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Diploma Thesis, 2008, 79 Pages
Author: Diplom Kauffrau Kathi Völkner
Subject: Economics / Business: Business Management, Corporate Governance
Details
Tags: Reproduktion, Management-Elite, Eine, Analyse, Verfahren, Kriterien
Year: 2008
Pages: 79
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 95 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-21655-0
File size: 371 KB
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Abstract
Im Fokus der Untersuchung steht die Frage: Vertreter des Leistungsprinzips postulieren, dass der Zugang zu Elite beziehungsweise zu Topmanagementpositionen über Leistung jedem offen stünde (vgl. Fuchs-Heinritz 1995, S. 398). Doch ist die soziale Herkunft als Reproduktionsmechanismus der Management-Elite komplett durch das Leistungsprinzip aufgelöst worden und damit obsolet? Die Beantwortung dieser Frage gibt Aufschluss darüber, ob in Deutsch-land Topmanagement-Positionen nach dem Leistungsprinzip vergeben werden, oder ob es sich hier um eine ideologisch eingefärbte Verfahrensweise handelt, in der eine soziale Selektion zum Tragen kommt. Die vorliegende Arbeit ist in verschiedene Teile untergliedert und beschäftigt sich zunächst ausführlich mit den Konstrukten „Elite“ und „Leistung“, die einer näheren Bestimmung bedürfen. In Kapitel 2.1 und 2.2 werden die Fragen beantwortet, welche Personen der Elite oder einer Elite zugehörig sind und was sich hinter dem Begriff Leistung verbirgt. Ziel des Kapitels 2.1 ist es, die Entwicklung des Begriffs hin zu seinem aktuellen Verständnis zu verdeutlichen sowie den aktuellen Stand der Forschung in Bezug auf seine Reproduktionsmechanismen und Funktionen vorzustellen. Kapitel 2.2 widmet sich dem Leistungsbegriff, da eine eindeutige Definition bisher fehlt. In Kapitel 2.2.2 wird daraufhin die Herleitung eines kontextabhängigen Leistungsbegriffs vorgestellt, der in Kapitel 2.2.3 Anwendung findet. Dieses soll ein Leistungsverständnis ermöglichen, welches die speziellen Gegebenheiten eines Leistungsbegriffs als Zugehörigkeitsbedingung zu Eliten berücksichtigen kann. Daraufhin folgt eine kurze methodologische Reflexion, welche den analytischen Teil der Diplomarbeit einleitet. Im anschließenden Hauptteil werden die Verfahren und Kriterien zur Reproduktion der Management-Elite in Deutschland im Einzelnen dargestellt, auf Basis aktueller empirischer Studien analysiert und schließlich die zentralen Kernaussagen der Untersuchung in Form einer kritischen Diskussion veranschaulicht. Eine zusammenfassende Betrachtung der Analyseergebnisse bildet den Abschluss der Arbeit.
Excerpt (computer-generated)
Freie Universität Berlin
Fachbereich Wirtschaftswissenschaft
Institut für Management
Arbeitsbereich Personalpolitik
Diplomarbeit
zur Erlangung des Grades
einer Diplom-Kauffrau
Zur Reproduktion der Management-Elite:
Eine Analyse von Verfahren und Kriterien
Eingereicht bei
von cand. rer. pol. Kathi Völkner
Matr.-Nr.
Anschrift
Tel.
Ort/Datum
Berlin/15.10.2008
II
III
,,In der kapitalistischen Wirtschaft erfährt jeder erst auf dem
Markt, was die Waren wert sind, die er produziert hat. Nicht
seine persönliche Schätzung entscheidet über ihren Wert, son-
dernder anonyme Austauschapparat der Gesellschaft.
[
...
]
Eben-
so verhält es sich zu den Menschen. Was einer wert ist, wird
durch den anonymen Apparat der Gesellschaft festgestellt. Frei-
lich müssen wir noch hinnehmen, daß die Geburt wesentlich
mitspielt.
[
...
]
Aber ebenso wie bei einer Ware entscheidet über
die Art, wie man einem Menschen entgegentritt, keine private
Willkür, sondern sein Marktwert, d.h. der gesellschaftliche Er-
folg, den ihm seine Geburt oder seine Tüchtigkeit verschafft ha-
ben, und neben dem Erfolg auch noch die Chancen, die er für
zukünftige Erfolge mitbringt. Die Gesellschaft und nicht der
Einzelne wertet"
(Horkheimer 1972, S. 291)
IV
INHALTSVERZEICHNIS
1
EINLEITUNG 1
2
THEORETISCHE GRUNDLAGEN 3
2.1
Theoretische Ansätze der Elitesoziologie 3
2.1.1
Zum Begriff der Elite 3
2.1.2
Reproduktionsmechanismen von Eliten 8
2.1.3 Funktionen
von
Eliten 12
2.2
Leistung als Zugehörigkeitsbedingung von Eliten 18
2.2.1
Zum Begriff der Leistung 18
2.2.2
Zur Herleitung eines Leistungsbegriffs 21
2.2.3
Der Leistungsbegriff im Rahmen von Funktionseliten 26
3
ANALYSE DES REPRODUKTIONSMECHANISMUS DER
MANAGEMENT-ELITE 31
3.1
Die Bedeutung von Rekrutierungskanälen im Reproduktions-
prozess 33
3.1.1 Offene
Rekrutierungskanäle 34
3.1.2 Geschlossene
Rekrutierungskanäle 35
3.2
Die Bedeutung von fachlichen Auswahlkriterien im
Reproduktionsprozess 40
3.2.1 Formale
Kriterien 41
3.2.2 Informale
Prozesse 49
3.3
Die Bedeutung von persönlichkeitsgebundenen Auswahlkriterien im
Reproduktionsprozess 53
3.3.1 Bisheriger
Lebensweg 53
3.3.2 Persönlicher
Eindruck 56
3.4
Leistungsideologie: Zur Kritik am Reproduktionsmechanismus der
Management-Elite 59
4
FAZIT 64
LITERATURVERZEICHNIS 67
V
ABBILDUNGSVERZEICHNIS
Abbildung 1: Perspektiven und Facetten einer Leistung S. 22
Abbildung 2: Leistungsfacetten im Rahmen der Elitediskussion S. 30
Abbildung 3: Höchste schulische Ausbildung der Väter von Studenten in
Prozent S. 44
Abbildung 4: Studienbezogene Auslandsaufenthalte in Abhängigkeit der
elterlichen Ausbildung in Prozent S. 47
1
1
Einleitung
,,Elite" ist ein aktuell sehr kontrovers diskutierter Begriff. Dabei steht häufig die
Frage im Mittelpunkt, wer sich ,,Elite" nennen darf und warum. Hängt die Zuge-
hörigkeit vom sozialen Status oder der erbrachten Leistung ab? Während die
einen sagen: die Zugehörigkeit zur Elite ,,ist in Deutschland kein Geburtsrecht
oder ein Ausweis besonderen Wohlstandes, sondern ein Verdienst. [...] Elite ist
nur, wer etwas leistet für das Gemeinwohl" (Rüttgers 1998), sind andere, wie
Michael Hartmann (2002), weniger davon überzeugt:
,,Mit dem ständigen Verweis auf das Prinzip der ,Leistungsgerechtigkeit′ werden nicht nur die
entscheidenden Karrierevorteile, die Bürgerkinder aufgrund ihrer Herkunft besitzen, vollkommen
ignoriert, sondern es wird zugleich versucht, die daraus resultierenden, immer krasser werdenden
Unterschiede in Macht und Einkommen öffentlichkeitswirksam zu legitimieren" (ebd., S. 180).
Den Hintergrund der Diskussion bildet unter anderem die von der SPD ini-
tiierte Debatte über die massive Förderung einzelner Universitäten, mit dem Ziel,
Eliteuniversitäten nach amerikanischem Vorbild zu schaffen. Diese sollen in der
Lage sein, eine handlungsfähige Elite auszubilden, die es Deutschland ermög-
licht, im internationalen Wettbewerb Schritt zu halten und nicht im Mittelmaß zu
versinken (vgl. Hartmann 2004, S. 7). Neuen Schwung erhielt die Diskussion in
diesem Jahr durch Julia Friedrichs (2008) Werk ,,Gestatten: Elite. Auf den Spu-
ren der Mächtigen von Morgen". Für ihre Recherchen besuchte sie unter ande-
rem private Internate sowie selbsternannte Eliteuniversitäten und interviewte die
dortigen Schüler beziehungsweise Studenten zum Thema ,,Elite und soziale Her-
kunft". Im Ergebnis hält sie fest: ,,Die Elite versorgt ihre Kinder mit den Ab-
schlüssen der Elite-Unis, die nötig sind, damit sie das Erbe ihrer Eltern antreten
können. So bleibt man unter sich" (ebd., S. 229).
Im Fokus der Untersuchung steht die Frage: Vertreter des Leistungsprin-
zips1 postulieren, dass der Zugang zu Elite beziehungsweise zu Topmanage-
1 ,,
Leistungsprinzip
, Bezeichnung für die Verteilungsnorm moderner Gesellschaften, nach wel-
cher sich die materiellen und sozialen Chancen der Individuen allein nach der Qualität und dem
Umfang ihrer Leistung bemessen sollen" (Fuchs-Heinritz 1995, S. 399). ,,Insbes. aus liberaler
Sicht sollen durch die weitestgehende Institutionalisierung u. lebensprakt. Durchsetzung des L.s
Gerechtigkeit im Sinne von Chancengleichheit sowie Fortschritt u. Wohlstand mittels optimaler
Ausschöpfung des ges. Leistungspotentials erreicht werden" (Hillmann 1994, S. 483).
2
mentpositionen über Leistung jedem offen stünde (vgl. Fuchs-Heinritz 1995, S.
398). Doch ist die soziale Herkunft als Reproduktionsmechanismus der Mana-
gement-Elite komplett durch das Leistungsprinzip aufgelöst worden und damit
obsolet? Die Beantwortung dieser Frage gibt Aufschluss darüber, ob in Deutsch-
land Topmanagement-Positionen nach dem Leistungsprinzip vergeben werden,
oder ob es sich hier um eine ideologisch eingefärbte Verfahrensweise handelt, in
der eine soziale Selektion zum Tragen kommt.
Die vorliegende Arbeit ist in verschiedene Teile untergliedert und beschäf-
tigt sich zunächst ausführlich mit den Konstrukten ,,Elite" und ,,Leistung", die
einer näheren Bestimmung bedürfen. In Kapitel 2.1 und 2.2 werden die Fragen
beantwortet, welche Personen der Elite oder einer Elite zugehörig sind und was
sich hinter dem Begriff Leistung verbirgt. Ziel des Kapitels 2.1 ist es, die Ent-
wicklung des Begriffs hin zu seinem aktuellen Verständnis zu verdeutlichen so-
wie den aktuellen Stand der Forschung in Bezug auf seine Reproduktionsmecha-
nismen und Funktionen vorzustellen. Kapitel 2.2 widmet sich dem Leistungsbeg-
riff, da eine eindeutige Definition bisher fehlt. In Kapitel 2.2.2 wird daraufhin die
Herleitung eines kontextabhängigen Leistungsbegriffs vorgestellt, der in Kapitel
2.2.3 Anwendung findet. Dieses soll ein Leistungsverständnis ermöglichen, wel-
ches die speziellen Gegebenheiten eines Leistungsbegriffs als Zugehörigkeitsbe-
dingung zu Eliten berücksichtigen kann. Daraufhin folgt eine kurze methodolo-
gische Reflexion, welche den analytischen Teil der Diplomarbeit einleitet. Im
anschließenden Hauptteil werden die Verfahren und Kriterien zur Reproduktion
der Management-Elite in Deutschland im Einzelnen dargestellt, auf Basis aktuel-
ler empirischer Studien analysiert und schließlich die zentralen Kernaussagen der
Untersuchung in Form einer kritischen Diskussion veranschaulicht. Eine zu-
sammenfassende Betrachtung der Analyseergebnisse bildet den Abschluss der
Arbeit.
Ein Hinweis für die LeserInnen
: In der gesamten Arbeit wird bei perso-
nenbezogenen Substantiven prinzipiell die männliche Form gewählt. Diese Ent-
scheidung wurde nicht allein der Einfachheit halber getroffen, sondern auch, weil
trotz 40 Jahren Emanzipationsbewegung zu Beginn des aktuellen Jahrtausends
weiterhin kaum Frauen der Management-Elite angehören (vgl. Hartmann 1996,
S. 202).
3
2
Theoretische Grundlagen
In diesem Kapitel wird zunächst die theoretische Basis für die spätere Analyse
geschaffen, indem die Herleitung einer Definition der Konstrukte ,,Elite" und
,,Leistung" mit Blick auf das Untersuchungsziel erfolgt. Dieses Vorgehen soll
eine einheitliche Terminologie gewährleisten, die für die Analyse Klarheit im
Gebrauch der relevanten Termini schafft.
2.1 Theoretische Ansätze der Elitesoziologie
Die Elitesoziologie steht für einen Forschungsbereich der Soziologie2, der sich
mit dem Begriff ,,Elite" auseinandersetzt. Ziel dieser Disziplin ist es den Begriff
zu erläutern, die Gesellschaft aufzuklären und notwendige Kritik zu üben (vgl.
Wasner 2004, S. 13 ff.).
In diesem Kapitel werden die theoretischen Ansätze der Elitesoziologie mit
ihren bedeutsamsten Vertretern vorgestellt. Die Reproduktionsmechanismen der
einzelnen Ansätze werden ausführlich in Kapitel 2.1.2 betrachtet. Auf die Funk-
tionen von Eliten wird in Kapitel 2.1.3 separat eingegangen, um im Speziellen
die Bedeutung von Eliten in der Gesellschaft aufzeigen zu können.
2.1.1 Zum Begriff der Elite
Der Begriff der Elite ist nicht einheitlich definiert. Die Zusammensetzung, Funk-
tion und Legitimität von Eliten wurde im letzten Jahrhundert von diversen Theo-
retikern der Soziologie analysiert. Jeder dieser theoretischen Ansätze umreißt das
Konstrukt Elite, aber nur ein geringer Teil versucht sich an einer klaren Definiti-
on. Trotzdem lässt sich ein Konsens der verschiedenen Perspektiven in Bezug
auf eine Arbeitsdefinition des Begriffs erkennen. Unter Elite wird allgemein eine
zahlenmäßig kleine herrschende beziehungsweise einflussreichen Kreise einer
2 ,,
Soziologie
, eine selbstständige Einzelwissenschaft, die mit bestimmten Begriffen und Theo-
rien, Methoden und empirische Techniken Struktur-, Funktions- und Entwicklungszusammen-
hänge der Gesellschaft beschreibt und aus allgemeineren Prinzipien heraus erklärt. [...] S. fragt
nach den Zielen, Formen und Funktionen der Vergesellschaftung, den Mechanismen und Kräften
des gesellschaftlichen Zusammenhalts, wie den Ursachen und Determinanten der Bildung sozia-
ler Klassen und Schichten, nach den Ursachen, Formen und Folgen sozialen Wandels" (Fuchs-
Heinritz et al. 1995, S. 624).
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