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Das Potential verschiedener Messmethoden zur Untersuchung des „Multi-Reference Appraisal Model of Emotion“

Bachelor Thesis, 2008, 25 Pages
Author: Linda Knab
Subject: Communications: Methods and Research Logic

Details

Category: Bachelor Thesis
Year: 2008
Pages: 25
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 36  Entries
Language: German
Archive No.: V118349
ISBN (E-book): 978-3-640-21229-3
ISBN (Book): 978-3-640-21238-5
File size: 234 KB

Abstract

Die Kommunikationswissenschaft beschäftigt sich, wenn auch nicht sehr intensiv, seit ihren Anfängen mit Emotionen in den Medien (vgl. Schramm/Wirth 2006: 25). Dabei treten starke emotionale Reaktionen auf. Besonders im Zuge der audiovisuellen Rezeption von Massenmedien können tiefe emotionale Erfahrungen gemacht werden (vgl. Schenk 2002: 192). Der situative Rahmen der Rezeption kann die emotionale Erlebniswelt des Zuschauers erheblich verändern. Im Flughafen von Hong Kong werden 4D-Kinofilme präsentiert, jede Vorstellung ist restlos ausverkauft.


Excerpt (computer-generated)

Freie Universität Berlin

Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft

Arbeitsbereich Empirische Kommunikations- und Medienforschung

Arbeitsstelle Forschungsmethoden/Angewandte Kommunikationsforschung

Sommersemester 2008

Das Potential verschiedener Messmethoden zur

Untersuchung des

,,Multi-Reference Appraisal Model of Emotion"

Bachelor-Abschlussarbeit

vorgelegt von:

Linda Knab

Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (BA)

Gemäß der Studienordnung vom 15. Juli 2003

7. Semester

02.

August

2008


Das Potential verschiedener Messmethoden zur Untersuchung des

,,Multi-Reference Appraisal Model of Emotion" | Linda Knab

Gliederung

1. Einleitung 1

2.

Rezeption ­ eine komplexe Situation 3

3.

Multi-Reference Appraisal Model of Emotion (MAME) 3

4. Methoden 6

4.1. Befragung 8

4.1.1. Expertenbefragung 10

4.2.

Methode des Lauten Denkens 11

4.3. Gedankenauflistung 11

4.4. Bilder-Sortier-Technik 12

4.5. Beobachtung 12

4.5.1. Mimikanalyse 13

4.6.

Continuous Response Measurement (CRM) 15

4.7. Blickbewegungsmessung

(,,Eyetracking") 17

5. Schlussbetrachtung 19

6. Literaturverzeichnis 21


Das Potential verschiedener Messmethoden zur Untersuchung des

,,Multi-Reference Appraisal Model of Emotion" | Linda Knab

1. Einleitung

Die Kommunikationswissenschaft beschäftigt sich, wenn auch nicht sehr

intensiv, seit ihren Anfängen mit Emotionen in den Medien (vgl. Schramm/Wirth

2006: 25). Dabei treten starke emotionale Reaktionen auf. Besonders im Zuge

der audiovisuellen Rezeption von Massenmedien können tiefe emotionale

Erfahrungen gemacht werden (vgl. Schenk 2002: 192).

Der situative Rahmen der Rezeption kann die emotionale Erlebniswelt des

Zuschauers erheblich verändern. Im Flughafen von Hong Kong werden 4D-

Kinofilme präsentiert, jede Vorstellung ist restlos ausverkauft.

"Unlike conventional 2D or 3D movie theatres, the 4D EXTREME SCREEN will

employ the latest F/X special visual and audio effects that bring strikingly real

three-dimensional images right before audiences′ eyes, while simultaneously

allowing them to experience sensory thrills timed to the visual action. Cinema

goers watching 4D movies can wade through drifting snow, splash in water and

breathe in pleasant outdoor fragrances."1

So soll das Filmerleben intensiviert, (Mit-)fühlen gesteigert werden. Leider sind

die Grafikdarbietungen so mangelhaft, dass der Rezipient die Produktion als

Werk zur Kenntnis nimmt. Das hindert ihn daran so sehr in den Film

,,einzutauchen", dass er alles andere um sich herum vergisst. Viele Zuschauer

ärgern sich über die schlechte Animation. Und während sie sich ärgern, können

sie vermutlich nicht emphatisch mit dem Protagonisten mitfühlen.

Bei allen Medienangeboten können Emotionen während der Rezeption auftreten.

Diese Arbeit konzentriert sich auf eine theoretische Ausrichtung, die Emotionen

als Konsequenz subjektiver Bewertung erlebter Situationen ansieht (Appraisal-

Theorien). Da der Umfang der Arbeit begrenzt ist, wird lediglich der

audiovisuelle Bereich thematisiert.

Die Situationsdefinition bei der Medienrezeption ist komplex. Der Rezipient kann

die medial vermittelte, die eigene Situation oder auch eine Mischung von beiden

Situationen bewerten, mit Konsequenz für seine Emotion.

,,[...] mit einer modifizierten Situationsdefinition muss sich aus appraisaltheo-

retischer Sicht zwangsläufig auch die erlebte Emotion ändern"

(Wirth/Schramm 2007: 157).

1 http://www.hongkongairport.com/eng/pr/pr_810.html 20.05.2008, 09:15 Uhr.

1


Das Potential verschiedener Messmethoden zur Untersuchung des

,,Multi-Reference Appraisal Model of Emotion" | Linda Knab

Wirth und Schramm nennen die bei der Medienrezeption unterschiedlichen

subjektiven Situationsdefinitionen ,,situationale Referenzen" (Wirth/Schramm

2007: 161).

Hat der Rezipient wegen belastender Emotion nicht mehr das Gefühl, die Situa-

tion kontrollieren zu können, nimmt er (meist unbewusst) einen Rahmenwechsel

vor. Diesen Wechsel thematisiert das Multi-Reference Appraisal Model of

Emotion (MAME), welches zusammenfassend ein

Konzept der situationalen

Referenz

(vgl. Wirth/Schramm/Böcking 2006: 234) darstellt. Beispielsweise

kann das empathische Mitfühlen mit dem Protagonisten (Sozio-

/Medienperspektive) den Rezipienten so stark berühren, dass er seine

Emotionen reguliert indem er den technischen Aspekten des Films

(Produktionsperspektive) Beachtung schenkt (vgl. Wirth/Schramm/Böcking

2006: 238).

Diese wissenschaftliche Arbeit stellt sich der Frage, wie das Konzept der

situationalen Referenz gemessen werden kann. Zunächst wird hierzu kurz auf

die komplexe Rezeptionssituation eingegangen. Dann wird das MAME als

Gegenstand der Arbeit vorgestellt. Anschließend werden verschiedene

Forschungsmethoden dargestellt und in Bezug auf MAME diskutiert. Die Auswahl

der Methoden konzentriert sich auf die Messungsmöglichkeiten kurzfristiger,

unmittelbarer Wirkungen und stellt die Emotionen und Kognitionen des

Rezipienten in der Rezeptionssituation in den Mittelpunkt. Die zugrunde liegende

Literatur ist die Quelle der in dieser Arbeit diskutierten Methoden. Weitere

Methoden sind denkbar.

Laut den Appraisal-Theorien (Scherer 1998: 276-293) ist für die Entstehung

einer Emotion eine physiologische Erregung nicht unbedingt notwendig.

Appraisaltheoretisch betrachtet entsteht eine Emotion durch einen

Bewertungsprozess. Der Schwerpunkt liegt ergo auf der Kognition. Dies würde

bedeuten, dass eine physiologische Messung keine Daten liefern muss, es aber

dennoch eine Emotion stattgefunden haben kann. MAME ist auf den Appraisal-

Theorien aufgebaut. Demzufolge können und müssen die psychophysiologischen

Methoden nicht vorgestellt werden.

Eine qualitative Herangehensweise ist für die Erforschung eines Modells wie

MAME mit seinen kognitiven und emotionalen Prozessen einer quantitativen

Methodik unbedingt vorzuziehen. Die innerpsychischen Vorgänge sind sehr

komplex und es kann hier nur von einer Annäherung ausgegangen werden, die

2


Das Potential verschiedener Messmethoden zur Untersuchung des

,,Multi-Reference Appraisal Model of Emotion" | Linda Knab

bei Weitem kein fertiges Werkzeug liefern kann, um die Möglichkeiten des MAME

zu untersuchen.

2.

Rezeption ­ eine komplexe Situation

Fil e

m können ihren vom Macher intendierten Sinn nur unter der Bedingung

n

e tfalten, dass bei den Zuschauern bestimmte (Lebens-)Erfahrungen vorhanden

sind. Denn Filme können Emotionen zwar beleben, aber das Wissen um

Situationen und Konstellationen, die Gefühle entstehen lassen, muss beim

Zuschauer gegeben sein. Filmerleben und ­wirkung ergeben sich also aus dem

Prozess der Interaktion von gezeigter Geschichte und eigener Geschichte der

Rezipienten (vgl. Eichhorn/Mehling 2002: 293). Die Aneignung eines Films durch

ein Individuum wird von vielen aktuellen und dauerhaften Momenten beeinflusst.

Der Rezipient verarbeitet Medienangebote individuell aufgrund seiner sozialen

Lage und seinen persönlichen Dispositionen (vgl. Vorderer/Schramm 2002:

125), wie es auch der dynamisch-transaktionale Ansatz von Früh und Schönbach

(1982, 1984) mitunter beschreibt.

Situationsabhängige und interindividuelle Unterschiede der Rezipienten

erschweren eine Vorhersage des R

ezeptionserlebnisses. Eine Emotion ist das

Ergebnis einer fortwährenden Situationsbewertung (vgl. Mangold/Unz/

Winterhoff-Spurk 2001: 178). Demzufolge können sich Emotionen schnell

ändern.

,,Durch interpersonale Kommunikation wird ein Re-/Metaappraisal im sozialen

Kontext vorgenommen, das sich wiederum auf die affektive Disposition des

Rezipienten auswirkt und so in einem reziproken Effekt zu einem

Gefühlsmanagement führt" (Döveling/Sommer 2008: 157).

Die Beobachtung auftretender interpersoneller Kommunikation kann ein Indiz für

einen Referenzwechsel sein, der der Gefühlsregulation dient.

3.

Multi-Reference Appraisal Model of Emotion

Mit dem Multi-Reference Appraisal Model of Emotion (MAME) heben Wirth und

Schramm die Bedeutung der situationalen Referenzen hervor, die während der

Medienrezeption vorkommen können. Wie bereits erwähnt, ist die

3


Das Potential verschiedener Messmethoden zur Untersuchung des

,,Multi-Reference Appraisal Model of Emotion" | Linda Knab

Rezeptionssituation sehr komplex, da der Rezipient sich je nach subjektiver

Interpretation in einer anderen Situation befinden kann. Die Appraisal-Theorien,

auf die MAME aufgebaut ist, betonen, dass eben diese subjektive

Situationsinterpretation die Grundlage für Emotion darstellt und nicht die

objektive Situation:

,,Emotions arise in response to the meaning structures of given situations"

(Frijda 1988: 349).

Demnach kann eine Person während einer Beerdigung lachen, weil ihr lustige

Gedanken zu dem Toten in den Kopf kommen, während die restliche

Trauergemeinde niedergesch a

l gen ist. Oder umgekehrt ist es denkbar, dass eine

Person inmitten eines fröhlichen Festes traurig ist, weil sie an den Verlust einer

geliebten Person denken muss. Übertragen auf die Medienrezeption ergibt sich,

dass die individuellen Gedanken des Rezipienten die Emotionen stark

beeinflussen können. Objektiv betrachtet befindet er sich in einer Situation, in

der er eine medial präsentierte Situation alleine oder zusammen mit anderen

rezipiert. Wirth, Schramm und Böcking definieren

,,situationale Referenz als diejenigen Aspekte einer tatsächlichen oder

imaginär vorgestellten Situation, die interpretativ die Basis für die erlebten

Emotionen bilden" (Wirth/Schramm/Böcking 2006: 235)

und unterscheiden sechs situationale Referenzen bei der Medienrezeption:

Als erste situationale Referenz wird der

Medieninhalt

genannt. Sie zeigen

fiktionale oder reale Geschehnisse. Rezipienten erleben die Emotion nach, die

auch die Protagonisten in den gezeigten Geschehnissen erleben, in dem sie

deren Situation nachvollziehen. Dies ist der Rahmen für die empathischen

Emotionen.

Die zweite Referenz ist die

Rezeptionssituation

. Der Rezipient macht sich hier die

eigene Beobachterrolle bewusst, indem er beispielsweise die bequeme Couch,

auf der er liegt, die Kartoffelchips und ein Glas Wein wahrnimmt. Hier könnten

angenehme Gefühle durchaus die Folge sein. Dies ist die häusliche

Rezeptionssituation, sie ist proximal und wird unmittelbar erlebt. Weiterhin kann

auch die kollektive Publikumsrolle wahrgenommen werden. Teil eines Millionen-

publikums zu sein, und sich das bewusst zu machen, kann als Folge Emotionen

wie Stolz oder Nationalgefühl hervorrufen. Die kollektive Rezeptionssituation

wird in der Regel distal und kann lediglich imaginär erlebt werden.

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