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Scholary Paper (Seminar), 2008, 16 Pages
Author: Filiz Bek
Subject: History - Middle Ages, Early Modern
Details
Institution/College: LMU Munich (Bayerische Geschichte)
Tags: Angerkloster, München, Mittelalter, Proseminar
Year: 2008
Pages: 16
Grade: 2,00
Bibliography: ~ 14 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-20924-8
File size: 154 KB
Anmerkung des Dozenten: - geeignete Literatur - guter, problemorientierter Zugang - sachgerechter Aufbau - Thesenbildung zeugt von Sachkompetenz - Schwäche: Stil z.T. zu umgangssprachlich uneinheitliche TempuswahlAnmerkung des Dozenten: - geeignete Literatur - guter, problemorientierter Zugang - sachgerechter Aufbau - Thesenbildung zeugt von Sachkompetenz - Schwäche: Stil z.T. zu umgangssprachlich uneinheitliche Tempuswahl
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Ludwig-Maximilians-Universität München
Fakultät für Geschichtswissenschaft
Historisches Seminar
Bayerische Geschichte
Seminar: München im Mittelalter
Sommersemester 2008
Das Angerkloster
in München im Mittelalter
vorgelegt von: Filiz Bek
Gliederung
A. Der Anger heute und damals 3
B. Das Angerkloster in München im Mittelalter 4
I. Die Ordensstifter 4
1. Hl. Franz von Assisi 4
2. Hl. Klara von Assisi 5
II. Das Kloster in München 6
III. Der Anger vor den Franziskanern 8
1. Pilgergeschichtlicher Blickwinkel 9
a. Hl. Jakobus 9
b. Pilgerweg 9
c. Das Patrozinium 10
2. Missionarischer Blickwinkel 11
a. Iro-schottische Mission 11
b. Patrozinium 12
3. Fazit 13
C. Ausblick 13
Literaturverzeichnis 14
A. Der Anger heute und damals
Im Jahr 2008 feiert die ,,heimliche" Hauptstadt München ihren 850. Geburtstag.
Vor allem in der Altstadt wird viel gefeiert und gerade im Zentrum am Marienplatz finden sich oft
kleinere oder größere Veranstaltungen, die die Geschichte der Stadt und ihre Entwicklung
unterhaltsam aufbereiten.
Schlendert man von dort auf der Suche nach den Spuren der Vergangenheit, über Rindermarkt ins
Rosenthal, gelangt man rechts an den Sankt-Jakobs-Platz im Angerviertel.
Dort steht das Theresia-Gerhardinger-Gymnasium, eine Mädchenschule unter der Leitung der
Armen Schulschwestern Unserer Lieben Frau.
Betrachtet man dieses Gebäude wird einem nicht viel auffallen. Recht unscheinbar und keineswegs
altertümlich steht es zwischen Blumenstraße und dem Unterem Anger. Aber man darf sich nicht
täuschen lassen, der Platz hat eine lange und ereignissreiche Geschichte.
Damals lag er vor den Stadtmauern und hieß noch nicht Sankt-Jakobs-Platz sondern Anger, was
nichts anderes bedeutet als Wiese.
Eine Wiese vor der Stadt, die erst im Zuge der Stadtentwicklung und - erweiterung Bedeutung
bekommt und heute, 850 Jahre nach Gründung der Stadt im Zentrum liegt.
Aber was hat es mit der Geschichte dieses Angers auf sich? Lange bevor für die jungen Mädchen
eine Schule eingerichtet wurde, stand genau an dieser Stelle ein Kloster.
Ich möchte nun in meiner Arbeit auf eben dieses Kloster, das Angerkloster in München, eingehen.
Bevor die Geschichte des Klosters dargestellt wird, soll auf die Klosterorden am Anger geblickt
werden, wobei der Fokus auf den Ordensgründern liegt.
Anschließend gehe ich der Frage nach, ob die Geschichte des Angers, speziell die dort
vorgefundene Kapelle, mit den ersten Franziskanermönchen beginnt oder vielleicht schon früher
anzusetzen ist.
B. Das Angerkloster in München im Mittelalter
I.
Die Ordensstifter
Im Mittelalter bewohnten zwei Orden das Angerkloster. Beide zählen zum Bettelorden, auch
Minoritenorden genannt. Zuerst kamen die Franziskanermönche, gefolgt von den Klarissinnen, dem
Frauenorden der Franziskaner.
1.
Hl. Franz von Assisi
Franziskus, der ,,seraphische Heilige", wird 1182 in Assisi in Italien, als Sohn des Kaufmanns
Pietro Bernadone geboren. Ursprünglich auf den Namen Johannes getauft, wird er erst später
Franziskus genannt.
Als Sohn reicher Eltern erhält er eine gute Bildung und verbringt eine lebensfrohe Jugend.
Im Jahr 1204 wird er durch schwere Krankheit und Gefangenschaft geläutert und beschließt sein
Leben zu ändern. Er will in der Nachfolge Christi leben und verkündet seine Braut sei von nun an
die ,,Armut".
Inspiriert wurde Franziskus dabei von der Jüngeraussendung Matth. 10, 6-14: ,,Machet die Kranken
gesund, reinigt die Aussätzigen, weket die Toten auf, treibet die Teufel aus (...) weder Gold noch
Silber sei in euren Gürteln, traget weder Röcke noch Schuhe (...) umsonst habt ihr empfangen,
umsonst gebet es auch".
Durch seine Predigten und seine vorbildliche, tugendhafte Lebensweise findet der ,,Barfüßer"
schnell Anhänger, die sich ,,Mindere Brüder" nannten. 1209/10 gründet er den ,,Orden der
Minderbrüder".
Grundprinzipien des Minoritenordens sind dabei strikte Armut, Nächstenliebe und Predigt, gemäß
der apostolischen Lebensform.
Jahre später zieht sich Franz 1224 aus dem Amt der Ordensverwaltung zurück und erfährt die
Stigmatisation. Am 3.Oktober 1226 stirbt Franziskus in Assisi. Bereits 1228 wird er von Papst
Gregor IX. heilig gesprochen.
Schon zu Lebzeiten war Franziskus, auch ,,Bruder Immerfroh" genannt, und sein Orden hoch
angesehen, sodass zahlreiche Minoritenklöster entstanden. Ausgehend von Umbrien verbreiteten
sich die Konvente über die Alpen in ganz Europa. Sogar auf Zypern und nördlich vom schwarzen
Meer lassen sich Gründungen nachweisen. Diese Klöster nahmen in den Städten zentrale
Bedeutung für Armenpflege, Predigt und Seelsorge ein.
Franz von Assisi zählt zu den wichtigsten Reformer der mittelalterlichen Kirche. Wegen seines
Lebens in der Nachfolge Christi gehört er zu den wichtigsten christlichen Heiligen. Er ist u.a.
Schutzpatron für Kaufleute, für die Armut an sich und wird angerufen gegen die Pest und
Kopfschmerzen. Außerdem ist er der Hauptpatron für Italien.
2.
Hl. Klara von Assisi
Wie bereits oben beschrieben war Franziskus sehr beliebt und fand schnell zahlreiche Anhänger.
Bei einer seiner vielen Predigten hörte ihm die junge, adlige Chiara Offreduccio zu und war sofort
begeistert.
Klara, lateinisch die ,,Glänzende"1, wurde 1194 in Assisi geboren und entschloss sich schon in
jungen Jahren ihr Leben Gott zu widmen. Als sie Franziskus kennen lernt, findet sie schnell Zugang
zu dessen Armutsgedanken und beschließt dem Prediger zu folgen.
Sie wendet sich von ihrer Familie ab und legt bei Franziskus das Gelübde der Armut, der
Keuschheit und des Gehorsams ab. Sie nennt sich selbst die ,,kleine Pflanze des heiligen Vaters
Franziskus".
Zusammen gründen die beiden den ,,zweiten Orden der armen Frauen", der sich später
Klarissenorden nennen wird. Der Frauenorden zählt zu dem franziskanischen Bettelorden und
untersteht dessen geistlicher Leitung.
Die Schwestern leben, wie die Minoritenbrüder, in strenger Armut und tragen Sorge für Bedürftige,
vor allem für Witwen und alleinstehende Frauen. Ein großer Unterschied besteht allerdings.
Während die Brüder stark in der Öffentlichkeit stehen, leben die Nonnen in strenger Klausur. Da sie
deswegen nicht betteln können, dürfen Klarissinnen seit 1263 -10 Jahre nach Klaras Tod - eigenen
Besitz haben, was allerdings nicht Klaras eigenen Ansätzen entspricht.
Am 11.August 1253 stirbt die Äbtissin Klara in ihrem Kloster St. Damiano bei Assisi. 1255 wird sie
von Papst Alexander IV. heilig gesprochen.
Wie auch der Franziskanerorden, ist der Klarissenorden noch zu Lebzeiten der Heiligen sehr beliebt
und sowohl in Italien, als auch nördlich der Alpen stark verbreitet.
Waren es 1253 schon 111 Klöster, stieg die Zahl Klaras Anhänger im Laufe der Zeit immer stärker
an. Kurz nach Klaras Tod erreichen die Klarissinnen auch Deutschland und finden schnell große
Verbreitung.
Im Jahr 1258 wird in Söflingen bei Ulm ein Kloster gegründet. 29 Jahre später, im Jahr 1287,
ziehen von dort 4 Klarissinnen nach München und beziehen dort das Angerkloster.
1 Eine Legende besagt, Klaras Mutter habe bei der schweren und gefährlichen Geburt die Worte vernommen: ,,Fürchte
II.
Das Kloster in München
Im folgenden Gliederungspunkt möchte ich auf die Geschichte eben dieses Angerklosters eingehen.
Hierzu werden Eckdaten herausgegriffen, die sich auf den Zeitraum 1221 bis 1500 beziehen. Ab
dem Ende des Mittelalters werden nur exemplarisch Daten genannt um die Geschichte des
Angerkloster zu vervollständigen.
Im Oktober des Jahres 1221 kommen die ersten Franziskaner unter Führung des Caesarius von
Speyer aus Italien nach Bayern und lassen sich in Augsburg nieder2. Vermutlich wurde ein Bruder
Jordan mit zwei Brüdern von dort aus nach Salzburg geschickt. Als sie im darauf folgenden Jahr
aus Salzburg zurückkehren, soll ihr Weg sie über München geführt haben. Es wird angenommen,
dass dort einige Brüder zurückblieben3.
Der Klostertradition zufolge war dies der Anlass für die Klostergründung am Münchner Anger im
Jahr 1221 bzw. 1222. Im Nekrologium der Münchner Barfüßer wird hierzu Bruder Castinus
(Castmus) genannt, der als Gefährte des Caesarius von Speyer, das Kloster gegründet haben soll:
,,Obiit frater Kastinus fundator domus minorum in Monaco"4
Das Problem ist, dass das Gründungsjahr 1221 bzw. 1222 sehr strittig ist, da die Quellenlage eine
genaue Datierung fast unmöglich macht. Die Bavaria Antiqua Franciscana legt diese Schwierigkeit
treffend dar: ,,Die alte Tradition von 1221 als Gründungsjahr steht weder geschichtlich fest, noch
kann sie endgültig als grundlos hingestellt werden"5
Wenn man hierzu das Gründungsjahr des Angerklosters mit dem anderer Franziskanerklöster
vergleicht, fällt auf, dass der Bettelorden vor 1229 in Bayern wohl keine Klöster gegründet hat6.
Sogar in Augsburg spricht man bei der Klostergründung St. Pauls vom Jahre 12547. Regensburg
erreichten sie erst 12268.
Es kommt die Frage auf, weshalb die Franziskaner in München früher ein Kloster gründen sollten
als zum Beispiel in Augsburg, besonders da München zu dieser Zeit im Vergleich zu anderen
Städten noch recht unbedeutend war.
Das erste sichere Datum für das Bestehen des Angerklosters findet sich erst Jahre später.
Papst Alexander IV. erlässt im Frühjahr 1257 eine Bulle, in der er dem Guardian des
dich nicht, du wirst ein Licht gebären, welches mit seinem Glanz die arme Welt erleuchten wird".
2Stahleder, Helmut: Chronik der Stadt München, Bd. 1: Herzogs und Bürgerstadt. Die Jahre 1157 1505. München
1995.(im Folgenden abgekürzt mit: Stahleder 1995.) S. 27.
3Gatz, P. Johannes: Franziskanerkloster St. Jakob am Anger, München. In: Bavaria Franciscana Antiqua, Bd. 3,
München 1957. S. 7 16. (im Folgenden abgekürzt mit: Gatz 1957.) S. 15.
4Stahl, Dr. Hermann: Dokumente ältester Müncher Familiengeschichte 1290 bis 1620 aus dem Stifterbuch der Barfüßer
und Klarissen in München 1424. München 1954. S. 280. [14.Dezember]
5Gatz 1957. S. 13.
6Stahleder 1995. S. 27.
7Eubel, P.Konrad: Geschichte der Oberdeutschen Minoritenprovinz, Würzburg 1886. S. 5. zitiert nach: Gatz 1957. S.
14.
Franziskanerklosters in München 100 Tage Ablaß gewährt, wenn der heilige Franziskus, Antonius
und die heilige Jungfrau Klara an bestimmten Tagen geehrt und gefeiert
werden.
Somit ist bewiesen, dass spätestens ab 1257 die Franziskaner das Angerkloster bewohnten.
Bereits 27 Jahre später verlassen die Franziskaner das Kloster, denn Herzog Ludwig der Strenge
lädt sie 1284 ein, neben seiner Residenz9 innerhalb der Stadtmauern das Kloster St. Anton zu
beziehen.
Das nun leer stehende Angerkloster wird daraufhin von dem Frauenorden der Franziskaner, den
Klarissen, übernommen. Am 16. Oktober 1284 ziehen vier Nonnen aus dem Kloster Söflingen bei
Ulm nach München10.
Unter ihnen waren zwei Töchter der wohlhabenden und einflussreichen Familie Sentlinger. Es
verwundert also nicht, dass Sighart Sentlinger, der Bruder der Nonnen, maßgeblich am Umzug der
Franziskaner beteiligt war und so den Einzug der Klarissen ermöglichte11.
Eine Urkunde belegt, dass im Jahr 1287 das Angerkloster bereits innerhalb der Stadtmauern liegt12.
Ab 1289 waren die Klarissen den Minoriten in München rechtlich gleichgestellt. Papst Bonifaz
VIII. bestätigte am 5.April Privilegien und Freiheiten, sowie die Immunität und Indulgenz des
Klosters13.
Die Nonnen des Klosters nehmen 1349 Agnes, die 4 jährige Tochter Kaiser Ludwigs auf, die aber
bereits 3 Jahre später verstirbt14.
Knapp 150 Jahre nach dem letzten Ablaß wird dem Kloster wieder ein Ablaß verliehen. Papst
Bonifaz IX gewährt am 14.August 140115 den seltenen Portiuncula Ablaß16.
Als im Oktober 1404 das Gewölbe der Klosterkirche eingestürzt ist, wurde sofort mit dem
Wiederaufbau begonnen, der schon 1408 wieder beendet war17, was wohl auf ein solides
finanzielles Fundament schließen lässt.
Zwischen 1470 und 1480 wurde das Angerkloster mehrmals reformiert. Hierzu wurden im Oktober
1480 Nonnen aus Nürnberg geschickt, die den Münchner Klarissen zur Hand gehen sollten18.
Innerhalb der Neuzeit ist das nächste wichtigere Datum das Jahr 1769. Wegen angeblichen
Missständen und dem Skandal um die geflohene Nonne Magdalena Paumann wurde das
8Stahleder 1995. S. 27.
9Heute: Max Josephsplatz und Nationaltheater
10Stahleder 1995. S. 52.
11Vgl. z.B.: Weichselgarnter, Carolin: Kloster und Stadt. Das Angerkloster in München im Mittelalter. Remscheid 2004.
(im Folgenden abgekürz mit Weichselgarnter 2004) S. 31.
12Stahleder 1995. S. 56.
13Ebd.: S. 69.
14Ebd.: S. 131.
15Ebd.: S. 213.
16Der Ablaß gilt am Fest ,,Vincula petri" (1.August) und drei folgende Tage.
17Stahleder 1995. S. 221.
Franziskanerhospiz aufgehoben. Bis dato unterstand das Frauenkloster den Franziskanern, erst ab
1772 nehmen die Brüder die Seelsorge des Frauenordens wieder auf 19.
1799 wurde im Kloster auf Aufforderung des Geistlichen Rats hin eine Mädchenschule
eingerichtet20.
Im Zuge der Säkularisation wird das Angerkloster 1803 aufgelöst. Im Winter des Jahres ziehen die
Nonnen in das Kloster nach Dietramszell. Die letzten Klarissinnen verlassen am 2. Dezember das
Angerkloster zu München21.
1843 übernahm Maria Theresia Gerhardinger das Konventgebäude und die Kirche, sie gründete den
,,Orden der Armen Schulschwestern von Unserer Lieben Frau". Während des Dritten Reiches
wurde der Orden unterdrückt und das Kloster durch Luftangriffe größtenteils zerstört.
Erst 1957 übernehmen die Schulschwestern das neu errichtete Angerkloster wieder. Heute befindet
sich in dem Gebäudekomplex das Theresa-Gerhardinger-Gymnasium für Mädchen22.
III. Der Anger vor den Franziskanern
Das Bestehen der Franziskaner am Anger ist seit dem Jahr 1257 belegt. Das Archivium Antiquum
des Franziskanerklosters aus dem Jahr 1717 führt abschriftlich die Ursprungslegende der
Franziskaner am Anger. Diese spricht davon, dass die Franziskaner bereits seit 1221 bzw. 1222 am
Anger waren.
In dieser Quelle wird beschrieben wie die Franziskaner am Anger ankamen und auf Grund ihres
vorbildlichen Lebenswandel bei der Bevölkerung Münchens sehr beliebt waren. Eben deshalb soll
dem Bruder Castinus eine Kapelle und ein halb verfallenes Haus überlassen worden sein23.
Diese Kapelle soll die sogenannte St. Jakobskapelle gewesen sein und lag auf einer Wiese vor der
Stadt dem Anger.
Allerdings geben die Schriften keine Informationen über das Baujahr der Kapelle, noch über den
Erbauer selbst24.
Geht man aber davon aus, dass diese Angaben stimmen, hieße das, dass bereits vor dem Eintreffen
der Franziskanermönche im Jahr 1221 auf dem Angerbereich eine religiöse Einrichtung
vorzufinden war.
18Ebd.: S. 430, 480, 483.
19Stahleder, Helmut: Chronik der Stadt München, Bd. 3: Erzwungener Glanz. Die Jahre 1706 1818. München 2005.
anderer Band!!! letzter Band (im Folgenden abgekürtz mit: Stahleder 2005.) S. 288.
20Ebd.: S. 477.
21Ebd.: S. 526 - 27.
22Zinsbacher, Stefan: Theresia Gerhardinger Gymnasium. URL: www.tggaa.de (Stand: 06.Juni 2008)
23HStA München Klosterliteralien Bayerische Franziskanerprovinz 308 Archivia antiqua 2: Das Kloster St. Jakob am
Anger 1221-1700 S. 153-158. zietiert nach: Weichselgarnter 2004. S. 18.
Es stellt sich nun die Frage, wie wahrscheinlich das Bestehen der Jakobskapelle und des genannten
Hauses ist und auf wen die Gebäude zurückzuführen wären.
Astrid Brosch untersuchte die St. Jakobskirche unter baugeschichtlichen Aspekten. Ihr zufolge
weisen Ausgrabungen und Baustil auf einen Zeitraum von 1160 bis 1230, vielleicht sogar noch
früher25. Sie beruft sich dabei u.a. auf Traugott Schindlbeck, derzufolge Klausurkapelle und
Sakristei der Kirche aus dem 12.Jhdt. stammen26.
Brosch bestätigt also das Bestehen einer Kapelle vor der Gründung des Franziskanerklosters27.
Ich möchte nun 2 verschiedene mögliche Erklärungen für die Jakobskapelle und das genannte Haus
ausführen.
1.
Pilgergeschichtlicher Blickwinkel
Die erste These, der viele Historiker folgen, ist die Rückführung auf die Pilgerbewegung, die dem
Hl. Jakob folgt.
a.
Hl. Jakobus
Die Kapelle untersteht dem Schutzpatron Jakob. Der heilige Jakobus der Ältere gehört zu den 12
Aposteln. Wohl um Christi Geburt als Sohn des Fischers Zebedäus und der Maria Salome geboren,
wird er mit seinem jüngeren Bruder, dem hl. Evangelisten Johannes, von Christus berufen. Er
predigt vor allem in Samaria und Jerusalem das Evangelium, weswegen er wohl im Jahr 44 von
König Herodes Agrippa I. zum Tode verurteilt wird. Somit ist er der erste der 12 Apostel, der den
Märtyrertod fand. Jakobus soll auch in Spanien gewirkt haben und dort gestorben sein. In Santiago
de Compostela wurde er wohl beigesetzt, um 820 wurde dort angeblich sein Grab gefunden.
Seitdem gilt Jakob als Nationalheiliger Spaniens. Auf das Grab wurde eine Kapelle, später eine
Kirche und letztlich eine Kathedrale errichtet und ist seither Ziel der berühmten Wallfahrt entlang
der Jakobswege. Besonders zwischen dem 10. und 15 Jhdt. ist die Pilgerfahrt nach Santiago de
Compostela zum Grab des Heiligen weltberühmt.
Ikonographisch wird der Heilige oft als Pilger mit Jakobsmuschel, Stock, Hut und Mantel, sowie als
Ritter, Maurentöter und sitzender Apostel dargestellt.
24Vgl: Weichselgarnter 2004. S. 18.
25Brosch, Astrid: Die Müncher Jakobskirche am Anger. Eine Baugeschichte vom 12. Jahrhundert bis heute. In:
Oberbayerisches Archiv 121 (1997) S. 223 - 292. (im Folgenden abgekürzt mit: Brosch 1997.)
26 Schindlbeck, M. Traugott: Angerkloster. (Sonderheft der Deutschen Illustrierten Rundschau, Nr. 19/20), München
Oktober 1926. S. 566.
27Weichselgarnter 2004. S. 13.
b.
Pilgerweg
Im 12. Jhdt. wurde der heilige Jakob von der Bevölkerung sehr verehrt. Pilger aus ganz Europa
machten sich auf den Weg, ihm zu Ehren sein Grab in Spanien zu besuchen. Dabei wurden auf den
Pilgerwegen oft Jakobs - Kultstätten errichtet, die die Reisenden auf ihrem langen und
beschwerlichen Weg passierten.
Ist es also denkbar, dass im Zuge der Pilgerfahrten auch am Anger eine solche Denkstätte errichtet
wurde? Das Patrozinium würde dafür sprechen.
Anton Mayer spricht in seiner Ausführung von einer Jakobssäule am Anger, auf deren Fundament
Jahre vor 1200 die Kapelle errichtet wurde28. Ebenso nennt Lorenz Hübner eine Feldkapelle, die
dem hl. Jakob geweiht war29.
Auch die Lage der vermeintlichen Kapelle spricht nicht dagegen. Behrer zufolge lag der Anger an
einem alten Nord Süd Weg, der Thalkirchen und Sendling verband30. Die Kapelle wäre somit an
der ursprünglichen Verkehrsachse gelegen31, die möglicherweise von Pilgern genutzt wurde.
Auch das Bestehen des vermeintlichen Hauses könnte damit geklärt werden. Es war üblich, dass die
Reisenden in Herbergen vor der Stadt Unterkunft fanden. Das Haus könnte also ehemals eine
Pilgerherberge gewesen sein. Als die Verkehrswege dann verlegt wurden, verfiel das Haus
ungenutzt.
Allerdings muss eingeräumt werden, dass über den genauen Verlauf der Jakobswege zu dieser Zeit,
vor allem in Deutschland, wenig bekannt ist, sodass ein Vorbeiführen am Anger weder bestätigt
noch abgelehnt werden kann.
c.
Das Patrozinium
Versucht man sich vorzustellen, was es mit der Kapelle am Anger auf sich hat, wäre folgende
Geschichte denkbar:
Die Franziskanermönche kommen um 1221 auf ihrer Reise nach München und beschließen auf der
Wiese vor der Stadt ein Konvent zu gründen. Sie errichten eine kleine Kapelle und unterstellen sie
dem Hl. Jakobus.
Aber genau letzteres wirft die wohl wichtigste Frage auf. Warum gerade der hl. Jakob?
Er ist ein sehr untypischer Schutzpatron für den Franziskanerorden. Wenn es darum geht, was es
mit der Kapelle auf sich hat, berufen sich viele Historiker genau auf dieses ungewöhnliche
28Vgl: Schindlbeck 1926: S.56.
29 Hübner, Lorenz: Beschreibung der kurbaierischen Haupt- und Residenzstadt München, und ihrer Umgebung,
verbunden mit ihrer Geschichte. Erste Abteilung. Topographie (nebst dem Grundriß) der Stadt. München 1803. S.
299.
30 Behrer, Christian: Das unterirdische München. Stadtkernarchäologie in der bayerischen Landeshauptstadt.
München 2001. S. 20 26.
31Vgl: Stahleder, Helmut: Stadtplanung und Stadtentwicklung Münchens im Mittelalter. In: Oberbayerisches Archiv,
Patrozinium. Es stellt sich nämlich die grundlegende Frage, ob Minoriten, wenn sie die Bauherren
der ersten Kapelle gewesen wären, nicht eher einen typischen, gewohnten Patron wie den
hl.Franziskus oder Antonius gewählt hätten. Fakt ist aber, dass St. Jakob seit Beginn der Schutzherr
ist.
Daraus ergibt sich eine andere denkbare Geschichte:
Die Barfüßer kommen nach München und übernehmen die kleine Kapelle mitsamt dem
bestehenden Schutzpatron. Auch wenn er nicht unbedingt franziskanisch ist, konnten sie sich
bestimmt mit ihm identifizieren. Schließlich wurde Jakobus wegen seiner Predigt die Todesstrafe
auferlegt. Einer der Grundprinzipien der Franziskaner stellt das Predigen dar.
Aber nicht nur dieser Aspekt der Predigt lässt sich mit der Ideologie vereinbaren, sondern auch das
Pilgerwesen. Ursprünglich wollten die Bettelmönche nämlich durchs Land reisen und für ihre
Glaubensbrüder da sein, der Schutzheilige der Pilger St. Jakob - steht damit im Einklang32.
Auch Carolin Weichselgartner geht in ihrer Dissertation dieser Überlegung nach. Für sie liefert das
Patrozinium Grund zur Annahme,
,,daß die Kapelle tatsächlich schon vor Ankunft der Brüder
existierte"33.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass durchaus etwas dafür spricht, dass die St. Jakobskapelle
vor Ankunft der Franziskaner stand. Auch dass sie auf die vielen Pilger des heiligen Jakobus des
Älteren zurückzuführen ist, kann nicht ausgeschlossen werden.
Natürlich handelt es sich, wie bei allen Thesen, hierbei höchstens um Indizien, keinesfalls um
aussagekräftige Beweise.
Im Angerkloster in München findet sich im Übrigen eine Sandsteinskulptur des heiligen Jakobus.
Allerdings kann sie mit einer Datierung um 1330 keine Rolle für die These der Pilgerfahrten
spielen.
2.
Missionarischer Blickwinkel
Eine andere Erklärung hat auch einen religiösen Hintergrund und bezieht sich auf den Schutzherrn
Jakob. Ansonsten weist sie aber in eine ganz andere Richtung, nämlich nach Irland, zur iro-
schottischen Mission.
In der Literatur ist diese These zwar nicht so stark vertreten, ich möchte sie aber dennoch kurz
nennen, da sie sich auch auf den Schutzherr Jakob begründet und somit seine wichtige Bedeutung
Bd. 119, München 1995. S. 217 283. hier: S. 241 246.
32Vgl: Brosch 1997. S. 248.
33Ebd.: S. 25.
widerspiegelt.
a.
Iro-schottische Mission
Die Iro-schottische Mission findet ihren Ursprung im 6. Jhdt. Nachdem in Irland die keltische
Landeskirche, gegründet vom hl. Patrick (385 461), etabliert war, verbreitete sie sich schnell. Die
irischen Mönche machten sich auf den ,,Weg in die Fremde" um zu missionieren. Vor allem in
Westeuropa entstanden in diesem Zuge viele Klöster.
So wurde zum Beispiel in Regensburg 1090 das Schottenkloster Sankt Jakob gegründet. Weitere
Klöster entstehen z.B. in Nürnberg im Jahr 1140, in Würzburg 1134 und in Konstanz 1142. Auch
die beiden letzten haben Jakobus als Schutzpatron.
Es wäre also möglich, dass die iro-schottischen Mönche auch in München ein Kloster gründeten
und es dem hl. Jakob unterstellten. Dies müsste dann wohl auch in etwa diesem Zeitraum
geschehen, also auf jeden Fall vor 1221.
b.
Patrozinium
Dr. Michael Hartig schreibt in seiner Ausführung über St. Jakob auf dem Anger: ,,das steht fest, daß
ihnen [den Franziskanern] außerhalb der Stadt, ′auf dem Anger′, die Jakobskapelle als Kirche
zugewiesen wurde."34,,und neben derselben bauten sie ein Häuschen zu ihrem (...) ersten Kloster
um. Diese Feldkapelle weist mit ihrem Patrone auf die Zeit der iroschottischen Missionare
zurück"35
Hartig sieht in dem Patrozinium des hl. Jakobus also keine Rückführung auf Pilger, sondern auf iro-
schottische Mönche, die als reisende Missionare aus der Ferne eine Kapelle bauten und sie dem
Schutzheiligen der Wallfahrt unterstellten. Allerdings wird keine Quelle für diese These angegeben.
Auch Franz L. Baumann nennt iro-schottische Mönche als mögliche Errichter der Kapelle36, geht
aber ebenfalls nicht näher darauf ein.
Sollten also die irischen Mönche auf dem Anger die Kapelle gegründet haben, hätten sie sie vor
1221 bereits wieder verlassen müssen. Die Franziskaner hätten schließlich kein Konvent am Anger
gegründet, wenn dort schon eines bestanden hätte. Noch weniger hätten sie die Kapelle der Iro-
schotten übernehmen können.
Voraussetzung ist also, dass Kapelle und ein vermeintliches Haus (z.B. ein ehemaliges
Klostergebäude der Mönche) Anfang des13 Jhdt. bereits leer stand.
Ob dies der Fall war, ist nicht belegt, aber auch nicht gänzlich ausgeschlossen.
34Hartig, Dr. Michael: Die Franziskaner und der deutsche Kirchenbau. In: Franziskanische Studien, 12. Jg., 1./2. Heft,
Münster 1925, S. 53 65. hier S. 57.
35 Hartig, Dr. Michael: Bestehende Mittelalterliche Kirchen Münchens. Augsburg 1928. S.27.
36Baumann, Franz L.: Zur Geschichte Münchens. In: Archivalische Zeitschrift N.F. 14 (1907), S. 189 280. hier: S.
Allerdings findet sich der Historiker hier vor der wichtigen Frage, warum die irischen Mönche ihre
Kapelle so früh wieder verlassen haben sollten, denn die meisten iro-schottischen Klöster wurden
erst im 14.Jhdt, wegen ausbleibendem Nachwuchs aufgelöst.
Meiner Meinung nach ist es somit eher unwahrscheinlich, dass die Kapelle ihren Ursprung in der
iro-schottischen Mission findet.
3.
Fazit
Abschließend lässt sich sagen, dass das Bestehen der St. Jakobskapelle vor der Ankunft der
Franziskaner relativ sicher ist, was baugeschichtliche Aspekte, wie sie zum Beispiel Brosch und
Schindlbeck ausführen, bezeugen.
Woher die Kapelle kommt ist eine andere Frage, auf die es wohl keine sichere Antwort mehr gibt.
Konzentriert man sich auf den hl. Jakob finden sich zwei grundverschiedene Ansätze, die beide
nicht eindeutig durch Quellen belegt sind. Dies unterstreicht den unsicheren Charakter der
Überlegungen.
Sowohl der pilgergeschichtliche Ansatz, als auch die These, dass die Kapelle auf iro-schottische
Mönche zurückgeht, berufen sich in erster Linie darauf, dass Jakob für den franziskanischen
Bettelorden zu ungewöhnlich sei, als dass diese Mönche ihr Kloster diesem Schutzpatron
unterstellen würden. Es ist durchaus nahe liegend, dass ein ungewöhnlicher Patron als Indiz
herangezogen wird, schließlich ist für heilige Stätten der Schutzpatron von zentraler Bedeutung.
Allerdings stellt sich wohl die Frage, ob ein untypischer Schutzpatron aussagekräftig genug ist.
C. Ausblick
Abgesehen von der Quellenlage und den historischen Ansätzen, bleibt eine einfache, aber rationale
Frage offen:
Hätten es sich drei Bettelmönche, die im Jahr 1221 oder auch 1257 an den Münchner Anger kamen,
überhaupt finanziell leisten können eine Kapelle mit Konventgebäude neu zu errichten? Vermutlich
ist schließlich das ledigliche Ausbauen einer bereits vorhandenen Kapelle kostengünstiger und
praktischer, als das Errichten einer komplett neuen Kirche.
Die Antwort auf diese Frage würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Erforderlich wären hierzu
Vergleiche mit anderen bayerischen Franziskaner Klöstern zwischen 1200 und 1300.
Dennoch ist dieser finanzieller Aspekt gepaart mit den ausgeführten Überlegungen ein nicht von der
206.
Hand zu weisender Hinweis auf das Bestehen einer Kapelle vor Ankunft der Franziskaner.
Der Anger in München war wohl schon vor der Klostergründung ein religiöser Ort und blieb, bis
auf die Zeit der Säkularitsation und des dritten Reiches, in kirchlicher Hand: Anfangs unter den
Franziskanern, heute - 850 Jahre nach Gründung der Stadt - unter den Armen Schulschwestern
U.L.F.
Damals wie heute findet sich eine religiös-soziale Institution, die sich dem seelischen und geistigen
Wohl der Mitmenschen widmet.
Literaturverzeichnis
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URL: www.tggaa.de (Stand: 06.Juni 2008)
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