele ... 91
Fazit : Bedeutung des Kinderspiels aus entwicklungspsychologischer und sozialisationstheoretischer Sicht und aus der Perspektive von Kindern ... 98
3. Spielen pädagogisch fördern und initiieren ... 103
Einführung in die Spielpädagogik ... 103
3.1. Aufgabenbereiche der Spielpädagogik ... 105
3.2. Voraussetzung für das Kinderspiel ... 107
3.2.1. Schaffung und Belebung von ökologischen Spielräumen ... 107
3.2.2. Beurteilung und Empfehlung von Spielmitteln ... 114
3.3. Spielpädagogische Planung, Durchführung und Reflexion von Regelspielen in Gruppen ... 126
3.3.1. Spieldidaktik und Spielmethodik ... 126
3.3.2. Geländespiel "Outback" - ein Beispiel ... 130
3.3.3. Spielpraxisbezogene Prinzipien bei der Leitung von Spielgruppen ... 142
Schlussgedanken ... 147
Literaturverzeichnis ... 148
Outback Quiz - die Lösungen ... 151
Einleitung
In dieser Diplomarbeit beschäftige ich mich mit dem Kinderspiel. Mein Interesse dafür entstand zu Anfang meines Pädagogikstudiums im Oktober 1996. Damals sah ich kurz vor Beginn meines ersten Semesters in der philosophischen Fakultät einen Aushang der Jugendförderung Kirchhain, die eine Honorarkraft für ihren "Spielepool" suchten. Da ich neben dem Studium pädagogisch tätig sein wollte und mich die Ausschreibung der Jugendförderung ansprach, erkundigte ich mich dort hinsichtlich der Mitarbeit als Spielpool-Betreuer. Ich vereinbarte telefonisch einen Termin mit dem Stadtjugendpfleger und wurde von ihm einige Wochen später zu einem Treffen ins Jugendkulturzentrum in Kirchhain eingeladen. Bei diesem Treffen zeigte er mir den "Spielepool", der aus einer Sammlung von über 150 Tisch-, Brett- und Kartenspielen bestand. Er erklärte mir, dass die Aufgabe des künftigen, nebenamtlichen Mitarbeiters darin bestand, mit den im Stadtjugendring angeschlossenen Jugendgruppen und den Jugendklubs Spielnachmittage, bzw. Spielabende zu veranstalten, sowie die Ausleihe der Spiele zu verwalten. Ich zeigte Interesse an dieser Arbeit und bekam die Zusage für den Job. In den folgenden Monaten stellte sich jedoch heraus, dass das Spielangebot bei den Jugendgruppen nur geringe Resonanz fand. Daher beschloss die Jugendförderung, Spielnachmittage für Kinder im Jugendkulturzentrum anzubieten. Es entstand der "Spieleladen", der Spielenachmittag für Kinder von 6 bis 12 Jahren. Dieses Angebot hielt sich lange als Dauerprogramm des Spielepools, das ich insgesamt 3 ½ Jahre machte. Als Spielebetreuer führte ich im Laufe der Zeit auch verschiedene Sonderveranstaltungen durch, darunter die Siedler-Turniere und die Kirchhainer Kinderspielejury-Testtage. Die Idee zur Kinderspielejury kam mir, als ich bemerkte, dass einige neue, von Erwachsenen empfohlene Gesellschaftsspiele, die wir jährlich für den Spielepool anschafften, unseren Kindern keinen Spaß bereiteten. Deshalb luden wir Kinder aus Kirchhain und den Stadtteilen ein, neue Brett- und Kartenspiele selbst auszuprobieren und anschließend zu bewerten. Die benötigten Spiele liehen wir zunächst von einem Spielwarengeschäft aus. Anschließend kauften wir die beliebtesten Spiele ein. Die Kinderspielejury war zugleich der Vorläufer der im Jahr 2000 entstandenen Kinderspielecrew, in der Kinder an verschiedenen Orten im deutschsprachigen Raum zusammenkommen, um Gesellschaftsspiele zu testen. Gemeinsam mit Freunden, die ich über das Internet kennen lernte und die sich beruflich und / oder privat mit dem Spielen von Kindern beschäftigten, entwickelte ich das Konzept der Kinderspielecrew.
Über das Internet fand ich darüber hinaus Kinder- und Jugendzentren, Vereine, Ludotheken und Schulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die bereit waren als Testgruppen mitzumachen. Zudem bekam ich Unterstützung von Spielverlagen, die einige Exemplare ihrer neuen Brett- und Kartenspiele sponserten (vgl. Abschnitt 3.2.2.). Seit Februar 1999 leite ich im Kirchhainer Jugendzentrum die Kindergruppe "@benteuer am Computer", in deren Veranstaltungen Computerspiele angeboten werden, wie z.B. Fünf Freunde oder TKKG (vgl. Abschnitt 3.2.2.). Außerdem bin ich seit 1998 in den Sommerferien freier Mitarbeiter der Jugendförderung Marburg und wirke dort u.a. beim Spielmobil mit. Für die Spielmobilaktion entwickle ich jährlich ein Geländespiel (vgl. Abschnitt 3.3.2.).
Da ich neben dem Studium in Jugendeinrichtungen als Betreuer beschäftigt war, bzw. immer noch bin, ich die Kinderspielecrew leite und mir die (spiel)pädagogische Arbeit mit Kindern Spaß macht, entschloss ich mich, meine Diplomarbeit über das Kinderspiel zu schreiben.
Das Kinderspiel ist meiner Einschätzung nach ein sehr umfangreiches und komplexes Thema, das man in einer Diplomarbeit nicht erschöpfend behandeln kann. Daher überlegte ich mir diese Leitfrage für mein literarisches Werk :
Welche Funktionen hat das Kinderspiel, und wie kann es spielpädagogisch gefördert
und initiiert werden?
Hinsichtlich der Funktionen des Kinderspiels wollte ich herausfinden, welche Wirkungen das Kinderspiel aus entwicklungspsychologischer sowie aus sozialisationstheoretischer Sicht hat, und was Spielen für Kinder selbst bedeutet. Meines Erachtens warf die Betrachtung von Funktionen des Kinderspiels aber weitere zu berücksichtigende Fragen auf. Ich fand, dass ich auch erörtern müsste, welche Merkmale für das Kinderspiel charakteristisch sind, welche verschiedenen Typen von Kinderspiel existieren, welche Rahmenbedingungen das Kinderspiel ermöglichen, wie Kinder spielen, und wie sich ihr Spielverhalten verändert, wenn sie älter werden.
In Bezug auf spielpädagogische Förderung und Initiierung des Kinderspiels wollte ich untersuchen, wie man Voraussetzungen für das Kinderspiel schafft, und wie man Spiele didaktisch und methodisch organisiert und anleitet. Hierbei hielt ich es außerdem für wichtig zu ergründen, warum in Spielprozesse von Kindern überhaupt eingegriffen werden sollte, und was man unter Spielpädagogik allgemein versteht.
Anhand dieser Fragestellungen resultierte schließlich der nachfolgende inhaltliche Aufbau meiner Diplomarbeit. Ich musste allerdings in den einzelnen Kapiteln öfter vor - und zurückgreifen, weil die Themenbereiche des Kinderspiels ineinander "verzahnt" sind.
Im ersten Kapitel betrachte ich ausgewählte, wissenschaftliche Ansätze zum Kinderspiel und stelle dar, wie darin das Kinderspiel beschrieben wird, darunter allgemeine Merkmale, Voraussetzungen und Funktionen.
Im zweiten Kapitel gehe ich auf verschiedene Typen des Kinderspiels ein, wobei ich mich am Klassifikationsmodell von Einsiedler (1999) orientiere, der die Kinderspiele in psychomotorische Spiele, Phantasie- und Rollenspiele, Bauspiele und Regelspiele einteilt. Ich erörtere zunächst, wie sich diese Spielformen jeweils definieren lassen. Danach beschreibe ich mit empirischen Untersuchungen, wie Kinder in den vier Spielformen spielen und wie sich ihr Spielverhalten im Laufe ihrer Entwicklung verändert. Anschließend vertiefe ich die Diskussion über Funktionen des Kinderspiels aus der Perspektive des Kindes sowie aus entwicklungspsychologischer und sozialisationstheoretischer Sicht.
Anstelle einer Schlussbilanz fasse ich bereits nach dem zweiten Kapitel das erarbeitete Wissen über das Kinderspiel in einem Fazit zusammen. Dies ist vermutlich eine unübliche Vorgehensweise in einer Diplomarbeit, aber ich glaube, dass ich dadurch spielerisch eine solide "Brücke" von wissenschaftlichen Überlegungen und entwicklungspsychologischen Erkenntnissen zur pädagogischen Unterstützung des Spiels "baue".
Im dritten Kapitel beschäftige ich mich mit Spielpädagogik und beziehe mich hauptsächlich auf Fritz (1993). Als erstes definiere ich Spielpädagogik und deren Aufgabenbereiche. Dann greife ich die zur Voraussetzung des Kinderspiels gehörenden Faktoren "ökologischer Spielraum" und "Spielmittel" wieder auf und diskutiere, warum sie für das Spielen von Kindern wichtig sind und warum man heute auf sie spielpädagogisch einwirken sollte. Anschließend schildere ich am Beispiel der Spielmobilarbeit, wie man konkret "Spielplätze" mit Kindern schaffen und beleben kann. Ferner beschreibe ich pädagogische Kriterien für "gutes" Spielzeug und stelle aus meiner Sicht geeignetes Kinderspielzeug vor. Am Beispiel der Kinderspielecrew zeige ich auf, wie Kinder bei der Bewertung von Gesellschaftsspielen direkt beteiligt werden. Zuletzt erläutere ich, wie man gruppenorientierte Regelspiele didaktisch und methodisch planen, durchführen und reflektieren kann. Dabei erörtere ich die dafür benötigten Handlungsprinzipien eines Spielpädagogen und illustriere das von mir entworfene "Outback" Geländespiel.
Im Laufe meiner Diplomarbeit verwende ich die Begriffe "Entwicklung", "Sozialisation", "Spielraum" und "Umwelt" häufiger :
Entwicklung umfasst die Reifung (z.B. Wachstum) und die Lernprozesse (z.B. Motorik, Sprache und logische Operationen) des Individuums. Sie vollzieht sich in verschiedenen "Phasen", bzw. "Stufen". (Zimmermann 2000, S. 15 f.).
Sozialisation meint die Entstehung und Entwicklung der Persönlichkeit in wechselseitiger Abhängigkeit von der sozialen und materiellen Umwelt, wobei die Akzentuierung im "Mitglied - Werden" in eine Gesellschaft liegt. Im Sozialisationsprozess setzen sich die Menschen, als aktive Individuen, handelnd mit ihrer Umwelt auseinander. Familie und soziale Institutionen (Kindergarten, Schule, Vereine, etc.) haben hierbei wichtige Funktionen, weil sie Kindern Werthaltungen und Kulturtechniken des gesellschaftlichen Lebens vermitteln (Zimmermann 2000, S. 16 ff.).
Spielraum im psychologischen Sinn sehe ich in Anlehnung an Fritz (1993, S. 17) und Baer (1999, S. 30) als eine vom Kind durch seine Projektionen, Vorstellungen oder Spielregeln erschaffene zweite Wirklichkeit (Spielwelt), in der individuelle und gesellschaftliche Einflüsse miteinander verschränkt werden. Damit eine Spielwelt entstehen kann, halte ich eine entspannte Atmosphäre für grundlegend, die z.B. durch eine Familiensituation ermöglicht wird, in der Kinder ein Gefühl von Geborgenheit und Verständnis erfahren.
Mit Spielraum im ökologischen Sinn meine ich real vorhandene Spielorte, die in der Wohnung oder in Institutionen existieren (z.B. das Wohnzimmer, das Kinderzimmer, das Badezimmer, die Sporthalle, der Toberaum eines Jugendzentrum) sowie solche, die draußen vorhanden sind (z.B. der Wald, der Hinterhof, die verkehrsberuhigte Straße).
Unter Umwelt verstehe ich die konkrete Lebenssituation von Kindern, z.B. die Personen, zu denen Kinder unmittelbaren Kontakt haben (Eltern, Verwandte, Nachbarkinder, etc.), das emotionale Klima in der Familie oder in einer sozialen Einrichtung, die Plätze im häuslich-familialen Milieu und in der Wohngegend, in denen sich Kinder aufhalten, oder die Spielmittel, die Kindern zur Verfügung stehen (vgl. Mogel 1994, S. 215).
[...]
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