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Subtitle: Drei Verbformen des Rumänischen im Vergleich mit dem Französischen und Spanischen
Scholary Paper (Seminar), 2008, 23 Pages
Author: Susanne Hasenstab
Subject: Romance Languages - Comparative Studies
Details
Institution/College: University of Frankfurt (Main) (Neuere Philologien-Institut für Romanische Sprachen)
Tags: Substantivierter, Infinitiv, Objekt, Supin, Vergleichende, Sprachwissenschaft, Theorien, Methoden, Arbeitsfelder, Romanistik
Year: 2008
Pages: 23
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 16 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-21565-2
ISBN (Book): 978-3-640-21580-5
File size: 157 KB
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Abstract
In der vorliegenden Arbeit werden drei romanische Verbformen im Vordergrund der vergleichenden Betrachtung stehen: Im Rahmen des Seminarthemas „Vergleichende romanische Sprachwissenschaft – Theorien, Methoden, Arbeitsfelder“ soll das Vorkommen und die Verwendung des substantivierten Infinitivs, des Infinitivs als Objekt und des Supins im Rumänischen im Vergleich mit dem Französischen und dem Spanischen untersucht werden. Diese drei in der Morphosyntax anzusiedelnden rumänischen Phänomene wurden in dem Wissen ausgewählt, dass sie sich im Sprachgebrauch von den ihnen jeweils entsprechenden Phänomenen in den romanischen Vergleichssprachen Französisch und Spanisch unterscheiden. Im Hinblick auf die Sonderstellung, die das Rumänische innerhalb der romanischen Sprachen inne hat, steht das Zusammentragen von Wissen über die sprachgeschichtlichen Gründe für den differierenden Gebrauch des substantivierten Infinitivs, des Infinitivs als Objekt und des Supins sowie über den tatsächlichen Gebrauch und die Verwendung dieser drei Verbformen im Vordergrund. Die Untersuchung soll zeigen, wie groß beziehungsweise wie gering die Unterschiede zwischen den einzelnen Sprachen sind und mit welchen verschiedenen Konstruktionen das Rumänische, das Französische und das Spanische den gleichen Sachverhalt ausdrücken. Die vergleichende Untersuchung anhand eines ausgewählten Textcorpus geht stets vom Rumänischen aus, mit dem die französische und die spanische Version jeweils kontrastiert werden. Als Corpus dienen die rumänische, französische und spanische Übersetzung von Paulo Coelhos Roman „Onze Minutos“ . Die zitierten Belege entstammen alle den ersten beiden und den letzten drei Kapiteln dieses Romans – dies sind je nach Ausgabe circa 50 Seiten, der Roman selbst umfasst je nach Ausgabe circa 260 Seiten. Eine quantitative Auswertung wird im Rahmen dieser Arbeit nicht stattfinden, vielmehr sollen anhand des Übersetzungsvergleichs einige charakteristische Beispiele für jedes der betrachteten Phänomene gegeben werden.
Excerpt (computer-generated)
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Fachbereich 10: Neuere Philologien-Institut für Romanische Sprachen
Hauptseminar: Vergleichende romanische Sprachwissenschaft Theorien, Methoden,
Arbeitsfelder
Fachbereich: Romanische Sprachwissenschaft
Wintersemester 2007/08
Hausarbeit:
Substantivierter Infinitiv, der Infinitiv als Objekt und das Supin:
Untersuchung zu Vorkommen und Verwendung
dreier Verbformen des Rumänischen im Vergleich mit dem
Französischen und Spanischen
Verfasserin: Susanne Hasenstab
6. Fachsemester
Studienfächer:
Hauptfach: Romanistik (Französische Sprache, Literatur und Kultur/ Romanische
Sprachwissenschaften), 1. Nebenfach: Romanistik (Spanische Sprache, Literatur und Kultur),
2. Nebenfach: Skandinavistik (Neuere Skandinavistik)
Gliederung
1. Einleitung: Die Sonderstellung des Rumänischen innerhalb der Romania 3
2. Vergleichende Untersuchung dreier Verbformen 4
2.1 Der substantivierte Infinitiv 4
2.1.1 Der substantivierte Infinitiv im Rumänischen ein Verbalnomen 4
2.1.2 Der Gebrauch des substantivierten Infinitivs im Vergleich mit dem Französischen
und Spanischen 6
2.2 Der Infinitiv als Objekt 9
2.2.1 Die Reduktion des Infinitivs im Rumänischen im Vergleich mit dem Französischen
und Spanischen 10
2.2.2 Der Infinitivschwund ein syntaktischer Balkanismus 11
2.2.3 Die Ausnahme ,,a putea" 13
2.2.4 Wechselwirkung zwischen dem ,,kurzen" und ,,langen" Infinitiv im Rumänischen
15
2.3 Das Supin 15
2.3.1 Das rumänische Supin ein Überbleibsel aus dem Lateinischen 15
2.3.2 Französische und spanische Entsprechungen des Supins 17
3. Zusammenfassung: Die Sonderstellung des Rumänischen in Hinblick auf die drei
untersuchten Verbformen 19
4. Literaturangaben: 21
Textcorpus: 21
Sekundärliteratur: 21
2
1. Einleitung: Die Sonderstellung des Rumänischen innerhalb der Romania
Dass die rumänische Sprache innerhalb der Romania eine Sonderstellung einnimmt, gilt in
der Romanistik als unumstritten: Das Rumänische, das sich aus dem Latein entwickelte,
welches während der römischen Herrschaft über die Provinz Dakien in dieser Region
,,gesprochen wurde, hat [...] seinen grundlegend romanischen Charakter bis heute bewahrt,
unterscheidet sich aber in einer Reihe grammatischer und lexikalischer Erscheinungen von
allen anderen romanischen Sprachen."1
Die rumänische Sprache, deren Sprachraum geographisch vom Rest der Romania isoliert
liegt, hat im Gegensatz zu anderen romanischen Sprachen zum einen archaische Formen des
Lateins erhalten, zum anderen im Laufe der Jahrhunderte Einflüsse der umliegenden Sprachen
der Balkanstaaten verarbeitet. Daher eignet sich das Rumänische sehr gut für vergleichende
sprachwissenschaftliche Untersuchungen.
In der vorliegenden Arbeit werden drei romanische Verbformen im Vordergrund der
vergleichenden Betrachtung stehen: Im Rahmen des Seminarthemas ,,Vergleichende
romanische Sprachwissenschaft Theorien, Methoden, Arbeitsfelder" soll das Vorkommen
und die Verwendung des substantivierten Infinitivs, des Infinitivs als Objekt und des Supins
im Rumänischen im Vergleich mit dem Französischen und dem Spanischen untersucht
werden. Diese drei in der Morphosyntax anzusiedelnden rumänischen Phänomene wurden in
dem Wissen ausgewählt, dass sie sich im Sprachgebrauch von den ihnen jeweils
entsprechenden Phänomenen in den romanischen Vergleichssprachen Französisch und
Spanisch unterscheiden.
Im Hinblick auf die Sonderstellung, die das Rumänische innerhalb der romanischen Sprachen
inne hat, steht das Zusammentragen von Wissen über die sprachgeschichtlichen Gründe für
den differierenden Gebrauch des substantivierten Infinitivs, des Infinitivs als Objekt und des
Supins sowie über den tatsächlichen Gebrauch und die Verwendung dieser drei Verbformen
im Vordergrund. Die Untersuchung soll zeigen, wie groß beziehungsweise wie gering die
Unterschiede zwischen den einzelnen Sprachen sind und mit welchen verschiedenen
Konstruktionen das Rumänische, das Französische und das Spanische den gleichen
Sachverhalt ausdrücken.
Die vergleichende Untersuchung anhand eines ausgewählten Textcorpus geht stets vom
Rumänischen aus, mit dem die französische und die spanische Version jeweils kontrastiert
werden. Als Corpus dienen die rumänische, französische und spanische Übersetzung von
1
Beyrer, Arthur/ Bochmann, Klaus/ Bronsert, Siegfried: Grammatik der rumänischen Sprache der
Gegenwart, Leipzig 1987, S. 15.
3
Paulo Coelhos Roman ,,Onze Minutos"2. Die zitierten Belege entstammen alle den ersten
beiden und den letzten drei Kapiteln dieses Romans dies sind je nach Ausgabe circa 50
Seiten, der Roman selbst umfasst je nach Ausgabe circa 260 Seiten.
Eine quantitative Auswertung wird im Rahmen dieser Arbeit nicht stattfinden, vielmehr sollen
anhand des Übersetzungsvergleichs einige charakteristische Beispiele für jedes der
betrachteten Phänomene gegeben werden.
2. Vergleichende Untersuchung dreier Verbformen
2.1 Der substantivierte Infinitiv
2.1.1 Der substantivierte Infinitiv im Rumänischen ein Verbalnomen
Als erste rumänische Verbform im Vergleich mit dem Französischen und Spanischen soll der
substantivierte Infinitiv betrachtet werden. Der rumänische substantivierte Infinitiv entspricht
weitgehend dem lateinischen Gerundium3 und ,,verhält sich im Rumänischen wie ein
Nomen."4
Jedem Rumänischlernenden fällt früher oder später auf, dass es zwei Formen des Infinitivs
gibt: den langen und den kurzen Infinitiv. Durch das Anhängen des Suffixes re an den
kurzen Infinitiv kann jedes rumänische Verb in ein Verbalsubstantiv verwandelt werden. Das
Rumänische besitzt also zwei Formen des Infinitivs, ,,und zwar eine vollere Form, die heute
nur mehr als Verbalnomen verwendet wird [...] und den eigentlichen Infinitiv".5
Ein erstes Beispiel aus dem Textcorpus zeigt, wie das Rumänische diese Langform des
Infinitivs bildet:
R6: descoperirea primului bile el (S. 255)7
F8: la découverte du premier billet (S. 304)9
S10: el descubrimiento de la primera nota (S. 277)11
2
Die Originalausgabe des Romans ,,Onze Minutos" von Paulo Coelho erschien 2003 in Rio de Janeiro in
brasilianischem Portugiesisch.
3
Vgl.: Stein, Peter: Die infiniten Verbformen des Rumänischen (infinitiv, supin, gerunziu, participiu) im
Kontext der romanischen Sprachen, in: Iliescu, Maria/ Sora, Sanda (Hg.): Rumänisch: Typologie, Klassifikation,
Sprachcharakteristik, München 1996, S. 103.
4
Ebd.: S. 103.
5
Solta, Georg Renatus: Einführung in die Balkanlinguistik mit besonderer Berücksichtigung des
Substrats und des Balkanlateinischen, Darmstadt 1980, S. 210 f.
6
Mit ,,R" wird ein rumänischer Textbeleg gekennzeichnet.
7
Alle rumänischen Textbelegen werden zitiert aus: Coelho, Paulo: Unsprezece minute, aus dem
brasilianischen Portugiesisch ins Rumänische übersetzt von Pavel Cuil, Bukarest 2005. Rumänische,
französische und spanische Textbelege werden im Folgenden im Fließtext mit der jeweiligen Seitenzahl
nachgewiesen.
4
Aus dem kurzen, dem ,,eigentlichen" Infinitiv bildet das Rumänische durch das Hinzufügen
des Suffixes re also die Langform und somit ein Verbalsubstantiv: aus ,,a descoperi"
(entdecken) wird ,,descoperire", woraus durch den angehängten bestimmten Artikel
,,descoperirea" (wörtlich: das Entdecken die Entdeckung) wird.
Ursprünglich gab es im Rumänischen nur eine Infinitivform, nämlich den langen Infinitiv, der
wie die lateinischen Infinitivformen auf re endete. Die ,,Entwicklung des neuen, gekürzten
rumänischen Infinitivs und des damit verbundenen ausschließlich substantivischen Gebrauchs
des alten Infinitivs auf
re
"12 fand laut Glbov ,,unter bulgarischem Einfluß"13 statt.
Die Tatsache, dass der ursprüngliche lange Infinitiv oft einen nominalen Charakter besaß,
,,führte zeitig zu einer klaren Trennung in den `kurzen Infinitiv′ als infinite Verbform und den
`langen Infinitiv′ als Substantiv"14.
Diese zum Verbalsubstantiv gewordene Form des rumänischen substantivierten Infinitivs ist
im heutigen Rumänisch allgegenwärtig: Jedes Verb lässt sich mit Hilfe des Hinzufügens von
re substantivieren. Viele der so entstandenen Substantive sind längst ins allgemeine
Vokabular eingegangen, und erst ein bewusstes Durchforsten des Textcorpus zeigt die
Vielzahl der Wörter auf, die ursprünglich aus einem Verb entstanden sind. So bildet sich zum
Beispiel das rumänische Wort für ,,Liebe" aus dem dazugehörigen Verb ,,lieben":
R: Cu iubirea vie ii sale (S. 12)
F: Avec l´amour de sa vie (S. 13)
S: Con el amor de su vida (S. 14)
8
Mit ,,F" wird ein französischer Textbeleg gekennzeichnet.
9
Französische Textbelege werden zitiert aus: Coelho, Paulo: Onze minutes, aus dem brasilianischen
Portugiesisch ins Französische übersetzt von Françoise Marchand-Sauvagnargues, Paris 2006.
10
Mit ,,S" wird ein spanischer Textbeleg gekennzeichnet.
11
Spanische Textbelege zitiert aus: Coelho, Paulo: Once minutos, aus dem brasilianischen Portugiesisch
ins Spanische übersetzt von Ana Belén Costas, Barcelona 2007.
12
Glbov, Ivan: Languages in Contact ein typischer Fall: das Rumänisch, in: Werner, Reinhold
(Hrsg.): Sprachkontakte, Tübingen 1980, S. 24.
13
Ebd.: S. 24.
14
Beyrer, Arthur/ Bochmann, Klaus/ Bronsert, Siegfried: Grammatik der rumänischen Sprache der
Gegenwart, Leipzig 1987, S. 157.
5
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