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"Hartes" vs. "sanftes" Reisen - Zum Konzept des "Sanften Tourismus"

Hauptseminararbeit, 2007, 34 Seiten
Autor: Michael Kiefer
Fach: Touristik / Tourismus

Details

Veranstaltung: Oberseminar: Tourismus und Nachhaltigkeit
Institution/Hochschule: Universität Trier
Tags: Hartes, Reisen, Oberseminar, Tourismus, Nachhaltigkeit
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2007
Seiten: 34
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 21  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V118473
ISBN (E-Book): 978-3-640-21539-3
ISBN (Buch): 978-3-640-21540-9
Dateigröße: 273 KB

Zusammenfassung / Abstract

Die Entwicklung des Tourismus zu einem der heute weltweit bedeutendsten Wirtschaftszweige, mit über 200 Mio. Beschäftigten, hat seine Anfänge bereits im Zeitalter der Industrialisierung genommen. Zur Ausbildung der modernen Formen des Massentourismus ist es jedoch erst in den 1960er Jahren gekommen. An die Stelle anfänglicher Euphorie über einen Tourismus nicht nur für Privilegierte, sondern „für alle“ gepaart mit dem positiven wirtschaftlichen Auswirkungen und den zukünftigen Wachstumsprognosen für diesen Sektor, ist jedoch schnell Ernüchterung getreten. Denn der Massencharakter des Tourismus hat auch seine negativen Seiten: hohe Umweltbelastungen, soziokulturelle Konfliktsituationen und wirtschaftliche Risiken. Die beginnende Diskussion um diese negativen Folgeprobleme und der Suche nach deren möglicher Lösung, hat Ende der 1970er/ Anfang der 1980er Jahre unter dem Schlagwort „Sanfter Tourismus“ alternative Ansätze für einen umwelt- und sozialverträglicheren Tourismus hervorgebracht. Der „Sanfte Tourismus“ wird hierbei dem Begriff „Harter Tourismus“ gegenübergestellt, der alle Formen und Eigenschaften des modernen Massentourismus verkörpert. [...] Seine Hintergründe, Ursachen, Inhalte und Realisierung werden in der vorliegenden Seminararbeit thematisiert. Zunächst soll im folgenden Kapitel 2 die Ausgangssituation, die zur Entstehung des modernen Massentourismus geführt hat, sowie dessen Auswirkungen erläutert werden. Im daran anschließenden Kapitel 3 wird die Entwicklung der Idee des Sanften Tourismus vorgestellt. Dabei wird auf die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die geschichtliche Entwicklung des Konzeptes Sanfter Tourismus sowie auf die verschiedenen Begriffsdefinitionen und Zielsetzungen eingegangen. Kapitel 4 und 5 untersuchen die Chancen und Möglichkeiten von Angebot und Nachfrage eines Sanften Tourismus. Im abschließenden Fazit werden die zentralen Aspekte nochmals zusammengefasst und bewertet.


Textauszug (computergeneriert)

Universität Trier
Fachbereich VI ­ Geographie/ Geowissenschaften
Oberseminar im WS 06/07: Tourismus und Nachhaltigkeit

,,Hartes" vs. ,,Sanftes" Reisen:

Hintergründe für einen

Paradigmenwechsel


























Michael Kiefer




Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis III

Tabellenverzeichnis III

1 Einleitung 1

2 Ausgangssituation: Entstehung des modernen Massentourismus und seine

Folgewirkungen 2

2.1 Ungebrochener Drang zum Reisen 2

2.2 Ökologische Probleme des Tourismus 4

2.3 Entfremdung der Bereisten 5

2.4 Verschärfung regionaler Disparitäten 6

3 Entwicklung der Idee des Sanften Tourismus 7

3.1 Gesellschaftliche Rahmenbedingungen 7

3.2 Entstehung, Verbreitung und Definition des Begriffs Sanfter Tourismus 9

3.3 Ziele und Inhalte des Sanften Tourismus 14

4 Nachfrage nach Sanften Tourismusformen 17

4.1 Werte und Werteentwicklung 17

4.2 Diskrepanz zwischen Bewusstsein und Verhalten 19

4.3 Paradoxie eines ,,Sanften Massentourismus" 21

5 Angebotsseite 21

5.1 Zielsystem und Zielformulierung 21

5.1.1 Fallbeispiel: Ökotourismus in Schweden 22

5.1.2 Fallbeispiel: Strategische Ansätze des Sanften Tourismus der TUI 23

5.2 Zielbeziehungen 24

5.3 Zielkonflikt 25

6 Fazit 27

Literatur IV

II


Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Handlungsebenen des Sanften Tourismus 15

Abbildung 2: Magisches Viereck des Sanften Tourismus 16

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: 23 Thesen für eine wünschbare Zukunft (nach KRIPPENDORF) 10

Tabelle 2: Kontrastliste Hartes ­ Sanftes Reisen (nach JUNKG) 11

Tabelle 3: Zielsetzung der Umweltplanung am Beispiel der TUI aus dem Jahr 2002 (nach

KIRSTGES) 24

Tabelle 4 Entscheidung für einen branchenweiten Sanften Tourismus als

Gefangenendilemma (nach KIRSTGES) 26

III


1 Einleitung

,,

Schlangestehen vor den Raffaels und Botticellis in den Uffizien. Zehn Reihen tiefgestaffelt

an der Costa Brava rösten. Allabendliches Massengeschiebe am Markusplatz, auf den

Ramblas, auf der Ginza und auf den Champs-Elysées. Hunderte von Gipfelstürmern am Fuß

des Matterhorns."1

Diese Situation ist heute kennzeichnend für viele Tourismusdestinationen. Reisen ist

alltäglicher Bestandteil unserer modernen Gesellschaft und längst zu einem Massen-

phänomen geworden.

Die Entwicklung des Tourismus zu einem der heute weltweit bedeutendsten

Wirtschaftszweige, mit über 200 Mio. Beschäftigten, hat seine Anfänge bereits im Zeitalter

der Industrialisierung genommen. Zur Ausbildung der modernen Formen des Massen-

tourismus ist es jedoch erst in den 1960er Jahren gekommen. An die Stelle anfänglicher

Euphorie über einen Tourismus nicht nur für Privilegierte, sondern ,,für alle" gepaart mit dem

positiven wirtschaftlichen Auswirkungen und den zukünftigen Wachstumsprognosen für

diesen Sektor, ist jedoch schnell Ernüchterung getreten. Denn der Massencharakter des

Tourismus hat auch seine negativen Seiten: hohe Umweltbelastungen, soziokulturelle

Konfliktsituationen und wirtschaftliche Risiken. Die beginnende Diskussion um diese

negativen Folgeprobleme und der Suche nach deren möglicher Lösung, hat Ende der

1970er/ Anfang der 1980er Jahre unter dem Schlagwort ,,Sanfter Tourismus" alternative

Ansätze für einen umwelt- und sozialverträglicheren Tourismus hervorgebracht. Der ,,Sanfte

Tourismus" wird hierbei dem Begriff ,,Harter Tourismus" gegenübergestellt, der alle Formen

und Eigenschaften des modernen Massentourismus verkörpert. Ausgehend von der Kritik an

den negativen Auswirkungen des Tourismus, ist zunächst hauptsächlich auf theoretischer

Ebene die Idee des Sanften Tourismus entwickelt worden, die eine Neuorientierung

innerhalb des Reisens eingeleitet hat. Die in der Folgezeit getätigten praktischen

Umsetzungsversuche haben schnell die Möglichkeiten und Grenzen dieser Vorstellungen

aufgezeigt. Der Anspruch ein Gleichgewicht aus dem gesellschaftlichen Wunsch nach

Reisen und Erholung, dem Schutz der Natur und Sozialkultur und dem Erzielen

wirtschaftlichen Ertrages für die Einheimischen herzustellen, ist in der Realität jedoch nur

schwer zu realisieren, so dass das Leitbild des Sanften Tourismus nicht unumstritten ist.

Insbesondere aufgrund der nur bisher geringfügigen Entschärfung der Folgeprobleme des

Massentourismus. Nicht zuletzt bleibt es jedoch ein wichtiges tourismuspolitisches Leitbild,

das die Notwendigkeit eines Umdenkens und -steuerns im Tourismus begründet hat.2

1 JUNGK 1980, S. 55

2 vgl. MOSE 1998, S. 1f

1


Seine Hintergründe, Ursachen, Inhalte und Realisierung werden in der vorliegenden

Seminararbeit thematisiert. Zunächst soll im folgenden Kapitel 2 die Ausgangssituation, die

zur Entstehung des modernen Massentourismus geführt hat, sowie dessen Auswirkungen

erläutert werden. Im daran anschließenden Kapitel 3 wird die Entwicklung der Idee des

Sanften Tourismus vorgestellt. Dabei wird auf die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen,

die geschichtliche Entwicklung des Konzeptes Sanfter Tourismus sowie auf die

verschiedenen Begriffsdefinitionen und Zielsetzungen eingegangen. Kapitel 4 und 5

untersuchen die Chancen und Möglichkeiten von Angebot und Nachfrage eines Sanften

Tourismus. Im abschließenden Fazit werden die zentralen Aspekte nochmals

zusammengefasst und bewertet.

2 Ausgangssituation: Entstehung des modernen

Massentourismus und seine Folgewirkungen

2.1 Ungebrochener Drang zum Reisen

Unterschiedlichste Motive haben dazu geführt, dass Reisen (private, berufliche, politische

Gründe) schon immer Bestandteil unseres Lebens gewesen ist.3 Die Anfänge des

Tourismus reichen zurück bis ins Zeitalter der Industrialisierung Mitte des 18. Jh., wobei die

moderne Bedeutung des Begriffs Tourismus erst Mitte des 19. Jh. geprägt worden ist: 1841

bietet Thomas Cook die erste Pauschalreise an.4 Von diesem Zeitpunkt an hat sich der

Fremdenverkehr kontinuierlich weiterentwickelt. Besonderen Bedeutungszuwachs hat er

jedoch erst seit Ende der 1950er Jahren erfahren: In diesem Zeitraum ist es zur Entstehung

des modernen Massentourismus gekommen.5 Während 1954 die Reiseintensität mit 9 Mio.

Reisenden (Bundesbürger über 14 Jahre, die eine oder mehrere Reisen von mindestens fünf

Tagen Dauer unternommen haben) noch bei knapp 24 % lag, so hat sie sich in der Folgezeit

rapide gesteigert. Nach 20 Jahren hat sich die Reiseintensität mit 53 % (1974) mehr als

verdoppelt. 1987 erreichte sie mit 31,1 Mio. reisenden Bundesbürgern schon die

65 %-Grenze. 6 2001 lag die Reiseintensität schließlich bei 76,1 %.7

Ursachen für diese Entwicklungsdynamik liegen zum einen in den Wohlstands-

steigerungen in den 1950er begründet. Die wachsenden Realeinkommen haben dazu

geführt, dass auch Angehörige unterer Sozial- und Einkommensschichten am Fremden-

verkehr teilhaben konnten. Zum anderen haben Arbeitszeitverkürzungen und die Durch-

3 vgl. KIRSTGES 2003, S. 7

4 vgl. MOSE 1998, S. 10f

5 vgl. MOSE 1996, S.3f und vgl. MOSE 1998, S. 10f

6 vgl. ZIMMER 1988, S. 21

7 vgl. KIRSTGES 2003, S. 78

2


setzung von Urlaubszeitregelungen den Freizeitanteil der Arbeitnehmer erhöht, so dass

dieser zum Reisen zur Verfügung stand. Die Entwicklung und Verbreitung moderner

Massenmedien hat ebenfalls den Reisedrang der Bevölkerung gesteigert, da auf diese

Weise Informationen über potentielle Reiseziele veröffentlicht worden sind. Einen besonders

hohen Stellenwert hat allerdings die technologische Weiterentwicklung des Transport-

wesens. Im Zuge der allgemeinen Motorisierung ist durch den PKW die flächendeckende

räumliche Erschließung für den Tourismus möglich geworden. Auf internationaler Ebene hat

die Ausweitung des Flugverkehrs und damit die Erschließung des Flugzeuges als

touristisches Massentransportmittel in den 1960er und 1970er den Tourismus gefördert.

Neben diesem gestiegenen Motorisierungsgrad hat die wachsende Verstädterung ebenso

zur Zunahme des Fremdenverkehrs geführt.8

Neben diesen Rahmenbedingungen hat auch der Aufbau von Pauschalreisen ins Ausland

dazu geführt, dass Reisen auch die für breitere Masse zugänglich wurde. So wurden z. B.

1961/62 erstmals Flugreisen in den Katalogen der Firma Neckermann angeboten.9 Auf diese

Weise ist Reisen zu einer neuen gesellschaftlichen Errungenschaft geworden, so dass diese

Phase auch als ,,Demokratisierung des Reisens" bezeichnet werden kann. Reisen ist von da

an nicht nur elitären Kreisen vorbehalten gewesen, sondern erstmals für einen Großteil der

Bevölkerung möglich.10 Dies bedeutet zumindest bis Ende der 1980 für ca. 2/3 Drittel der

Bevölkerung der Bundesrepublik eine positive Entwicklung. Etwa ein Drittel muss jedoch

aufgrund fehlender finanzieller Mittel nach wie vor auf einen Urlaub verzichten.11 Inzwischen

ist dieser Anteil sogar auf ein Viertel gesunken.12

Das gestiegene Reiseinteresse lässt sich des Weiteren durch zwei unterschiedliche

Ansätze erklären: die Konträr- und die Komplementärhaltung. Erstere ist eher eine

pessimistische Betrachtungsweise, die Reisen als einen Kontrast zum Arbeits- und

Lebensalltag der modernen Industriegesellschaft sieht. Die touristische Reise übernimmt

dabei die Funktion der physischen und psychischen Regeneration. Sie bietet die Möglichkeit

zur ,,Flucht" aus dem Alltag in dem das Individuum innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft

verortet ist. Reisen wird teilweise sogar als eine Art Sucht oder Zwangsverhalten betrachtet,

das nur eine Illusion gegenüber der Arbeits- und Alltagswelt darstellt.13

Dem gegenüber steht die Komplementärhaltung. Dieser zweite Erklärungsansatz vertritt

die Auffassung, Tourismus sei eine Ergänzung oder Bereicherung der Moderne. Er

ermöglicht sich selbst in sozialer, kultureller, sportlicher oder gesundheitsfördernder Weise

zu verwirklichen und sich zu entfalten. Darüber hinaus liefert eine Reise die Möglichkeit

einer intensiven Begegnung mit fremden Kulturen, die in einem Zeitalter ,,ökonomischer

8 vgl. MOSE 1998, S. 11f und vgl. ZIMMER 1988, S. 20

9 vgl. KIRSTGES 2003, S. 8

10 vgl. MOSE 1998, S. 11f und vgl. ZIMMER 1988, S. 20

11 vgl. MOSE 1998, S. 13f

12 vgl. KIRSTGES 2003, S. 78

3



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