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Politik und Medien - Politiker und ihre mediale Präsenz

Subtitle: Selbst-Darstellungen von Politikern in den Medien - Politiker als Medienstars

Scholary Paper (Seminar), 2006, 20 Pages
Author: Sven Weidner
Subject: Cultural Studies

Details

Event: Politische Ikonen - Inszenierung des Politischen
Institution/College: Humboldt-University of Berlin (Kulturwissenschaftliches Institut)
Tags: Politik, Medien, Politiker, Präsenz, Politische, Ikonen, Inszenierung, Politischen
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2006
Pages: 20
Grade: 2,3
Bibliography: ~ 9  Entries
Language: German
Archive No.: V118214
ISBN (E-book): 978-3-640-21403-7

File size: 126 KB

Abstract

Dass in einer zusehends mediengesteuerten und medienorientierten Gesellschaft die Selbstdarstellung von Politikern eine immer tragendere Rolle spielt, wird dem Zuschauer spätestens dann gewahr, wenn er sich durch die verschiedenen Polit-Talk-Shows zappt. Vielfach geht es nicht mehr darum politische Statements, Botschaften oder auch Einstellungen zu vermitteln, sondern den Erwartungen, die die Medienöffentlichkeit an den Politiker heranträgt, wie auch immer, gerecht zu werden. Ein sicheres, wendiges und ästhetisches Image soll transportiert werden, auch auf die Gefahr hin, dass wesentliche Themen, nämlich die sachliche Auseinandersetzung mit aktuell anstehenden Fragestellungen, hinten an gestellt werden. Persönliche Ränkespiele werden ganz im Sinne eines Mix aus Politik und Unterhaltung ausgetragen, und auch der ein oder andere Schuss unter die Gürtellinie wird, so er denn gelungen, vom Publikum als besondere Schlagfertigkeit goutiert. Nimmt die Selbstdarstellung überhand, heben die Talkmasterinnen Sabine Christiansen oder Maybrit Illner schon einmal drohend den Zeigefinger, um den jeweiligen Politiker wieder auf die richtige Fährte zu locken. Politik und Medien sind heillos miteinander verschränkt, und es wird in dieser Arbeit zunächst um das Problem der Öffentlichkeit in Zusammenhang mit Politik in einer modernen Gesellschaft gehen, einer Gesellschaft die oftmals als „Mediengesellschaft“ definiert wird, und sich auch als solche versteht. Welche Anforderungen diese Mediengesellschaft an den einzelnen Politiker stellt, wird ebenso Gegenstand der Arbeit sein, wie die Analyse von Wahlkämpfen. Diese sind mehr denn mehr denn je Arenen der absoluten Personalisierung und Inszenierung der einzelnen Agierenden. Auch hier werden kaum mehr politische Inhalte vermittelt, vielmehr setzen die am Prozess Beteiligten auf die Kraft des Bildes, und des visuellen Eindrucks. Gezeigt wird dies am Beispiel der Leipziger „Krönungsmesse“, dem Parteitag der SPD 17. April 1998. Während in den Anfängen der bundesrepublikanischen Demokratie die Medien, allen voran die Printmedien, das politische Geschehen kommentierten, und Medien und Politik noch relativ unabhängig voneinander waren, wirft sich heute die Frage auf, ob nicht in manchen Fällen die Macht der Medien Entscheidungen aber auch Vorgänge in der Politik maßgeblich und nachhaltig beeinflusst. Die Medien können ohne die Politiker sowenig, wie die Politiker ohne Medien. Und jeder Politiker gewinnt erst dann an Bekanntheit, und kann erst dann sein Profil schärfen, wenn er in den Medien angekommen, wenn er in diesen dauerhaft präsent ist.


Excerpt (computer-generated)

Eingereicht im Seminar

Politische Ikonen - Inszenierung des Politischen

am Kulturwissen-

schaftlichen Seminar der Humboldt Universität zu Berlin

Politik und Medien - Politiker und ihre mediale Präsenz

Selbst-Darstellungen von Politikern in den Medien ­

Politiker als Medienstars

Name des Verfassers: Sven Weidner

Wintersemester 2005/2006


Inhaltsverzeichnis

1. Vorbemerkungen 3

2. Politik und Medien. Die Öffentlichkeit, die Medien und die Politiker in einem komplexen

Spannungsfeld 4

3. Die Anforderungen an die Politiker in der Mediengesellschaft 9

4. Wahlkämpfe als Arenen der absoluten Personalisierung und Inszenierung. Die Leipziger

,,Krönungsmesse", der Parteitag der SPD am 17. April 1998 14

5. Schlussbetrachtungen 18

6. Literatur ­ Quellen 19

2


1. Vorbemerkungen

Dass in einer zusehends mediengesteuerten und medienorientierten Gesellschaft die Selbst-

darstellung von Politikern eine immer tragendere Rolle spielt, wird dem Zuschauer spätestens

dann gewahr, wenn er sich durch die verschiedenen Polit-Talk-Shows zappt. Vielfach geht es

nicht mehr darum politische Statements, Botschaften oder auch Einstellungen zu vermitteln,

sondern den Erwartungen, die die Medienöffentlichkeit an den Politiker heranträgt, wie auch

immer, gerecht zu werden. Ein sicheres, wendiges und ästhetisches Image soll transportiert

werden, auch auf die Gefahr hin, dass wesentliche Themen, nämlich die sachliche Auseinan-

dersetzung mit aktuell anstehenden Fragestellungen, hinten an gestellt werden. Persönliche

Ränkespiele werden ganz im Sinne eines Mix aus Politik und Unterhaltung ausgetragen, und

auch der ein oder andere Schuss unter die Gürtellinie wird, so er denn gelungen, vom Publi-

kum als besondere Schlagfertigkeit goutiert. Nimmt die Selbstdarstellung überhand, heben die

Talkmasterinnen Sabine Christiansen oder Maybrit Illner schon einmal drohend den Zeigefin-

ger, um den jeweiligen Politiker wieder auf die richtige Fährte zu locken.

Politik und Medien sind heillos miteinander verschränkt, und es wird in dieser Arbeit zu-

nächst um das Problem der Öffentlichkeit in Zusammenhang mit Politik in einer modernen

Gesellschaft gehen, einer Gesellschaft die oftmals als ,,Mediengesellschaft" definiert wird,

und sich auch als solche versteht. Welche Anforderungen diese Mediengesellschaft an den

einzelnen Politiker stellt, wird ebenso Gegenstand der Arbeit sein, wie die Analyse von Wahl-

kämpfen. Diese sind mehr denn mehr denn je Arenen der absoluten Personalisierung und In-

szenierung der einzelnen Agierenden. Auch hier werden kaum mehr politische Inhalte vermit-

telt, vielmehr setzen die am Prozess Beteiligten auf die Kraft des Bildes, und des visuellen

Eindrucks. Gezeigt wird dies am Beispiel der Leipziger ,,Krönungsmesse", dem Parteitag der

SPD 17. April 1998.

Während in den Anfängen der bundesrepublikanischen Demokratie die Medien, allen voran

die Printmedien, das politische Geschehen kommentierten, und Medien und Politik noch rela-

tiv unabhängig voneinander waren, wirft sich heute die Frage auf, ob nicht in manchen Fällen

die Macht der Medien Entscheidungen aber auch Vorgänge in der Politik maßgeblich und

nachhaltig beeinflusst. Die Medien können ohne die Politiker sowenig, wie die Politiker ohne

Medien. Und jeder Politiker gewinnt erst dann an Bekanntheit, und kann erst dann sein Profil

schärfen, wenn er in den Medien angekommen, wenn er in diesen dauerhaft präsent ist.

3


2. Politik und Medien. Die Öffentlichkeit, die Medien und die Politiker in einem kom-
plexen Spannungsfeld

Die Medien können nicht ohne die Politik, und die Politik nicht ohne die Medien. Jede Seite

benutzt die andere als Vehikel, ganz in ihrem eigenen Interesse. Eine Interdependenz, die sich

nicht in jedem Fall bezahlt macht, da vielfach schon Politiker über Affären gestolpert sind, die

nicht zuletzt durch die Medien aufgedeckt worden sind; auf der Medienseite wiederum haben

schon Journalisten wegen falscher, oder fingierter Tatsachen ihren Hut nehmen müssen. Dass

natürlich nicht immer ein investigativer, sauberer Journalismus und eine sorgfältige Ausge-

wogenheit bei der Berichterstattung über Politik, respektive den Politiker in den Medien vor-

rangiges Ziel ist, steht außer Frage, ebenso wie die Feststellung, dass auf Seiten der Politik die

Medien dazu benutzt werden Falschmeldungen zu streuen, den politischen Gegner, manchmal

auch den innerparteilichen Mitstreiter, zu kolportieren, oder zu demontieren.

Die Verquickungen von Politik und Medien wird vielfach kontrovers diskutiert und zuweilen

beklagt. Der Vorwurf der Manipulierbarkeit auf beiden Seiten wird ebenso laut, wie jener,

dass die Politik unter dem unheilvollen Diktat der Medien und somit auch bestimmter Interes-

sensvereinigungen stünde. Dieser Verdacht wird dann objektivierbar, wenn Leo Kirch, be-

kanntermaßen ein Freund von Altbundeskanzler Helmut Kohl, diesen ganz besonders oft zu

Zeiten des Bundestagswahlkampfes von 1998 zu diversen Talkshows einlädt. Helmut Kohl,

der nicht gerade als Medienkanzler galt, und auch mit dem ein oder anderen aus der Branche

durchaus nicht auf dem allerbesten Fuße steht, verstärkte seine Medienpräsenz und entdeckte

seine Freude für die Sendeformate des Privatfernsehens.

Was in den USA schon längst zum politischen Alltag gehört, fand hier erst in den 90er Jahren

zusehends Eingang in die deutsche Medienlandschaft: Die Vermischung von Politik und un-

terhaltenden Medien, und die Einsicht über die Notwendigkeit, dass ein Politiker sein Image,

und auch seine Wirkung durch ein medial gerechtes Auftreten im Sinne einer medialen Insze-

nierung entscheidend und nachhaltig beeinflussen kann. Die Erkenntnis gehört heute als un-

abdingbarer Bestandteil zur Politik.

Der amerikanische US- Präsident Ronald Reagan, der Cowboy aus Hollywood, lehrte seinen

Nachfolgern par excellence, wie man sich als Politiker massentauglich und effektvoll insze-

niert, um seinem Publikum zu gefallen. Sehr schnell haben die Politikberater erkannt, dass es

im medialen Zeitalter mehr denn je wichtig ist, mit welchen konkreten Strategien, Politiker

ihre Inszenierungen betreiben müssen, um beim Zuschauer zu Hause vor dem Fernseher an-

4


zukommen. Obgleich sich die Medien heute im Jahre 2006 stetig in den verschiedenartigsten

Sparten weiter entwickeln, bleibt die Dominanz des Mediums Fernsehen nach wie vor un-

gebrochen. Es ist auch jenes Primärmedium, das dem Politiker als Inszenierungspodium dient.

Mit dem Einzug des Privatfernsehens Anfang der 80er Jahre, wuchs der Drang aber auch die

Gier nach unaufhörlicher Unterhaltung. Die Macher erkannten dies sofort und schafften es

innerhalb kürzester Zeit immensen Profit daraus zu schlagen.

Zusehends werden die Massenmedien zur wichtigsten Vermittlungsinstanz von Wirklichkeit

in unserer Gesellschaft und spielen eine enorme Rolle gerade bei meinungsbildenden Prozes-

sen. Dass hierbei natürlich Mythen und Traumwelten, aber auch Scheinwirklichkeiten kreiert

werden, ist weithin bekannt. Die Medien umgeben unser Leben mit künstlichen Wahrheiten

wie ein Kokon, und beeinflussen dadurch auch einzelne Wertorientierungen. Mit dem zuneh-

menden Grad einer immer spezifischer werdenden Technisierung, wird die Massenkommuni-

kation die persönliche Kommunikation zunehmend ersetzen, und wiederum neue ,,Öffentlich-

keitspodien" schaffen.

Das Fernsehen ist schon seit langem Kulturvermittler und konstruiert auch die Geschichte des

fernsehenden Menschen. Diesen Prozess, der darin mündet, dass das Fernsehen eine nicht

wegzudenkende Bestimmungsgröße in der Öffentlichkeit geworden ist, können sich die Poli-

tiker nolens volens nicht entziehen. Zu fragen ist aber zunächst was unter dem Begriff ,,Öf-

fentlichkeit" zu verstehen ist. Der Soziologe Friedhelm Neidhardt sieht in der Öffentlichkeit

ein ,,offenes Kommunikationsforum für alle, die etwas sagen, oder das was andere sagen, hö-

ren wollen".1 Eine andere etwas komplexere Annäherung an den Begriff der Öffentlichkeit

lautet folgendermaßen.

,,Alle Vermittler von Wirklichkeit, die wir bisher untersucht haben, alle Zeichensys-

teme, die als Medien wirken, alle Personen, die in diese Code ­ Prozesse als Kommu-

nikatoren und / oder Rezipienten einbezogen sind, fügen sich zusammen zu dem, was

man als die Öffentlichkeit bezeichnet. Die Öffentlichkeit ist als Relaisstation, als

Netzwerk all dieser Systeme aufzufassen, indem die soziale, psychologische, politi-

sche und allgemein kulturelle Wahrnehmungsweisen verbinden. [...] Die Öffentlich-

keit hat natürlich eine (oder mehrere) Meinung (en). Allerdings ist diese in einer hoch-

komplexen Wirklichkeit nur schwer zu bestimmen."2

1 Neidhardt, Friedhelm: Öffentlichkeit, öffentliche Meinung, soziale Bewegungen. In: Ders. (Hg.):

Öffentlich-
keit, öffentliche Meinung, soziale Bewegungen

(=Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Son-

derheft 34). Opladen, 7-41.

2 Krempl, Stefan: Das Phänomen Berlusconi. Die Verstrickung von Politik, Medien, Wirtschaft und Werbung.

Frankfurt am Main, 1996, S.30

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