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Festwechselkurse, Devisenmarktinterventionen und Zahlungsbilanzkrisen

Bachelor Thesis, 2008, 36 Pages
Author: Michael Ehgartner - Lipp
Subject: Economics / Business: Political Economics

Details

Category: Bachelor Thesis
Year: 2008
Pages: 36
Grade: Gut
Bibliography: ~ 10  Entries
Language: German
Archive No.: V118463
ISBN (E-book): 978-3-640-21232-3
ISBN (Book): 978-3-640-21240-8
File size: 3050 KB

Abstract

In den 1980er Jahren erlitt Brasilien eine galoppierende Inflation welche bis in das Jahr 1994 ihren Schatten warf und erst ihr Ende fand, als der „Real“ als neue Währung eingeführt wurde. Der Real war an den US-Dollar gebunden, jedoch ließ man ihm einen gewissen Spielraum innerhalb welchem der Real vom Dollarkurs abweichen, bzw. schwanken konnte („Currency Board“). Es entstanden jedoch Probleme aufgrund dieser Schwankungsbandbreite, da selbige kleiner als die Inflationsdifferenz der betreffenden Länder war.


Excerpt (computer-generated)

BAKKALAUREATSARBEIT

Festwechselkurse, Devisenmarktinterventionen und

Zahlungsbilanzkrisen

im Rahmen der Lehrveranstaltung:

Internationale Ökonomik

VERFASST VON:

Ehgartner-Lipp Michael


INHALTSVERZEICHNIS

1

EINLEITUNG 1

2

FESTWECHSELKURSSYSTEME IN DER VERGANGENHEIT 2

2.1 DER GOLDSTANDARD 2

2.1.1

Wirkungsweise des Goldstandards 2

2.1.2

Die Vor- & Nachteile des Goldstandards 3

2.2 DAS BRETTON WOODS FESTWECHSELKURSSYSTEM 4

2.2.1

Grundeigenschaften des Bretton Woods Systems 4

2.2.2

Binnen- & Außenwirtschaftliches Gleichgewicht 5

3

FIXIERUNG DES WECHSELKURSES 7

3.1 ZINSPARITÄT, GELD- UND DEVISENMARKTGLEICHGEWICHT 7

3.1.1

Devisenmarktgleichgewicht 7

3.1.2

Geldmarktgleichgewicht 7

3.2 STABILISIERUNGSPOLITIK UNTER FESTWECHSELKURSEN 9

3.2.1

Die Wirkungslosigkeit geldpolitischer Maßnahmen 9

3.2.2

Fiskalpolitik unter festen Wechselkursen 11

4

DIE ZAHLUNGS- UND DIE ZENTRALBANKBILANZ 12

4.1 ZAHLUNGSBILANZ UND WECHSELKURS 13

4.1.1

Zahlungsbilanz & Devisenmarkt 14

4.2 DEVISENMARKTINTERVENTIONEN 15

4.2.1

Der Geldschöpfungsmultiplikator 16

4.3 NEUTRALISIERTE INTERVENTIONEN 18

4.3.1

Neutralisierte Intervention bei vollständiger Ersetzbarkeit der Vermögenswerte 19

4.3.2

Neutralisierte Intervention bei unvollständiger Ersetzbarkeit der Vermögenswerte 21

5

ZAHLUNGSBILANZKRISEN 23

5.1 DIE BESCHRÄNKUNG DURCH MYOPISCHE ERWARTUNGEN UND DIE ENTSTEHUNG VON

ZAHLUNGSBILANZKRISEN 23

5.1.1

Erwartungsbildungsmodelle 23

5.1.2

Entstehung von Zahlungsbilanzkrisen 27

5.2 EMPIRISCHE BEISPIELE FÜR WÄHRUNGSKRISEN 28

5.2.1

Die Brasilienkrise 28

6

ZUSAMMENFASSUNG 30

7

ABBILDUNGSVERZEICHNIS I

8

SYMBOLLISTE I

9

LITERATURVERZEICHNIS III


1 Einleitung

In dieser Arbeit, welche Festwechselkursregime, die zur Erhaltung selbiger erforderli-

chen Devisenmarktinterventionen und Zahlungsbilanzkrisen zum Thema hat, soll zu-

nächst unter Punkt 2 näher auf Festwechselkursregime in der Vergangenheit eingegangen

werden. Damit sollen die Wirkungsweisen bzw. die Vor- und Nachteile des Goldstan-

dards und des Bretton-Woods Reservewährungssystems genauer erläutert werden.

Weiters sollen unter Punkt 3 die Bedingungen geklärt werden, welche eingehalten wer-

den müssen um einen fixierten Wechselkurs beizubehalten, um in weiterer Folge auf die

Wirksamkeit geld- und fiskalpolitischer Maßnahmen unter einem Festwechselkursre-

gime, als Möglichkeiten Stabilisierungspolitik zu betreiben, eingegangen wird. Hierbei

soll der Fokus auf die kurze Frist gerichtet werden, in der das Preisniveau als unverän-

derlich angesehen wird, um mit Hilfe des AA-DD Modells und mit Devisen-/Geldmarkt-

grafiken die eben erwähnten stabilisierungspolitischen Maßnahmen und deren jeweilige

Implikationen innerhalb einer kurzfristigen Betrachtungsweise darzustellen.

Unter Punkt 4 wird die Zahlungsbilanz näher erklärt, um auf die Bilanzen der Zentral-

banken überzuleiten, in welchen weiters dargestellt wird, wie sich ihre einzelnen Positio-

nen aufgrund verschiedenartigster Interventionen verändern, um zum Beispiel ein besse-

res Verständnis dafür aufzubauen, warum eine Zentralbank bei Anwendung einer expan-

siven Geldpolitik mit dem Ziel den Wechselkurs konstant zu halten, gleichzeitig am De-

visenmarkt intervenieren muss.

Schließlich werden im letzten Punkt dieser Abhandlung noch Zahlungsbilanzkrisen, de-

ren Entstehungsweise, sowie ein empirisches Beispiel einer derartigen Krise beschrieben.

1


2 Festwechselkurssysteme in der Vergangenheit

Bevor in dieser Arbeit auf die genauen Spezifikationen und Wirkungsweisen von Fest-

wechselkursen und Devisenmarktinterventionen unter selbigen eingegangen wird, sollen

zunächst die zwei wichtigsten Festwechselkurssysteme aus der Vergangenheit bespro-

chen werden, wobei deren genaue Wirkungsweisen sowie deren Vor- und Nachteile dar-

gestellt werden sollen.

2.1

Der Goldstandard

Mit dem Resumption Act im Jahr 1819 hob das britische Parlament Exportbeschränkun-

gen für Goldmünzen und ­barren auf, was als wichtige Grundvoraussetzung für die Ein-

führung des Goldstandards galt.

Nach Großbritannien führte die USA 1834 den Goldstandard ein, wobei dieser erst ab

1900 uneingeschränkt und unangefochten, nach dem ,,Gold Standard Act", der den Bi-

metallismus stoppte und den exakten Wert eines Dollars in Gold definierte, zur Geltung

kam.1 London fungierte zu dieser Zeit als weltweites Finanzzentrum und alle Länder

blickten zur Weltwirtschaftsmacht England auf, was auch durch die allgemeine Einfüh-

rung des Goldstandards reflektiert wurde, da sich alle Länder ähnliche wirtschaftliche

Erfolge aus diesem System erwarteten.

2.1.1 Wirkungsweise des Goldstandards

Im Gegensatz zu einem Reservewährungssystem basierte die offizielle Parität der Wäh-

rungen unter dem Goldstandard nicht auf einer weltweit verfügbaren Währung, sondern

auf fixierten Paritäten der jeweiligen Währungen gegenüber dem frei im- und exportier-

baren Gold (35$ pro Feinunze Gold).

Wie nun Geldpolitik unter dem Goldstandard wirkt, wird klar, wenn man ein Beispiel

betrachtet, in dem die inländische Regierung restriktive Geldpolitik betreibt (um etwa

einer Überhitzung der Konjunktur entgegenzuwirken). So verkauft die inländische Zen-

tralbank Inlandsaktiva (siehe Punkt 4 ­ Zentralbankbilanz) und reduziert dadurch die

inländische Geldmenge, was den Zinssatz steigen lässt und inländische-, im Gegensatz

zur ausländischen Währung, für Anleger interessanter macht. Wären nun die Währungen

nicht an eine feste Parität gebunden, so würde die inländische Währung aufgrund ihrer

erhöhten Nachfrage aufwerten, bis die Zinsparität wiederhergestellt ist.

1 vgl. http://www.econlib.org/library/Enc/GoldStandard.html

2


Im Goldstandard würden sich demgegenüber nun ausländische Wirtschaftssubjekte via

Eintausch ihrer Währung gegen Gold, inländische Währung im Gegenzug für dieses

Gold erwerben, um Gewinne aus der höheren Rendite zu lukrieren.

So führt eine restriktive Geldpolitik im Inland, zum Zufluss an Goldreserven aus dem

Ausland. Dieser Zufluss lässt nun die inländische Geldmenge wiederum zusehends an-

steigen, da für jede beliebige Menge Gold äquivalente Anteile der Inlandswährung aus-

gegeben werden, was zu einer schrittweisen Angleichung an die ursprüngliche Position

führt.

Die natürliche Symmetrie des Goldstandards ist weiters besonders hervorzuheben, da sie

in einer Weltwirtschaft, in der sich Leistungsbilanzüberschüsse und ­defizite gegenüber-

stehen, über Goldzu- und ­abflüsse wieder ein allgemeines Zahlungsbilanzgleichge-

wicht, vorausgesetzt einer langfristig parallel verlaufenden Geldmengen- und Preisent-

wicklung, herstellt. ,,Im Rahmen eines Reservewährungssystems ist der monetäre Aus-

gleich hingegen höchst unausgewogen."2

2.1.2 Die Vor- & Nachteile des Goldstandards

Neben der, dem Goldstandard innewohnenden Symmetrie des von den Ländern zu tra-

genden Zahlungsbilanzausgleichs und der daraus resultierenden Gleichstellung aller im

System antizipierenden Währungen, lässt sich auch seine ,,Inflationsaversion" als durch-

aus positives Merkmal aufzählen.

Diese, von mir als ,,Inflationsaversion" bezeichnete Eigenschaft beruht auf der Tatsache,

dass Regierungen unter einem Goldstandard ihr Geldangebot nicht rascher wachsen las-

sen können, als es die reale Geldnachfrage zulässt, da sich ansonsten nicht nur die Geld-

preise aller Waren und Dienstleistungen erhöhen würden, sondern mit ihnen auch der

Goldpreis.

Trotz dieser natürlichen Schranken gegenüber inflationären Tendenzen kann man empi-

risch im Zeitalter des Goldstandards kurzfristig durchaus kein stabiles Preisnivau erken-

nen, da die Länder, die sich des Goldstandards bedienten sehr verletzbar gegenüber mo-

netären- und realen Schocks waren und vor allem die starken Schwankungen des Gold-

angebots durch Funde und Knappheiten, weniger die Ausnahme, als die Regel darstell-

ten.3

2 Krugmann, Paul R. / Obstfeld, Maurice, 2006, S. 604

3 vgl. http://www.econlib.org/library/Enc/GoldStandard.html

3


Diese auf der einen Seite positiven Effekte einer Begrenzung des geldpolitischen Spiel-

raums eines Landes, lassen sich auf der anderen Seite, im Falle einer rezessiven Volks-

wirtschaft durchwegs als negativ einstufen, da den positiven Auswirkungen einer Geld-

mengenausdehnung unerwünschte Grenzen gesetzt werden.

Da nun diese unerwünschten Begrenzungen auch im Fall einer stark wachsenden Öko-

nomie auftreten, in der man eine rasch wachsende Geldnachfrage, trotz global ungenü-

gender Goldreserven, bedienen möchte und es anbei noch Diskussionen über weitere

negative Eigenschaften des Goldstandards zu führen gäbe, plädieren heute nur wenige

Ökonomen für eine Rückkehr zum Goldstandard.

2.2

Das Bretton Woods Festwechselkurssystem

Mit dem im Juli 1944 geschaffenen Abkommen über die Gründung des IMF (Internatio-

nal Monetary Fund) und der Weltbank in Bretton Woods (New Hampshire), einigten sich

die Staatsvertreter von 44 Nationen auf ein gemeinsames Währungssystem, welches so-

wohl die Stabilität eines innenwirtschaftlichen- als auch die freie Entfaltung eines au-

ßenwirtschaftlichen Gleichgewichts gewährleisten sollte. Die finanziellen Mittel, welche

dem IMF von den Mitgliedsstaaten zur Verfügung gestellt wurden, um ihm die Möglich-

keit zu geben, bedürftigen Ländern Kredite zur Verfügung stellen zu können, sowie die

Möglichkeit, mittels Einverständnis des IMF, Paritätsänderungen durchzuführen, sollten

diese Ziele gewährleisten.

2.2.1 Grundeigenschaften des Bretton Woods Systems

Im Gold-Devisenstandard von Bretton Woods fixierten nahezu alle Länder ihre Wech-

selkurse gegenüber dem Dollar, welchen sie auch als offizielle Währungsreserve hielten,

was schon der häufige Interventionsbedarf, bedingt durch Überangebote der eigenen

Währung, mit sich brachte. Der Dollar sollte nun zu jeder Zeit gegen Gold eintauschbar

sein, wozu sich die FED (Federal Reserve System) zu einem Kurs von USD 35.- pro

Feinunze Gold verpflichtet sah. Da nun die Kurse der diversen Währungen zum Dollar

von den Zentralbanken festgelegt wurden, fixierte die Arbitrage die Kurse zwischen je-

der beliebigen Währung.

Unerlässlich für das Funktionieren des Systems war eine freie Konvertibilität der Wäh-

rungen. Dies bedeutet, dass sich die Währungen des Systems ineinander umwechseln

ließen wobei genau diese freie Konvertibilität die Grundbedingung eines freien-, effekti-

ven-, internationalen Güterhandels darstellt. Diese Grundbedingung traf aber erst im Jahr

1964 für die wichtigsten Währungen zu.

4


Der IMF diente in diesem System als unerlässliches Bindeglied, um den Ländern genü-

gend Spielraum zu geben, ihre außen- und binnenwirtschaftlichen Ziele in Einklang zu

bringen.

2.2.2 Binnen- & Außenwirtschaftliches Gleichgewicht

Für politische Entscheidungsträger hatte die Stabilität der Leistungsbilanz in den Jahren

des Bretton Woods Systems oberste Priorität, da eine Unausgewogenheit, mag sie noch

so vorübergehend oder gerechtfertigt sein, den Devisenmarktteilnehmern sofort den Ein-

druck vermitteln könnte, dass eine Auf- oder Abwertung unvermeidlich sei.

Im weiterer Folge sollen nun die Möglichkeiten der Erreichung eines simultanen binnen-

und außenwirtschaftlichen Gleichgewichts innerhalb eines Festkurssystems, unter He-

ranziehung eines kurzfristigen Modells, welches vollständige Ersetzbarkeit der Vermö-

genswerte voraussetzt, näher betrachtet werden.

2.2.2.1 Binnenwirtschaftliches Gleichgewicht

Ein binnenwirtschaftliches Gleichgewicht ist durch die Gleichheit der Gesamtnachfrage

(D), mit dem Vollbeschäftigungsniveau der Produktion einer Volkswirtschaft (Yf) cha-

rakterisiert. Die gesamtwirtschaftliche Nachfrage setzt sich zusammen aus der privaten

Konsumnachfrage (C), welche eine steigende Funktion des verfügbaren Einkommens (Yf

­ T) darstellt, den als konstant angenommenen Investitionen (I), den Staatsausgaben (G),

sowie den Nettoexporten (NX), welche eine steigende Funktion des realen Wechselkur-

ses (EP*/P) und eine fallende Funktion des verfügbaren Einkommens darstellen. (siehe

Gleichung 1)

EP

*

Y f

=

C

(

Y f

-

T

) +

I

+

G

+

NX

P

,

Y f

-

T

[Gleichung 1]

Durch eine kurzfristige Betrachtungsweise, in der Zinsparität, konstante zukünftige

Wechselkurserwartungen und fixe Preisniveaus vorausgesetzt werden, verbleiben fiskal-

politische Maßnahmen und Wechselkursänderungen als Variable, deren Veränderungen

Einflüsse auf das Produktionsniveau nehmen können. Da unter festen Wechselkursen

geldpolitische Maßnahmen wirkungslos wären und nur Veränderungen der Währungsre-

serven verursachen würden, werden diese hier nicht angeführt. (siehe Punkt 3.2.1 ­ die

Wirkungslosigkeit geldpolitischer Maßnahmen)

5



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