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Examensarbeit, 2008, 96 Seiten
Autor: Andreas Keilbach
Fach: Latein
Details
Tags: Philosophem, Freundschaft, Cicero, Seneca
Jahr: 2008
Seiten: 96
Note: 1,5
Literaturverzeichnis: ~ 98 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-640-21191-3
ISBN (Buch): 978-3-640-21199-9
Dateigröße: 639 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Das Philosophem der Freundschaft war fester Bestandteil der Diskussionsfragen in der Ethik der Antike. Doch erst mit Erscheinen der Ethica Nicomachea von Aristoteles liegt uns in der Form des achten und neunten Buches die zu diesem Zeitpunkt einzigartige und erste wissenschaftlich-systematische Auseinandersetzung mit der Freundschaftsthematik vor. Die von Aristoteles entworfene Freundschaftstheorie, deren Basis die Empirie von Freundschaft bildet, zeigt nicht nur Grundlagen und Gründe einer an humanen Maßstäben orientierten Freundschaft auf, sondern hat eine bis dato nicht vorhandene umfassende und detaillierte Klassifikation der Freundschaft zum Inhalt. Des Weiteren widmet sich Aristoteles schließlich der ganz spezifisch verstandenen Freundschaft unter den philosophischen Weisen und der damit verbundenen Frage nach der Vereinbarkeit von der Autarkie des Weisen und der Notwendigkeit, Freundschaften einzugehen. Dieser Topos wird Grundlage für viele nachfolgende Autoren sein, die sich mit dem Entwurf einer Freundschaftstheorie befassen oder das Thema Freundschaft zum Inhalt ihrer Schriften machen. Im Rahmen der hier vorliegenden wissenschaftlichen Arbeit im Fach Latein wurden nun die beiden römischen Autoren Cicero und Seneca ausgesucht, um das Philosophem der Freundschaft in ausgewählten Werken einer genauen Untersuchung zu unterziehen. Als Textgrundlage für die Herausarbeitung des ciceronischen Freundschaftsbegriffes wird das dritte Buch von De finibus bonorum et malorum herangezogen, in dem Cato in fin. III, 62-76 an prägnanter Stelle die stoische Gesellschafts- und Sozialtheorie vorstellt und in diesem Zuge den stoischen Freundschaftsbegriff einführt. Von einer Auseinandersetzung mit der Freundschaftsthematik in Ciceros Laelius de amicitia, der in diesem Kontext nicht unerwähnt bleiben darf, wurde im Rahmen dieser Arbeit absichtlich verzichtet, um der systematischeren Vorgehensweise bei der Beschäftigung mit der Freundschaft in fin. III, 62-76 den Vorzug zu geben.
Textauszug (computergeneriert)
Das Philosophem der Freundschaft bei
Cicero und Seneca
Wissenschaftliche Arbeit
im Fach Latein am Seminar für Klassische Philologie
der
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Andreas Keilbach
Bearbeitungszeitraum: 18. März bis 18. Juli 2008
Freiburg, Juli 2008
ii
Inhaltsverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis iv
1
Einleitung 1
2
Der Begriff der Freundschaft: - amicitia 4
3
Der Begriff der Freundschaft in der Ethik der Antike - ein Überblick 7
3.1
Der Begriff der Freundschaft bei Platon 7
3.1.1 Platons
Lysis
7
3.1.2 Platons
Politeia
9
3.1.3 Platons
Nomoi
9
3.2
Der Begriff der Freundschaft bei Aristoteles -
Ethica Nicomachea
10
3.2.1 Grundlagen und Gründe für die Freundschaft 10
3.2.2 Arten der Freundschaft 11
3.2.3 Vollkommene Freundschaft und Selbstliebe 12
3.2.4 Notwendigkeit der Freundschaft 13
3.3
Der Begriff der Freundschaft bei Epikur 13
3.3.1 Epikurs eudämonistische Individualethik 14
3.3.2 Die
und das
Gnomologium Vaticanum Epicureum
15
3.3.3 Torquatus über die drei Freundschaftstheorien (Cicero
fin.
I, 65-70) 17
3.4
Der Begriff der Freundschaft in der Stoa 18
3.4.1 Die Rolle der Vernunft 18
3.4.2 Tugend, Freundschaft und naturgemäßes Leben 19
3.4.3 Die
- Lehre und Freundschaft 21
3.4.4 Exkurs: Epiktet - Freundschaft oder Gemeinschaft? 22
4
Das Philosophem der Freundschaft bei Cicero 24
4.1
Exkurs: Der Dialog bei Cicero 24
4.1.1 Vorbild: Der aristotelische Dialog 24
4.1.2 Möglichkeiten in der Dialogform 25
4.1.3 Struktur und Form des ciceronischen Dialogs 26
4.1.4 Ort, Zeit und Personen im ciceronischen Dialog 27
4.1.5 Cato Uticensis,
fin.
III 29
4.2
Laelius de amicitia
29
4.3
De finibus bonorum et malorum
III, 62-76 30
4.3.1 Einordnung von
fin.
III, 62-76 in den Zusammenhang 31
4.3.2 Freundschaft in
fin.
III, 62-76: Textanalyse und Interpretation 34
4.3.3 Interdependenz von
iustitia
-
amicitia
-
natura
in
fin.
III, 62-71 50
iii
5
Das Philosophem der Freundschaft bei Seneca 52
5.1
Exkurs: Der Brief bei Seneca 52
5.1.1 Die Entscheidung für die Briefform 52
5.1.2 Der Adressat Lucilius 54
5.1.3 Aufbau, Form, Sprache und Stil 55
5.2
Die Freundschaftsthematik in anderen Werken Senecas 57
5.2.1
Quomodo amicitia continenda sit, frg.
I-III 57
5.2.2
De tranquillitate animi
VII, 1-6 58
5.3
Epistulae morales
59
5.3.1 Einordnung von
epist
. 3 - 6 - 9 in das Briefcorpus 63
5.3.2 Freundschaft in
epist
. 3: Textanalyse und Interpretation 65
5.3.3 Freundschaft in
epist
. 6: Textanalyse und Interpretation 68
5.3.4 Freundschaft in
epist
. 9: Textanalyse und Interpretation 72
5.3.5 Freundschaft in Senecas
epist
.: Schematische Darstellung 79
6
Zusammenfassung 80
Literaturverzeichnis 85
Abkürzungsverzeichnis
iv
Abkürzungsverzeichnis1
amic.
Seneca,
Quomodo amicitia continenda sit
,
frg
. I-III
dial. 9
Seneca,
De tranquillitate animi
Epict.
Arrian,
Epicteti Dissertationes
EN
Aristoteles,
/Ethica Nicomachea
epist.
Seneca,
Epistulae morales
fin.
Cicero,
De finibus bonorum et malorum
sent. Vat.
Epikur,
/
Gnomologium Vaticanum Epi-
cureum
Lael.
Cicero,
Laelius de amicitia
leg.
Cicero,
De legibus
nat. deor.
Cicero,
De natura deorum
carm
.
Horaz,
Carmina
off.
Cicero,
De officiis
sent.
Epikur
, /Ratae sententiae
rep.
Cicero,
De re publica
1 Die lateinischen Abkürzungen wurden entnommen aus:
Thesaurus linguae Latinae
, Index librorum
scriptorum inscriptionum ex quibus exempla afferuntur (Leipzig 1990). Die griechischen Abkürzungen
wurden entnommen aus: Liddell - Scott,
Greek - English Lexicon
(Oxford 91958).
1 Einleitung
1
1
Einleitung
Das Philosophem der Freundschaft war fester Bestandteil der Diskussionsfragen in der
Ethik der Antike. Doch erst mit Erscheinen der
Ethica Nicomachea
von Aristoteles liegt
uns in der Form des achten und neunten Buches die zu diesem Zeitpunkt einzigartige
und erste wissenschaftlich-systematische Auseinandersetzung mit der Freundschafts-
thematik vor. Die von Aristoteles entworfene Freundschaftstheorie, deren Basis die
Empirie von Freundschaft bildet, zeigt nicht nur Grundlagen und Gründe einer an hu-
manen Maßstäben orientierten Freundschaft auf, sondern hat eine bis dato nicht vor-
handene umfassende und detaillierte Klassifikation der Freundschaft zum Inhalt. Des
Weiteren widmet sich Aristoteles schließlich der ganz spezifisch verstandenen Freund-
schaft unter den philosophischen Weisen und der damit verbundenen Frage nach der
Vereinbarkeit von der Autarkie des Weisen und der Notwendigkeit, Freundschaften
einzugehen. Dieser Topos wird Grundlage für viele nachfolgende Autoren sein, die sich
mit dem Entwurf einer Freundschaftstheorie befassen oder das Thema Freundschaft
zum Inhalt ihrer Schriften machen.
Im Rahmen der hier vorliegenden wissenschaftlichen Arbeit im Fach Latein wurden
nun die beiden römischen Autoren Cicero und Seneca ausgesucht, um das Philoso-
phem der Freundschaft in ausgewählten Werken einer genauen Untersuchung zu un-
terziehen. Als Textgrundlage für die Herausarbeitung des ciceronischen Freund-
schaftsbegriffes wird das dritte Buch von
De finibus bonorum et malorum
herangezo-
gen, in dem Cato in
fin
. III, 62-76 an prägnanter Stelle die stoische Gesellschafts- und
Sozialtheorie vorstellt und in diesem Zuge den stoischen Freundschaftsbegriff einführt.
Von einer Auseinandersetzung mit der Freundschaftsthematik in Ciceros
Laelius de
amicitia
, der in diesem Kontext nicht unerwähnt bleiben darf, wurde im Rahmen dieser
Arbeit absichtlich verzichtet, um der systematischeren Vorgehensweise bei der Be-
schäftigung mit der Freundschaft in
fin
. III, 62-76 den Vorzug zu geben.
Für das Verständnis von Senecas Freundschaftsauffassung wurde innerhalb des 124
Briefe umfassenden Epistelcorpus neben einigen Briefen, welche die Freundschafts-
thematik nur nebensächlich behandeln, besonderes Gewicht auf die Interpretation des
dritten, sechsten und neunten Briefes innerhalb des ersten Briefkreises gelegt. Die
epist
. 3 - 6 - 9 bieten sich als Textstellen zur Deutung der senecanischen Freundschaft
an, da in ihnen jeweils die Freundschaft ein vorherrschendes Thema ist, und sie au-
ßerdem chronologisch aufeinander aufbauend konzipiert sind und somit innerhalb des
ersten Briefkreises eine Einheit bilden.
1 Einleitung
2
In dieser Arbeit wird es Aufgabe sein, die jeweils distinktiven Auffassungen des
Freundschaftsbegriffes bei Cicero und Seneca durch eine intensive Beschäftigung mit
den ausgewählten Textstellen herauszuarbeiten, und das Philosophem der Freund-
schaft in seinem jeweiligen Kontext und thematischen Umfeld einer philologischen Un-
tersuchung zu unterziehen. Im Folgenden werden also mit dem ciceronischen Dialog
De finibus bonorum et malorum
und den philosophisch-pädagogischen Briefen
,
den
Epistulae morales
, von Seneca zwei gattungsverschiedene Textstellen einander gege-
nüber gestellt, um des Weiteren der Frage nachzugehen, ob und in welcher Form die
Wahl der Gattung zu einer unterschiedlichen Annäherung an die Freundschaftsthema-
tik durch Cicero und Seneca beiträgt.
In diesem Zusammenhang wird von Interesse sein, welche Möglichkeiten und Spiel-
formen die unterschiedlichen Gattungen den Autoren bieten, um den Freundschaftsbe-
griff einzuführen, vorzubereiten, argumentativ zu entwickeln und durch Beispiele zu
unterstreichen. Des Weiteren wird zu untersuchen sein, in welches thematische Um-
feld, in welches Milieu die Darlegung der Freundschaftsthematik gerückt wird und wel-
che Aussagen daraufhin für die charakteristischen Eigenschaften der Freundschaft
gemacht werden können. Außerdem wird ein weiterer Aspekt bei der Beschäftigung mit
dem Philosophem der Freundschaft bei Cicero und Seneca sein, auf welche Vorbilder
bezüglich des Topos
die beiden Autoren jeweils zurückgreifen konnten.
Schließlich wird in dieser Arbeit der Frage Beachtung geschenkt, welche Terminologie
und welche stilistischen und narratologischen Mittel zum Einen Cicero in seinem philo-
sophischen Dialog, zum Anderen Seneca in der Briefform verwenden, wenn sie sich in
ihren Werken mit dem Freundschaftsbegriff auseinandersetzen.
Zur Beantwortung dieser Fragen bietet sich folgende Gliederung der Arbeit an. Ziel des
ersten, hinführenden Teils ist es, nach einer lexikalischen Begriffsanalyse der Begriffe
und
amicitia
einen historisch-philosophischen Überblick über den Begriff der
Freundschaft in der Ethik der Antike zu geben. Der chronologisch gestaltete Überblick
beginnt beim Freundschaftsbegriff in den Schriften
Lysis
,
Politeia
und
Nomoi
von Pla-
ton und führt dann zur
Ethica Nicomachea
von Aristoteles. Es folgt die Auseinander-
setzung mit dem epikureischen Freundschaftsbegriff, der anhand der
und
des
Gnomologium Vaticanum Epicureum
erarbeitet wird, während er mit Epikurs eu-
dämonistischer Individualethik verknüpft wird. Den Abschluss des ersten Abschnitts
bildet die Darstellung der Freundschaftsthematik in der Stoa. Hierzu werden zunächst
für die Einordnung der Freundschaft in den stoischen Lehrkomplex wesentliche Inhalte
der stoischen Ethik präsentiert, welche die Rolle der Vernunft, die Güterlehre sowie die
1 Einleitung
3
- Lehre umfassen, bevor das Kapitel durch einen Exkurs zu Epiktet abge-
schlossen wird.
Der zweite Abschnitt bildet zugleich den ersten Teil des Hauptteils, in dem explizit das
Philosophem der Freundschaft bei Cicero untersucht wird. Nach einem Exkurs zum
Dialog bei Cicero findet Ciceros
Laelius de amicitia
Erwähnung, bevor dann der aus-
gewählte Textabschnitt
fin
. III, 62-76, der im Zentrum dieses Kapitels steht, zunächst in
das Gesamtwerk und anschließend innerhalb des dritten Buches von
De finibus bono-
rum et malorum
eingeordnet wird. Das Hauptaugenmerk liegt jedoch auf der sodann
folgenden sprachlichen Analyse und Interpretation der betreffenden Textstelle. Zum
Abschluss des Kapitels wird der Versuch unternommen, das hinsichtlich der ciceroni-
schen Freundschaftsauffassung im Text Erarbeitete in einer schematischen Darstel-
lung festzuhalten.
Der dritte Abschnitt und zugleich zweite Teil des Hauptteils hat explizit das Philoso-
phem der Freundschaft bei Seneca zum Inhalt. Er ist analog zum Cicero-Teil konzipiert
und beginnt daher mit einem Exkurs zum Brief bei Seneca. Anschließend wird das
Thema Freundschaft bei Seneca angesprochen, das natürlich nicht nur in den hier
analysierten
Epistulae morales
eine Rolle spielt. Da im Rahmen dieser Arbeit jedoch
nicht all diese Schriften untersucht werden können, wurden beispielhaft zwei andere
Werken ausgewählt: die drei Fragmente mit dem Titel
Quomodo amicitia continenda sit
und
De tranquillitate animi
VII, 1-6. Es folgt anschließend die bereits angedeutete ein-
gehende Auseinandersetzung mit den
Epistulae morales
, um den senecanischen
Freundschaftsbegriff herauszuarbeiten. Nachdem zunächst ausgewählten Briefen, in
welchen die Freundschaft als Nebenthema präsent ist, vor allem inhaltlich Beachtung
geschenkt wird, steht die genaue Textanalyse und Interpretation des dritten, sechsten
und neunten Briefes im Mittelpunkt dieses dritten Teils. Abschließend wird die Bemü-
hung angestellt, die im Zusammenhang mit dem senecanischen Freundschaftsbegriff
untersuchten Briefe graphisch in einem Schaubild darzustellen.
2 Der Begriff der Freundschaft: - amicitia
4
2
Der Begriff der Freundschaft: - amicitia
Versucht man den Begriff der Freundschaft näher zu definieren, muss man feststellen,
dass unsere heutige Auffassung von Freundschaft längst nicht alle Facetten, die in den
Begriffen
und
amicitia
mitklingen, einschließt.
Daher soll zunächst der griechische Begriff
näher erläutert werden.2 Da das
Substantiv
von einem weiteren Substantiv
abgeleitet ist, dürfen die ande-
ren wortverwandten Begriffe, sowohl das Substantiv
als auch das Verb
und das Adjektiv
bzw.
, nicht außer Acht gelassen werden.
Die Bedeutung des Wortes
reicht von 1. Liebe, Zuneigung, Wohlwollen bis hin
zu 2. Freundschaft, Ergebenheit, welche wiederum drei Bedeutungsstränge aufweist:
a) Freundschaftsbündnis, Bündnis b) (
) Gastfreundschaft c) (
) Ge-
schlechtsliebe, Liebesgenuss.
erstreckt sich ausschließlich auf Beziehungen
unter Personen. In diesem Zusammenhang betont Klein, dass
nicht so sehr
durch die gefühlsmäßige Neigung als vielmehr durch die Verpflichtung zu Hilfe und
Dienstleistung gekennzeichnet ist. In diesem Sinne werde die Beziehung zu einem
Freund, ähnlich wie gegenüber Göttern, als beinahe gesetzmäßig geregelt, in welcher
derjenige, der Gutes tue, Anspruch habe, wieder Gutes zu empfangen.3 Bei dem Wort
ist neben der Bedeutung 1. eigen, Pl. die Seinigen, Angehörigen, Lieben, Ver-
wandten neben einer passiven und aktiven Bedeutung zu unterscheiden: Passiv ge-
braucht, bedeutet
geliebt, lieb, wert, teuer. In diese Bedeutungskategorie fällt
das Substantiv
, der Freund, womit man jemanden bezeichnet, wenn eine ge-
genseitige Wertschätzung vorliegt. ,,In passiver Verwendungsweise kann es in gleicher
Bedeutung erscheinen wie das von
gebildete Partizip
, und heißt
dann soviel wie ,,geliebt" oder ,,geschätzt", was ebenso Personen wie Gegenständen
gelten kann."4 Aktiv gebraucht, bedeutet
liebend, befreundet, zugetan.
2 Die folgenden Ausführungen beruhen auf
Benseler
,
Griechisch-deutsches Schulwörterbuch
, bearbeitet
von A. Kaegi, neubearbeitet von A. Clausing, F. Eckstein, H. Haas, H. Schroff, L. Wohleb (Darmstadt
2004 = unveränderter Nachdruck der Ausg. 151931) 830ff.
3 Vgl. E. Klein,
Studien zum Problem der `römischen` und `griechischen` Freundschaft
(Diss. Freiburg
1957) 24.
4 P. Schulz,
Freundschaft und Selbstliebe bei Platon und Aristoteles, Semantische Studien zur Subjekti-
vität und Intersubjektivität
(Freiburg/München 2000) 32.
2 Der Begriff der Freundschaft: - amicitia
5
Das Verb
ist im Wörterbuch mit folgender Bedeutung versehen: 1. lieben, Liebe
und Wohlwollen erweisen, 2. im bes. a) jmdn. liebreich behandeln, Liebesdienste er-
weisen; liebevoll, gastlich aufnehmen b) liebkosen, küssen c) sinnlich, buhlerisch lie-
ben, 3. von Dingen: gern tun, pflegen. Daraus wird ersichtlich, dass
nicht nur
auf Personen, sondern auch auf Dinge und Aktivitäten bezogen werden kann. Zum
Verständnis der Bedeutung von Freundschaft in der Antike ist es nun wichtig, dass
als ursprüngliche Gegebenheit menschlicher Lebenspraxis verstanden werden
muss, welche im Deutschen gemeinhin mit ,,Freundschaft" wiedergegeben wird. Die
deutsche Übersetzung ,,Freundschaft" evoziert dabei jedoch die irreführende Assoziati-
on einer besonders intimen zwischenmenschlichen Beziehung. Doch
bezieht
sich auf intersubjektive Beziehungen aller Art.5
Im folgenden Abschnitt sollen der Begriff der
amicitia
und die der Wortfamilie angehöri-
gen Begriffe
amicus
und
amare
hinsichtlich ihrer Bedeutung diskutiert werden. Der
lateinische Begriff der
amicitia
kann im Deutschen grundsätzlich mit ,,Freundschaft"
wiedergegeben werden, wobei dieser zwei Aspekte aufweist. Man muss die Freund-
schaft in gesellschaftlichen Verhältnissen und die Freundschaft in politischen Verhält-
nissen, das Freundschaftsbündnis, voneinander unterscheiden.6 In der römischen Re-
publik kann Freundschaft vorwiegend als politische Freundschaft verstanden werden.
Amicitia
beinhaltet in Rom sowohl die Beziehung zwischen gleichrangigen hochste-
henden Personen als auch zwischen diesen und abhängigen Personen.7 Dies wird
besonders in dem gegenseitigen Verhältnis des
patronus
gegenüber seinen
clientes
deutlich. Wie die abhängigen
clientes
ihren
patronus
amicus
nannten, so bezeichnete
der
patronus
seine
clientes
als
amici
. Der römische Aristokrat war auf die Hilfe von
Freunden angewiesen, um politisch erfolgreich zu sein. Denn Freunde waren neben
Geld ein probates Mittel zur Beeinflussung im Wahlkampf. Im Gegenzug war der
pat-
ronus
darauf bedacht, seine
clientes
wohl zu stimmen, indem er sie durch Hilfeleistung
und Gefälligkeiten (
officia
) unterstützte.8 Des Weiteren waren ranghohe, angesehene
Freunde eine hilfreiche Unterstützung in Prozessen und in der Amtsführung. Im
Oxford
Classical Dictionary
findet man unter
amicitia
folgenden Eintrag:
Amicitia, friendship in Roman political terminology. The relationship
might be between Rome and either another state or an individual, or be-
5 Vgl. Schulz 2000, 11.
6 Vgl. Georges 81913, 378ff. Für eine genauere Übersicht zu den Erscheinungsformen sei verwiesen auf
Klein 1957, 73-99.
7 Vgl. E. Badian, Art.
Amicitia
, in: H. Cancik und H. Schneider (Hrsg.), CD-ROM-Ausgabe,
DNP
1 (Stutt-
gart 2001) 590.
8 Vgl. K. Treu, Art. Freundschaft, in: T. Klauser (Hrsg.),
RAC
8 (Stuttgart 1972) 422.
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