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Subtitle: Einführung in die Robotik mit Hilfe des fischertechnik Computing ROBO Mobile Sets
Examination Thesis, 2008, 91 Pages
Author: Katja Schönfelder
Subject: Technology
Details
Tags: Robotik, Realschule
Year: 2008
Pages: 91
Grade: 1,5
Bibliography: ~ 54 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-21299-6
ISBN (Book): 978-3-640-21312-2
File size: 4483 KB
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Abstract
„Sprechende Lego- Roboter für Schulen“ pries die Werbetafel auf der CeBit 2008, Halle 9, Stand B35, an. Wissenschaftler der Universität des Saarlandes stellten dieses Jahr auf der weltweit größten Informations- und Telekommunikationstechnologie- Messe in Deutschland eine Sprachsteuerungssoftware für Lego- Roboter vor. Wie demonstriert wurde, macht diese Software es möglich, mobilen Kleinrobotern mündliche Anweisungen zu geben, woraufhin die Roboter Gegenstände ansteuern, sie ergreifen und den Befehlenden bringen. Die Robotik wird vielfach als Schlüsseltechnologie des dritten Jahrtausends bezeichnet. Laut der Studie „World Robotics 2007“ hatte die Wissenschaft der Roboter Ende 2007 weltweit eine beachtliche Anzahl eingesetzter Roboter vorzuweisen. Die Zahlen bewegten sich in der Industrie im Bereich von einer Million, im Servicebereich um die 40.000. Besonders die Anzahl der Service Roboter, so das „IFR Statistical Department“, wird sich bis 2010 verdoppeln. Folglich erscheinen Roboter sehr verbreiten und für die gegenwärtige Lebenswelt von wesentlicher Bedeutung zu sein. Unbeantwortet bleibt nun die Frage, wie Roboter mit Schule in Verbindung zu bringen sind. Zunächst einmal, ob die Thematik Robotik überhaupt einen für das schulische Lernumfeld der Realschule relevanten Gegenstandsbereich darstellt und wenn, wie sich dieser realisieren lässt. Wie dem Titel zu entnehmen ist, befasst sich die vorliegende wissenschaftliche Hausarbeit mit der Einführung der Robotik in der Realschule. Der Stellenwert der Robotik, als Schlüsseltechnologie des dritten Jahrtausends, legitimiert von sich aus noch nicht eine Einführung im Rahmen des allgemein bildenden Technikunterrichts. Zunächst müssen die Inhalte der Thematik Robotik auf ihre Relevanz hinsichtlich einer allgemeinen technischen Bildung, überprüft werden. Erst danach können unterschiedliche Möglichkeiten der Umsetzung erdacht und im Sinne technischer Bildung, bezüglich ihrer Fruchtbarkeit erörtert werden.
Excerpt (computer-generated)
1 Einführung 1
2 Auf dem Weg zur Automatisierung 3
2.1 Ursprünge der Automatisierung 3
2.1.1 Der Mensch ein Technologe (Vom Werkzeug zur Maschine) 4
2.1.2 Automaten der Antike und des 18. Jahrhunderts 4
2.1.3 Der erste programmierbare Computer 6
2.2 Steuern und Regeln 9
2.2.1 Steuern 9
2.2.2 Regeln 12
2.2.2.1 Die automatische Regelung 14
2.2.2.2 Die automatische Regelung im 17. und 18. Jahrhundert 15
2.3 Die Kybernetik ein bindendes Glied 17
2.3.1 Der kybernetische Vorgang in Mensch und Maschine 18
2.3.2 Kybernetik - die Brücke zwischen den Wissenschaften 21
3 Automatisierung und Roboter 22
3.1 Grundlagen heutiger Automatisierung 22
3.1.1 Automatisierung gestern und heute 22
3.1.2 Ziele und Aufgaben der Automatisierungstechnik 25
3.1.3 Das Grundprinzip der Automatisierung 27
3.1.4 Das Rückkopplungsprinzip 29
3.1.5 Anwendungsfelder der Automatisierung 30
3.2 Von der Vision zum Einsatz von Robotern 31
3.2.1 Von der manuel en Massenproduktion zur Vision von Robotern 31
3.2.2 Handhabungstechnik als Erfül ungsgehilfe 32
3.2.3 Handhabungseinrichtungen 33
3.3 Roboter, deren Wissenschaft und Anwendung 36
3.3.1 Der erste Roboter 36
3.3.2 Robotik, die Wissenschaft der Roboter 38
3.3.3 Geburtsstunde des Begriffs Roboter 39
3.3.4 Vorfahren der Roboter 40
3.3.5 Anwendung der Robotertechnik 41
4 Didaktische Überlegungen 46
4.1 Allgemeinbildender Technikunterricht 46
4.1.1 Legitimation und Intention des al gemein bildenden Technikunterrichts...46
4.1.2 Gegenstandsbereiche des al gemein bildenden Technikunterrichts 48
4.2 Informationstechnische Bildung 49
4.2.1 Informationstechnik als Bestandteil technischer Sachsysteme 51
4.2.2 Informationstechnik als Gegenstandbereich des al gemein bildenden
Technikunterrichts 54
4.2.3 Informations- und Kommunikationstechnik im Technikunterricht 57
4.3 Roboter erobern die Schule 58
4.3.1 Roboter auf der Ebene kybernetischer Model e 58
4.3.1.1 Variante Eigenbau 58
4.3.1.2 Variante Baukasten 60
4.3.2 Eine Durchführungsmöglichkeit 73
4.3.2.1 Die First LEGO League 75
5 Schlussbemerkung 78
6 Literaturverzeichnis 81
7 Abbildungsverzeichnis 86
1
1 Einführung
,,Sprechende Lego- Roboter für Schulen" pries die Werbetafel auf der CeBit 2008,
Hal e 9, Stand B35, an. Wissenschaftler der Universität des Saarlandes stel ten
dieses
Jahr
auf
der
weltweit
größten
Informations-
und
Telekommunikationstechnologie-
Messe
in
Deutschland
eine
Sprachsteuerungssoftware für Lego- Roboter vor. Wie demonstriert wurde, macht
diese Software es möglich, mobilen Kleinrobotern mündliche Anweisungen zu
geben, woraufhin die Roboter Gegenstände ansteuern, sie ergreifen und den
Befehlenden bringen.
Die Robotik wird vielfach als Schlüsseltechnologie des dritten Jahrtausends
bezeichnet. Laut der Studie ,,World Robotics 2007" hatte die Wissenschaft der
Roboter Ende 2007 weltweit eine beachtliche Anzahl eingesetzter Roboter
vorzuweisen. Die Zahlen bewegten sich in der Industrie im Bereich von einer
Mil ion, im Servicebereich um die 40.000. Besonders die Anzahl der Service
Roboter, so das ,,IFR Statistical Department", wird sich bis 2010 verdoppeln.
Folglich erscheinen Roboter sehr verbreiten und für die gegenwärtige Lebenswelt
von wesentlicher Bedeutung zu sein.
Unbeantwortet bleibt nun die Frage, wie Roboter mit Schule in Verbindung zu
bringen sind. Zunächst einmal, ob die Thematik Robotik überhaupt einen für das
schulische Lernumfeld der Realschule relevanten Gegenstandsbereich darstel t
und wenn, wie sich dieser realisieren lässt.
Wie dem Titel zu entnehmen ist, befasst sich die vorliegende wissenschaftliche
Hausarbeit mit der Einführung der Robotik in der Realschule. Der Stel enwert der
Robotik, als Schlüsseltechnologie des dritten Jahrtausends, legitimiert von sich
aus noch nicht eine Einführung im Rahmen des al gemein bildenden
Technikunterrichts. Zunächst müssen die Inhalte der Thematik Robotik auf ihre
Relevanz hinsichtlich einer al gemeinen technischen Bildung, überprüft werden.
Erst danach können unterschiedliche Möglichkeiten der Umsetzung erdacht und
im Sinne technischer Bildung, bezüglich ihrer Fruchtbarkeit erörtert werden. Aus
2
dem Untertitel dieser Arbeit geht bereits hervor, dass insbesondere einer dieser
möglichen Wege eingehender betrachtet wird.
Die ersten beiden Kapitel stel en den wissenschaftlichen Teil, die fachliche
Grundlegung, der Arbeit dar. Sie beinhalten die theoretischen Hintergründe auf
einem fachlich angemessenen Niveau. Das dritte Kapitel bildet den didaktischen
Rahmen und stel t somit einen Bezug zur späteren Bildungs- und Unterrichtsarbeit
her.
Das erste Kapitel beschäftigt sich anfangs mit den Ursprüngen der
Automatisierung. Um das Wesen der Automatisierung zu begreifen sind
geschichtliche Hintergründe, die Ursprünge der Automatisierung aufzeigen,
bedeutend. Sukzessiv entwickelten sich verschiedene Teilgebiete, die im Verlauf
dieses Kapitel aufgeführt werden. Sie führten zu der Automatisierung als Ganzes,
wie sie heute vorliegt und viele Bereiche der gegenwärtigen Lebenswelt bestimmt.
Der Fokus des zweiten Kapitels ist prinzipiel auf Roboter gerichtet. Anfangs
werden jedoch die Grundlagen der inzwischen vorfindbaren Automatisierung
aufgezeigt, um daraufhin den Zusammenhang zwischen der Automatisierung und
Robotern darzulegen. Im Anschluss wird ein Bogen von der anfänglichen Vision
von Robotern, über deren Funktion innerhalb der Automatisierung bis zur
wissenschaftlichen Disziplin Robotik, gespannt. Die Wissenschaft der Roboter hat
in der Entwicklung bereits wesentliche Fortschritte erzielt. Roboter haben
inzwischen zum Teil die Fabrikhal en verlassen und erobern ganz andere
Bereiche. Wie es dazu kam und welche Anwendungsfelder diese unterdessen
erschließen, behandelt der letzte Teil dieses Kapitels.
Das dritte Kapitel, der didaktische Rahmen der Arbeit, führt zunächst den
Technikunterricht als al gemein bildenden Unterricht auf. Da sich die Robotik der
Informationstechnik zuordnen lässt, wird im Anschluss daran die Stel ung der
Informationstechnik innerhalb technischer Sachsysteme untersucht. So kann
deren mögliche Relevanz für eine al gemeine technische Bildung überprüft
werden.
3
Im dritten, bedeutenden Teil dieses Kapitels werden Möglichkeiten aufgeführt, mit
Hilfe der informationstechnische Aspekte der Robotik erschlossen werden können.
Insbesondere eine dieser Möglichkeiten, Gegenstandsbereiche der Robotik im
Technikunterricht umzusetzen, wird detail ierter in Erwägung gezogen. Dabei
handelt es sich um ein Bauset der ,,Computing" Reihe mit der Bezeichnung
,,ROBO Mobile", aus dem Hause fischertechnik. Das Kapitel schließt mit einem
möglichen Rahmen, innerhalb dem informationstechnische Inhalte der Thematik
Robotik im Sinne technischer Bildung, Einzug in das schulische Lernumfeld der
Realschule erhalten könnte.1
2 Auf dem Weg zur Automatisierung
2.1 Ursprünge der Automatisierung
In der Entwicklung der Technik lassen sich drei Stufen bezüglich des
Entwicklungsstandes der Energieerzeugung unterscheiden. Erst mit der dritten
Stufe war eine Automatisierung im eigentlichen Sinne realisierbar.
Während für die erste Stufe menschliche oder tierische Muskelenergie, Wind-,
Wasser- und Feuerkraft kennzeichnend sind, wird die zweite mit der Erfindung der
Dampfmaschine eingeleitet. Die dritte Stufe beginnt mit der Entwicklung
elektrischer Stromerzeugung, die letztendlich die Grundlage für die elektrische
Steuerung der ersten elektrischen Rechenmaschine bis hin zur Entwicklung des
ersten Einchip- Mikroprozessors war. Die rasche Entwicklung der Mikroelektronik
fand zahlreiche Anwendungsbereiche in industriel en Regelungs- und
Steuerungssystemen. Da mit Hilfe von Computern Information in Form von Daten
verarbeitet werden kann, bilden sie einen unentbehrlichen Bestandteil der
heutigen Automatisierung. Zwar ermöglichte erst die dritte Stufe die
Verwirklichungen der Automatisierung, jedoch basiert sie auf Teilbereichen die
sich ebenso in den ersten beiden Stufen herausbildeten. Um die Automatisierung
als Ganzes zu verstehen, ist es daher erforderlich sich zunächst mit den
Ursprüngen zu befassen.
1 Vgl. http://www.lehrer-online.de/687748.php?sid= 4826365545935776012090720 0720550 [Stand:
18.04.08]; http://www.ifrstat.org/downloads/20071023_Pressinfo_german.pdf [Stand 23.03.08]; Brockhaus
Enzyklopädie (1967: 156)
4
2.1.1 Der Mensch ein Technologe (Vom Werkzeug zur Maschine)
Der Mensch unterscheidet sich von al en anderen Lebewesen aufgrund der
Befähigung, Materialien, Naturkräfte, Naturgesetze und Erscheinungen der
physischen Welt zu seinem Nutzen einzusetzen. Er nutzt diese Fähigkeit um sich
selbst künstliche Hilfsmittel zu schaffen, die es ihm ermöglichen, seine Umwelt
seiner Zielsetzung entsprechend, zu gestalten.
Mittels Beobachtung und Verstand schufen sich bereits Steinzeitmenschen
einfache Werkzeuge, beispielsweise Jagdwaffen oder Steinbohrer, die ihre
Leistungsfähigkeit und ihre natürlichen Kräfte steigerten. Durch Herstel ung und
Nutzung von Werkzeugen wurden Menschen zu Technologen, die zunehmend
Handarbeit durch Maschinenarbeit zu ersetzen wussten. Der Keil, der Hebel, die
Rol e, das Feuer, das Rad usw. waren wichtige Schritte, die jedes Mal
Änderungen in Arbeits- und Herstel ungsverhältnissen verursachten.
Im 15. Jahrhundert wandelten zunehmend Windmühlen oder Wasserräder in der
Natur vorkommende Energieformen um, die für unterschiedliche Arbeiten, wie das
Bewegen eines Mühlsteins, eingesetzt werden konnten.
Mit der beginnenden Mechanisierung Mitte des 18. Jahrhunderts konnte
menschliche und tierische Muskelkraft zu vervielfacht werden. Zu verrichtende
Arbeit wurde durch Nutzung von Hebelkraft und Energie nicht nur leichter und
sicherer, sondern versetzte den Menschen ebenso in eine steuernde Position.
Einfache mechanisierte Geräte wurden von ihm bedient, der Arbeitsablauf damit
also gesteuert. Auch Produktionsmethoden konnten durch den Einsatz erster
wasserkraftbetriebener Maschinen, wie die Spinnmaschine, verbessert werden.
Mit der Bedienung von Maschinen war der Mensch al erdings räumlich und zeitlich
noch an den zu steuernden Prozess gebunden.
2.1.2 Automaten der Antike und des 18. Jahrhunderts
Bereits unsere Vorfahren in der Antike haben sich mit der Problematik der
räumlichen und zeitlichen Gebundenheit befasst und einige bemerkenswerte
Systeme, wie bewegliche Masken, Figuren et cetera, entwickelt. Abbildung 1
veranschaulicht ein durchaus nennenswertes System von HERON von Alexandria.
Wenn die Flamme auf dem Altar brannte, dehnte sich Luft durch die Hitze aus,
5
wodurch Wasser aus dem ersten
Behälter in den zweiten gedrückt
wurde. Die Masse dieses Behälters
überstieg nach einer gewissen Zeit
die Masse des Gegengewichts, so
dass die Türen über das Getriebe
geöffnet wurden. Die Beherrschung
einfacher, mechanischer Prinzipien,
sowie Kenntnisse über Luftdruck
und Spannkraft, ermöglichten die
Entwicklung solch selbstständig
arbeitender Systeme.
Abb. 1
Der automatische Türöffner
Etwa 100 Jahre und länger vor
unserer Zeitrechnung entstanden bereits solche mechanischen Systeme, die
lediglich einer äußeren Anregung bedurften. Ohne jede weitere Steuerung trat
eine gewünschte Ereignisabfolge ein. Automaten, wie der automatische Türöffner,
wurden damals jedoch als Wunder zur Untermauerung von Machtpositionen oder
zur Unterhaltung eingesetzt. Da ihre Nützlichkeit nicht im Vordergrund stand,
wurden sie auch nicht in der Produktion eingesetzt.
Anfang des 14. Jahrhundert hatte mit der Erfindung
der mechanischen Uhr, die Entwicklung der
Feinmechanik begonnen. Die Uhrmacher des 18.
Jahrhunderts nutzten
diese Kenntnisse
um
Automaten, mithilfe komplexer Uhrwerke, Leben
einzuhauchen. So auch ein bedeutender Erfinder
namens JAQUES DE VAUCANSON, der im 18.
Jahrhundert, auch bekannt als das goldene Zeitalter Abb. 2
Die Mechanische Ente
der Automaten, mehrere mechanische Automaten
entwickelte. Diese genialen Automaten konnten verschiedene Arbeitsschritte in
der gewünschten Abfolge ausführen. Bei der in Abbildung 2 dargestel ten
mechanischen Ente, die vielfach als sein Meisterwerk bezeichnet wurde, handelt
es sich um einen solchen Automaten. Diese Ente konnte Körner fressen, sie in
6
einem künstlichen Darm ,,verdauen" und in naturgetreuer Konsistenz wieder
ausscheiden. Eine für die Zukunft bedeutendere Entwicklung war ein Webstuhl, für
den VAUCANSON eine Vorrichtung konstruierte, die vol automatisch arbeitete. Diese
Vorrichtung wurde al erdings nie al gemein bekannt. Die Besonderheit stel ten
perforierte Papierstreifen dar, die den Durchlauf der Nadeln dieses Webstuhls
kontrol ierten. Sie enthielten Informationen in Form von unterschiedlich
angeordneten Lochungen, die von dem Webstuhl gelesen und umgesetzt werden
konnten.
Ende der 1790er Jahre vol endete JOSEPH JACQUARD seinen Entwurf, die Arbeit
von Webstühlen zu automatisieren. Auf seine Erfindung bekam er 1802 ein
Patent, weswegen automatisierte Webstühle von da an unter der Bezeichnung
JACQUARD- Webstuhl bekannt wurden. Bei der Weiterentwicklung der Webstühle
zu Einrichtungen, die auch in der Industrie einsetzbar waren, berücksichtigte
JACQUARD al erdings auch VAUCANSONS Idee der automatischen Steuerung von
Webstühlen.
Mit Hilfe aneinander gereihter Lochstreifen wurde die Tätigkeit dieser Maschinen
gesteuert, wodurch sie anhand eines vorgegebenen Programms, ohne die
unmittelbare Mitwirkung eines Webers, arbeiteten. Die Webstühle konnten auf
diese Art und Wiese nicht nur gesteuert, sondern auch umgerüstet, also
programmiert werden: Andere Informationen, bzw. anders angeordnete
Lochungen auf einem Papierstreifen, bewirkten eine andere Umsetzung. Diese Art
der Steuerung, die auf dem Einsatz von Lochstreifen oder Lochkarten basierte,
sol te auch für den ersten programmgesteuerten Computer eine wesentliche Rol e
spielen.2
2.1.3 Der erste programmierbare Computer
Nachdem mit der Erfindung der Dampfmaschine das Industriezeitalter im 19.
Jahrhundert begonnen hatte, eröffneten die Entdeckung der Elektrizität und die
Erfindung der Elektrotechnik schon bald weitere zahlreiche Möglichkeiten. Erste
2 Vgl. Rationalisierungs-Kuratorium der Deutschen Wirtschaft (1957: 9-10); Barth/ Maertens (1985: 9-10;
12-14; 18); Junge (1989: 4-5); Ichbiah (2005: 12; 16-18)
7
Versuche, den Arbeitsablauf von Maschinen elektrisch zu steuern, schlossen sich
an.
Um zeitraubende Rechenvorgänge zu vereinfachen, wurden die ersten
mechanischen Rechenmaschinen bereits im 17. und 18. Jahrhundert konstruiert.
Die Erfindung der ersten elektrischen Rechenmaschine bzw., des ersten
Computers
im
modernen
Sinne
geht
auf
eine
reich
verzweigte
Entwicklungsgeschichte zurück. Als Grundlage für die Steuerung anfänglicher
Rechenautomaten diente VAUCANSONS Erfindung, Löcher oder Schlitze zu nutzen,
um in Kombination mit Nadeln, Taststiften oder Lichteinfal , mechanische Schalter
auszulösen. Auch die sich paral el entwickelnden mathematischen Grundlagen,
insbesondere die Zahlentheorie, spielten eine Rol e. Einen weiteren Zweig stel te
die Erfindung des elektrischen Relais′ und dessen Weiterentwicklung als
Verstärker und Koppler dar, die schließlich zu verschiedenen erforderlichen
elektronischen Bauteilen führten.
Als Pionier in der Ära der Computermaschinen gilt der Mathematiker CHARLES
BABBAGE. Schon lange fesselte ihn die Idee mechanische Rechenmaschinen
vol ständig zu automatisieren. Auf den Grundlagen von BABBAGE konstruierte
SCHEUTZ, ein schwedischer Ingenieur, einen Automaten, der jedoch nur ein
einziges Programm bewerkstel igen konnte. In einem weiteren Schritt wol te
Babbage eine Maschine konstruieren, die nach der Eingabe eines Programms ihre
Berechnungsschritte selbst organisieren konnte. Zur Programmierung der
Aufgaben wol te er Lochkarten verwenden, wie sie bei den JACQUARD- Webstühlen
zum Einsatz gekommen waren. Gedanklich war BABBAGE seiner Zeit weit voraus.
Tatsächlich zeigten die Pläne seiner Maschine Anwendungsbereiche auf, die erst
mit der Computertechnologie der 1950er Jahre aufkommen sol ten. Eine Hürde
stel te zu dieser Zeit jedoch die praktische Umsetzung dar. Seine theoretischen
Grundlagen konnten auf keinerlei Weise in funktionierende Rechenmaschinen
umgesetzt werden.
Erst mit der Entwicklung des Telefonrelais als neues Bauteil stand der technische
Durchbruch bevor. KONRAD ZUSE, ein Deutscher, verwendete als erster Relais in
Rechenmaschinen. Nach Versuchen mit seinen Rechnern Z1 und Z2 entwarf er
1939 eine Rechenmaschine, die nahezu komplett aus elektromagnetischen Relais
bestand. Vol endet wurde sie 1941 und trug die Bezeichnung Z3. Bei dieser
programmgesteuerten Rechenmaschine handelte es sich um den ersten
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