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Deutsche und Spanier - Kollektive Identitäten, Selbstbilder und Fremdwahrnehmungsmuster

Diploma Thesis, 2008, 101 Pages
Author: Verena Witt
Subject: Spanish For Pre-University Students

Details

Category: Diploma Thesis
Year: 2008
Pages: 101
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 58  Entries
Language: German
Archive No.: V117946
ISBN (E-book): 978-3-640-20158-7
ISBN (Book): 978-3-640-20658-2
File size: 933 KB
Notes :
Beurteilung durch den Dozenten: > Die Arbeit ist im Sinne der Fragestellung klar angelegt und gut strukturiert. > Sie erreicht die formulierten Ziele, wobei hierbei die Kapitel 5 und 6 den Kernbereich der Studie bilden. Dies führt zu einem sehr erfreulichen Ergebnis. ht die formulierten Ziele, wobei hierbei die Kapitel 5 und 6 den Kernbereich der Studie bilden. Dies führt zu einem sehr erfreulichen Ergebnis.


Abstract

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, was sich in den Fremdwahrnehmungsbildern und in den eigenen Selbstbildern widerspiegelt. Sagen diese nicht viel über das eigene Empfinden aus und geben ebenfalls eine Wertigkeit preis? Warum nehmen wir die andere Nation so wahr, wie wir es tun? Und welche Rolle spielen kollektive Identitäten? Die Abhandlung soll einen Zugang zur kulturellen Vielfalt Spaniens geben und das Verstehen von Alltag, von Handeln, Fühlen und Denken seiner Menschen ermöglichen. Zugleich soll die Arbeit auch die deutsche Identität näher beleuchten und Gemeinsamkeiten zur spanischen herausstellen. Woher kommen diese Klischees und Bilder – und vor allem: Stimmen diese überhaupt mit der Wirklichkeit überein? Ist es nicht vielmehr so, dass man in den letzten Jahren einen Wertewandel sowohl in Deutschland als auch in Spanien feststellen konnte und die beiden Nationen sich in ihrer Basis und ihren Grundzügen doch sehr gleichen? Sind Parallelen in den Bereichen Kirche und Glauben, Familie und Freunde, Arbeit und Freizeitstatus nicht offensichtlich? Wenn dies so ist, warum existieren verschiedene Fremdwahrnemungsmuster und hartnäckige Vorurteile? Die Herausforderung eines solchen Vergleiches birgt besondere Schwierigkeiten zwischen wissenschaftlichem Anspruch und breiter Rezitierbarkeit. Es fällt schwer, in einem Text die kollektiven Identitäten, die Selbstbilder und Fremdwahrnehmungsmuster eines ganzen Landes zu beschreiben, ohne zu verallgemeinern, denn jedes der beiden zu vergleichenden Länder unterscheidet sich zusätzlich noch durch den Einfluss und die Persönlichkeit ihrer spezifischen Regionen. So wird ein Bayer Gemütlichkeit anders definieren als ein Schwabe.


Excerpt (computer-generated)

Deutsche und Spanier: Kollektive Identitäten,

Selbstbilder und Fremdwahrnehmungsmuster

DIPLOMARBEIT

3 - M o n a t s - A r b e i t

zur Erlangung des akademischen Grades

Diplom-Handelslehrerin

an der

Georg-August-Universität Göttingen

eingereicht am Lehrstuhl für Romanische Philosophie,

insbesondere spanische Landeswissenschaften

vorgelegt:

1. Juli 2008

von:

Witt, Verena

Herford, 1. Juli 2008


Inhaltsverzeichnis

Seite

Inhaltsverzeichnis II

Abbildungsverzeichnis IV

Tabellenverzeichnis V

Abkürzungsverzeichnis VI

Einleitung 7

1.

Theoretische und methodische Überlegungen 9

1.1 Fremdwahrnehmungsmuster 10

1.2 Identitätsbegriff 16

1.3 Nationale Identitäten 18

1.4 Kollektive Identitäten 19

1.5 Selbst- und Fremdbilder 20

Darstellender Teil 23

2.

Selbstbilder 23

2.1 ,,Typisch deutsch" ­ über Ticks und Tugenden der Teutonen 23

2.2 ,,Typisch spanisch" ­ über Ticks und Tugenden der Iberer 27

3.

Typisierende Bilder 33

3.1 Typisierende Bilder in Deutschland ­ Michel, Faust,

Siegfried und der Baron von Münchhausen 33

3.2 Typisierende Bilder ­ Don Quijote, Don Juan,

Celestina, Carmen und der Torero (Stierkämpfer) 35

4.

Fremdwahrnehmungen 38

4.1 Das Bild der Deutschen im Ausland 38

II


4.2 Spaniens Wahrnehmung von Deutschland 42

4.3 Das Bild der Spanier im Ausland 47

4.4 Deutschlands Wahrnehmung von Spanien 50

5.

Kollektive Identitäten und Tugenden auf dem Prüfstand 55

5.1 Fleiß und Arbeit 56

5.2 Freizeit, Klima und Siesta 59

5.3 Individualismus 62

5.4 Regionalismus und Heimat 63

5.5 Nationalstolz 71

5.6 Familie 77

5.7 Religion 81

6.

Resümee: Spanien ist anders ­ Deutschland auch! 86

Anhang I 92

Literaturverzeichnis 93

III


Abbildungsverzeichnis

Seite

Abbildung 1-1: "

Kurtze Beschreibung der in Europa befintlichen Völckern

und ihren Aigenschaftten

", Steiermark, Anfang 18. Jahrhundert

(Österreichisches Museum für Volkskunde, Wien) 11

Abbildung 4-1: Karikatur ,,typischer Deutscher" 38

Abbildung4-2: Flamenco und Stierkampf in Spanien 47

Abbildung 4-3: Der typische Spanier 50

Abbildung 4-4: Geburtenziffern im europäischen Vergleich 1980 und 2002

(Kinder pro Frau), 78

Abbildung 4-5: Anteil der außerehelichen Lebendgeborenen im internationalen

Vergleich 1980 und 2002 (pro 100 Lebendgeborene) 80

IV


Tabellenverzeichnis

Seite

Tabelle 1-1: Eigene Darstellung und Übertragung aus der Völkertafel Abbildung 1-1 12

Tabelle 2-1: Eigene Darstellung, ,,Was halten Deutsche für ihre besten und schlechtesten

Eigenschaften" 24

Tabelle 5-1: Eigene Darstellung, ,,Urlaubs- und Feiertage im internationalen Vergleich" 56

Tabelle 5-2: Eigene Darstellung ,,Lebenszufriedenheit" 60

Tabelle 5-3: Eigene Darstellung, ,,Wie stark verbunden fühlen Sie sich mit der EU,

ihrem Land, ihrer Region, ihrem Dorf/Stadt? 70

Tabelle 5-4: Eigene Darstellung, ,,Grad des Zugehörigkeitsgefühls in Prozent-

angaben" 71

Tabelle 5-5: Eigene Darstellung, ,,Nationalstolz in Abhängigkeit vom Bildungsstandard,

vom Alter und Geschlecht" 75

Tabelle 5-6: Eigene Darstellung:,,Struktur der spanischen Bevölkerung nach

Altersgruppen" 79

V


Abkürzungsverzeichnis

Seite

DAAD - Deutscher Akademischer Austausch Dienst 46

EVS

- European Values Studies 61

GfK

- Growth from Knowledge 26

VI


Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, was sich in den Fremdwahr-

nehmungsbildern und in den eigenen Selbstbildern widerspiegelt. Sagen diese nicht

viel über das eigene Empfinden aus und geben ebenfalls eine Wertigkeit preis? Wa-

rum nehmen wir die andere Nation so wahr, wie wir es tun? Und welche Rolle spie-

len kollektive Identitäten?

Die Abhandlung soll einen Zugang zur kulturellen Vielfalt Spaniens geben und das

Verstehen von Alltag, von Handeln, Fühlen und Denken seiner Menschen ermögli-

chen. Zugleich soll die Arbeit auch die deutsche Identität näher beleuchten und Ge-

meinsamkeiten zur spanischen herausstellen. Woher kommen diese Klischees und

Bilder ­ und vor allem: Stimmen diese überhaupt mit der Wirklichkeit überein? Ist es

nicht vielmehr so, dass man in den letzten Jahren einen Wertewandel sowohl in

Deutschland als auch in Spanien feststellen konnte und die beiden Nationen sich in

ihrer Basis und ihren Grundzügen doch sehr gleichen? Sind Parallelen in den Berei-

chen Kirche und Glauben, Familie und Freunde, Arbeit und Freizeitstatus nicht of-

fensichtlich? Wenn dies so ist, warum existieren verschiedene Fremdwahrnemungs-

muster und hartnäckige Vorurteile? Die Herausforderung eines solchen Vergleiches

birgt besondere Schwierigkeiten zwischen wissenschaftlichem Anspruch und breiter

Rezitierbarkeit. Es fällt schwer, in einem Text die kollektiven Identitäten, die Selbst-

bilder und Fremdwahrnehmungsmuster eines ganzen Landes zu beschreiben, ohne zu

verallgemeinern, denn jedes der beiden zu vergleichenden Länder unterscheidet sich

zusätzlich noch durch den Einfluss und die Persönlichkeit ihrer spezifischen Regio-

nen. So wird ein Bayer Gemütlichkeit anders definieren als ein Schwabe. Ein Baske

wird ebenfalls anders über Regionalismus denken als ein Andalusier. ,,

Ohne stereo-

type Muster wären wir unfähig, uns in unserer sozialen Umwelt zu bewegen. Wenn

wir nicht über einen Vorrat gesellschaftlich vorgeprägter Perzeptions-, Urteils- und

Handlungsmuster verfügten, wären wir unfähig, auch nur über die Straße zu ge-

hen.

"1

1 Hans Nicklas/Änne Ostermann: ,,Die Rolle von Images in der Politik. Die Ideologie und ihre Bedeu-

tung für die Imagebildung am Beispiel des Ost-West-Konflikts." In: Bundeszentrale für politische

Bildung (Hrsg.): Völker und Nationen im Spiegel der Medien. Bonn 1989, S. 23


Der theoretische Teil dieser Arbeit soll zeigen, wie solche geistigen Konstrukte zu-

stande kommen und welche Bedeutung sie beim Entstehen von Bildern anderer Nati-

onen haben. Um Identitäten von Nationen zu beschreiben und diese vergleichen zu

können bzw. kollektive Identitäten herauszustellen, müssen all jene Bereiche be-

leuchtet werden, die einen bestimmten Einfluss auf die Ausprägung nationaler Ei-

genarten haben. Hierbei sind besonders historische Prozesse und Ereignisse, die das

nationale Bewusstsein geprägt haben, sowie kulturelle Werte und konkrete Lebensbe-

reiche als auch soziale Strukturen von besonderer Bedeutung. Um ein facettenreiches

Bild einer vielschichtigen Gesellschaft zu erhalten, müssen mehrere Merkmale be-

sondere Berücksichtigung finden.2 Im Einzelnen wird der Blick auf die Einstellung

der deutschen und spanischen Bevölkerung gerichtet. Hierbei werden die verschiede-

nen Verhaltensdispositionen, die von den wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen

Verhältnissen und internationalen Problemen beeinflusst sind, genauer betrachtet.

Auch soll auf die gewachsenen spezifischen Persönlichkeitsmerkmale näher einge-

gangen werden.3 Im ersten Kapitel dieser Arbeit wird versucht, den Begriffen der

Identität gerecht zu werden und ihre Entstehung in Deutschland und Spanien näher

zu beleuchten. Es soll aufgezeigt werden, auf welche Weise Typisierungen zustande

kommen und welche Funktion sie haben. In einem weiteren Schritt werden Überle-

gungen zum Nationalbewusstsein in Deutschland und Spanien angestellt. Danach

erfolgt eine Beschreibung der Selbst- und Fremdwahrnehmung von Deutschen und

Spaniern. Im darstellenden Teil werden die Selbstbilder und typisierenden Bilder so-

wie die Fremdwahrnehmungen weiter spezifiziert. Abschließend befinden sich die

kollektive Identitäten und Tugenden auf dem Prüfstand. Diese sollen anhand von

Studien und Meinungsumfragen analysiert werden und auf ihre heutige Aktualität

untersucht werden.

2 vgl. Seidel, 2002, S. 17

3 vgl. Roth, 1979., S. 8

8


1. Theoretische und methodische Überlegungen

Mit Begriffen zu operieren, wie sie im Titel dieser Diplomarbeit stehen, weckt ge-

wisse ambivalente Gefühle. ,,Kultur", ,,Identität", ,,Selbstbilder" und ,,Fremdwahr-

nehmungen" ­ dies sind jedes für sich Codeworte des Zeitgeistes. Eine Aussage über

die Mentalität eines Volkes zu treffen ist nicht einfach, denn für nahezu alles, was

nationaltypisch sein soll, lassen sich Gegenbeispiele anführen. Kann die Beschrei-

bung von typischen Merkmalen anhand von empirischen Befunden untermauert wer-

den, so haftet jedem Versuch zu erklären, weshalb ein Volk zu dem wurde, was es

ist, etwas Spekulatives an. Selbst, wenn man die komplette Bevölkerung einer Nation

einzeln befragen und ihre Selbstcharakteristik statistisch auswerten würde, wäre man

noch immer nicht sicher, ob sie wirklich so ist, wie sie sich einschätzet. Und doch ist

fast jeder davon überzeugt, dass nationale Eigentümlichkeiten des Verhaltens und der

Wertsetzung vorhanden sind.

Bei den Deutschen kommt ein besonderes Problem hinzu, denn sie haben sich von

ihrer Geschichte vor 1945 entschiedener getrennt als die übrigen europäischen Natio-

nen.4 Jeder, der als Fremder auf ein Land blickt, konstruiert sich sein Wunsch-Land

und verbindet es mit seinen individuellen Wünschen und Vorstellungen. Hierbei ist

noch zu beachten, dass ein Deutscher sicherlich ein anderes Bild von Spanien hat als

zum Beispiel ein Franzose. Ein Spanier wird Deutschland ebenfalls mit anderen Au-

gen sehen als ein Brite. Über Jahrzehnte hat man das Deutschlandbild der Spanier

und das Spanienbild der Deutschen gesucht. Touristen, Gastarbeiter, Geschäftsleute

und Sportinteressierte machen sich ständig ein Bild vom anderen Land oder haben

sich bereits ein Urteil über die Eigentümlichkeiten des Anderen gebildet.

Heute ist man sich einig, dass Bilder nicht einfach entstehen, vielmehr weiß man,

dass sich die Spanier ihre Deutschlandbilder selbst entwerfen, wie umgekehrt die

Deutschen sich ihre Spanienbilder konstruieren. Die oft thematisierten Stereotype

fungieren dabei als Filter. Dirschel stellt heraus, das die Wahrnehmung des Anderen

demnach eine mentale Konstruktion des Anderen ist. Durch die Begriffe ,,Wahrneh-

4 vgl. Gelfert, 2005, S. 7

9


mung" und ,,Perzeption" des Fremden können neue Erkenntnisse darüber gewonnen

werden, wie sich die verschiedenen Nationen sehen und sich gegenseitig wahrneh-

men. Durch die Perzeption des Andern wird immer auch das Eigene mitartikuliert.5

So gibt der Deutsche bei seiner Sicht über die Spanier immer auch etwas von seinem

Selbstbild preis und andersherum. Der Eindruck, den wir von einem andern Land ha-

ben, kann jedoch nicht pauschalisiert werden und hat daher keine allgemeine Gültig-

keit. So wird ein spanischer Kellner auf Mallorca oder am Strand von Benidorm ein

anderes Deutschlandbild haben als ein Schriftsteller oder Geschäftspartner. Im Fol-

genden sollen Wahrnehmungsmuster und Wahrnehmungsstrategien, sowie die Beg-

riffe "Identität", ,,Selbstbild" und ,,Fremdwahrnehmungsmuster" näher erläutert wer-

den. Diese sollen dabei behilflich sein, die Entstehung von (spanischen) Deutsch-

landbildern ­ oder besser: Die Perzeption von Deutschland ­ vorzustellen. Ebenso

wie die (deutschen) Spanienbilder bzw. die Perzeption von Spanien.

1.1 Fremdwahrnehmungsmuster

Was sind Fremdwahrnehmungsmuster und warum ist ihre Erforschung und genaue

Beobachtung so wichtig für ein Land? Bereits im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts

begann das wissenschaftliche Interesse an der Entstehung und Wirkung von nationa-

len Fremd- und Eigenbildern. Am Anfang waren die Forscher davon überzeugt, dass

es eindeutige Unterschiede zwischen den Nationen und daher auch klare ,,National-

charaktere" gebe.6 Die ersten ,,Völkertafeln" entstanden sogar bereits zu Anfang des

18. Jahrhundert. In diesen wurden Spanier, Franzosen, Italiener (Welsche), Deutsche,

Engländer, Schweden, Polen, Ungarn, Russen (Moskowiter), Türken und Griechen

nach angeblich völkertypischen Merkmale klassifiziert (siehe Völkertafel auf der

nachfolgenden Seite).

5 vgl. Bernecker, 2004, S. 561 - 562

6 vgl. Stierstorfer, 2003, S. 7 - 9

10



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