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Termpaper, 2008, 18 Pages
Author: Ismail Durgut
Subject: History - Middle Ages, Early Modern
Details
Tags: Pest, Gesellschaft, 1348, Florenz, Boccaccio, Villani, Wandel, Mittelalter, Black Death, Italien, Europa
Year: 2008
Pages: 18
Grade: 3.0
Bibliography: ~ 9 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-21874-5
ISBN (Book): 978-3-640-21887-5
File size: 113 KB
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Abstract
„Es ist das natürliche Recht eines jeden, der in diese Welt geboren wird, sein Leben zu fördern, zu bewahren und zu verteidigen, so gut er kann.“ Die Pestpandemie von 1347 bis 1353, auch Schwarzer Tod genannt, die aus Zentralasien eingeschleppt und sich über die italienischen Hafenstädte in fast ganz Europa ausgebreitet hatte, raffte schätzungsweise ein Viertel bis zu einem Drittel der europäischen Bevölkerung dahin. Wahrscheinlich hat kein anderes Ereignis in der europäischen Geschichte, abgesehen von dem Grauen der NS-Zeit, einen so nachhaltigen Eindruck bei den Menschen hinterlassen und die Weltbilder so erschüttert, wie die Pest im Spätmittelalter. Die Flagellantenbewegung erhielt eine hohe Aufmerksamkeit und hatte einen relativ hohen Zulauf. Pogrome gegen Juden, die beschuldigt wurden das Trinkwasser vergiftet zu haben, verlangten weitere Opfer. Mittelalterliche Werte und Normen verloren an Bedeutung. Eine für das Thema wichtige Quellensammlung bietet Klaus Bergdolt mit „Die Pest 1348 in Italien“. Es beinhaltet eine Reihe von Quellen, die von ihm selbst als Herausgeber übersetzt worden sind. Zwei zentrale Textquellen über die Pest in Florenz bilden die Chroniken von Matteo Villani und Boccaccios Bericht am Anfang seines Decameron. Diese Arbeit befasst sich mit der Pestschilderung im Anfangsteil des Decameron und den Wert, den sie für die Geschichtswissenschaft trägt. Ferner werden Boccaccios Aussagen mit Villanis Bericht über die Pest hinsichtlich darauf verglichen und geprüft, inwiefern sie sich decken und inwiefern sie voneinander abweichen. Ein besonderes Augenmerk kommt hierbei dem geistigen Wandel zu, der sich in der Florentiner Gesellschaft mit der Pest laut unseren Quellen vollzogen hatte. [...]
Excerpt (computer-generated)
Uni Duisburg-Essen
Campus Essen
SoSe 2008
Die Pest im Jahre 1348 und der Wandel im
Geiste der Florentiner Gesellschaft
anhand Boccaccios Decameron
und Villanis Cronica
1
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Giovanni Boccaccio 4
2.1 Sein Leben 4
2.3 Seine Werke 5
3. Decameron 6
3.1 Ein literarisches Kunstwerk 6
3.2 Zeitgenössische Quelle zur Pest 1348 7
3.2.1 Entstehung und Verlauf 8
3.2.2 Ursachen und Symptome 9
3.2.3 Reaktionen und Folgen 10
4. Cronica di Matteo Villani 11
4.1 Matteo Villani 11
4.2 Cronica als zeitgenössische Quelle zur Pest 1348 12
4.2.1. Entstehung und Verlauf 12
4.2.2 Ursachen und Symptome 13
4.2.3 Reaktionen und Folgen 14
5. Fazit 15
6. Quellen- und Literaturverzeichnis 17
2
1. Einleitung
,,Es ist das natürliche Recht eines jeden, der in diese Welt geboren wird, sein
Leben zu fördern, zu bewahren und zu verteidigen, so gut er kann."1
Die Pestpandemie von 1347 bis 1353, auch Schwarzer Tod genannt, die aus
Zentralasien eingeschleppt und sich über die italienischen Hafenstädte in fast ganz
Europa ausgebreitet hatte, raffte schätzungsweise ein Viertel bis zu einem Drittel
der europäischen Bevölkerung dahin. Wahrscheinlich hat kein anderes Ereignis in
der europäischen Geschichte, abgesehen von dem Grauen der NS-Zeit, einen so
nachhaltigen Eindruck bei den Menschen hinterlassen und die Weltbilder so
erschüttert, wie die Pest im Spätmittelalter. Die Flagellantenbewegung erhielt eine
hohe Aufmerksamkeit und hatte einen relativ hohen Zulauf. Pogrome gegen
Juden, die beschuldigt wurden das Trinkwasser vergiftet zu haben, verlangten
weitere Opfer. Mittelalterliche Werte und Normen verloren an Bedeutung.
Eine für das Thema wichtige Quellensammlung bietet Klaus Bergdolt mit ,,Die
Pest 1348 in Italien". Es beinhaltet eine Reihe von Quellen, die von ihm selbst als
Herausgeber übersetzt worden sind. Zwei zentrale Textquellen über die Pest in
Florenz bilden die Chroniken von Matteo Villani und Boccaccios Bericht am
Anfang seines
Decameron.
Diese Arbeit befasst sich mit der Pestschilderung im Anfangsteil des
Decameron
und den Wert, den sie für die Geschichtswissenschaft trägt. Ferner werden
Boccaccios Aussagen mit Villanis Bericht
über die Pest hinsichtlich darauf
verglichen und geprüft, inwiefern sie sich decken und inwiefern sie voneinander
abweichen. Ein besonderes Augenmerk kommt hierbei dem geistigen Wandel zu,
der sich in der Florentiner Gesellschaft mit der Pest laut unseren Quellen
vollzogen hatte.
1 Boccaccio, Poesie, S. 239.
3
2. Giovanni Boccaccio
Giovanni Boccaccio (1313 1375) war ein italienischer Novellist, Dichter und
Humanist. Neben Dante Alighieri (1265 1321) und Francesco Petrarca (1304
1374) gilt er als einer der führenden Autoren des
Trecento
2.
2.1 Sein Leben
Boccaccio ist im Sommer 1313 als unehelicher Sohn eines Florentiner Kaufmanns
in Florenz oder in Certaldo nahe Florenz geboren. Seine Mutter wird weder in
Dokumenten der Familie noch von Boccaccio selbst erwähnt. Lange Zeit nahm
man an, dass sie eine französische Adlige war und dass Boccaccio in Paris
geboren sei. Heute legt man diesem Irrglauben eine Romantisierung Boccaccios
Person durch seine Anhängerschaft zugrunde. Seine Kindheit verbrachte er in
Florenz bei seinem Vater, der eine frühzeitige Bildung seines Sohnes förderte und
den Kaufmannsberuf für ihn vorsah. 3
Etwa 1327 begann er eine kaufmännische Ausbildung in Neapel, die er jedoch
wieder aufgab, um zunächst kanonisches Recht und später dann klassische
Sprachen zu studieren. Zudem kam er hier in Kontakt mit Künstlern und
Gelehrten wie u. a. Cino da Pistoia. 4 Das Interesse für die Dichtkunst wurde in
ihm geweckt und er schrieb seine ersten Werke.
Zwischen 1339 und 1341 kehrte Boccaccio auf Bestreben seines Vaters nach
Florenz zurück und war später für die dortige Stadtregierung in verschiedenen
diplomatischen Funktionen tätig. Im Januar 1348 war er bei Francesco Ordelaffi
in Forlì zu Gast. Im Frühjahr desselben Jahres, als die Pest in Florenz wütete, war
er in Neapel. 5 Dort wird er wohl seine Erfahrungen mit der Seuche gemacht
haben. Zur selben Zeit fiel sein Vater der Pest zum Opfer. Zurück in Florenz
begann er sein Hauptwerk
Decameron
zu schreiben.
2 Als
Trecento
(ital. dreihundert) bezeichnet man die Kunstepoche der Protorenaissance im Italien
des 14. Jahrhunderts.
3 Branca, Man, S. 5 ff.
4 Lexikon d. Renaissance, S. 579.
5 Coulter, Cassinese, S. 219.
4
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