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Analyse der aktuellen strukturellen sozio-ökonomischen Trends und deren möglichen Wirkungen für das öffentliche Berufsschulwesen in Rheinland-Pfalz

Scholary Paper (Seminar), 2007, 18 Pages
Author: Britta Buhl
Subject: Economics / Business: Didactics, Economic Pedagogy

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2007
Pages: 18
Grade: 2,3
Bibliography: ~ 28  Entries
Language: German
Archive No.: V118332
ISBN (E-book): 978-3-640-21376-4
ISBN (Book): 978-3-640-21391-7
File size: 132 KB

Abstract

In Deutschland scheitern Jugendliche häufig bei der Suche nach einem betrieblichen Ausbildungsplatz. So weist der Berufsbildungsbericht 2006 für Rheinland-Pfalz, einer Region mit sehr ungünstiger Ausbildungssituation, für das Jahr 2005 lediglich 76 Ausbildungsplätze für 100 ausbildungsinteressierte Jugendliche aus (BMBF 2006). Der oftmals geäußerte Vorwurf, Betriebe wollten nicht in Humankapital investieren, kann nicht ausschlaggebend für diese Situation sein, da viele ausbildungserfahrene Betriebe „ausgesprochen zufrieden mit dem Kosten-Nutzen-Verhältnis ihrer betrieblichen Ausbildung sind“1 (BMBF 2006). Die Ursachen der ungünstigen Chancen bei der Ausbildungsplatzsuche müssen daher in anderen Bereichen gesucht werden. Häufig wird darauf hingewiesen, dass veränderte Qualifikationsanforderungen der Berufe, die bspw. aus Modernisierung und fortschreitender Technologisierung resultieren, zu den limitierten Chancen auf einen Ausbildungsplatz beitragen (BMBF 2006). Absolventen allgemein bildender Schulen sind den veränderten Anforderungen nur bedingt gewachsen, diese mangelnde Berufsreife trägt dazu bei, dass Jugendlichen häufig der Zugang zu einem betrieblichen Ausbildungsplatz verwehrt bleibt (BMBF 2006). Im Rahmen dieser Arbeit sollen Herausforderungen für das Berufsbildungssystem erörtert werden, die sich aufgrund der veränderten beruflichen Anforderungen ergeben. Dabei wird Modernisierung als eine Weiterentwicklung gegenwärtiger Gesellschaftsstrukturen verstanden (vgl. Wenning 1999, 26) und als mitverantwortlich für die derzeitige und die zu erwartende Situation beruflicher Bildung gesehen2. Anhand der Modernisierungstheorie sollen daher zunächst Ursachen veränderter Anforderungen der Erwerbstätigkeit erörtert werden und die aus ihr resultierenden Funktionen für das Berufsbildungssystem dargelegt werden (Kapitel 2). Die Schilderung der aktuellen Situation beruflicher Bildung3 (Kapitel 3.1.) gestattet, die Aktualität der durch die Modernisierungstheorie beschriebenen Charakteristika des Berufsbildungssystems zu diskutieren (Kapitel 3.2.). Die anschließend aufgezeigten Entwicklungen in der beruflichen Bildung (Kapitel 4.1. und 4.2.) erlauben, die sich hierdurch ergebenden Aufgaben des Berufsbildungssystems zu erörtern (Kapitel 4.3.) und die zukünftige Bedeutung der modernisierungstheoretischen Funktionen aufzuzeigen. [...]


Excerpt (computer-generated)

Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Fachbereich 03: Rechts- und Wirtschaftswissenschaften

Lehrstuhl für Wirtschaftspädagogik

Sommersemester 2007

HAUSARBEIT

zum Seminar

Aktuelle Forschungsfragen der Wirtschaftspädagogik

Thema 5:

Analyse der aktuellen strukturellen sozio-ökonomischen

Trends

und deren möglichen Wirkungen für das öffentliche

Berufsschulwesen in Rheinland-Pfalz

Vorgelegt von:

Britta Buhl


Inhaltsverzeichnis

1.

Problemstellung 1

2.

Die Bedeutung der Modernisierung für die berufliche Bildung 2

2.1.

Modernisierung und Wirtschaftssystem 2

2.2.

Modernisierung und Bildungssystem 3

3.

Status quo der beruflichen Bildung 4

3.1.

Die aktuelle Situation im Berufsbildungssystem 4

3.2.

Aktualität der Modernisierungstheorie im Berufsbildungssystem 7

4.

Entwicklungen in der beruflichen Bildung 8

4.1.

Ausbildungsplatzsituation 8

4.2.

Alternativen zur dualen Berufsausbildung 9

4.3.

Aufgaben für das Berufsbildungssystem der Zukunft 10

5.

Perspektiven der beruflichen Bildung 11

Literaturverzeichnis 13


1

1. PROBLEMSTELLUNG

In Deutschland scheitern Jugendliche häufig bei der Suche nach einem betrieblichen

Ausbildungsplatz. So weist der Berufsbildungsbericht 2006 für Rheinland-Pfalz,

einer Region mit sehr ungünstiger Ausbildungssituation, für das Jahr 2005 lediglich

76 Ausbildungsplätze für 100 ausbildungsinteressierte Jugendliche aus (BMBF

2006). Der oftmals geäußerte Vorwurf, Betriebe wollten nicht in Humankapital in-

vestieren, kann nicht ausschlaggebend für diese Situation sein, da viele ausbildungs-

erfahrene Betriebe ,,ausgesprochen zufrieden mit dem Kosten-Nutzen-Verhältnis

ihrer betrieblichen Ausbildung sind"1 (BMBF 2006). Die Ursachen der ungünstigen

Chancen bei der Ausbildungsplatzsuche müssen daher in anderen Bereichen gesucht

werden. Häufig wird darauf hingewiesen, dass veränderte Qualifikationsanforderun-

gen der Berufe, die bspw. aus Modernisierung und fortschreitender Technologisie-

rung resultieren, zu den limitierten Chancen auf einen Ausbildungsplatz beitragen

(BMBF 2006). Absolventen allgemein bildender Schulen sind den veränderten An-

forderungen nur bedingt gewachsen, diese mangelnde Berufsreife trägt dazu bei, dass

Jugendlichen häufig der Zugang zu einem betrieblichen Ausbildungsplatz verwehrt

bleibt (BMBF 2006). Im Rahmen dieser Arbeit sollen Herausforderungen für das

Berufsbildungssystem erörtert werden, die sich aufgrund der veränderten beruflichen

Anforderungen ergeben.

Dabei wird Modernisierung als eine Weiterentwicklung gegenwärtiger Gesellschafts-

strukturen verstanden (vgl. Wenning 1999, 26) und als mitverantwortlich für die der-

zeitige und die zu erwartende Situation beruflicher Bildung gesehen2. Anhand der

Modernisierungstheorie sollen daher zunächst Ursachen veränderter Anforderungen

der Erwerbstätigkeit erörtert werden und die aus ihr resultierenden Funktionen für

1 Die Investition in Humankapital durch betriebliche Ausbildung sieht Becker (1975) bei vollkomme-

nen Märkten insb. dann als unrentabel, wenn in allgemeinen Qualifikationen ausgebildet wird, die

auch in anderen Betrieben, bspw. bei einem Arbeitsplatzwechsel, eingesetzt werden können. Im Ge-

gensatz hierzu kommen Grossmann & Meyer (2002) unter der realitätsnäheren Annahme unvollkom-

mener Märkte durch Analyse verschiedener Studien zu dem Ergebnis, dass eine Beteiligung von Be-

trieben an beruflicher Ausbildung unter gewissen Umständen rentabel sein kann. Dies bestätigen auch

die im Berufsbildungsbericht 2006 ausgewiesenen Befragungsergebnisse. Für eine detaillierte Darstel-

lung empfiehlt sich die Lektüre beider Publikationen, die hier verfolgte Fragestellung nimmt keinen

Bezug auf die Humankapitaltheorie, so dass auf eine ausführliche Darstellung verzichtet wird.

2 Von den in der Modernisierungstheorie beschrieben Phasen der Modernisierung ist die gesellschaft-

liche Modernisierung am bedeutsamsten für den Bereich des Berufsbildungssystems, so dass in der

weiteren Darstellung nur diese betrachtet wird. Hradil (2004, 18 ­ 20) bietet dem interessierten Leser

eine Übersicht der hier nicht berücksichtigten Phasen der Modernisierung.


2

das Berufsbildungssystem dargelegt werden (Kapitel 2). Die Schilderung der aktuel-

len Situation beruflicher Bildung3 (Kapitel 3.1.) gestattet, die Aktualität der durch die

Modernisierungstheorie beschriebenen Charakteristika des Berufsbildungssystems zu

diskutieren (Kapitel 3.2.). Die anschließend aufgezeigten Entwicklungen in der be-

ruflichen Bildung (Kapitel 4.1. und 4.2.) erlauben, die sich hierdurch ergebenden

Aufgaben des Berufsbildungssystems zu erörtern (Kapitel 4.3.) und die zukünftige

Bedeutung der modernisierungstheoretischen Funktionen aufzuzeigen.

2. DIE BEDEUTUNG DER MODERNISIERUNG FÜR DIE BERUFLICHE BILDUNG

2.1. Modernisierung und Wirtschaftssystem

Der Ursprung des heutigen Bildungssystems ist mit der im 19. Jahrhundert begin-

nenden Industriellen Revolution und der daraus resultierenden gesellschaftlichen

Modernisierung4 verknüpft. Die verschiedenen gesellschaftlichen Subsysteme, u. a.

das Bildungssystem und das Wirtschaftssystem, die sich im Zuge der Modernisie-

rung entwickeln, können anhand ihrer spezifischen Aufgaben voneinander abge-

grenzt werden. Neben dieser

funktionalen Differenzierung

sind für moderne Gesell-

schaften5, insb. für Industriegesellschaften, u. a.

Spezialisierung

und

Arbeitsteilung

charakteristisch (Hradil 2004, 21). Sie sind im Bereich des Wirtschaftssystems anzu-

siedeln und können als Ursache immer spezifischerer Berufe gesehen werden, die

immer speziellere Fähigkeiten notwendig machen (Hradil 2004, 22). Das duale Sys-

tem tangiert sowohl das Wirtschaftssystem als auch das (Berufs-)Bildungssystem,

daher kann berufliche Bildung nicht gänzlich vom Wirtschaftssystem entkoppelt be-

trachtet werden. Die folgende Skizzierung der Dienstleistungs- und Informationsge-

sellschaft soll helfen, derzeitige Anforderungen der Erwerbstätigkeit zu erfassen.

Mit dem Wandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft gewinnt der terti-

äre Wirtschaftssektor an Bedeutung. Die hieraus resultierenden neuen Voraussetzun-

gen für eine Erwerbstätigkeit (Hradil 2004, 169 ­ 170) sind u. a. durch den Trend zur

3 Die hierfür verwendete Datenbasis bezieht sich vornehmlich auf die Jahre 2004 und 2005, ein ein-

heitliches Basisjahr ist für das Aufzeigen allgemeiner Entwicklungstrends zweitrangig.

4 Gesellschaftliche Entwicklung ohne vorgegebene Richtung wird als sozialer Wandel bezeichnet,

gründet diese Entwicklung auf gewissen Vorstellungen, so wird sie als Modernisierung bezeichnet

(Hradil 2004, 17). Die Literatur gewährleistet nicht immer die begriffliche Trennschärfe, so dass im

Folgenden die Begriffe synonym im Sinne der Modernisierung verwendet werden.

5 Eine vollständige Übersicht der Merkmale moderner Gesellschaften, sowie ein kritische Würdigung

der Modernisierungstheorie, findet sich bei Hradil (2004, 20 ­ 25). Die Kritik an der Modernisie-

rungstheorie soll nicht näher erörtert werden, da dies in den Aufgabebereich der Soziologie fällt.



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