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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2008, 32 Pages
Author: Sabine Sacher
Subject: Pedagogy - Pedagogic Sociology
Details
Institution/College: LMU Munich (Institut für Pädagogik, Bildungs- und Sozialisationsforschung)
Tags: Regenbogenfamilien, Entwicklung, Kindern, Eltern, Sexualität, Diskurs
Year: 2008
Pages: 32
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 29 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-21644-4
ISBN (Book): 978-3-640-21650-5
File size: 188 KB
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Abstract
Bevor genauer auf Regenbogenfamilien1 eingegangen wird, sollte an Hand einiger Zahlen deutlich gemacht werden, dass homosexuelle Partnerschaften, sowohl mit als auch ohne Kindern, eine Minderheit innerhalb einer Minderheit sind, denn die Mehrheit der Homosexuellen wohnt nicht mit einem Partner zusammen (vgl. Nave- Herz, 2007). Die Autorin Nave-Herz stützt sich hierbei auf eine relativ aktuelle Mikro- Zensus-Auszählung von Schneider et al. (2000), deren Ergebnis besagt, dass von allen Partnerschaften, gemeint sind homosexuelle sowie heterosexuelle sind weniger als 0,5% gleichgeschlechtliche Partnerschaften, dabei liegt der Anteil von Männern zu Frauen bei 56:44% (vgl. Nave-Herz, 2007). Dennoch leben in der Bundesrepublik Deutschland mindestens eine Million homosexuelle Eltern. Leider gibt es keine genaueren Angaben, da aufgrund des Datenschutzes die sexuelle Orientierung nicht erfasst werden kann (vgl. Lähnemann, 1997). Leider gibt es aber keine genauen Angaben darüber, wie viel homosexuelle Paare in Deutschland mit Kindern leben (vgl. Gosemärker & Körner, 2008). Jedoch gehen Experten davon aus, dass ca. 33% der Lesben und ca. 20% der Schwulen Kinder haben (vgl. Lähnemann, 1997). Der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland geht nach Schätzungen davon aus, dass sich jede zweite Lesbe und jeder dritte Schwule Kinder wünschen. Der Wunsch von homosexuellen Paaren nach einem Kind bzw. Kindern verursacht bei einem Großteil der heterosexuell orientierten Unverständnis, Missbilligung und Abwehr. An diesem Punkt sollte jedoch die Frage gestellt werden, was eine Familie ausmacht, und ob Regenbogenfamilien nicht eine von vielen Formen der sogenannten Patchworkfamilien2 ist. Denn die klassische Konstellation von einem (heterosexuellen) Ehepaar mit leiblichen Kindern (= Kernfamilie) wird zunehmend durch andere Familienkonstellationen abgelöst, bzw. ergänzt (vgl. Schöttler, 2002). So gibt es neben der Adoption, den Geschiedenen, den Alleinerziehenden, die wechselnden Partnerschaften der Eltern und noch etliche mehr. Fasst man alle theoretisch möglichen Familientypen zusammen, so ergeben sich 16 verschiedene Familientypen (vgl. Nave-Herz, 2007). [...]
Excerpt (computer-generated)
Ludwig Maximilians Universität München
Institut für Pädagogik, Bildungs- und Sozialisationsforschung
Seminar: Sexualität im Diskurs
Regenbogenfamilien Die psychische Entwicklung von Kindern
homosexueller Eltern
Wintersemester 2008
von
Sabine Sacher
12.04.2008
Inhaltsverzeichnis
1
Einleitung 3
2
Der Familienbegriff 4
3
Erklärungsansätze zur Homosexualität 5
3.1
Vorwort 5
3.2
Grundorientierung aus christlich-anthropologischer Sicht 6
3.3
Die psychologisch orientierte Ebene 7
3.4
Die naturwissenschaftlich orientierte Ebene 8
4
Die Lebenssituation von Lesben und Schwulen mit Kindern 11
4.1
Formen homosexuel er Elternschaft 11
4.1.1
Die Insemination 12
4.1.2
Das Lebenspartnerschaftsgesetzt (LPG) 13
4.1.3
Die Adoption 15
4.1.4
Diskriminierungen 17
5
Entwicklung der Kinder von homosexuel en Eltern Ergebnisse von
wissenschaftlichen Untersuchungen 19
5.1
Vorurteile 19
5.2
Darstel ung und Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse von
Susan Golombok, Ann Spencer und Michael Rutter 20
5.2.1
Die Methode 21
5.2.2
Eigenschaften der Mütter 22
5.2.3
Die Entwicklung der Kinder - Ergebnisse 22
5.3
Darstel ung und Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse von
Jerry J. Bigner und R. Brooke Jacobsen 24
5.4
Zusammenfassung und Kritik 26
6
Perspektiven für Regenbogenfamilien 27
Literaturverzeichnis 29
2
1
Einleitung
Bevor genauer auf Regenbogenfamilien1 eingegangen wird, sol te an Hand einiger
Zahlen deutlich gemacht werden, dass homosexuel e Partnerschaften, sowohl mit
als auch ohne Kindern, eine Minderheit innerhalb einer Minderheit sind, denn die
Mehrheit der Homosexuel en wohnt nicht mit einem Partner zusammen (vgl. Nave-
Herz, 2007). Die Autorin Nave-Herz stützt sich hierbei auf eine relativ aktuel e Mikro-
Zensus-Auszählung von Schneider et al. (2000), deren Ergebnis besagt, dass von
al en Partnerschaften, gemeint sind homosexuel e sowie heterosexuel e sind
weniger als 0,5% gleichgeschlechtliche Partnerschaften, dabei liegt der Anteil von
Männern zu Frauen bei 56:44% (vgl. Nave-Herz, 2007). Dennoch leben in der
Bundesrepublik Deutschland mindestens eine Mil ion homosexuel e Eltern. Leider
gibt es keine genaueren Angaben, da aufgrund des Datenschutzes die sexuel e
Orientierung nicht erfasst werden kann (vgl. Lähnemann, 1997). Leider gibt es aber
keine genauen Angaben darüber, wie viel homosexuel e Paare in Deutschland mit
Kindern leben (vgl. Gosemärker & Körner, 2008). Jedoch gehen Experten davon
aus, dass ca. 33% der Lesben und ca. 20% der Schwulen Kinder haben (vgl.
Lähnemann, 1997). Der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland geht nach
Schätzungen davon aus, dass sich jede zweite Lesbe und jeder dritte Schwule
Kinder wünschen. Der Wunsch von homosexuel en Paaren nach einem Kind bzw.
Kindern verursacht bei einem Großteil der heterosexuel orientierten Unverständnis,
Missbil igung und Abwehr.
An diesem Punkt sol te jedoch die Frage gestel t werden, was eine Familie
ausmacht, und ob Regenbogenfamilien nicht eine von vielen Formen der
sogenannten Patchworkfamilien2 ist. Denn die klassische Konstel ation von einem
(heterosexuel en) Ehepaar mit leiblichen Kindern (= Kernfamilie) wird zunehmend
durch andere Familienkonstel ationen abgelöst, bzw. ergänzt (vgl. Schöttler, 2002).
So gibt es neben der Adoption, den Geschiedenen, den Al einerziehenden, die
wechselnden Partnerschaften der Eltern und noch etliche mehr. Fasst man al e
theoretisch möglichen Familientypen zusammen, so ergeben sich 16 verschiedene
Familientypen (vgl. Nave-Herz, 2007). Worunter die gleichgeschlechtliche
1 Das Symbol des Regenbogens hat einen traditionellen Ursprung. Der Regenbogen steht für
politische Kämpfe und für eine Mannigfaltigkeit menschlicher Lebensentwürfe (vgl. Schöttler, 2002). In
diesem Fal ist die Regenbogenfahne ein Symbol der lesbisch-schwulen Emanzipationsbewegung
(vgl. Ebel, 2002).
2 Der Begriff Patchworkfamilie wird hier im soziologischen Kontext verwendet und meint Familien, die
immer seltener die klassische Konstel ation eines Ehepaares mit leiblichen Kindern darstellen (vgl.
Schöttler, 2002).
3
Partnerschaft und in diesem Fal Elternschaft für besonders großen Wirbel sorgt.
Denn es herrscht die vehemente Vorstel ung:
,,so etwas gibt es nicht"
oder
,,so etwas darf es nicht geben" (Lähnemann, 1997, S. 7)
Tatsächlich ist es jedoch so, dass viele Lesben und Schwule Eltern sind.
Schätzungen zufolge hat jede dritte Lesbe und jeder fünfte Schwule ein oder
mehrere Kinder (vgl. Lähnemann, 1997). Somit stel en homosexuel e Eltern
zunehmend keine Minderheit der Minderheit dar, sonder sind eine ernst
zunehmende ,,neue" Familienform. In den meisten Fäl en stammte der Nachwuchs
aus vorherergehenden heterosexuel en Partnerschaften. Mittlerweile verwirklichen
viele Lesben und Schwule ihren Kinderwunsch, nachdem sie ihr Coming-out hatten.
In Zuge dessen wird oft nach der Entwicklung von Kindern mit homosexuel en Eltern
gefragt.
Die
folgende
Arbeit
beschränkt
sich
weitestgehend
auf
Regenbogenfamilien, die aus einer lesbischen Paarbeziehung bestehen. Grund
dafür ist der Mangel an empirischen Untersuchungen. Dennoch wird immer wieder
am Rande dieser Arbeit auf Regenbogenfamilien eingegangen, die aus einer
schwulen Paarbeziehung bestehen, denn auch schwule Paare, wenn auch wenige,
wol en Kindern eine Familie bieten. Die Frage nach der psychischen Entwicklung
von Kindern, die homosexuel e Eltern haben war Ausgangspunkt für diese Arbeit
und sol im Folgenden ausführlich erörtert werden.
2
Der Familienbegriff
Der Begriff Familie ist kein statischer, sondern stets einem Wandel unterworfen, da
die Ehe und die Familie in der Vergangenheit stetig instabiler wird, und somit die
Pluralität von Familienformen steigt (vgl. Nave-Herz, 2007). Dadurch lassen sich
auch die diversen Definitionen des Begriffs Familie erklären, wie z.B. die des
amerikanischen Hauswirtschaftsverbandes:
Zwei oder mehr Personen, die gemeinsam wirtschaften,
gemeinsam Entscheidungen treffen, gemeinsame Wert- und
Zielvorstel ungen haben und einander über einen bestimmten
Zeitraum hinweg verpflichtet sind. Die Familie ist die
Atmosphäre, in der man heimisch ist; und es ist dieses
Geflecht von Teilen und Einander-verpflichtet-sein, das den
Familienverband am besten beschreibt, ungeachtet von
Blutsbanden, rechtlichen Aspekten oder Adoption oder Heirat.
(Vorwort des Report on Families in Minneapolis, 1992, zitiert
nach Lähnemann, 1997, S. 9)
4
Die Autorin Nave-Herz erachtet es als unerlässlich den Familienbegriff aufgrund der
Pluralität von Familienformen und dem familialen Wandel so abstrakt wie möglich zu
formulieren. Ein wesentlicher Aspekt definiert Familie wie folgt:
... ein besonderes Kooperations- und Solidaritätsverhältnis; denn
über die üblichen Gruppenmerkmale hinaus (wie z.B.
gemeinsames Ziel, begrenzte Zahl, Struktur, Wir-Gefühl) wird
in al en Gesel schaften der Familie eine ganz spezifische
Rol enstruktur mit nur für sie geltenden Rol endefinitionen und
Bezeichnungen (z.B. Vater/Mutter/Tochter/Sohn/Schwester
usw.) zugwiesen; (die Anzahl der Rol en und Definitionen der
Rol enerwartungen sind kulturabhängig), . Damit bilden
al einerziehende Mütter und Väter sowie Nichteheliche
Lebensgemeinschaften mit Kindern auch Familiensysteme.
(Nave-Herz, 2007, S.15)
Unabhängig davon wie Familie definiert wird, sol te deutlich geworden sein, dass die
Familie zweifelsohne der richtige Ort für Kinder ist, um aufzuwachsen. Im
Vordergrund sol te immer das Wohl des Kindes stehen. Wer diesen Aspekt im
Hinterkopf behält, wird eine Familie nach der Qualität beurteilen und nicht nach der
Art der Familie (vgl. Schöttler, 2002). Überal dort, wo sich Bezugspersonen der
Kinder bereit erklären sich den Bedürfnissen der Kinder zuzuwenden, ihnen
Sicherheit und Beständigkeit zu geben ist Familie:
,,Familie ist da, wo Kinder sind"
(Schöttler, 2002, S.13).
3
Erklärungsansätze zur Homosexualität
3.1 Vorwort
Homosexualität gibt es wohl schon seit der Frühe der Menschheit. Mittlerweile gilt es
als erwiesen, dass Sexualität anthropologisch angelegt ist (vgl. Hofsäss, 1995).
Jedoch herrscht keine einheitliche Meinung darüber, ob al e Formen von Sexualität
und der daraus resultierenden Verhaltensweise anthropologisch angelegt sind (vgl.
Hofsäss, 1995). Sol te dies der Fal sein, sol te auch jede Form von Sexualität als
gleichwertig mit der am häufigsten vorkommenden Erscheinungsform von Sexualität
sein, der Heterosexualität (vgl. ebd.). Es scheint so, als ob es der Heterosexualität
keiner Erklärung bedarf, da sie die normale mehrheitlich vorkommende
Erscheinungsform von Sexualität ist. Heterosexualität wird somit als natürlich
angesehen. Dies impliziert jedoch, dass al e anderen sexuel en Verhaltensweisen
wider der Natur sind. Welche sexuel e Verhaltensweise jedoch nicht dem
Natürlichen entspricht, ist von Land zu Land unterschiedlich. Dies hängt von den
jeweiligen kulturel en Normen und Werten ab.
,,Insofern ist eine Aussage darüber,
5
welches Verhalten als mehr oder weniger natürlich gilt, welches Verhalten
angeboren, vererbt oder durch Sozialisation erworben ist, letztlich unwesentlich"
(Hofsäss, 1995, S.30). Somit müsste sich eigentlich die Frage nach der Ursache von
Homosexualität erübrigt haben. Dennoch gibt es immer mehr Untersuchungen und
Forschung rund um Homosexualität. Gründe dafür sind die ablehnende Haltung der
Gesel schaft, die Unwissenheit warum manche Menschen im sexuel en Verhalten
von der Norm abweichen und nicht zuletzt die steigende Anzahl der Coming-Outs
von Homosexuel en. Letztendlich gibt es viele verschiedene Blickwinkel, aus denen
Homosexualität betrachtet und begründet werden kann. Kentler (1985) hat dazu
einen treffenden Satz formuliert:
,,Es gibt so viele Entstehungstheorien der
Homosexualität, wie es Forscher gibt, die sich mit diese [sic] Frage beschäftigt
haben"
(Kentler, 1985, zitiert nach Hofsäss, 1995). In der vorliegenden Arbeit wird
sich jedoch auf zwei maßgebende Entstehungstheorien beschränkt. Zuerst sol
jedoch eine Grundorientierung aus christlich-anthropologischer Sicht gegeben
werden, nicht zuletzt weil die Kirche, und somit der christliche Glaube in vielen
Schichten v.a. in der bayerischen Bevölkerung und somit auch in Deutschland für
viele Menschen die moralische Instanz darstel t und somit zum Großteil die
gesel schaftlichen Normen und Werte bestimmt (vgl. Pingel & Trautvetter, 1987).
3.2 Grundorientierung aus christlich-anthropologischer Sicht
Aus schöpfungstheologisch-anthropologischer Sicht gehören nach dem Bild Gottes
zu einem kompletten Menschen zwei Geschlechter, nämlich das weibliche und das
männliche. Der Mensch wird erst durch die Gemeinschaft des männlichen und des
weiblichen ein ,,ganzer" Mensch (vgl. Vonholdt, 2006). Mann und Frau sind
einzigartig aufeinander angewiesen.
Es ist wie bei den beiden Seiten einer Münze: Zwar ist auch
der einzelne Mann und die einzelne Frau Träger der
Ebenbildlichkeit Gottes, doch gleichzeitig ist der ganze
Mensch nach dem Bild Gottes erst die einmalige dialogische
Gemeinschaft von Mann und Frau. Wenn diese Einzigartigkeit
der Zusammengehörigkeit und Aufeinanderverwiesenheit von
männlich und weiblich in unserer Welt nicht mehr sichtbar
wird, z.B. indem wir homosexuel e Lebensweisen der Ehe
gleich oder ähnlich stel en, verletzen wir das geschöpfliche
Bild des Menschen und verdunkeln das Bild Gottes auf
unserer Erde. (Vonholdt, 2006, S.1f)
6
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