Please wait
Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.
Subtitle: Oder: Erwerbs-Arbeitslosigkeit als Erfolg (!). Plädoyer für die Idee des "Bedingungslosen Grundeinkommens"
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2008, 19 Pages
Author: Andreas Lips
Subject: Sociology - Work, Profession, Education, Organisation
Details
Institution/College: University of Freiburg (Institut für Soziologie)
Tags: Arbeitsgesellschaft, Ende, Hauptseminar, Geht, Arbeit, Teil
Year: 2008
Pages: 19
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 11 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-20201-0
ISBN (Book): 978-3-640-20686-5
File size: 157 KB
(Auszug): Während die Erwerbs-Arbeitslosigkeit gemeinhin als größtes gesellschaftliches Problem bezeichnet wird, will der Autor sie als Erfolg verstehen. Voraussetzung für diese Revolution der Denkungsart (Kant) ist das Abräumen einiger Denk- oder Wahrnehmungsgewohnheiten: Z. B. wir befänden uns auf dem Weg zur Vollbeschäftigung. Historisch gesehen ist die Vollbeschäftigung der Ausnahmefall. Die Arbeit abzuschaffen, sei Folge und Ziel unseres Wirtschaftssystems. (Automation)Um dem Wandel gerecht zu werden, empfiehlt Lips, die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens.(Auszug): Während die Erwerbs-Arbeitslosigkeit gemeinhin als größtes gesellschaftliches Problem bezeichnet wird, will der Autor sie als Erfolg verstehen. Voraussetzung für diese Revolution der Denkungsart (Kant) ist das Abräumen einiger Denk- oder Wahrnehmungsgewohnheiten: Z. B. wir befänden uns auf dem Weg zur Vollbeschäftigung. Historisch gesehen ist die Vollbeschäftigung der Ausnahmefall. Die Arbeit abzuschaffen, sei Folge und Ziel unseres Wirtschaftssystems. (Automation)Um dem Wandel gerecht zu werden, empfiehlt Lips, die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens.
Other users also were interested in the following titles:
Abstract
(...) Rechnet man all diese Menschen, die definitiv arbeitslos sind, in die Statistik mit ein, ergibt sich eine Arbeitslosenzahl von über 5.000.000. Was außerdem aus der Statistik ausgeblendet wird, ist die seit den siebziger Jahren stetig anwachsende Zahl der „Junk-Jobs“. Teilzeit-Jobs, die versicherungsfrei, zeitlich begrenzt sind und teilweise die Form der Scheinselbständigkeit annehmen. Das sind prekär Beschäftigte, die von Job zu Job wandern, oft zwei Jobs gleichzeitig haben, um sich über Wasser halten zu können und keinerlei Sicherheit oder Absicherung gewährleistet bekommen. Menschen, die Arbeit haben und gleichzeitig arm sind – „working poor“ - das „viel beschworene Job-Wachstum beruht zum (un)guten Teil auf einem Wachstum von Junk-Jobs, die weder Versorgung ermöglichen, noch inhaltlichen Sinnansprüchen genügen.“ argumentiert Ulrich Beck. Die Tatsache nun, daß die Regierung offensichtlich „Schönfärberei“ mit den statistischen Zahlen betreibt, zeigt auch, wie wichtig das Thema „Arbeitslosigkeit“ ist. Es ist ein politisches Instrument des Machterhalts. Eine Regierung, die es schaffen würde, eine Arbeitslosenquote von 4 % zu erreichen, wie Michael Glos ankündigte, müßte sich um die nächsten Wahlen keine Sorgen machen. Arbeitsmarkt – Politik ist mit zum wichtigsten - vielleicht das wichtigste - Macht–Erhaltungsinstrument geworden. So kommt auch Wolfgang Engler zu dem Schluß, „dass sich die Politik durch alle Parteien hindurch als resistent gegenüber den Fakten und der historischen Entwicklung zeige. „Vollbeschäftigung“ werde weiterhin als das große Ziel propagiert.“ Die Aussagen der Politiker erwecken den Eindruck, als sei Massen-Erwerbs-Arbeitslosigkeit etwas Temporäres, Konjunkturelles. Als sei die „Vollbeschäftigung“ der erwartungsgemäße Erfolg ihrer Maßnahmen. Als sei „Vollbeschäftigung“ der Normalzustand. Betrachtet man die Entwicklung der Erwerbsarbeitslosigkeit historisch, wird aber deutlich, daß nicht die Massen-Erwerbs-Arbeitslosigkeit ein temporäres Phänomen ist, sondern die „Vollbeschäftigung“ es war. Ein Blick auf die historische Entwicklung nach Kriegsende macht dies deutlich
Excerpt (computer-generated)
Albert-Ludwigs-Universität
Freiburg
21.04.2008
Institut für Soziologie
Wintersemester 2007 / 2008
Hauptseminar:
Geht uns die Arbeit aus? II
Ist die Arbeitsgesellschaft am Ende?
Oder: Erwerbs-Arbeitslosigkeit als Erfolg (!).
Plädoyer für die Idee des ,,Bedingungslosen Grundeinkommens"
Ein Essay
Verfasser:
Andreas Lips
Inhalt
1. Es geht wieder Bergauf in Deutschland? 1
2. Historische Entwicklung der Erwerbslosigkeit 3
3. Der Arbeitsgesellschaft geht die Arbeit aus oder: Massen-Erwerbs-Arbeitslosigkeit als
Erfolg (!) denken. 4
4. Dem Wandel gerecht werden: Die Idee des ,,Bedingungslosen Grundeinkommens" 7
5. Exkurs: Die sozialpsychologischen Folgen der Langzeit-Massen-Erwerbs-Arbeitslosigkeit -
Marie Jahodas Studie ,,Die Arbeitslosen von Marienthal" 10
6. Kulturelle Revolution 13
Literatur 15
Anhang 16
1. Es geht wieder Bergauf in Deutschland?
Eine allgemeine Zufriedenheit wird wieder zur Schau gestellt. Entspannt und aufgeräumt
stehen Politiker vor den Kameras der Tagesschau und referieren über die positive
Entwicklung der letzten Monate. In diesen Tagen nehmen sich die führenden Vertreter der
großen Koalition gerne die Zeit, den Bürgern im Lande vom großen Erfolg ihrer Bemühen zu
berichten.
Der Anlaß: Die Bundesagentur für Arbeit hat die neuen Arbeitslosen Zahlen für März 2008
veröffentlicht. Laut Statistik sind ,,nur" noch 3,5 Millionen Menschen in Deutschland ohne
Arbeit. Das sei der niedrigste Stand seit 15 Jahren. Die Hartz IV Maßnahmen, die
Arbeitsmarktreformen würden jetzt immer besser greifen. ,,,,Vollbeschäftigung"" sei wieder
in erreichbare Nähe gerückt. So der einheitliche Tenor. Die machthabenden Politiker geben
sich durchweg optimistisch. Der Bundeswirtschaftsminister für Wirtschaft und Technologie
Michael Glos (CSU) spricht von einer erreichbaren Arbeitslosen - Quote von 4 %.
Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) spricht von einer äußerst positiven Entwicklung
und hält bereits ,,Vollbeschäftigung" wieder für möglich.
Auch der Generalsekretär der CDU, Ronald Pofalla ist hoch erfreut über die jüngsten Zahlen
und Entwicklungen. Auch er scheut sich nicht, den Begriff ,,Vollbeschäftigung" über den
Äther zu senden.
Man könnte sich dem ,,Lobgesang" anschließen, würde man der ,,offiziellen" Statistik blind
vertrauen. Schaut man aber genauer hin, erweisen sich die Zahlen als ,,Schönfärberei", wie es
jüngst der FDP Generalsekretär Dirk Niebel in einem ,,Frontal 21" - Interview bezeichnete
und damit zu den wenigen kritischen Stimmen in der Politik gehört.1
Knapp zwei Millionen arbeitslose Menschen werden von dieser Statistik nicht erfasst.
Menschen, die arbeiten können und einen Arbeitsplatz suchen. Dazu gehören zum einen die 1
Euro Jobber, die sich mehr oder weniger in zum Teil völlig sinnlosen
Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen befinden und ihre Arbeit nicht wirklich als Arbeit ansehen,
schon gar nicht als Erwerbsarbeit.2 Sie fühlen sich großteils abgeschoben und wertlos.
Eine weitere große Gruppe, die sich arbeitslos fühlt, statistisch aber nicht erfasst wird, bildet
sich aus Menschen in Weiterbildungsmaßnahmen. Arbeitslose, die über 58 Jahre sind, fallen
ebenfalls aus der Statistik heraus, werden nicht als arbeitslos verzeichnet. Und ob sie nun
Arbeit suchen oder nicht - den über 58 Jährigen wird sogar eine Zwangsverrentung angedroht,
1 URL:http://frontal21.zdf.de/ZDFde/inhalt/26/0,1872,7224026,00.html
2 siehe Lotter (2005)
1
sollten sie sich weiter um Arbeitsplätze bemühen.3 In Anbetracht der demographischen
Entwicklung und einem ,,Arbeiten bis 67 Programm" - eine Farce.
Rechnet man all diese Menschen, die definitiv arbeitslos sind, in die Statistik mit ein, ergibt
sich eine Arbeitslosenzahl von über 5.000.000. Was außerdem aus der Statistik ausgeblendet
wird, ist die seit den siebziger Jahren stetig anwachsende Zahl der ,,Junk-Jobs".4 Teilzeit-
Jobs, die versicherungsfrei, zeitlich begrenzt sind und teilweise die Form der
Scheinselbständigkeit annehmen. Das sind prekär Beschäftigte, die von Job zu Job wandern,
oft zwei Jobs gleichzeitig haben, um sich über Wasser halten zu können und keinerlei
Sicherheit oder Absicherung gewährleistet bekommen. Menschen, die Arbeit haben und
gleichzeitig arm sind ,,working poor" - das ,,viel beschworene Job-Wachstum beruht zum
(un)guten Teil auf einem Wachstum von Junk-Jobs, die weder Versorgung ermöglichen, noch
inhaltlichen Sinnansprüchen genügen." argumentiert Ulrich Beck.5
Die Tatsache nun, daß die Regierung offensichtlich ,,Schönfärberei" mit den statistischen
Zahlen betreibt, zeigt auch, wie wichtig das Thema ,,Arbeitslosigkeit" ist. Es ist ein
politisches Instrument des Machterhalts. Eine Regierung, die es schaffen würde, eine
Arbeitslosenquote von 4 % zu erreichen, wie Michael Glos ankündigte, müßte sich um die
nächsten Wahlen keine Sorgen machen. Arbeitsmarkt Politik ist mit zum wichtigsten -
vielleicht
das
wichtigste - MachtErhaltungsinstrument geworden.6 So kommt auch Wolfgang
Engler zu dem Schluß, ,,dass sich die Politik durch alle Parteien hindurch als resistent
gegenüber den Fakten und der historischen Entwicklung zeige. ,,Vollbeschäftigung" werde
weiterhin als das große Ziel propagiert."7
3 Mehr als drei Viertel derjenigen Empfänger von Arbeitslosengeld I, die 2007 nicht in der Statistik auftauchen,
fallen unter die so genannte 58-er Regelung. Diese besagt, dass Arbeitnehmer, die mit 58 Jahren oder älter
arbeitslos werden, Anspruch auf Arbeitslosengeld haben, wenn sie erklären, sie stünden dem Arbeitsmarkt nicht
zur Verfügung. Diese Regelung ist Ende 2007 in ihrer alten Form ausgelaufen. Ab 2009 sollen alle Arbeitslosen,
die älter als 58 Jahre sind und seit einem Jahr kein Arbeitsangebot erhalten haben, automatisch aus der Statistik
verschwinden. Beim Arbeitslosengeld II ist die Kluft zwischen Statistik und Wirklichkeit noch größer.
4 ,,Noch Anfang der siebziger Jahre standen in Deutschland einem Nicht-Normbeschäftigten fünf
Normbeschäftigte gegenüber. Anfang der achtziger Jahre lag das Verhältnis bei eins zu vier, Mitte der achtziger
Jahre bereits bei eins zu drei, Mitte der neunziger Jahre liegt es bei eins zu zwei. Bei Fortschreibung dieses
Trends wird das Verhältnis von Norm- und Nicht-Normarbeitsverhältnissen in 15 Jahren bei uns eins zu eins
liegen." Beck (2000) S. 24, 25
5 Beck (2000) S. 25
6 vgl. Dahrendorf (1983) S. 25: ,,Es liegt vor allem daran, daß Arbeit zumindest auch ein Herrschaftsinstrument
ist. Wenn sie ausgeht, verlieren die Herren der Arbeitsgesellschaft das Fundament ihrer Macht. Gewiß,
konjunkturelle Schwankungen sind erträglich; aber wenn das `Konjunkturell´ zum `Strukturellen´ zu werden
scheint, dann ist es eine Gesellschaftsstruktur, die in Frage steht, nämlich die der
Arbeitsgesellschaft."
7 Engler, Wolfgang (2005)
2
Comments
No comments yet
Other users also were interested in the following titles:
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit - Formatvorlage / Vorlage für eine Hausarbeit für Microsoft Word
Author: GRIN VerlagPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2005 Download as PDF-file for 6,99 EUR
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit - Formatvorlage / Vorlage für eine Hausarbeit für OpenOffice.org
Author: GRIN VerlagPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2005 Download as PDF-file for 9,99 EUR
Formatvorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit / Vorlage zur Erstellung einer Hausarbeit
Author: Marco FeindlerPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2005 Download as PDF-file for 6,99 EUR
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Author: GRIN VerlagPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2008 Download as PDF-file for 6,99 EUR
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wissenschaftlichen Arbeit
Author: Zoran ZivkovicPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2004 Download as PDF-file for 5,99 EUR
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Author: Claudia NickelPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2006 Download as PDF-file for 4,99 EUR
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Author: Maik PhilippPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2004 Download as PDF-file for 5,99 EUR
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - Hausarbeiten - Seminararbeiten
Author: Mark RichterPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2008
This text can be quoted and accessed from this url: