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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2000, 22 Pages
Author: Hanno Frey
Subject: German Studies - Modern German Literature
Details
Institution/College: University of Hamburg (FB Germanistik)
Tags: Das Problem der Langeweile in den Werke Georg Büchners Kierkegaard
Year: 2000
Pages: 22
Grade: 1,3
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-17866-2
ISBN (Book): 978-3-638-93217-2
File size: 292 KB
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Abstract
Da offenbar eine erstaunliche Parallelität zwischen den in den Werken Büchners deutlich werdenden Aussagen und den Schriften Sören Kierkegaards zu erkennen ist, sei der gemeinsame Ursprung der Gedanken Kierkegaards und Büchners zu diesem Thema der Interpretation der Büchnerschen Werke in einem Exkurs vorangestellt. Gleichermaßen wird im weiteren Verlauf dieser Hausarbeit immer wieder auf Gedanken Kierkegaards zurückzukommen sein. Die Hoffnung, durch dieses Vorgehen ein tieferes Verständnis der Problematik zu ermöglichen, mag, spätestens nach der Synthese der Kierkegaardschen Theorie mit den Büchnerschen Ausführungen, sinnvoll erscheinen.
Excerpt (computer-generated)
Das Problem der Langeweile in den Werke Georg Büchners“
von Hanno Frey
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 4
2 Exkurs: Büchner und Kierkegaard 5
3 Die Langeweile 6
3.1 Definition der Langeweile
und ihre “universelle Tragik” 6
3.2 Langeweile, Arbeit und Müßiggang:
Stufen des Bewußtseins 8
3.3 Versuche der Bewältigung 12
4 Fazit 19
5 Literaturverzeichnis 21
5.1 Primärliteratur 21
5.2 Sekundärliteratur 21
1 Einleitung
Die Langeweile stellt eines der zentralen Themen in den Werken Georg Büchners dar. Ob in so ausgeprägter Form, wie bei “Leonce und Lena” oder in versteckterer, wie beim “Woyzeck” – immer und immer wieder werden die Figuren in Büchners Dramen mit der Langeweile konfrontiert und müssen gleichsam die Erfahrung machen, daß sie “in wesentliche Bezirke des menschlichen Seins überhaupt”1 hineinwirkt. Im Konflikt mit der Herausforderung, die die Langeweile für die Figuren Büchners darstellt, werden grundsätzliche Existenzprobleme deutlich, die offenbar nicht allein in den Werken zu finden sind. Büchner selbst hatte mit diesen Problemen einen harten Kampf auszustehen, den er bis zu seinem Tod nicht gewinnen konnte. Wie wichtig Büchner das Thema war, läßt sich anhand der Tatsache vermuten, daß sogar in “Dantons Tod” das Problem der Langeweile auftaucht, “obschon er sich doch sonst in diesem Drama eng an die Äußerungen der Geschichtsquellen gehalten hat.”2 Ursache hierfür könnte das eigene Empfinden Büchners sein, dem schon als Schüler die an ihn gestellten Anforderungen nicht mehr als langweilig erschienen und der später an seinen Straßburger Freund Eugen Böckel schrieb “Das Leben ist überhaupt etwas recht Schönes und jedenfalls ist es nicht so langweilig, als wenn es noch einmal so langweilig wäre.”3 Gleichsam ist anzumerken, daß das “Langeweileproblem” ein Phänomen der Zeit war, in der Büchner lebte. Es gehörte, wie Mira Miladinovic es ausdrückt, “zu den Grundkrankheiten des 19. Jahrhunderts.”4 Dementsprechend findet es auch bei verschiedenen Zeitgenossen Büchners Beachtung. So zum Beispiel bei Börne, der feststellt, “daß es nicht Neues unter der Sonne gibt (...). Was geschieht, geschieht zum wiederholten Male, was gedacht wird, wurde früher schon gedacht, was gesagt, geschrieben wird, haben andere schon gesagt und geschrieben”5. In diesem Sinne äußert sich auch Hoffmann von Fallersleben, der die Meinung vertrat, daß die Zeitungen nichts Wesentliches mehr zu sagen hätten, weil alles bereits einmal dagewesen sei.6 Büchners Werke sind daher als Antworten auf Fragestellungen seiner Zeit oder zumindest als Präzisierungen derselben zu verstehen. Es ist dabei nicht unwahrscheinlich, daß sich in Büchners Werken ein nicht zu verachtender Teil der Gedanken findet, die er sich im Hinblick auf diese Problematik gemacht hat. Da sich aber hierüber wenig mit Bestimmtheit sagen läßt, kann es in einer Hausarbeit zum Thema der Langeweile in den Werken Büchners nicht darum gehen zu klären, welche im Text vorkommenden Gedanken seine Auffassung repräsentieren. Ziel kann allein sein, das Gesamtbild der Langeweile - den Werken entsprechend- möglichst umfassend nachzuzeichnen. Dabei gilt “Leonce und Lena” das primäre Interesse, denn – wie noch herauszuarbeiten sein wird – gerade in diesem Stück manifestieren sich viele grundlegende Probleme, die im Zusammenhang mit der Langeweile auftreten. Um die oben dargestellte These, daß sich das Problem der Langeweile als “roter Faden” gleichsam durch alle Stücke Büchners zieht, zu beweisen, sei aber anschließend auf weitere Werke Büchners eingegangen. Anhand dieses Vorgehens soll bewiesen werden, daß die Langeweile in den Werken Büchners für den Leser als unausweichliches und allumfassendes Phänomen dargestellt wird, gegen das kein wirklich probates Mittel existiert. All die Strategien, die sich die Menschen zu ihrer Bekämpfung ausdenken und ausführen, müssen sich als sinnlos erweisen.
Da offenbar eine erstaunliche Parallelität zwischen den in den Werken Büchners deutlich werdenden Aussagen und den Schriften Sören Kierkegaards zu erkennen ist, sei der gemeinsame Ursprung der Gedanken Kierkegaards und Büchners zu diesem Thema der Interpretation der Büchnerschen Werke in einem Exkurs vorangestellt. Gleichermaßen wird im weiteren Verlauf dieser Hausarbeit immer wieder auf Gedanken Kierkegaards zurückzukommen sein. Die Hoffnung, durch dieses Vorgehen ein tieferes Verständnis der Problematik zu ermöglichen, mag, spätestens nach der Synthese der Kierkegaardschen Theorie mit den Büchnerschen Ausführungen, sinnvoll erscheinen.
2 Exkurs: Büchner und Kierkegaard
[...]
1 Gustav Beckers, S.14.
2 Ebd., S. 47.
3 Georg Büchner, S. 317.
4 Mira Miladinovic, S. 72.
5 Zit. Nach: Helmut Koopmann, S. 36.
6 Vgl.: Hoffmann von Fallersleben: S. 166 ff.
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