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Wilhelm Meisters Lehrjahre – Ein Medienroman

Termpaper, 2008, 21 Pages
Author: Antje Schoene
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Event: Medienkonkurrenz: Literatur – Bild – Neue Medien.
Institution/College: Dresden Technical University (Neuere Deutsche Literatur- und Kulturgeschichte)
Tags: Wilhelm, Meisters, Lehrjahre, Medienroman, Medienkonkurrenz, Literatur, Bild, Neue, Medien
Category: Termpaper
Year: 2008
Pages: 21
Grade: 2,3
Bibliography: ~ 13  Entries
Language: German
Archive No.: V118044
ISBN (E-book): 978-3-640-20204-1
ISBN (Book): 978-3-640-20688-9
File size: 84 KB

Abstract

Wenn heute von Medien die Rede ist, sind damit meist Massenmedien wie Fernsehen oder Internet gemeint. Dem gegenüber stellt die Sprache das historisch erste Medium dar. Dazwischen ist das Buch anzusiedeln. Einführend werden im Kapitel ‚Das Medium Buch’ (2.1.) kurze Definitionen für die Begriffe ‚Medium’ und ‚Buch’ gegeben. Ein historischen Exkurs im darauffolgenden Kapitel (2.2.) geht genauer auf das Buch als Leitmedium, mit einer Blütezeit von der Erfindung des Buchdruckes im 15. Jahrhundert bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts , ein. Dabei wird kurz auf die Mediengeschichte des Buches eingegangen und Aussagen der Medientheoretiker Marshall McLuhan und Friedrich A. Kittler im Bezug auf das Medium Buch zusammengefasst. Das darauffolgenden Kapitel (2.3.) geht auf die Frage ein, inwieweit Goethes ‚Wilhelm Meisters Lehrjahre’ als Medium dienen kann. Im Hauptteil der Hausarbeit (Kapitel 3) soll untersucht werden, welche Medien im Medium ‚Wilhelm Meisters Lehrjahre’ thematisiert werden. Dabei unterteile ich die Untersuchung nach Art des Mediums. Ausführlich betrachtet werden das Medium Buch und das Medium Theater. Es geht darum, wann diese Medien im Werk in welcher Funktion auftauchen und welche Parallelen man zu der Zeit in der das Werk geschrieben wurde ziehen kann. Alle weitere Medien werden im Kapitel 3.3. kurz aufgezählt, können jedoch leider nicht eingehender ausgearbeitet werden.


Excerpt (computer-generated)

Technische Universität Dresden

Fakultät für Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaft

Lehrstuhl: Neuere Deutsche Literatur- und Kulturgeschichte

SS 2008

BA-Seminar:

Medienkonkurrenz: Literatur ­ Bild ­ Neue Medien.

Thema:

Wilhelm Meisters Lehrjahre ­ Ein Medienroman

Antje Schöne

BA: Anglistik/ Amerikanistik (6. Semester)

Germanistik: Literatur- und Kulturwissenschaft (3. Semester)


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 5

2. Das Buch als Medium 6

2.1. Das Medium Buch 6

2.2. Historischer Exkurs: Das Buch als Leitmedium um 1800 7

2.3. ,Wilhelm Meisters Lehrjahre′ als Medium 10

3. Medien im Medium ,Wilhelm Meisters Lehrjahre′ 11

3.1. Das Medium Buch 11

3.2. Das Medium Theater 15

3.3. Weitere Medien 19

4. Zusammenfassung 20

Literaturverzeichnis 22

4


1. Einleitung

Johann Wolfgang von Goethes Werk ,Wilhelm Meisters Lehrjahre′ ist, ohne Frage, ein

Roman. Schon der Untertitel Erstausgabe von 1795/96 lautete: ,Ein Roman. Herausgegeben

von Goethe′.1 Jedoch wird das Werk in vielen Quellen nicht nur als Roman bezeichnet,

sondern Unterkategorien zugeordnet. Eine der häufigsten Zuordnung ist die des klassischen

Bildungsromans2, bei der die Thematisierung der Biographie der Hauptfigur Wilhelm Meister

als vordergründig gilt. Als Erweiterung dieses Begriffs kann die Bezeichnung

Entwicklungsromans3 angesehen werden, bei welchem die geistig-seelische Entwicklung der

Zentralfigur beschrieben wird. Ferner wird unter einem psychologischen Betrachtung mit

Goethes Werk, auch der Begriff des Erziehungsromans4 verwendet. Walter Beller hingegen

sagt in seinem Buch ,Goethes Wilhelm Meister Romane′: ,,Der Roman ,Wilhelm Meisters

Lehrjahre′ ist über weite Strecken auch ein Theaterroman"5. Rosemarie Haas bezeichnet das

Werk sogar als Geheimbundroman6. In folgender Hausarbeit werde ich auf Goethes Wilhelm

Meister Roman als Medienroman eingehen und dabei versuchen einige der erwähnten

Unterkategorien des Romans zu vereinen. Ich werde das Werk aus einem

kulturwissenschaftlichen Blickwinkel betrachten.

Wenn heute von Medien die Rede ist, sind damit meist Massenmedien wie Fernsehen oder

Internet gemeint. Dem gegenüber stellt die Sprache das historisch erste Medium dar.

Dazwischen ist das Buch anzusiedeln. Einführend werden im Kapitel ,Das Medium Buch′

(2.1.) kurze Definitionen für die Begriffe ,Medium′ und ,Buch′ gegeben. Ein historischen

Exkurs im darauffolgenden Kapitel (2.2.) geht genauer auf das Buch als Leitmedium, mit

einer Blütezeit von der Erfindung des Buchdruckes im 15. Jahrhundert bis gegen Ende des 19.

Jahrhunderts7, ein. Dabei wird kurz auf die Mediengeschichte des Buches eingegangen und

1Goethe. Sämtliche Werke nach Epochen seines Schaffens. Münchner Ausgabe. Band 5: Wilhelm Meisters

Lehrjahre. Herausgegeben von Karl Richter. München: Carl Hanser Verlag. 1988. S. 7 Im folgenden werden die

Quellenangaben aus diesem Werk in Klammern gemäß nachstehendem Muster erfolgen: (Buch/ Kapitel,

Seitenzahl).

2 u.a.: ,,[...] G.s wegweisendem, klassisches Bildungsroman [...]" ­ Vgl.: ,,Wilhelm Meisters Lehrjahre". In:

Goethe-Lexikon. Hg. von Wilpert, Gero von. Stuttgart: Kröner. 1998. S. 1182.

3 u.a.: ,,Die ,Lehrjahre′ sind ein Bildungs- und ein Entwicklungsroman, der zum Ende hin auch ein

Rekrutierungsroman wird." ­ Vgl.:Beller, Walter. Goethes Wilhelm-Meister Romane. Bildung für die Moderne.

Hannover: Revonnah-Verlag. 1995. . S. 125.

4 u.a.: ,,[...] Dies war der Reiserat, Reiseweg, den Goethe im Erziehungsroman seines Wilhelm Meister gab und

ging." ­ Vgl.: Bloch, Ernst. Tübinger Einleitung in die Philosophie I. Frankfurt a. Main: Edition Suhrkamp.

1967. S. 64.

5 Beller, Walter. Goethes Wilhelm-Meister Romane. Bildung für die Moderne. Hannover: Revonnah-Verlag.

1995. S. 13.

6 Haas, Rosemarie. Die Turmgesellschaft in ,Wilhelm Meisters Lehrjahre′ ­ zur Geschichte des

Geheimbundromans und der Romantheorie im 18. Jahrhundert. Bern: Lang. 1975.

7 Nelles, Jürgen. Bücher über Bücher. Das Medium Buch in Romanen des 18. und 19. Jahrhunderts. Würzburg:

Königshausen & Neumann. 2002. S. 39.

5


Aussagen der Medientheoretiker Marshall McLuhan und Friedrich A. Kittler im Bezug auf

das Medium Buch zusammengefasst. Das darauffolgenden Kapitel (2.3.) geht auf die Frage

ein, inwieweit Goethes ,Wilhelm Meisters Lehrjahre′ als Medium dienen kann.

Im Hauptteil der Hausarbeit (Kapitel 3) soll untersucht werden, welche Medien im Medium

,Wilhelm Meisters Lehrjahre′ thematisiert werden. Dabei unterteile ich die Untersuchung

nach Art des Mediums. Ausführlich betrachtet werden das Medium Buch und das Medium

Theater. Es geht darum, wann diese Medien im Werk in welcher Funktion auftauchen und

welche Parallelen man zu der Zeit in der das Werk geschrieben wurde ziehen kann. Alle

weitere Medien werden im Kapitel 3.3. kurz aufgezählt, können jedoch leider nicht

eingehender ausgearbeitet werden.

2. Das Buch als Medium

2.1. Das Medium Buch

Für die Betrachtung des Buches als ,Medium′ soll eine kulturwissenschaftliche Definition des

Begriffes vorangestellt werden: Ein Medium ist ein ,,Vermittler von Kommunikation"8

zwischen mindestens einem Sender und mindestens einem Empfänger. Seine Funktionen

liegen in der ,,Adressierung, Speicherung und Verarbeitung relevanter Daten".9

Die Art der Kommunikation ist abhängig von der Beschaffenheit des Mediums. Ein Buch ist

zunächst einmal ein materielles, physisches Objekt, bestehend aus ,,einem Trägermaterial und

den darauf aufgebrachten Sprach- und Bildzeichen", welche handgeschrieben oder gedruckt

sein können10. Von diesem Blickwinkel gesehen ist das Buch eine massenhaft produzierbare

Ware. Andererseits bildet das Buch eine ,,textuelle Einheit dessen, was in diesem gedruckt

niedergelegt ist"11. Der Inhalt dessen ist ,,nicht ohne weiteres subsituierbar"12. Um mit dem

Medium Buch arbeiten zu können, braucht es der Kulturtechnik des Lesens. ,,Der gedruckte

Text bietet allererst die Vorrausetzung dafür, sich mit ihm auseinander zu setzen" 13 oder sich

von ihm zu entfernen.

Das Buch kann einmal aufgezeichnete oder gedruckte Informationen, ,,die über einen

begrenzten Kreis der an einem Gespräch Beteiligten sowohl in zeitlicher wie in räumlicher

8 Kloock Daniela, Angela Spahr. Medientheorien. Eine Einführung. München: Fink. 1997. S. 11.

9 Kittler, Friedrich A. Aufschreibesysteme 1800/ 1900. München: Fink. 1995. S. 519.

10 Rautenberg, Ursula. Artikel: Buch. In: Reclams Sachlexikon des Buches. Hg. von Rautenberg Ursula.

Stuttgart: Reclam. 2003. S. 83.

11 Nelles, Jürgen. 2002. S. 64.

12 Rautenberg, Ursula. 2003. S. 85.

13 Nelles, Jürgen. 2002. S. 60-61.

6


Hinsicht hinausreichen"14, sicherstellen und speichern. Ein Buch ist folglich ein Medium,

welches unabhängig von Zeit und, im Laufe seiner Entwicklung auch unabhängig vom Raum,

als Kommunikationsmittel dienen kann. Seine Kommunikation ist bestimmt durch die

Entlastung des individuellen und des kollektiven Gedächtnisses einerseits und der

,,Öffentlichkeit des Aufgeschriebenen, die sich aus der Verselbstständigung des materiellen

Schriftträger ergibt" andererseits.15

Das Buch ist ein klassisches Einzelmedium, das heißt, es wirkt in gewisser Weise isolierend,

hinzielend auf ,,die sozialen und situativen Bedingungen der Rezeption von Büchern". Nicht

nur ist man beim Akt des Lesens meist alleine, auch ist die Möglichkeit der direkten

Interaktion zwischen Produzent und Rezipient äußerst begrenzt. Das Buch kann also als

monologisches Medium bezeichnet werden, welches nicht nur den Leser, sondern auch den

Produzenten isoliert. 16

Bereits in diesem kleinen Abschnitt wurden ,Buch′ und ,gedruckter Text′ synonym

verwendet. Auch ,Werk′ und ,Schrift′ gelten als Synonyme für ,Buch′17. In der weiteren

Betrachtung möchte ich die Begriffe ,Werk′, ,Text′ und ,Buch′ gleichsetzen.

2.2. Historischer Exkurs: Das Buch als Leitmedium um 1800

Ein Buch ist, wie bereits erwähnt, ist eine Sammlung von Blättern zwischen zwei

Buchdeckeln. Wenig Sinn hätte diese Blättersammlung ohne Informationen darauf. Diese

Information ist in Form von Zeichen auf die Blätter, meist Papier, gedruckt. Ein kurzer

geschichtlicher Abriss zeigt wie es dazu kam: Die meisten Schrift und Medientheorien sehen

den Beginn der Alphabetenkultur im 5. Jahrhundert vor Christus. Um 1000 v. Christus

entstand in Griechenland ein vollständiges Buchstabenalphabet, welches unter anderem die

Grundlage für die lateinische Sprache bildete. Wichtiger für diese Betrachtung sind jedoch

nicht die Zeichen- und Schriftsysteme, sondern die Zeichen- und Schriftträger. ,,Die als

Zeichenträger dienenden natürlichen Materialien wie Baumrinde, Bambus- oder Palmblätter,

Stein- und Tontafeln werden durch Papyrus (seit 3000 v. Chr.), Pergament (seit 1300 v. Chr.)

und Papier (seit etwa1300) abgelöst." Erst die zuletzt genannten Materialien erlauben die

Anfertigung umfassenderer handschriftlicher Manuskripte.

,,Ab dem 12. Jahrhundert nimmt die Produktion und Distribution handgeschriebener Bücher

ständig zu, auch wenn der Austausch auf einen relativ kleinen Kreis von schriftkundigen

14 Nelles, Jürgen. 2002. S. 26.

15 Rautenberg, Ursula. 2003. S. 83.

16 Nelles, Jürgen. 2002. S. 48.

17 Artikel: Buch. In: Synonymwörterbuch. Hg. von Herbert Görner und Günter Kempcke. Leipzig: VEB. 1978.

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