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Das Motiv der Ehre in Schnitzlers "Leutnant Gustl" und Sudermanns "Die Ehre"

Hauptseminararbeit, 2008, 15 Seiten
Autor: Christoph Dabiri
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Details

Veranstaltung: Arthur Schnitzler: Das dramatische und erzählende Werk
Institution/Hochschule: Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main (Institut für Deutsche Sprache und Literatur)
Tags: Motiv, Ehre, Schnitzlers, Leutnant, Gustl, Sudermanns, Ehre, Arthur, Schnitzler, Werk
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2008
Seiten: 15
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 13  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V118206
ISBN (E-Book): 978-3-640-21343-6
ISBN (Buch): 978-3-640-21346-7
Dateigröße: 82 KB

Zusammenfassung / Abstract

Schnitzlers Erzählung „Leutnant Gustl“, die am 25. Dezember 1900 erstmalig in der „Neuen Freien Presse“ erschien, sorgte in den obrigkeitstreuen, militärischen und auch antisemitischen Kreisen für einen Skandal. Die kritische und entblößende Darstellung des Zeit- und Menschenbildes in Österreich um 1900 wurde besonders an der österreichisch-ungarischen Armee und ihrem Duellzwang demonstriert. Eng hiermit verbunden und vorrangiger Legitimationsgrund der Duelle war die Wahrung der Ehre, die zu jener Zeit einem strengen sozialen, aber auch militärischen Ehrenkodex unterlag. Auch Hermann Sudermanns Drama „Die Ehre“, welches im Jahre 1989 zum ersten Mal aufgeführt wurde (vgl. Corkhill 1968, 112), übte scharfe Kritik an den gesellschaftlichen Ehrvorstellungen in ihren verschiedenen Ständen. Dies sollte in der Handlung besonders durch den direkten Kontakt zwischen den proletarischen und bürgerlichen Bewohnern eines Hofs verdeutlicht werden. In der folgenden Arbeit soll daher der Frage nach den literarisch dargestellten Ehrvorstellungen des 19. Jahrhunderts in Schnitzlers „Leutnant Gustl“ und Sudermanns „Die Ehre“ nachgegangen werden.


Textauszug (computergeneriert)

Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main

Institut für Deutsche Sprache und Literatur I

Hauptseminar: ,,Arthur Schnitzler: Das dramatische und erzählende Werk"

Semester: SS 2008

Verfasser: Christoph Dabiri

Das Motiv der Ehre in Schnitzlers ,,Leutnant Gustl" und

Sudermanns ,,Die Ehre"


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

3

2. Historischer Kontext: Der Ehrenkodex im 19. Jahrhundert

4

3. ,,Leutnant Gustl" und die Ehre

6

3.1 Inhaltliche Darstellung der Ehre

6

3.1.1 Der Tod zur Wahrung der Ehre

6

3.1.2 Äußerliches und verinnerlichtes Ehrgefühl

8

3.2 Sprachliche Darstellung der Ehre

9

4. Ständischer Ehrenkodex in ,,Die Ehre"

10

4.1 Ehrvorstellungen: Bürgertum vs. Proletariat

10

4.2 Graf Trast ­ ein Deus ex machina

12

5. Fazit

13

6. Literaturverzeichnis

14

6.1 Primärliteratur

14

6.2 Sekundärliteratur

14


- 2 -


1. Einleitung

Schnitzlers Erzählung ,,Leutnant Gustl", die am 25. Dezember 1900 erstmalig in der

,,Neuen Freien Presse" erschien, sorgte in den obrigkeitstreuen, militärischen und

auch antisemitischen Kreisen für einen Skandal. Die kritische und entblößende

Darstellung des Zeit- und Menschenbildes in Österreich um 1900 wurde besonders an

der österreichisch-ungarischen Armee und ihrem Duellzwang demonstriert. Eng

hiermit verbunden und vorrangiger Legitimationsgrund der Duelle war die Wahrung

der Ehre, die zu jener Zeit einem strengen sozialen, aber auch militärischen

Ehrenkodex unterlag.

Auch Hermann Sudermanns Drama ,,Die Ehre", welches im Jahre 1989 zum ersten

Mal aufgeführt wurde (vgl. Corkhill 1968, 112), übte scharfe Kritik an den

gesellschaftlichen Ehrvorstellungen in ihren verschiedenen Ständen. Dies sollte in der

Handlung besonders durch den direkten Kontakt zwischen den proletarischen und

bürgerlichen Bewohnern eines Hofs verdeutlicht werden.

In der folgenden Arbeit soll daher der Frage nach den literarisch dargestellten

Ehrvorstellungen des 19. Jahrhunderts in Schnitzlers ,,Leutnant Gustl" und

Sudermanns ,,Die Ehre" nachgegangen werden.

Neben der Einführung in den Begriff der Ehre des 19. Jahrhunderts aus

sozialhistorischer Perspektive, ist für die Analyse des Ehrbegriffs bei ,,Leutnant

Gustl" auf die militärische Vorstellung des Ehrbegriffs zu verweisen. Weiter soll

besonders für die Erläuterung der Ehrvorstellungen bei Sudermann die bürgerliche

Satisfaktionsfähigkeit durch das ständische Duellprivileg verdeutlicht werden.

Im Folgenden ist der militärische Ehrenkodex mit seinen auftretenden Problemen

anhand der Figur des Leutnant Gustl zu erläutern. Zudem soll kurz auf die sprachliche

Verwendung der Ehre eingegangen werden, um den Ehrbegriff in ,,Leutnant Gustl"

vollständig zu erfassen und somit die Analyse abzurunden. Erst dann kann ein

Vergleich zu Sudermanns ,,Die Ehre" gemacht werden, um aufgezeigte

Problematiken an diesem Werk zu bekräftigen.

Für den historischen Kontext wird von größter Wichtigkeit Freverts ,,Ehrenmänner"

sein, da hier in umfangreicher Darstellung der Ehrenkodex und die häufig damit

zusammenhängende Duellierung vom Mittelalter bis zur frühen Bundesrepublik

erläutert werden.

- 3 -


Wilperts Aufsatz ist für die Bearbeitung eine vordergründige Quelle, weil hier im

Kurzen auf die wichtigsten Motive und Merkmale des Ehrbegriffs bei ,,Leutnant

Gustl" eingegangen wird. Der Aufsatz von Eilert sowie die Dissertation von Nohl

bilden zusammen die relevante Literatur zur Bearbeitung von ,,Die Ehre", da diese für

die Erfassung der Ehrvorstellungen im Drama stets den Bezug zum soziokulturellen

und historischen Kontext suchen.

2.

Historischer

Kontext:

Der

Ehrenkodex

im

19.

Jahrhundert

Schnitzlers Werke sind beinahe ausnahmslos von ausgesprochener Orts- und

Zeitbezogenheit geprägt und lassen daher stets einen Verweis auf die historische Lage

zu. Auch Sudermann bevorzugte es den Zeitbezug in ,,Die Ehre" anhand

exemplarischer Vertreter einer Gesellschaftsschicht oder einer Lebensweise

darzustellen.

Für den Zugang zum Thema dieser Arbeit ist es deswegen unerlässlich, nötiges

Wissen zur Vorstellung von Ehre im Österreich des 19. Jahrhunderts zu erwerben, um

die gesellschaftliche und historische Lage des Leutnant Gustl oder der Figuren in

,,Die Ehre" angemessen reflektieren zu können.

Im 19. Jahrhundert war der Ehrbegriff bei den männlichen Angehörigen sozialer

Oberschichten ein emphatisch aufgeladener Begriff. Dabei war der Wettbewerb nicht

im klassischen Sinn auf Sieg oder Niederlage ausgelegt: Das Duell war stets ein

Ehrenzweikampf, in dem man nicht lediglich um ein Ergebnis stritt, sondern

vorrangig seine Ehre unter Beweis stellte (vgl. Frevert 1991, 14). Dies geschah

bereits durch die Tatsache, dass sich beide Kontrahenten einem möglicherweise

tödlich endenden Kampf stellten und ,,auf diese Weise zu erkennen gaben, daß sie

ihre ,Ehre′ höher schätzten als ihr Leben" (Ebd.). Jeder Angriff auf die Ehre war

daher mit einer Forderung zum Duell zu beantworten.

Besonders der militärische Ehrenkodex sah diese Form der Ahndung einer

Beleidigung als einzige Möglichkeit der Ehrwahrung. Ging der Soldat dieser nicht

nach und suchte etwa den gerichtlichen Weg um eine solche Angelegenheit zu klären,

konnte dieser seine militärische Karriere im Weitesten als beendet betrachten, da er

sich als Soldat nicht der militärischen Tradition der Ehrwahrung fügte und zudem

nicht über grundlegende soldatische Charaktereigenschaften verfügte: Gradlinigkeit,

- 4 -



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