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Hypnotische Prozesse im Gottesdienst der Pfingstgemeinden

Subtitle: Versuch einer Annäherung an gewisse pfingstlerische Phänomene über die Ergebnisse der Hypnose- und Suggestionsforschung

Thesis (M.A.), 2007, 104 Pages
Author: Simon Knopf
Subject: Theology - Miscellaneous

Details

Category: Thesis (M.A.)
Year: 2007
Pages: 104
Grade: 3,0
Bibliography: ~ 59  Entries
Language: German
Archive No.: V118275
ISBN (E-book): 978-3-640-22044-1
ISBN (Book): 978-3-640-22278-0
File size: 433 KB

Abstract

Diese Arbeit stellt den Versuch dar, sich gewissen Erscheinungen in manchen charismatischen Pfingstgemeinden anhand der Hypnoseforschung zu nähern. Besucht man solche Pfingstgemeinden, können einige Phänomene beobachtet werden, die von Seiten der Gemeinden als Auswirkungen göttlicher Einflussnahme gedeutet werden. Dabei denke ich speziell an die Phänomene der Geistestaufe, die bei den Pfingstgemeinden als fundamentale und einmalige christliche Erfahrung neben dem Erlebnis der Wiedergeburt oder Bekehrung steht und an die Phänomene während der wiederholbaren so genannten Segnung, die als neuerlicher Kontaktgewinn mit dem Heiligen Geist zelebriert wird. Sowohl bei der Geistestaufe als auch bei den Segnungen kommt es zu verschiedenen physischen und psychischen Erscheinungen und ungewöhnlichen Verhaltensweisen, die der Hypnoseforschung wohl bekannt sind. Deshalb befasst sich ein Großteil der Arbeit mit der Darstellung und Erläuterung der Hypnose. Dabei konnte ich es leider nicht vermeiden bestimmte Begriffe der Hypnoseforschung, die erst in späteren Kapiteln erklärt werden, schon am Anfang zu verwenden. Die Arbeit gliedert sich in drei Teile. Der erste und längste Teil befasst sich mit Geschichte, Theorien und Phänomenen der Hypnose. Das erste Kapitel liefert einen Überblick über hypnoseähnliche Phänomene und Anwendungstechniken während religiösen Ritualen und therapeutischen Verfahren älterer Kulturen, um dann auf die Geschichte der wissenschaftlichen Hypnoseforschung seit Franz Anton Mesmer einzugehen. Besondere Aufmerksamkeit soll bei diesem Überblick auf diejenigen Techniken und Phänomene gerichtet werden, die für die heutige Hypnosepraxis charakteristisch sind. Die Kapitel drei, vier und fünf widmen sich nacheinander der Suggestion, einem Begriff, der für das Verständnis hypnotischer und hypnoseähnlicher Ereignisse von herausragender Bedeutung ist, den Hypnosetheorien und –definitionen und den Phänomenen der Hypnose, die als typisch oder klassisch bezeichnet werden. Im zweiten Teil werden kurz Entstehung und Entwicklung der verschiedenen Pfingstbewegungen, sowie deren Vorstellungen über Wesen und Auswirkungen der Geistes-taufe dargestellt. Am Ende des zweiten Teils werde ich den Ablauf eines exemplarischen pfingstlerischen Gottesdienstes schildern; den Segnungsgottesdienst des Christlichen Zentrums Frankfurt.


Excerpt (computer-generated)

Freie Universität Berlin

Hypnotische Prozesse im Gottesdienst der Pfingstgemeinden

Versuch einer Annäherung an gewisse pfingstlerische Phänomene über die Ergebnisse der Hypnose- und Suggestionsforschung

Simon Knopf

 

Inhaltsverzeichnis


1. Einleitung ... 4


Teil I: Geschichte, Theorie und Phänomene der Hypnose

2. Geschichte hypnoseähnlicher Anwendungen und des wissenschaftlichen Hypnotismus ab dem 19ten Jahrhundert ... 5

2.1. Einführung ... 5
2.2. Suggestive und hypnoseähnliche Praktiken älterer Kulturen ... 8
2.2.1. Der Tempelschlaf ... 10
2.2.2. Der Voodoo-Kult ... 11
2.3. Voraussetzungen der suggestiven Heilung ... 12
2.4. Der Beginn einer naturwissenschaftlichen Betrachtung von Krankheit und Heilung ... 12
2.4.1. Die Magnettherapie ... 12
2.5. Franz Anton Mesmer ... 14
2.5.1. Das kulturelle Umfeld Mesmers ... 14
2.5.2. Therapieformen die Mesmer beeinflussten ... 15
2.5.3. Mesmers Leben ... 16
2.5.3.1. Mesmers erste Lebensphase (1734-1774) und seine Zeit in Wien (1774-1778) ... 16
2.5.3.2. Mesmers Zeit in Paris (1778-1792) ... 19
2.5.3.3. Mesmers letzte Lebensphase (1792-1815) ... 23
2.5.4. Hypnotische Elemente in Mesmers Therapie ... 23
2.6. Der Hypnotismus des 19.Jahrhunderts ... 24
2.7. Hypnose im 20. Jahrhundert ... 30
2.8. Die Hypnoseforschung der letzten fünfzig Jahre ... 31

3. Suggestion und Suggestibilität ... 33

3.1. Einführung ... 3
3.2. Definitionen der Suggestion ... 34
3.3. Suggestionsgesetzte ... 38
3.4. Suggestive Beeinflussung durch soziale Faktoren ... 39
3.5. Suggestionsformen ... 41
3.6. Der Suggestionsvorgang ... 43
3.7. Suggestibilität ... 44
3.8. Suggestion und Hypnose ... 45

4. Theorien und Definitionen der Hypnose ... 46

4.1. Einführung ... 46
4.2. Theorien der Hypnose ... 47
4.2.1. Biologische Hypnosetheorien ... 47
4.2.2. Physiologische Theorien ... 49
4.2.2.1. Schlaftheorien und Hypnose als cerebrale Inhibition ... 49
4.2.3. Psychologische und sozialpsychologische Theorien ... 50
4.2.3.1. Die Dissoziationstheorie Janets und die Neodissoziationstheorien von Hilgard ... 50
4.2.3.2. Hypnose als Ergebnis einer durch Erwartung und Motivation zustande kommenden Rollenübernahme oder als außergewöhnlicher Bewusstseinszustand ... 52
4.2.3.3. Die Theorie der kognitiven Selbstorganisation ... 53
4.2.3.4. Hypersuggestibilitätstheorien ... 54
4.2.4. Psychoanalytische Hypnosetheorien ... 54
4.2.5. Schlussbetrachtung der verschiedenen Theorien ... 55
4.3. Einige Definitionen der Hypnose ... 56

5. Phänomene der Hypnose ... 58

5.1. Kennzeichen des hypnotischen Zustands ... 58
5.1.1. Objektive Kennzeichen ... 59
5.1.2. Subjektive Kennzeichen ... 60
5.2. Klassische Hypnosephänomene ... 60
5.2.1. Physiologische Phänomene ... 61
5.2.2. Psychologische Phänomene ... 63


Teil II: Geschichte, Vorstellungen und Praxis der Pfingstbewegungen

6. Die Charismatischen Pfingstbewegungen ... 67

6.1. Kulturhistorischer Überblick ... 67
6.1.1. Einführung ... 67
6.1.2. Geschichte der Pfingstbewegungen ... 67
6.1.2.1. Die Anfänge der klassischen Pfingstbewegungen in den USA ... 68
6.1.2.2. Praktiken und Anschauungen ... 70
6.1.2.3. Die Anfänge der Pfingstbewegungen in Deutschland ... 70
6.1.2.4. Die zweite Phase des Aufbruchs, die so genannte dritte Welle und die neupfingstlerischen und charismatischen Gemeinden und Werke ... 71
6.1.3. Kultur- und Sozialhistorische Umstände, die die Entstehung und das Wachstum der Bewegungen förderten ... 73
6.2. Die Geistestaufe ... 74
6.2.1. Das Erlebnis und die Deutung der Geistestaufe ... 75
6.2.2. Voraussetzungen für die Geistestaufe ... 77
6.2.3. Psychologische Ansätze zum Verständnis religiöser Erlebnisse ... 79
6.3. Wesen und Gestalt der spektakulären Charismen ... 80
6.4. Beschreibung des Segnungsgottesdienstes des Christlichen Zentrums Frankfurt am Main ... 83
6.4.1. Einführung ... 83
6.4.2. Zum Ablauf des Gottesdienstes ... 83
6.4.2.1. Die Lieder, Predigt und Erlebnisberichte ... 85
6.4.2.2. Die Segnung ... 86


Teil III: Anwendung der Suggestions- und Hypnoseforschung auf einen exemplarischen pfingstlerischen Gottesdienst des Christlichen Zentrums Frankfurt

7. Suggestive und hypnotische Elemente im Segnungsgottesdienst ... 88

7.1. Einführung ... 88
7.2. Das Trance induzierende und das suggestive Moment im Segnungsgottesdienst ... 89
7.3. Suggestionstheorien und -gesetzte in Bezug auf die Informationen über die Geistestaufe bzw. Segnung ... 91
7.4. Hypnosetheorien und der Segnungsgottesdienst ... 93
7.5. Klassische Hypnosephänomene im Segnungsgottesdienst ... 95

8. Schlussbetrachtung ... 96

9. Literaturverzeichnis ... 100

 

 

1. Einleitung

Diese Arbeit stellt den Versuch dar, sich gewissen Erscheinungen in manchen charismatischen Pfingstgemeinden anhand der Hypnoseforschung zu nähern. Besucht man solche Pfingstgemeinden, können einige Phänomene beobachtet werden, die von Seiten der Gemeinden als Auswirkungen göttlicher Einflussnahme gedeutet werden. Dabei denke ich speziell an die Phänomene der Geistestaufe, die bei den Pfingstgemeinden als fundamentale und einmalige christliche Erfahrung neben dem Erlebnis der Wiedergeburt oder Bekehrung steht und an die Phänomene während der wiederholbaren so genannten Segnung, die als neuerlicher Kontaktgewinn mit dem Heiligen Geist zelebriert wird.
Sowohl bei der Geistestaufe als auch bei den Segnungen kommt es zu verschiedenen physischen und psychischen Erscheinungen und ungewöhnlichen Verhaltensweisen, die der Hypnoseforschung wohl bekannt sind. Deshalb befasst sich ein Großteil der Arbeit mit der Darstellung und Erläuterung der Hypnose. Dabei konnte ich es leider nicht vermeiden bestimmte Begriffe der Hypnoseforschung, die erst in späteren Kapiteln erklärt werden, schon am Anfang zu verwenden.
Die Arbeit gliedert sich in drei Teile. Der erste und längste Teil befasst sich mit Geschichte, Theorien und Phänomenen der Hypnose. Das erste Kapitel liefert einen Überblicküber hypnoseähnliche Phänomene und Anwendungstechniken während religiösen Ritualen und therapeutischen Verfahren älterer Kulturen, um dann auf die Geschichte der wissenschaftlichen Hypnoseforschung seit Franz Anton Mesmer einzugehen. Besondere Aufmerksamkeit soll bei diesem Überblick auf diejenigen Techniken und Phänomene gerichtet werden, die für die heutige Hypnosepraxis charakteristisch sind.
Die Kapitel drei, vier und fünf widmen sich nacheinander der Suggestion, einem Begriff, der für das Verständnis hypnotischer und hypnoseähnlicher Ereignisse von herausragender Bedeutung ist, den Hypnosetheorien und –definitionen und den Phänomenen der Hypnose, die als typisch oder klassisch bezeichnet werden.
Im zweiten Teil werden kurz Entstehung und Entwicklung der verschiedenen Pfingstbewegungen, sowie deren Vorstellungen über Wesen und Auswirkungen der Geistestaufe dargestellt. Am Ende des zweiten Teils werde ich den Ablauf eines exemplarischen pfingstlerischen Gottesdienstes schildern; den Segnungsgottesdienst des Christlichen Zentrums Frankfurt.
Im dritten und letzten Teil wird versucht die dargestellten Ergebnisse der Suggestions- und Hypnoseforschung auf die Ereignisse während des beschriebenen Segnungsgottesdienstes anzuwenden. Es sollen also suggestive und hypnotische Elemente im Segnungsgottesdienst herausgearbeitet werden. Dabei wird sich zeigen, dass es eine Kontinuitätähnlicher Tranceerscheinungen, hypnotischer Phänomene und Techniken gibt, die sowohl in älteren Ritualen und therapeutischen Verfahren, heutigen Hypnosesitzungen und während des dargestellten Gottesdienstes der Pfingstgemeinde beobachtet werden können.
In den letzten Kapiteln soll weniger der Frage nachgegangen werden, ob man den Segnungsgottesdienst als Hypnose bezeichnen kann. Es soll vielmehr versucht werden diejenigen Faktoren herauszuarbeiten, die sowohl das Entstehen der suggestiven und hypnotischen Phänomene als auch die Ereignisse während des pfingstlerischen Segnungsgottesdienstes begünstigen oder gar bedingen.


Teil I: Geschichte, Theorien und Phänomene der Hypnose


2. Geschichte hypnoseähnlicher Anwendungen und des wissenschaftlichen Hypnotismus ab dem 19ten Jahrhundert

2.1. Einführung

Sieht man im Bücherverzeichnis der Staatsbibliothek Berlin unter dem Stichwort Hypnose nach, erscheinen um die 280 Titel. Die meisten Bücher stellen die medizinischen und psychologischen Anwendungsmöglichkeiten der Hypnose vor oder bieten Anleitungen zur Selbsthilfe durch Selbsthypnose. Hypnose wird aber auch im Zusammenhang mit politischer, krimineller und kommerzieller Beeinflussung, massenpsychologischen Erscheinungen und im ethnologisch-rituellen Rahmen behandelt (Boerner, 1991, S. 11). Liest man in diesen Büchern fällt schnell auf, dass recht unterschiedliche Phänomene die Bezeichnung Hypnose erhalten. Der Begriff Hypnose bezieht sich meistens auf einen speziellen Zustand oder auf eine zielgerichtete Anwendungstechnik; angefangen bei der körperlichen Starre, die bei gewissen Tieren durch einfache Manipulationen hervorgerufen werden kann (Totstellreflex), den halbwachen Momenten vor dem Einschlafen, Wachträumen oder Zuständen der Selbstvergessenheit, wie sie etwa beim Fahren auf der Autobahn auftreten können, bis zur suggerierten Schmerzfreiheit, Halluzination, Altersregression, bei der teilweise längst vergessene oder verdrängte Erlebnisse wieder ins Bewusstsein gerufen werden und den Zuständen während gewisser Rituale. Auch Techniken wie Meditation, autogenes Training, ethnotherapeutische Krankenheilungen usw. werden bisweilen als Hypnose bezeichnet (Revenstorf, 1990, S. 79; Hell, 1993, S. 9).
Das Gemeinsame dieser Phänomene scheint auf den ersten Blick nur ein außergewöhnlicher Bewusstseinszustand, ein Trancezustand zu sein. Dieser entsteht entweder spontan, durch gewisse psychologische und physiologische Techniken, oder er ist die Folge spezieller Suggestionen.
Oft ist versucht worden einen gemeinsamen Nenner solcher Zustände und Techniken zu finden und in einer Hypnosetheorie darzustellen. Die meisten Theorien sind aber entweder so allgemein, dass sie wenig Konkretes aussagen, oder aber nur Teile der Hypnose erfassen. Letztlich bleibt es fragwürdig, ob man so unterschiedliche Erscheinungen als Hypnose bezeichnen sollte. Durch die Einbeziehung all dieser Phänomene in den Untersuchungsgegenstand wird allerdings deutlich, wie allgegenwärtig hypnotische Erscheinungen in unserem Leben sind und wie viele Faktoren berücksichtigt werden müssen, wenn man zu einem umfassenden Verständnis der Hypnose gelangen will.
Einige Forschungen und Theorien haben sich den physiologischen Aspekten des hypnotischen Zustands und der Hypnoseinduktion ohne Suggestion, d. h. unter Ausschluss einer direkten psychischen Stimulierung, gewidmet. Bei den meisten Formen einer zielgerichteten kulturellen Nutzung der Hypnose, z.B. im medizinischen, psychologischen oder auch im religiös-rituellen Bereich, spielt allerdings die wie auch immer geartete Suggestion, sowohl bei der Induktion, als auch zur Führung der Aufmerksamkeit im Trancezustand und für die so genannten hypnotischen Phänomene eine bedeutende Rolle. Dementsprechend wird die Suggestion, sei es eine verbale oder nonverbale, eine direkte oder indirekte, eine Fremd- oder Selbstsuggestion, in der Forschung und Theorienbildung meistens mit einbezogen.
Ich werde hier versuchen mit dem Begriff Hypnose nicht auf einen speziellen psychischen Zustand zu verweisen. Vielmehr möchte ich den Begriff zunächst für eine zielgerichtete Anwendungstechnik reservieren; eine Technik, die mindestens aus drei Elementen besteht, die sich wechselseitig ergänzen und überschneiden können. Eine solche prozessuale Anwendung besteht, einer klassischen Hypnoseauffassung zufolge (Peter, 1990, S. 24): 1. aus einer induktiven Technik, die in den hypnotischen- oder Trancezustand einführt, 2. einem suggestiven Moment, der den Bewusstseinsinhalt während dieses Prozesses in eine bestimmte Richtung lenkt und 3. den so genannten hypnotischen Phänomenen, die spontan entstehen können, meistens aber angestrebt werden und eine Folge spezieller Suggestionen sind. Die hypnotischen Phänomene können das körperliche und geistige Befinden betreffen, zu Einstellungsänderungen, Handlungen oder anderen Reaktionen führen (mehr dazu im 5. Kapitel).
Wie wir sehen werden spielen diese drei Elemente schon bei einigen frühen Trance- und Heilungsritualen eine gewisse Rolle. Deshalb erscheint es gerechtfertigt, bei ihnen von einem Prozess zu sprechen, bei dem verschiedene hypnotische Faktoren zum Tragen kommen. Ob diese Faktoren schon die Hypnose als Ganzes ausmachen, hängt davon ab von welcher Theorie und Definition der Hypnose ausgegangen wird.
Einige dieser frühen Praktiken werden hier erwähnt, da sich


„eine kontinuierliche Kette nachweisen läßt zwischen Exorzismus und Magnetismus, Magnetismus und Hypnotismus, Hypnotismus und den großen modernen dynamischen Systemen“ (Ellenberger, 1973, S. 9)

der heutigen Psychotherapie. Die meisten historischen Betrachtungen der Hypnose gehen davon aus,


daß…im Verlaufe der Geschichte die hypnotischen Phänomene gleichgeblieben seien, während sich ihre Bezeichnungen verändert hätten und daß der wissenschaftliche Hypnotismus zu einem bestimmten Datum der Neuzeit beginne, wobei seine Wirkungsweise selber noch nicht vollständig begriffen sei.
(Schott, 1988, S. 1)

Durch die unterschiedlichen Bezeichnungen wird die historische Betrachtung der Hypnose erschwert. Verstehen wir jedoch die Hypnose zunächst, in dem oben angedeuteten klassischen Sinne, als einen Prozess, bestehend aus induzierenden Techniken, einem suggestiven Moment und den hypnotischen Phänomenen, dann kann man wohl sagen, dass die Geschichte der Hypnose sehr weit in die Menschheitsgeschichte zurück reicht. Den hypnotischen Zustand betreffend, ist es sogar fraglich, ob er ein erst im Laufe der Menschheitsgeschichte erworbenes Phänomen ist, oder ob er als biologische Grundlage die Phylogenese bis hin zum Menschen begleitet hat. Da es bei fast allen Tieren möglich ist einen Zustand nachzuweisen, der Analogien zum hypnotischen Zustand des Menschen aufweist und oft auch willentlich hervorgerufen werden kann, scheint diese Annahme gerechtfertigt (Schott, 1988).1
Ich werde mich bei der Darstellung der Geschichte der Hypnose vornehmlich auf Beispiele beschränken, in denen hypnoseähnliche Praktiken zu religiösen oder therapeutischen Zwecken angewendet wurden und werden. Die meisten Begriffe, mit denen die moderne Hypnoseforschung umgeht, sind zwar erst in den letzten zwei Jahrhunderten entstanden; dennoch findet man Hinweise für hypnoseähnliche Anwendungen in den Praktiken schriftloser Kulturen sowie in alten Schriftstücken, wie dem Mahabharata, dem Talmud und der Bibel (Alman, B.M.; Pratt, G.J.; Wood, D.P., 1988). Nach Hoareau (1996, S. 13) ist es fraglich,


ob Heilkundige tatsächlich bewußt therapeutisch eingesetzte hypnotische Techniken beherrschten, oder ob Hypnose nur eine Nebenwirkung der angewandten magischen Verfahren war. Wie dem auch sei, Suggestion war unbestreitbar der wirksamste Heilfaktor primitiver Medizin.1

[...]


1 Bei aller Ähnlichkeit tierischer und menschlicher Erscheinungen, sollte man doch nicht den Blick für wesentliche Unterschiede verlieren. Der so genannte hypnotische Zustand beim Tier lässt sich nur sehr oberflächlich im Sinne eines allgemeinen Lebensvorgangs mit dem hypnotischen Zustand des Menschen vergleichen (Jovanovic, 1988, S. 68).


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