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Überblick über die gesellschaftliche Stellung der muslimischen Frau

Untertitel: Wie veränderte sich der Status der Frau im Laufe der Zeit und in Bezug auf die Einwanderung muslimischer Bürger in die BRD?

Hausarbeit, 2006, 23 Seiten
Autor: Katharina Stöcker
Fach: Ethnologie / Volkskunde

Details

Veranstaltung: Proseminar „Einführung in türkische und arabische Verwandtschaftssysteme“
Institution/Hochschule: Westfälische Wilhelms-Universität Münster (Institut für Ethnologie)
Tags: Stellung, Frau, Proseminar, Verwandtschaftssysteme“
Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2006
Seiten: 23
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 18  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V118012
ISBN (E-Book): 978-3-640-20191-4
ISBN (Buch): 978-3-640-20766-4
Dateigröße: 105 KB

Zusammenfassung / Abstract

Die deutschen Medien beschäftigen sich schon seit längerer Zeit, besonders intensiv seit den Anschlägen in Amerika und der Debatte um den Beitritt der Türkei in die EU, mit den in Deutschland lebenden Muslimen. Die darin auftretenden Themen – Kopftuchstreit, Leitkultur, Schächtung, oder Zwangsehe – sind immer wieder Reizthemen und stellen die eigene Gesellschaft und ihren Umgang mit ausländischen Mitbürgern auf die Probe. Die der eigenen Kultur fremden Anschauungen und Lebensweisen bilden dabei den Streitpunkt, wenn es um Integrationsfragen geht. Es stellt sich immer wieder heraus, dass die Deutschen sehr wenig über den Islam als Lebensmittelpunkt vieler Migranten wissen. Auch die Position der Frau in der muslimischen Gesellschaft ist ein Thema, das viel Raum für Interpretationen lässt. Erscheint aus westlichen Augen die verhüllte Frau schnell als rechtloses, unterdrücktes Wesen, muss man sich fragen, inwiefern eine Einschätzung von Außen möglich ist? Wie selbstbewusst und eigenständig darf eine Muslimin leben? Nach welchen Regeln muss sie sich richten? Welches Verhalten bestimmt die Tradition, Gewohnheit oder Religion und warum? Frauen haben in der Geschichte des Islams schon immer eine bedeutende Rolle gespielt. Es heißt, der erste Mensch, der den Islam annahm, sei eine Frau gewesen: „Khadidscha“, die erste Frau des Propheten Mohammed. Der erste Mensch, der für den Islam gestorben ist, sei ebenfalls eine Frau: „Summaya“. Sie gab unter Folterungen ihr Leben für den Islam hin. Diese Arbeit nimmt sich zum Ziel, einen Überblick über das traditionelle Bild einer muslimischen Frau bis hin zu ihrer gegenwärtigen gesellschaftlichen Stellung zu geben. Gerade der Aspekt des neuen modernen Frauenbildes und die Einbürgerung muslimischer Migranten in die BRD sollen im Folgenden im Mittelpunkt stehen. Bei der Sichtung der Literatur und der genauen Themenfestlegung ist schnell aufgefallen, wie umfangreich dieses Thema ist. Deshalb sei angemerkt, dass die vorliegende Seminararbeit nicht den Anspruch hat, alle Facetten, die das Thema der Frau im Islam betreffen, zu berücksichtigen.


Textauszug (computergeneriert)

Institut für Ethnologie

Wintersemester 2005 / 2006

Veranstaltungstyp: Proseminar

,,Einführung in türkische und arabische Verwandtschaftssysteme"

- Überblick über die gesellschaftliche Stellung der

muslimischen Frau ­

Wie veränderte sich der Status der Frau im Laufe der Zeit und in Bezug auf die

Einwanderung muslimischer Bürger in die BRD?

Katharina Stöcker



Inhaltsverzeichnis:

1.Einleitung 3

2. Allgemeine Informationen zum Islam 3

3. Die Stellung der Frau im Koran 5

4. Die traditionelle Stellung der Frau im Islam 7

a) Gesellschaftliche Position und Aufgabe der Frau 7

b) Die Ehe - und das weibliche Sexualitätsbild als Erklärungsansatz 10

c) Paradoxe Verfassungen 12

5. Kemal Atatürk, das Kopftuch und die moderne Frau 13

a) Reformversuche durch Kemal Atatürk 13

b) Das Bild der ,,modernen muslimischen Frau" 14

6. Muslime in Deutschland 16

7. Position der muslimischen Frauen in Deutschland 18

a) Gesellschaftliche Partizipation muslimischer Frauen 18

b ) Heiratsverhalten und Gemeinschaftsverständnis 19

8. Schlusswort 20

9. Literaturverzeichnis 21

2


1.Einleitung

Die deutschen Medien beschäftigen sich schon seit längerer Zeit, besonders intensiv seit den

Anschlägen in Amerika und der Debatte um den Beitritt der Türkei in die EU, mit den in

Deutschland lebenden Muslimen. Die darin auftretenden Themen ­ Kopftuchstreit, Leitkultur,

Schächtung, oder Zwangsehe ­ sind immer wieder Reizthemen und stellen die eigene

Gesellschaft und ihren Umgang mit ausländischen Mitbürgern auf die Probe. Die der eigenen

Kultur fremden Anschauungen und Lebensweisen bilden dabei den Streitpunkt, wenn es um

Integrationsfragen geht.

Es stellt sich immer wieder heraus, dass die Deutschen sehr wenig über den Islam als

Lebensmittelpunkt vieler Migranten wissen. Auch die Position der Frau in der muslimischen

Gesellschaft ist ein Thema, das viel Raum für Interpretationen lässt. Erscheint aus westlichen

Augen die verhüllte Frau schnell als rechtloses, unterdrücktes Wesen, muss man sich fragen,

inwiefern eine Einschätzung von Außen möglich ist? Wie selbstbewusst und eigenständig

darf eine Muslimin leben? Nach welchen Regeln muss sie sich richten? Welches Verhalten

bestimmt die Tradition, Gewohnheit oder Religion und warum?

Frauen haben in der Geschichte des Islams schon immer eine bedeutende Rolle gespielt. Es

heißt, der erste Mensch, der den Islam annahm, sei eine Frau gewesen: ,,Khadidscha", die

erste Frau des Propheten Mohammed. Der erste Mensch, der für den Islam gestorben ist, sei

ebenfalls eine Frau: ,,Summaya". Sie gab unter Folterungen ihr Leben für den Islam hin.

Diese Arbeit nimmt sich zum Ziel, einen Überblick über das traditionelle Bild einer

muslimischen Frau bis hin zu ihrer gegenwärtigen gesellschaftlichen Stellung zu geben.

Gerade der Aspekt des neuen modernen Frauenbildes und die Einbürgerung muslimischer

Migranten in die BRD sollen im Folgenden im Mittelpunkt stehen. Bei der Sichtung der

Literatur und der genauen Themenfestlegung ist schnell aufgefallen, wie umfangreich dieses

Thema ist. Deshalb sei angemerkt, dass die vorliegende Seminararbeit nicht den Anspruch

hat, alle Facetten, die das Thema der Frau im Islam betreffen, zu berücksichtigen.

2. Allgemeine Informationen zum Islam

Der Begriff ,,Islam" steht im wörtlichen Sinne für ,,Hingabe (an Gott)" oder auch für

,,Ergebung (in Gottes Willen)".1 Er gilt mit 1,2 Milliarden Anhängern als zweitstärkste

Weltreligion nach dem Christentum mit ca. 2 Milliarden Vertretern.2

1Vgl. Meyers Taschen Lexikon, 1992, B.I. Taschenbuch-Verlag, Mannheim

2 Vgl. ,,Islam"auf der Homepage: Wikipedia ­ Freie Enzyklopädie, http://de.wikipedia.org/wiki/Islam

3


Von ihnen leben mittlerweile 15 Millionen Menschen in Westeuropa.3 Der Islam ist die

jüngste der drei Weltreligionen. Hauptsächlich findet man ihn im Nahen und Mittleren Osten,

Asien und Afrika vor, sein geographischer Ursprung liegt in Arabien, einer Halbinsel, die in

weiten Teilen aus Sandwüste besteht. Dort stellten Beduinen den größten Bevölkerungsanteil

dar.

Der Islam ist nach Mohammed (arab.: der Vielgelobte) ausgerichtet, der sich in den Jahren

610 ­ 632 zum Propheten berufen fühlte. Mit der Verkündung der Offenbarung in ,,reiner

arabischer Sprache" rief er alle Menschen zum Glauben an den einzig wahren Gott Allah auf.

Er selbst benennt allerdings nicht sich, sondern Gott als den Urheber der Offenbarungen.

Seine Nachfolger nannten sich selbst Kalifen. Der Koran ist 15 -20 Jahre nach dem Tod des

Mohammed in mündlicher Überlieferung entstanden. Neben der heiligen Schrift gibt es auf

dem Gebiet der Menschenrechte noch eine weitere Hauptreferenz, die Sunna.4 Die Taten,

Traditionen und Gesten des Propheten, sind vielmehr implizite oder explizite Auffassungen,

die Mohammed zugesprochen und in den Aufzeichnungen, den ,,Hadiths" festgehalten

wurden.

Die Sharia stellt das islamische Recht dar

.

Sie ist eine Ansammlung alter Texte, auf die sich

der islamische Rechtsgelehrte stützt. Sie gilt weniger als ein Gesetz, als vielmehr ,,der Weg",

der durch Gott im Koran offenbart und als zu folgen gilt. Man könnte sagen, dass der Islam

vor allem die ,,horizontalen Beziehungen innerhalb einer Gesellschaft kodifiziert"5, - die

Sharia hingegen ist ein Gesellschaftsvertrag zwischen den Menschen. Sie ist wie eine in den

Menschen verinnerlichte moralische Verpflichtung, ,,die nicht der Staat auferlegt, sondern die

sich dem Staat auferlegt."6

Im strengen Monotheismus des Islams duldet Gott - Allah - keinen Partner neben sich. Er gilt

als Schöpfer aller Wesen und Dinge und besitzt Allmächtigkeit.

,,Nichts geschieht ohne seinen Willen. Er ist der Erste, der Letzte, der Ewige, der Unendliche, der

Allmächtige, der Allwissende. Er ist der Schöpfer und Erhalter aller Dinge. Er ist der Gerechte, der

Allerbarmer, der Gnädige, der Liebende, der Gütige, der Erhabene, Preiswürdige, der Wahrhaftige. Er

ist der Inhaber und Besitzer aller vollkommenen Eigenschaften."7

3 Vgl. Kandel, Johannes ,,Islam und Muslime in Deutschland", in: ,,perspektiven des demokratischen

sozialismus" ­ Zeitschrift für Gesellschaftsanalyse und Reformpolitik (2001). Schüren Verlag. Marburg.

(Künftig zitiert: Kandel: Islam in Deutschland)

4 Delaunoy, Geneviève ,,Frauen im Islam" (1996) Generaldirektion Wissenschaft Arbeitsdokument.

Europäisches Parlament. Brüssel. S.22 (Künftig zitiert: Delaunoy: Frauen im Islam)

5 Delaunoy: Frauen im Islam. S.22

6 Delaunoy: Frauen im Islam. S.25

7 ,,Was ist Islam" auf der allgemeinen Homepage des Islam im Internet; http://www.islam.de/72.php

4


Am jüngsten Tag richtet er die Menschen ­ Ungläubige erwartet das Höllenfeuer,

wohingegen Gläubige ins Paradies mit seinen Paradiesjungfrauen aufgenommen werden.

Heute ist der Islam die vorherrschende Religion im Vorderen Orient, Nordafrika, Pakistan,

Irak, Iran und in Indonesien (Quelle 1992). Fast in allen Ländern mit überwiegend

muslimischer Bevölkerung ist der Islam Staatsreligion. Nicht alle Gewohnheiten und

kulturellen Prägungen und Eigenschaften der muslimischen Bevölkerung sind automatisch

auf den Koran, bzw. auf die Religion, zurückzuführen. Viele Traditionen haben

gesellschaftlichen, oder vor-islamischen Ursprung.

Die patriarchalische Struktur prägt die Gesellschaft. Ohne an dieser Stelle detaillierter darauf

einzugehen, lässt sich feststellen, dass zumindest von Außen betrachtet, die Frau dem Mann

untersteht und Gehorsam schuldet.

3. Die Stellung der Frau im Koran

Der Koran bildet die Hauptgrundlage für das nach dem Tod des Propheten Mohammed

weiterentwickelte islamische Recht- und Moralsystem und damit das Fundament aller

islamischen Gesellschaften. Möchte man Untersuchungen zur Position der Frau in der

islamischen Gesellschaft durchführen, ist es sicherlich unumgänglich zunächst im Koran nach

Anhaltspunkten zu suchen. Sind in den Quellen der Religion tatsächlich elementare

Benachteiligungen der Frau verankert?

In einem Überblick lässt sich schnell feststellen, dass im Koran die Gleichberechtigung, oder

-stellung der Geschlechter große Bedeutung findet ­ hauptsächlich zur vierten Sure (speziell

Vers 34 ff.) existieren eine Vielzahl linguistischer Streitigkeiten, daher sollen die Zeilen an

dieser Stelle zitiert werden:

,,Männer sollen vor Frauen bevorzugt werden

(weil sie für diese verantwortlich sind),

weil Allah auch die einen vor den anderen mit Vorzügen begabte

und auch weil jene diese erhalten.

Rechtschaffende Frauen sollen gehorsam, treu und verschwiegen sein,

damit auch Allah sie beschütze.

Denjenigen Frauen aber,

von denen ihr fürchtet, daß (sic!) sie euch durch ihr Betragen erzürnen,

gebt Verweise, enthaltet euch ihrer,

sperrt sie in ihre Gemächer und züchtigt sie.

Gehorchen sie euch aber,

dann sucht keine Gelegenheit, gegen sie zu zürnen;

denn Allah ist hoch und erhaben."8

8Pollok, Christine ,,Kultur Schock Islam" (1996). Verlag Peter Rump. Bielefeld. S.57 (Künftig zitiert: Pollok:

Islam)

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