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Bachelor Thesis, 2006, 31 Pages
Author: He-Kyung Rasche
Subject: South Asian Studies, South-Eastern Asian Studies
Details
Tags: Auswirkungen, Kolonialherrschaft, Korea, Wirtschaftsstandort
Year: 2006
Pages: 31
Grade: 2,3
Bibliography: ~ 36 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-21231-6
ISBN (Book): 978-3-640-21239-2
File size: 268 KB
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Abstract
Die Arbeit „Die Auswirkungen der japanischen Kolonialherrschaft auf Korea als Wirtschaftsstandort“ behandelt eine Kolonialismusthese, die aus zwei Antithesen besteht: Zum einen gehen die neo-marxistischen und strukturalistischen Verfechter davon aus, dass der Kolonialismus der Grund für die Unterentwicklung der Kolonien sei, und zum anderen gibt es Opponenten wie Rostow (1960), die behaupten, dass der Kolonialismus einen entwicklungsfördernden Effekt besitzt. Mit dieser Arbeit schließe ich mich der Meinung Rostows an und behaupte, dass Japan eine Basis für die positive wirtschaftliche Entwicklung in Korea geschaffen hat. Es gibt einige , die versuchen die Kolonialzeit als negativ darzustellen, indem sie behaupten, dass Korea gar keine Chance hatte sich selbständig zu entwickeln, da es sofort am Anfang ihrer eigenständigen Entwicklung von Japan annektiert wurde. Aber wie schon Eckert Carter schreibt: „Why bother?“. Auch Herr Hemmer, der die Wirtschaftsprobleme von Entwicklungsländern analysiert hat, schreibt, dass bis heute ein Beweis dafür fehlt, dass ein Land beim Ausbleiben des Kolonialismus ein für die wirtschaftliche (aber auch gesellschaftliche und politische) Entwicklung günstigeres Klima hätte erreichen können, es sei denn, man definiert den Kolonialismus per se als Unterentwicklung. Dass die japanische Kolonialzeit brutal und repressiv gegen Korea war, will ich hier nicht widerlegen. Ich will nur aufzeigen, dass trotz aller Ausbeutung und Suppression die Fremdherrschaft auch positive Auswirkungen hatte.
Excerpt (computer-generated)
Ruhr-Universität Bochum
Fakultät für Ostasienwissenschaften
Sektion Koreanistik
Arbeit zur Erlangung des Bachelor of Arts
Die Auswirkungen der japanischen Kolonialherrschaft auf Korea
als Wirtschaftsstandort
Vorgelegt von He-Kyung Rasche
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
1.1 Einführung 3
1.2 Methode 4
2. Geschichtlicher Überblick 5
2.1 Erste Phase der japanischen Herrschaft (1910-1919) 5
2.2 Zweite Phase der japanischen Herrschaft (1920-1930) 6
2.3 Dritte Phase der japanischen Herrschaft (1931-1945) 6
3. Analyse der Auswirkungen anhand von Wirtschaftsfaktoren 7
3.1 Humankapital bzw. Wissensressourcen 7
3.1.1 Auswirkungen auf das koreanische Bildungssystem 8
3.1.2 Auswirkungen auf das Arbeitskräftepotenzial 11
3.2 Materielle Ressourcen 12
3.3 Kapitalbildung 13
3.3.1 Koreanische Unternehmen bzw.
chaebl
13
3.3.2 Investitionen 16
3.4 Infrastrukturen 19
3.4.1 Auswirkungen auf Eisenbahnnetze 19
3.4.2 Auswirkungen auf das Straßennetz und Häfen 20
3.4.3 Auswirkungen auf das Kommunikationsnetz 21
4. Auswirkungen auf die koreanische Wirtschaft nach der Kolonialzeit 23
4.1 Koreanische Wirtschaft nach dem 2. Weltkrieg 23
4.2 Koreanische Wirtschaft nach dem Korea-Krieg 24
5. Fazit 25
6. Literaturverzeichnis 27
2
1. Einleitung
1.1 Einführung
Die Arbeit ,,Die Auswirkungen der japanischen Kolonialherrschaft auf
Korea als Wirtschaftsstandort" behandelt eine Kolonialismusthese, die
aus zwei Antithesen besteht: Zum einen gehen die neo-marxistischen
und strukturalistischen Verfechter davon aus, dass der Kolonialismus
der Grund für die Unterentwicklung der Kolonien sei, und zum
anderen gibt es Opponenten wie Rostow (1960), die behaupten, dass
der Kolonialismus einen entwicklungsfördernden Effekt besitzt.1 Mit
dieser Arbeit schließe ich mich der Meinung Rostows an und
behaupte, dass Japan eine Basis für die positive wirtschaftliche
Entwicklung in Korea geschaffen hat. Es gibt einige2, die versuchen
die Kolonialzeit als negativ darzustellen, indem sie behaupten, dass
Korea gar keine Chance hatte sich selbständig zu entwickeln, da es
sofort am Anfang ihrer eigenständigen Entwicklung von Japan
annektiert wurde. Aber wie schon Eckert Carter schreibt: ,,Why
bother?".3 Auch Herr Hemmer, der die Wirtschaftsprobleme von
Entwicklungsländern analysiert hat, schreibt, dass bis heute ein
Beweis dafür fehlt, dass ein Land beim Ausbleiben des Kolonialismus
ein für die wirtschaftliche (aber auch gesellschaftliche und politische)
Entwicklung günstigeres Klima hätte erreichen können, es sei denn,
man definiert den Kolonialismus per se als Unterentwicklung.4 Dass
die japanische Kolonialzeit brutal und repressiv gegen Korea war, will
ich hier nicht widerlegen. Ich will nur aufzeigen, dass trotz aller
Ausbeutung und Suppression die Fremdherrschaft auch positive
Auswirkungen hatte.
1
Vgl. Hemmer (2002): S. 297.
2
Z.B. Lee Jeong-kyu (2000): S. 154.
3
Carter (1991): S. 5.
4
Vgl. Hemmer ( 2002): S. 298.
3
1.2 Methode
Zuerst wird ein kurzer geschichtlicher Überblick geliefert und dann
werden die Auswirkungen der japanischen Kolonialherrschaft auf
Korea als Wirtschaftsstandort anhand einer Theorie aus der
Volkswirtschaftslehre analysiert, die besagt was ein Land bzw. seine
Unternehmen erfolgreich macht. Dazu werden die Bestimmungs-
faktoren des nationalen Wettbewerbsvorteils verwendet und diese auf
die Kolonialzeit in Korea angewendet. Es sind Faktoren wie das
Humankapital, materielle Ressourcen, Wissensressourcen5, Kapital-
bildung und zuletzt die Infrastruktur, die eine große Rolle beim
Wettbewerbsvorteil der Unternehmen und somit auch eine große Rolle
in der Wirtschaft eines Landes6 spielen. Auch in der Entwicklungs-
theorie werden einige dieser Faktoren als entscheidend für die
wirtschaftliche Entwicklung von Entwicklungsländern eingestuft.7 Es
gibt natürlich noch mehr Faktoren, die für eine erfolgreiche Wirtschaft
bedeutend sind, wie z.B. die Geldpolitik, die Struktur der
Verwaltungen und die Wirtschaftspolitik des Staates. Aber
Schwerpunkt dieser Arbeit sollen die vier vorher genannten Faktoren
sein, denn diese sind auch die von Herrn Porter als am wichtigsten
wahrgenommenen. Zur weiteren Vertiefung der Materie kann man im
Anschluss die Buchhaltungen der damaligen Unternehmen einsehen
und detaillierte Informationen zu den einzelnen Faktoren, wie z.B.
Kapitalbildung, recherchieren.
5
Diesen Faktor kombiniere ich in dieser Arbeit mit dem des Humankapitals, da sie sehr eng miteinander
verbunden sind.
6
Vgl. Porter (1993), S. 98.
7
Vgl. Hemmer, Hans-Rimbert (2002), S. 159 - 163.
4
2. Geschichtlicher Überblick
Die japanische Kolonialzeit umfasst einen Zeitraum von 1910-1945,
aber schon weit vor der offiziellen Annexion griff die japanische
Regierung in koreanische Angelegenheiten ein.8 Wie z.B. 1876 mit
dem aufgezwungenen Vertrag von Kanghwa, der die Öffnung einiger
koreanischer Häfen9 für den japanischen Handel beinhaltete und damit
die kommerzielle Isolation Koreas beendete.10 Der wichtigste Schritt
zur Annexion fand 1905 statt, als Korea zum japanischen Protektorat
erklärt wurde und die japanische Regierung die koreanischen
Außenbeziehungen durch It Hirobumi verwaltete.11 Der damalige
König Kojong fungierte seitdem nur noch als Marionette und jeder
Widerstand war zwecklos. Am 22. August 1910 wurde der
Annexionsvertrag unterschrieben, aber erst eine Woche später wurde
Korea als offizielle Kolonie Japans deklariert.12
Die Kolonialzeit in Korea kann man laut Lee Ki-baik und Carter
Eckert in drei Phasen unterteilen:13
2.1 Erste Phase der japanischen Herrschaft (1910-1919)
Die Jahre 1910-1919 sind als die erste und als die dunkelste Phase des
japanischen Kolonialismus bekannt. Jegliches politische und
kulturelle Leben in Korea wurde von einem straffen Militärregime14
mit Gewalt unterdrückt15. Die koreanische Presse wurde sehr stark
zensiert und jeder Widerstand seitens der koreanischen Bevölkerung
wurde militärisch unterdrückt. Wirtschaftlich gesehen diente diese
Phase nur der Vorbereitung einer effektiven Kontrolle über die
8
Vgl. Dudden (2005): S. 9.
9
Z.B. Pusan in 1876, Wnsan 1880 und Inch′n 1883. Vgl. Carter (1991): S. 9.
10
Vgl. Carter (1991): S. 9.
11
Vgl. Eggert/Plassen (2005): S. 124.
12
Vgl. Lee/Carter (1990): S. 241.
13
Lee/Carter (1990): S. 254-326.
14
Der japanische Ausdruck dafür lautet
Budan Seiji.
Siehe Eggert/Plassen (2005): S. 137.
15
Vgl. Lee/Carter (1990): S. 260.
5
koreanische Wirtschaft16 und für Japan war Korea nur Reis- und
Sojabohnenlieferant.17
2.2 Zweite Phase der japanischen Herrschaft (1920-1930)
Die 1. März-Bewegung im Jahre 1919 markierte den Beginn der
zweiten Phase der japanischen Herrschaft über Korea. Es war die erste
große Demonstration gegen die japanische Regierung, die auf eine
derartige Reaktion der Koreaner nicht vorbereitet war und mit brutaler
Gewalt antwortete. Sie erkannte aber schnell, dass dies keine Lösung
war und strukturierte daraufhin die koloniale Regierung unter dem
Slogan
,,harmony between Japan and Korea" (Nissen Yuwa)
um.18
Die zweite Phase, die bis 1930 andauerte, kann man nach Lee und
Carter als kulturelle und politische Renaissance19 bezeichnen, da unter
anderem die Regulationen zur Organisationsbildung gelockert wurden
und die koreanische Presse wieder einigermaßen aufleben konnte.20 In
dieser Zeit kann man eine starke Gewichtung der japanischen
Regierung auf die landwirtschaftliche Entwicklung Koreas feststellen.
2.3 Dritte Phase der japanischen Herrschaft (1931-1945)
Trotz dieser Freiheiten kann man ab 1926 eine stärkere
Assimilationspolitik wahrnehmen, welche die letzte Phase des
japanischen Kolonialismus von 1930-1945 kennzeichnete. Im Rahmen
dieser Politik wurde versucht, die koreanische Identität zugunsten
einer japanischen vollständig auszulöschen, indem zum Beispiel an
den Schulen nur noch die japanische Sprache gelehrt wurde und
Koreaner sich einen japanischen Namen zulegen mussten.21
Wirtschaftlich gesehen diente Korea bis Ende der 1920er Jahre als
billiger Rohstoff-, Nahrungsmittel- und Arbeitskräftelieferant für
16
Vgl. Suh Sang-chul (1978): S. 8.
17
Vgl. McNamara (1990): S. 36.
18
Vgl. Lee/Carter (1990): S. 281.
19
Der japanische Ausdruck dafür lautet
Bunka Seiji
. Siehe Lee/Carter S. 283.
20
Vgl. Lee/Carter (1990): S. 288.
21
Vgl. Lee/Carter (1990): S. 318.
6
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