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Welche Bedeutung haben Liebe und Hass im Zyklus des Werdens und Vergehens bei Empedokles?

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2008, 16 Pages
Author: Doreen Kötschau
Subject: Ethics

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2008
Pages: 16
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 6  Entries
Language: German
Archive No.: V118699
ISBN (E-book): 978-3-640-22090-8
ISBN (Book): 978-3-640-22304-6
File size: 107 KB

Abstract

Liebe und Hass sind Mächte, die die Menschheit beherrschten und beherrschen, früher und heute. Bei dem vorsokratischen Philosophen Empedokles werden sie sogar als göttliche Mächte definiert. Wie kommt Empedokles zu dieser Bezeichnung? Der altgriechische Philosoph Empedokles lebte etwa um 485- 425 vor Christus . Er stammt aus Akragas, welches heute Arigento heißt. Der Lebenslauf Empedokles’ ist abenteuerlich und was davon stimmt, ist schwer zu bestimmen. Fest steht, dass er einen ähnlichen Ruf genoss wie Pythagoras, also den eines Schamanen, eines wundersamen Mannes, eines Mystikers und Propheten. Im Gegensatz dazu ist er aber auch ein Naturbeobachter, Physiker und Astronom gewesen. „Er behauptete, das ihm zur Verfügung stehende Wissen bilde den Schlüssel für die Beherrschung der Naturgewalten, mit ihm könne der Mensch die Winde anhalten, den Regen herbeirufen und sogar die Toten aus dem Hades zurückholen. Er glaubte fest an die Seelenwanderung.“ Sein Tod ist sagenumwoben, so soll er in den Schlund des Ätna gestürzt sein. Empedokles hinterließ mehrere Fragmente. Die beiden bekanntesten sind die philosophische Dichtung „Von der Natur“ und die religiösen Gedichte unter dem Titel „Entsühnungen“. Beide sind im Versmaß des homerischen Epos verfasst. Des weiteren soll Empedokles Tragödien, politische sowie medizinische Schriften verfasst haben, von denen manche verschollen sind, manche umstritten. Empedokles geht von vier Urstoffen aus – Feuer, Wasser, Luft und Erde – die von den beiden Kräften Liebe und Hass bewegt werden. Mit Hilfe dieser Grundkonstruktion erklärt er die Welt und ihre Zusammenhänge. Doch welche Bedeutung haben die beiden Kräfte genau in seiner Philosophie? Diese Hausarbeit soll sich mit der Frage beschäftigen: Welche Bedeutungen haben Liebe und Hass im Zyklus des Werdens und Vergehens bei Empedokles? Dabei werde ich zuerst Liebe und Hass charakterisieren, danach werde ich mich mit den vier Elementen beschäftigen, da diese der Grundstein vom Werden und Vergehen sind, welches ich im nächsten Abschnitt erläutern werde. Als letztes erläutere ich Werden und Vergehen im größeren Zusammenhang, nämlich in der Kosmogonie der Weltperioden bei Empedokles.


Excerpt (computer-generated)

Friedrich Schiller Universität Jena, Institut für Philosophie

Philosophische Fakultät

Hauptseminar: Die Vorsokratiker

Sommersemester 2008

Welche Bedeutung haben Liebe und Hass im Zyklus des Werdens und

Vergehens bei Empedokles?

von

Doreen Kötschau

Lehramt Regelschule Ethik/ Deutsch

4. Fachsemester

Abgabetermin: 15. September 2008


Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis 2

1. Einleitung 3

2. Welche Bedeutung haben Liebe und Hass im Zyklus des Werdens und Vergehens bei

Empedokles? 4

2.1 Charakteristik von Liebe und Hass 4

2.2. Liebe und Hass im Zusammenspiel mit den Elementen 5

2.2.1 Die Elemente bei Empedokles 5

2.2.2 Kreislauf der Elemente unter Einwirkung von Liebe und Hass 7

2.3 Werden und Vergehen 9

2.4. Die Menschwerdung 10

2.5. Die Porentheorie 12

3. Schluss 13

Literaturverzeichnis 15

2


1. Einleitung

Liebe und Hass sind Mächte, die die Menschheit beherrschten und beherrschen, früher und

heute. Bei dem vorsokratischen Philosophen Empedokles werden sie sogar als göttliche

Mächte1 definiert. Wie kommt Empedokles zu dieser Bezeichnung?

Der altgriechische Philosoph Empedokles lebte etwa um 485- 425 vor Christus2. Er stammt

aus Akragas, welches heute Arigento heißt. Der Lebenslauf Empedokles′ ist abenteuerlich

und was davon stimmt, ist schwer zu bestimmen. Fest steht, dass er einen ähnlichen Ruf

genoss wie Pythagoras, also den eines Schamanen, eines wundersamen Mannes, eines

Mystikers und Propheten. Im Gegensatz dazu ist er aber auch ein Naturbeobachter, Physiker

und Astronom gewesen. ,,Er behauptete, das ihm zur Verfügung stehende Wissen bilde den

Schlüssel für die Beherrschung der Naturgewalten, mit ihm könne der Mensch die Winde

anhalten, den Regen herbeirufen und sogar die Toten aus dem Hades zurückholen. Er glaubte

fest an die Seelenwanderung."3 Sein Tod ist sagenumwoben, so soll er in den Schlund des

Ätna gestürzt sein.

Empedokles hinterließ mehrere Fragmente. Die beiden bekanntesten sind die philosophische

Dichtung ,,Von der Natur" und die religiösen Gedichte unter dem Titel ,,Entsühnungen".

Beide sind im Versmaß des homerischen Epos verfasst. Des weiteren soll Empedokles

Tragödien, politische sowie medizinische Schriften verfasst haben, von denen manche

verschollen sind, manche umstritten.

Empedokles geht von vier Urstoffen aus ­ Feuer, Wasser, Luft und Erde ­ die von den beiden

Kräften Liebe und Hass bewegt werden. Mit Hilfe dieser Grundkonstruktion erklärt er die

Welt und ihre Zusammenhänge.

Doch welche Bedeutung haben die beiden Kräfte genau in seiner Philosophie?

Diese Hausarbeit soll sich mit der Frage beschäftigen: Welche Bedeutungen haben Liebe und

Hass im Zyklus des Werdens und Vergehens bei Empedokles? Dabei werde ich zuerst Liebe

und Hass charakterisieren, danach werde ich mich mit den vier Elementen beschäftigen, da

diese der Grundstein vom Werden und Vergehen sind, welches ich im nächsten Abschnitt

erläutern werde. Als letztes erläutere ich Werden und Vergehen im größeren Zusammenhang,

nämlich in der Kosmogonie der Weltperioden bei Empedokles.

1 Vgl. Mansfeld, Japp: Die Vorsokratiker: griechisch/ deutsch., übers. und erl. Von Japp Mansfeld, Stuttgart:

Reclam 1983, S. 58.

2 Ebd. S. 56.

3 Guthrie, William.: Die griechischen Philosophen von Thales bis Aristoteles. Göttingen: Vandenhoeck &

Ruprecht 1950, S. 41.

3


2. Welche Bedeutung haben Liebe und Hass im Zyklus des Werdens und Vergehens bei
Empedokles?

2.1 Charakteristik von Liebe und Hass

Liebe und Hass sind entgegengesetzte Kräfte. Liebe wird auch als Aphrodite, Kypris oder

Harmonie bezeichnet. Sie gewinnt abwechselnd mit dem Hass die Oberhand. Der Unterschied

zwischen Liebe und Streit liegt im Charakter eben dieser Kräfte. Beide sind überall anwesend,

auch der Streit.

Liebe und Hass sind körperliche aber auch persönliche Mächte; sie werden sogar mit Göttern

gleichgesetzt, jedoch sind sie nur ,,triebhaft wirkende Naturkräfte, durchaus keine

zweckbewusste Intelligenzen."4 Diese Aussage grenzt Liebe und Streit deutlich vom

Vergleich mit Göttergestalten ab. Sie sind lediglich Kräfte, die in der Natur wirken und von

Anfang an in ihr enthalten waren.

Der Streit steckt in den Gliedern des Sphairos, bis seine Zeit gekommen ist. Der Sphairos ist

eine aus der Alleinherrschaft der Liebe durch Allverschmelzung hervorgegangene Gottheit5.

,,Aber als der mächtige Streit in den Gliedern [des Sphairos] herangewachsen und zu Ehren

emporgestiegen war, als die Zeit erfüllt ward, die nun wechselseitig von einem breiten Eide

gezogen ist [...] (fr. 30)"6.

Man kann sich Liebe und Streit als Atmosphären vorstellen. Die Atmosphäre des Streits hat

eine allseitige Ausdehnung: ,,[...] und gesondert von ihnen [den Elementen] der verderbliche

Streit, gleich stark auf allen Seiten [...](fr. 17)"7. Dagegen ist die Liebe nur in Länge und

Breite gleich ausgedehnt: ,,[...] und die Liebe unter ihnen [den Elementen], gleich an Länge

und Breite (fr. 17)"8. Die Liebe bewegt sich also unter den Elementen, hat keine körperliche

Ausdehnung wie der Streit Jedoch sollte die Liebe nicht unterschätzt werden. Sie ist für

Empedokles eine Art Macht, die alles einschließt. Sie ist halb Atmosphäre, halb Person

(Aphrodite).9 Der Streit hat zwar eine bessere Ausdehnung aber er ist nicht stärker als die

Liebe, weil diese durch ihre immense Macht an Stärke gewinnt.

4 Capelle, Wilhelm: Die Vorsokratiker: Die Fragmente und Quellenberichte übersetzt und mit einer Einleitung

versehen von Wilhelm Capelle. Berlin: Akademie Verlag 1961, S. 186.

5 Vgl. Schmitz, Hermann: Der Ursprung des Gegenstandes: von Parmenides bis Demokrit. Bonn: Bouvier 1998,

S. 300.

6 Capelle, Wilhelm: Die Vorsokratiker: Die Fragmente und Quellenberichte übersetzt und mit einer Einleitung

versehen von Wilhelm Capelle. Berlin: Akademie Verlag 1961, S. 200.

7 Capelle, Wilhelm: Die Vorsokratiker: Die Fragmente und Quellenberichte übersetzt und mit einer Einleitung

versehen von Wilhelm Capelle. Berlin: Akademie Verlag 1961, S. 196.

8 Ebd.

9 Schmitz, Hermann: Der Ursprung des Gegenstandes: von Parmenides bis Demokrit. Bonn: Bouvier 1998, S.

302.

4



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