Bitte warten
Bitte installieren Sie den Flash Player, wenn kein E-Book erscheint.
Magisterarbeit, 2001, 84 Seiten
Autor: Anonym
Fach: Amerikanistik - Komparatistik
Details
Tags: Thema, Werken, Anne, Sexton, Sylvia, Plath
Jahr: 2001
Seiten: 84
Note: 3
Literaturverzeichnis: ~ 27 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-640-21930-8
ISBN (Buch): 978-3-640-21945-2
Dateigröße: 351 KB
Andere Nutzer haben sich auch für folgende Titel interessiert:
Zusammenfassung / Abstract
Sylvia Plaht und Anne Sexton waren zwei amerikanische Dichterinnen des 20. Jahrhunderts, deren Lebenswege wie auch schriftstellerische Arbeiten Ähnlichkeiten aufweisen. Sie haben in ihrer Lyrik Themen aufgegriffen, die hauptsächlich um die Abgründe des Lebens kreisen und mit der Vielfalt des Todes verbunden werden. Wenn man in diesem Zusammenhang über den Tod spricht, muß man auch das Leben berücksichtigen, da in den Werken der Lyrikerinnen beides eng verbunden ist, wobei die abgündigen Aspekte des Lebens eine größere Rolle zu spielen scheinen. In der vorliegenden Arbeit sollen die Darstellungen des Todes in den Gedichten von Anne Sexton und Sylvia Plaht, und in Plaths Roman The Bell Jar analysiert werden, um zu verdeutlichen, wie sie den Tod umschrieben, was an ihren Beschreibungen des Todes ähnlich ist, und warum dieses Thema für die Dichterinnen von Bedeutung war. Sexton und Plaht schrieben über die Unerträglichkeit der Existenz, und über die Faszination des mystischen Unbekannten, zu dem der Tod gehört. In Sextons und Plaths Werken ist der Tod ein häufiges Thema; Sexton legte ihn offen dar, bei Plaht bildet er ein Rätsel. Die Lebensläufe beider Schriftstellerinnen weisen zudem erstaunliche Gemeinsamkeiten auf, was traumatische Erlebnisse in der Kindheit anbelangt, und daraus resultierende Schwierigkeiten im Erwachsenenalter. Wenn man die Biographien von Sexton und Plaht betrachtet, so stellt man fest, daß Todesfälle in den eigenen Familien einen Einfluß auf die Dichterinnen hatten. Diese Tode wurden auch in ihren Gedichten verarbeitet, wie das in Plaths Daddy der Fall ist, oder in Sextons The Truth the Dead Know. Anne Sextons Darstellungen des Todes verdeutlichen, daß dieser ein Teil des Lebens ist, die Banalität des Alltags wird hier zum Ausdruck gebracht. Das sinnlose Leben steht hier einem Tod gegenüber, der facettenreich ist, und der auf die Sprecherin der Gedichte eine reizvolle Wirkung hat, als daß sie sich eingehend mit ihm beschäftigt. Die verschiedenen „Gesichter“ des Todes sind auch bei Plaht ein wiederkehrendes Thema. Hier spielt der Suizid eine große Rolle. In dem Roman The Bell Jar wird über den Selbstmordversuch der weiblichen Hauptperson Esther Greenwood berichtet, die sich dem Leben gegenüber auflehnend verhält.
Textauszug (computergeneriert)
1
1. Einleitung 2
2. Die ,,Welt" des Todes 4
3. Verworrene
Leben; Biographisches 12
3.1 Von der psychischen Krankheit in den Tod: Anne Sexton 12
3.2
Ehrgeiz und Zusammenbruch: Sylvia Plaht 17
4. Beschreibungen des Todes in Anne Sextons Gedichten 24
4.1
Der Tod der Eltern 24
4.2 Abtreibung 27
4.3
Der erlösende Tod, nach dem sie sich sehnt 30
4.4 Der
sterbende Jesus 41
4.5 Sylvia´s Death 44
5. Leben 47
5.1 Vergangenheit
und Familie 47
5.2
Wahn, Angst und Verbitterung 52
5.3 Träume 54
5.4 Frau
sein 55
5.5 Mutter
sein 57
5.6 Das
Leben
ertragen 59
5.7
Live 61
6. The
Bell Jar 64
6.1 Die
Glasglocke 65
6.2 Tod/
Suizid 66
6.3
Die Darstellung von Frauen in The Bell Jar 70
7. Der Tod als häufiges Thema in Sylvia Plaths Lyrik 72
7.1 Der
Tod
im Leben 72
7.2 Kadaver 73
7.3 Der
Suizid 75
7.4 Des
Vaters Tod 76
7.5 Wiedergeburt 77
8. Durch den Tod vereint: Sylvia Plaths und Anne Sextons Freundschaft 79
9. Fazit 81
10. Literatur 82
2
1. Einleitung
Sylvia Plaht und Anne Sexton waren zwei amerikanische Dichterinnen des 20.
Jahrhunderts, deren Lebenswege wie auch schriftstellerische Arbeiten Ähnlichkeiten
aufweisen. Sie haben in ihrer Lyrik Themen aufgegriffen, die hauptsächlich um die
Abgründe des Lebens kreisen und mit der Vielfalt des Todes verbunden werden.
Wenn man in diesem Zusammenhang über den Tod spricht, muß man auch das
Leben berücksichtigen, da in den Werken der Lyrikerinnen beides eng verbunden ist,
wobei die abgündigen Aspekte des Lebens eine größere Rolle zu spielen scheinen.
In der vorliegenden Arbeit sollen die Darstellungen des Todes in den Gedichten von
Anne Sexton und Sylvia Plaht, und in Plaths Roman The Bell Jar analysiert werden,
um zu verdeutlichen, wie sie den Tod umschrieben, was an ihren Beschreibungen
des Todes ähnlich ist, und warum dieses Thema für die Dichterinnen von Bedeutung
war.
Sexton und Plaht schrieben über die Unerträglichkeit der Existenz, und über die
Faszination des mystischen Unbekannten, zu dem der Tod gehört. In Sextons und
Plaths Werken ist der Tod ein häufiges Thema; Sexton legte ihn offen dar, bei Plaht
bildet er ein Rätsel. Die Lebensläufe beider Schriftstellerinnen weisen zudem
erstaunliche Gemeinsamkeiten auf, was traumatische Erlebnisse in der Kindheit
anbelangt, und daraus resultierende Schwierigkeiten im Erwachsenenalter. Wenn
man die Biographien von Sexton und Plaht betrachtet, so stellt man fest, daß
Todesfälle in den eigenen Familien einen Einfluß auf die Dichterinnen hatten. Diese
Tode wurden auch in ihren Gedichten verarbeitet, wie das in Plaths Daddy der Fall
ist, oder in Sextons The Truth the Dead Know.
Anne Sextons Darstellungen des Todes verdeutlichen, daß dieser ein Teil des
Lebens ist, die Banalität des Alltags wird hier zum Ausdruck gebracht. Das sinnlose
Leben steht hier einem Tod gegenüber, der facettenreich ist, und der auf die
Sprecherin der Gedichte eine reizvolle Wirkung hat, als daß sie sich eingehend mit
ihm beschäftigt. Die verschiedenen ,,Gesichter" des Todes sind auch bei Plaht ein
wiederkehrendes Thema. Hier spielt der Suizid eine große Rolle. In dem Roman The
Bell Jar wird über den Selbstmordversuch der weiblichen Hauptperson Esther
Greenwood berichtet, die sich dem Leben gegenüber auflehnend verhält. Esther ist
von den Abgründen des Lebens eingenommen, sie reagiert mit Vorliebe auf
mystische Zusammenhänge als auf das, was einfach ist am Leben. So erzählt Esther
3
beispielsweise ausführlich darüber, welche Eindrücke sie hatte, als sie Leichname
betrachtete. Über Kadaver wird auch in einem ihrer Gedichte, Two Views of a
Cadaver Room, gesprochen. Der Suizid taucht in The Bell Jar, ebenso wie in Plaths
Gedichten auf. In The Bell Jar basiert die Darstellung des Selbstmordversuchs auf
tatsächlichen Begebenheiten aus Plaths Leben. Dieser Roman ist autobiographisch
geprägt. Man kann davon ausgehen, daß 7Sextons Gedichte ebenfalls
autobiographische Züge haben, wenn es um Umschreibungen von
Todessehnsüchten und dem Wahn des Lebens geht. Erläuterungen der Lebensläufe
der Lyrikerinnen verdeutlichen, daß ihr schriftstellerisches Tun mit einschneidenden
Lebenserfahrungen und selbstzerstörerischen Tendenzen verbunden war.
Das Thema Tod in den Arbeiten von Sexton und Plaht weist Parallelen auf, was
übertragene Bedeutungen und die Beschreibung der Vielfalt des Todes angeht. Eine
Darstellung der Umschreibungen des Todes, wie sie von den beiden
Schriftstellerinnen vorgenommen wurde, ist Gegenstand dieser Ausarbeitung. Die
Frage, warum der Tod eine herausragende Rolle in den Werken der Lyrikerinnen
gespielt hat, läßt sich aufgrund der Erläuterung der Biographien, der kritischen
Beiträge zu diesem Thema, und der Analyse von Sextons und Plaths
schriftstellerischen Arbeiten, beantworten.
4
2. Die ,,Welt" des Todes
Der Tod als Thema in von Frauen verfaßter Literatur hat Tradition. Schon Virginia
Woolf schrieb in ihrem ersten Roman ,,Die Fahrt hinaus" (1915) über den
mysteriösen Tod einer jungen Frau, die vier Wochen nach der Bekanntmachung ihrer
Verlobung starb. 1 Einen weiteren Roman, ,,Mrs. Dalloway", nannte Woolf ,,eine
Studie über den Wahnsinn & den Selbstmord, darüber, wie die Welt diese beiden
Anschauungen nebeneinander stellt." 2 Somit stellt der Tod in Woolfs Romanen ein
häufiges Thema dar. Auch in ihren Tagebucheintragungen setzte sich Woolf mit
ihrem Todeswunsch auseinander. So heißt es in einem Eintrag vom 17. Februar
1922:
I meant to write about death, only life came breaking in as usual. I like, I see, to
question people about death. I have taken it into my head that I shan´t live till 70.
Suppose,, I said to myself the other day this pain over my heart suddenly wrung me
out like a dish cloth & left me dead?-I was feeling sleepy, indifferent, & calm; & so
thought it didn´t much matter, except for L. Then, some bird or light I daresay, or
waking wider, set me off wishing to live on my own-wishing chiefly to walk along the
river & look at things. 3
Aufgrund der eingehenden Beschäftigung mit dem Tod und dem Suizid wird der
Sinn des Lebens in Frage gestellt. Das Wissen um die Endgültigkeit des Todes steht
dem Lebensgenuß entgegen. Woolf verlor, ebenfalls wie Plaht und Sexton, schon
früh einen Elternteil, die Mutter. Es folgte eine Krankheit, und schließlich der Tod der
Halbschwester Stella Duckworth. Woolfs weiteres Leben war gekennzeichnet von
psychischen Erkrankungen, Depressionen, einer tiefen Melancholie, und von
Selbstmordversuchen. 4 Mit 59 Jahren beging Virginia Woolf den endgültigen
Selbstmord.
In einem Tagebucheintrag vom 25. Februar 1957 drückte Sylvia Plaht ihre
Anerkennung für Woolfs schriftstellerische Arbeiten aus. Sie schrieb ebenfalls, daß
sie sich mit ihr durch das Leiden am Leben verbunden fühlte:
1 E. Bronfen, ,,Virginia Woolf-,,Ich wollte über den Tod schreiben, doch das Leben fiel über mich herein", in: ,,Nun breche ich in Stücke..." ;Leben, Schreiben, Suizid, 32.
2 ibid., 35.
3 ibid., 31.
4 ibid., 30.
5
... just now I pick the blesses diary of Virginia Wools which I bought with a battery of
her novels Saturday with Ted. And she works off her depression over rejections from
Harper´s ...by cleaning out the kitchen. And cooks haddock & sausage. Bless her. I
feel my life linked to her, somehow. I love her-from reading Mrs. Dalloway for Mr.
Crockett-and I can still hear Elizabeth Drew´s voice sending a shiver down my back in
the huge Smith classroom, reading from To the Lighthouse. But her suicide, I felt I
was reduplicating in that black summer of 1953. Only I couldn´t drown. I suppose I´ll
always be overvulnerable, slightly paranoid. But I´m also so damn healthy & resilient.
And apple-pie happy. Only I´ve got to write.
Sylvia Plaht fühlte sich mit Virginia Woolf verbunden, als sie feststellte, daß der
Tod in deren Leben ebenfalls eine Rolle spielte und Woolf hochempfindlich war.
Auch Wools Suizidität bildete eine Paralelle zu Plaths Leben.
Wenn das Leben von Woolf, Sexton und Plaht vom Tod überschattet war, der die
eigenen Familienmitglieder betraf, so hatte der Tod, der im Zweiten Weltkrieg
geschah, einen Einfluß auf die deutsche Dichterin Inge Müller. Ihre Bilder des Todes
im Kriegskampf werden unter anderem im Gedicht Der schwarze Wagen
festgehalten:
Da kommt der schwarze Wagen
Das Pferd, das geht im Schritt
Und wer allein nicht laufen kann
Den nimmt der Wagen mit. 5
Das Sterben und die Katastrophen wurden von Müller kurz und illusionslos in dem
Gedicht Nach dem Bombenangriff eingefangen: ,,Ein schöner Morgen! Kein Baum
vorm Haus mehr/ Und kein Haus steht mehr unter den Bäumen."6 Wie in Der
schwarze Wagen, in dem bündig das schnelle Sterben im Krieg geschildert wurde, ist
auch in Nach dem Bombenangriff der Schock über die Brutalität des Angriffs, der
alles zerstört hat, nüchtern zum Ausdruck gebracht.
Müller ließen die Bilder des Todes im Krieg nicht los. Sie litt zeitlebens unter
depressiven Verstimmungen, trank Alkohol, und unternahm mehrere
5 H. Müller, ,,Die Nacht sie hat Pantoffel an", Der Todesfleck in den Gedichten von Inge Müller", in: ,,Nun breche ich in Stücke...", Leben, Schreiben, Suizid , 174.
6 ibid., 175.
6
Selbstmordversuche.7 Die Geschichte bedeutete persönliches Unglück. Müller wurde
1925 geboren, und nahm sich 1966 das Leben.
Man findet das Thema Tod ebenfalls in den Gedichten der russischen Lyrikerin
Marina Zwetajewa, die 1892 geboren wurde, und 1941 Selbstmord begangen hatte.
Sie stellte den Tod beispielsweise als ,,himmelrot" dar, und als ein triumphales Ende
des Lebens der Poetin:
...Ich weiß, himmelrot ist mein Tod.-Keine Habichtsnacht
Auf meine Schwanenseele wird Gott mir schicken.
Sanft weise ich das Kreuz ungeküßt zurück,
In den Himmel zu stürzen, noch einmal zu grüßen den Spender.
Seinem roten Riß-eines Antwort-Lächelns Schnitt...
-Poet bleibe ich noch im letzten Röcheln vorm Ende! 8
Zwetajewa stammte aus einem wohlhabenden Elternhaus, ihre Mutter starb früh
an Tuberkulose. Als Erwachsene lebte sie für einige Zeit in Berlin und Prag,
verbrachte aber die Jahre bis zu ihrem Tod in Rußland. Sie verfaßte Gedichte,
Poeme, Versepen, und Theaterstücke. 9 Ihre hohen Ideale und große Erwartungen
an die eigene Person waren ausschlaggebend für die Art, wie sie sich darstellte und
arbeitete. Es überrascht, daß eine Dichterin wie Zwetajewa, die nach außen hin die
selbstbewußte und erfolgreiche Frau verkörperte, sich das Leben nahm.
Anne Sexton und Sylvia Plaht waren demnach nicht die ersten Schriftstellerinnen,
die sich in ihren Arbeiten mit dem Tod beschäftigten. Die Zuwendung von weiblichen
Autorinnen den Abgründen des Lebens gegenüber scheint aus der Hilflosigkeit dem
harten Alltag gegenüber heraus zu entstehen, wie das beispielsweise bei der vom
Tod ihrer Mutter und Halbschwester geprägten Virginia Woolf der Fall war. Die
traditionelle Darstellung des Todes in der Lyrik ist unter anderem von persönlichen
traumatischen Erlebnissen von Poeten beeinflußt.
Der Drang zum Tod ist eines der Themen, die in Anne Sextons Gedichten
wiederkehren. Daneben gibt es die kindlichen Phantasien, die in ihren
unverarbeiteten frühen Traumatas angesiedelt sind, ebenso wie Liebesgedichte, die
7 ibid., 180.
8 I. Rakusa, ,,Marina Zwetajewas grundsätzliches Nein",in: ,,Nun breche ich in Stücke..., 67f.
9 ibid., 54.
7
vorrangig über das Leiden im Lieben berichten. 10 Liest man Sextons Gedichte, wird
deutlich, daß nichts am Leben einfach ist, und daß der Tod als Erlöser des
menschlichen Leidens betrachtet werden kann.
Im Gedichtband Transformations findet man eine umgewandelte Bedeutung von
Märchen. Sexton verlieh beispielsweise Dornröschen das Dasein eines elenden, von
Medikamenten betäubten, menschlichen Wracks. Dieses Geschöpf ist zwar noch am
Leben, gleicht aber eher einer Toten. 11 Sexton zog in ihrer Lyrik Parallelen zu ihrem
Privatleben, auch dann wenn sie über die Hexe schrieb, der sie den Namen ,,Anne"
gab. Vermutlich fand das erwachsene Dornröschen keinen Prinz, sondern die
Vorstellung des inzestösen Vaters, wenn sie nach dem Glück im Leben suchte.
Diese Ahnung des sexuellen Mißbrauchs war ein Auslöser für das betrübte Leben,
das schon seit der Kindheit vom Leiden überschattet war.
Sexton kämpfte mit dem Leben, und wollte den Tod ergründen. Das Motiv
durchzieht wie ein roter Faden all ihre Gedichtbände. Der Suizid wird in den
Gedichten Wanting to Die (1964), Suicide Note (1965), oder in Sylvia´s Death (1966),
beschrieben. Sexton bevorzugte in ihren Gedichten zumeist die Schreibweise eines
dramatischen Monologs, der Schlußfolgerungen auf das persönliche Leiden einleitet. 12 Tatsächlich ist die Sprecherin der Gedichte sosehr von ihrer eigener, dem Tod zugewandten Lebensperspektive, dem Selbstmitleid und der psychischen Krankheit
eingenommen, daß sie vergißt, daß es Menschen gibt, die sie in einem anderen,
positiveren Licht betrachten, als sie selbst dies tut. Ihr Ehemann und ihre Kinder
glaubten an sie, und waren aus der Sicht der Sprecherin dem Leben bejahend
zugetan.13 In Live or Die, der Gedichtsammlung, in der das mit dem Tod verbundene
Leben diskutiert wird, gelang die Sprecherin zu der Erkenntnis, daß sie durch ihre
Sicht auf die weltlichen Dinge von Anderen isoliert war, und nicht verstanden wurde.
Während andere Menschen sich hauptsächlich damit beschäftigten, das Leben zu
leben, ohne es in Frage zu stellen, war die Sprecherin in Sextons Gedichten durch
ihre Analyse des Todes und des Sinns des Lebens daran gehindert, ein
unbezwungenes Leben zu führen. So heißt es in Man and Wife (Live or Die):
10 E. Bronfen, ,,Die schillernden Transformationen der Anne Sexton", in: Nun breche ich in Stücke..., 119.
11 ibid., 127ff.
12 C.King Barnard Hall, Anne Sexton, 63.
13 ibid., 70f.
8
We are not lovers.
We do not even know eachother.
We
look
alike
but we have nothing to say
...
we can only hang on. 14
Beziehungen zwischen Menschen, beispielsweise die Ehe, stellen keinesfalls eine
Erleichterung dar. Vielmehr werden sie als befremdend empfunden, weil sie nur eine
Pflicht bedeuten, das Versprechen, einander zu ertragen, obwohl man sich eigentlich
nicht ausstehen kann. Ablehnung gegenüber den Freuden des Lebens in Sextons
Gedichten ist kennzeichnend für ihre Beschreibung des Lebens. Alles, was zu
einfach ist, und nicht hinterfragt werden kann, scheint an Attraktivität zu verlieren.
Dem gegenüber steht der Tod, das mysteriöse Ende des Lebens, dem die
Sprecherin zugetan ist. Er ist nicht nur aus ideologischen Gründen anziehend,
sondern auch deshalb, weil der Tod als Thema es der Lyrikerin ermöglicht, gut zu
leben.15 Sexton wählte als Epigraph für The Death Notebooks (1974) den von Ernest
Hemingway verfaßten Satz: "Look, you con man, make a living out of your death." In
diesem Zusammenhang war die Sprecherin von Sextons Gedichten die Schwindlerin,
die sich selbst und die Leser auszutricksen versuchte. Die Lyrikerin verdiente mit
ihren Beschreibungen des Todes Geld. Das Leben war für sie eng mit dem Tod
verbunden, als daß er für sie eine attraktive Möglichkeit der philosophischen
Auseinandersetzung darstellte, ebenso wie die Hoffnung einer Erlösung aus dem
qualvollen Leben, und nicht zuletzt es der Poetin ermöglichte, einträglich zu leben.
Man kann sogar soweit gehen, zu behaupten, daß für die Sprecherin das Leben
den Tod bedeutet. Vom Anbeginn des Tages bis zum Sonnenuntergang behält sie
ihn in O ye Tongues (The Death Notebooks ) in ihren Gedanken. 16 Die Sprecherin
in Sextons Gedichten vermittelt die Ansichten einer Frau über den Wahn des Lebens
und über den Tod. Anders als Sylvia Plaht, war Sexton an Assoziationen interessiert.
Ihre Lyrik steht im Zusammenhang zu ihrem Leben. 17 Ihr schriftstellerisches Arbeiten
war auch Teil ihrer Therapie. Man bedenke, daß Sexton erst mit etwa 28 Jahren auf
14 Anne Sexton, The Complete Poems, 116f.
15 C. King Barnard Hall, Anne Sexton, 131.
16 ibid., 146.
17 J. Rosenblatt, Sylvia Plath, The Poetry of Initiation, 160f.
9
den Rat eines Psychiaters hin mit dem Verfassen von Lyrik begonnen hatte,
nachdem sie ihren ersten Selbstmordversuch unternommen hatte. 18
Sylvia Plaths Anliegen war nicht, in ihren Werken detailiert auf die Tatsachen
ihres Lebens, wie beispielsweise ihr Geburtsdatum, die Scheidung ihrer Eltern, etc.,
einzugehen. Plaht zog in ihren schriftstellerischen Arbeiten Parallelen zum bewußten
Erleben und Wahrnehmen der Realität.19 Zu diesem realen Leben gehören politische
Ereignisse ebenso wie die unlogische Funktionsweise von Emotionen. Das Leben
beinhaltet auch den Tod als dessen endgültigen Bestandteil. Während Plaht immer
wieder zum Thema Tod zurückkehrte, schien sie sich weniger dem Leben zu
widmen. 20 Aus dem Prozeß der ,,Umwandlung des Selbst" wurde deshalb die
,,Vernichtung des Selbst".21 In der Tat ist Plaths Lyrik von wiederkehrenden
Symbolen und düsteren Landschaften des Todes ebenso wie von der Sinnsuche des
Lebens geprägt, die eine Rückführung in die Kindheit beinhaltet. Joyce Carol Oates
behauptete:
The experience of reading her (Plath´s) poems deeply is a frightening one: it is like
walking to discover one´s adult self, grown to full height, crouched in some long-forgotten childhood hiding place, one´s heart pounding senselessly, all the old
rejected transparent beasts and monsters crawling out of the wallpaper...I cannot
emphasize strongly enough how valuable the experience of reading Platt can be, for it
is a kind of elegant "dreaming-back", a cathartic experience that not only cleanses us
of our pesonal and cultural desires for regression, but explains by way of ist deadly
accuracy what was wrong with such desires. 22
Das Lesen von Plaths Werken löst eine Veränderung im Leser aus. Es kann ihn in
seine Kindheit zurückleiten, und verdrängte Ängste aufleben lassen, es kann auch
die Furcht vor dem Tod bewußt werden lassen, oder die Faszination über den Tod
erwecken. Plaths Lyrik ist von enormer Kraft.
Die Sprecherin in Plaths Gedichten ist eine passive Zeugin des turbulenten
Lebens, das auch Ängste in ihr hervorruft. 23 Sie verkörpert die universelle
18 E. Bronfen, Die schillernden Transformationen der Anne Sexton, in: Nun breche ich in Stücke..., 120.
19 J.Rosenblatt, Sylvia Plath, The Poetry of Initiation, 161f.
20 ibid., 161.
21 ibid., 161.
22 J.C.Oates, "The Death Throes of Romanticism", in: P.Owen, The Poetry of Sylvia Plath, 214.
23 ibid., 216.
Kommentare
Bisher keine Kommentare
Andere Nutzer haben sich auch für folgende Titel interessiert:
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit - Formatvorlage / Vorlage für eine Hausarbeit für Microsoft Word
Autor: GRIN VerlagVorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren, 2005 Als PDF-Datei downloaden für 6,99 EUR
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit - Formatvorlage / Vorlage für eine Hausarbeit für OpenOffice.org
Autor: GRIN VerlagVorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren, 2005 Als PDF-Datei downloaden für 9,99 EUR
Formatvorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit / Vorlage zur Erstellung einer Hausarbeit
Autor: Marco FeindlerVorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren, 2005 Als PDF-Datei downloaden für 6,99 EUR
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Autor: GRIN VerlagVorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren, 2008 Als PDF-Datei downloaden für 6,99 EUR
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wissenschaftlichen Arbeit
Autor: Zoran ZivkovicVorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren, 2004 Als PDF-Datei downloaden für 5,99 EUR
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Autor: Claudia NickelVorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren, 2006 Als PDF-Datei downloaden für 4,99 EUR
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Autor: Maik PhilippVorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren, 2004 Als PDF-Datei downloaden für 5,99 EUR
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - Hausarbeiten - Seminararbeiten
Autor: Mark RichterVorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren, 2008
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden: