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Nachkommen Muhammads: Die Sayyid-Familien im südlibanesischen Berge Amil

Subtitle: Rolle und Präsenz

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2008, 26 Pages
Author: M.A. Muhammad Khaskeia
Subject: Orientalism / Sinology - Islamic Studies

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2008
Pages: 26
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 27  Entries
Language: German
Archive No.: V118708
ISBN (E-book): 978-3-640-22095-3
ISBN (Book): 978-3-640-37145-7
File size: 208 KB

Abstract

Nach dem Tod des Propheten Muḥammad bildeten sich viele Problemfelder und Konflikte, welche bald zur Beeinträchtigung der Einheit der ʾUmma (islamischen Gemeinschaft) beitrugen. Im Mittelpunkt der Probleme standen Streitfragen über die Nachfolgerschaft (das Wesen des Khalifats) und die Frage nach ahl al- Bait (Angehörige des Hauses des Propheten). Während sich die Muslime am Tage der Saqīfa (yaum as- Saqīfa) über Abū Bakr als ersten Ḫalīf einig waren, entstanden Konfliktlinien, welche später eine entscheidende Rolle im Verlauf der Entwicklung des Islam spielen werden. Vor allem nach der Wahl und dem Tod des dritten Ḫalīf ʿUṯmān hat sich jene Konfliktlinie besonders hervorgehoben, welche später auf der einen Seite durch Hass und brutale Auseinandersetzungen gekennzeichnet und auf der anderen Seite eine Herausbildung zweier sich polar entgegenstehenden islamischen Gruppierungen bedeuten wird. Dies waren zum einen der Sunnismus und zum anderen der Šīʿismus (Šīʿat ʿAlī). Die Anhänger beider Konfessionen versuchten und versuchen jede Partei auf ihre Weise, ihre verwandtschaftliche Anbindung und Nähe zum Propheten zu beweisen. Die Šīʿiten argumentieren ihre Verwandtschaft mit der Genealogie, welche auf ʿAlī und seine Frau Faṭima, die Tochter des Propheten und ihre Kinder Ḥasan und Ḥusain zurückzuführen. Diese werden sich später den Ehrentitel „Sāda“ bzw. „Ašrāf“ aneignen, durch den sie ihre Verwandtschaft mit dem Propheten ausdrücken. Deshalb steht diese Gruppierung im Mittelpunkt meiner vorliegenden Hausarbeit, wobei ihr Fokus auf die Frage der Nachkommen des Propheten im so genannten Ğabal ʿĀmil im Südlibanon im Zeitraum vom 14. bis zum Ende des 18. Jahrhundert gerichtet werden soll. Zunächst ist es für das Verstehen der Thematik erforderlich, auf die Definitionen der Zentralbegriffe Sayyid und ahl al- Bait einzugehen. Außerdem werde ich der Frage nach der Benennung Ğabal ʿĀmil als solchem nachgehen. [...]


Excerpt (computer-generated)

Martin-Luther-Universität Halle ­ Wittenberg

Philosophische Fakultät I

Orientalisches Institut

Seminararbeit

,,Die Sayyid- Familien aus dem

abal

mil"

Rolle und Präsenz

vorgelegt von

Muhammad Khaskeia

Halle (Saale), am 18. Februar 2008

Studiengang:

Magister Politikwissenschaft/Islamwissenschaft

Semester:

9. Fachsemester

Seminar:

Die Nachkommen des Propheten


Inhaltsverzeichnis

1- Einleitung 2

2- Definitionen 4

2.1. abal mil 4

2.1.1. Benennungen 4

2.1.2. Religion und Konfession 5

2.2. ahl- al- Bait (

) 8

2.3. Sayyid 9

3. Sayyid- Familien in abal mil Präsenz und Rolle 11

3.1. Emigrierte 12

3.2. Sayyids innerhalb des abal mil 15

4. Drei Familientypen als Fallbeispiele 18

4.1. Immigrierte Sayyids im abal 18

4.2. Nr ad- Dn Familie: emigrierte Sayyids 20

4.3. Schwerttragende Familien im abal 20

5. Fazit 22

Literaturnachweis 23

1


1- Einleitung

Nach dem Tod des Propheten Muammad bildeten sich viele Problemfelder und Konflikte,

welche bald zur Beeinträchtigung der Einheit der Umma (islamischen Gemeinschaft)

beitrugen. Im Mittelpunkt der Probleme standen Streitfragen über die Nachfolgerschaft (das

Wesen des Khalifats) und die Frage nach ahl al- Bait (Angehörige des Hauses des

Propheten). Während sich die Muslime am Tage der Saqfa (yaum as- Saqfa) über Ab

Bakr als ersten alf einig waren, entstanden Konfliktlinien, welche später eine

entscheidende Rolle im Verlauf der Entwicklung des Islam spielen werden. Vor allem nach

der Wahl und dem Tod des dritten alf Umn hat sich jene Konfliktlinie besonders

hervorgehoben, welche später auf der einen Seite durch Hass und brutale

Auseinandersetzungen gekennzeichnet und auf der anderen Seite eine Herausbildung zweier

sich polar entgegenstehenden islamischen Gruppierungen bedeuten wird. Dies waren zum

einen der Sunnismus und zum anderen der Sismus (Sat Al).

Die Anhänger beider Konfessionen versuchten und versuchen jede Partei auf ihre Weise,

ihre verwandtschaftliche Anbindung und Nähe zum Propheten zu beweisen. Die Siten

argumentieren ihre Verwandtschaft mit der Genealogie, welche auf Al und seine Frau

Faima, die Tochter des Propheten und ihre Kinder asan und usain zurückzuführen. Diese

werden sich später den Ehrentitel ,,Sda" bzw. ,,Asrf" aneignen, durch den sie ihre

Verwandtschaft mit dem Propheten ausdrücken.

Deshalb steht diese Gruppierung im Mittelpunkt meiner vorliegenden Hausarbeit, wobei ihr

Fokus auf die Frage der Nachkommen des Propheten im so genannten abal mil im

Südlibanon im Zeitraum vom 14. bis zum Ende des 18. Jahrhundert gerichtet werden soll.

2


Zunächst ist es für das Verstehen der Thematik erforderlich, auf die Definitionen der

Zentralbegriffe Sayyid und ahl al- Bait einzugehen. Außerdem werde ich der Frage nach der

Benennung abal mil als solchem nachgehen.

Nachdem ich jene für meine Hausarbeit notwendigen Begriffe definiert habe, werde ich

mich mit der Frage der Sayyid- Familien im Berge mil befassen. Mein Ziel ist es hier

festzustellen, inwiefern und ob diese hier zulande ansässig waren, wobei es hier um ihre

Präsenz und ihre Rolle in der Prägung der Geschichte des abal mil gehen soll. In diesem

Kontext wird die letzte Aufgabe meiner Arbeit sein, vorhandene Familientypen aus dem

abal mil als Fallbeispiele zu selektieren und ausführlicher zu betrachten.

Schließlich ist es für den Verlauf meiner Hausarbeit noch wichtig zu sagen, dass die Anzahl

der Literatur für dieses Thema limitiert ist und dass die Primärliteratur sich auf die

Sammlung der Biographien des so genannten al- ur al- mil ,,amal al- mil (

)"

begrenzen wird. Dieses Werk ist ein Nachschlagewerk für die Biographien diverser

Wissenschaftler und Gelehrten aus dem abal mil. In diesem Werk versucht der Autor,

die Namen aller Gelehrten des abal mil, die vor ihm lebten oder zu seiner Zeit ihm

bekannt waren, zusammenzutragen. Weiterhin stellte er sich der Aufgabe, den

wissenschaftlichen Lebenslauf jener Gelehrten darzustellen und vor allem ersichtlich zu

machen, ob und inwieweit sich diese unter einander kannten. Dieses Werk ist also für die

vorliegende Arbeit deshalb von Bedeutung, weil ich mit seiner die Familientypen

kategorisieren kann. Die unvermeidliche Frage bleibt hier, inwieweit diese Biographien

richtig sind, was aber in dieser Hausarbeit nicht die kleinste Relevanz hat und für mich

aufgrund der Unmöglichkeit der Verifikation offen bleiben soll.

3


2- Definitionen

2.1.

abal

mil

In diesem Abschnitt soll es um die Darstellung des abal mil im Südlibanon gehen. Dabei

soll es zunächst um die Benennung und Bezeichnung dieser Region gehen. Des Weiteren

werde ich auf die Religiosität und Konfessionalität der Region eingehen, wobei ihre

Sitisierung in den Vordergrund gestellt werden soll.

2.1.1. Benennungen

Die Region, welche heute unter dem Namen abal mil zusammengefasst wird, wird auch

bild mila (

) oder bild bisra ( ) genannt. Die Benennung des sich im Süden des

Libanon befindenden Gebiets geht auf den Stamm mila zurück1, der sich im 4.

Jahrhundert (v. C.)2 aus dem Jemen in Richtung Norden fortbewegte. Man geht davon aus,

dass die Gründe für die Auswanderung dieser Stämme die Zerstörung des Damms Marib3

waren. Mit diesem Ereignis haben sich die Lebensqualität und wirtschaftliche Lage der

Stämme verschlechtert. Der einzige Ausweg aus dieser Lage war ihre Flucht und somit

begaben sie sich in die Regionen im Norden, um sich Nahrung und bessere Lebensqualität

zu sichern4. Der Name des Stammes, welcher die Berge im heutigen Südlibanon erreichte,

hieß qablat mila, wonach dann der abal mil genannt wurde.

1 Vgl. al- Qalqasand. Qalid a- amn f at- Tarf bi Qabil arab az- Zamn, uz 1. S. 30.

2 Vgl. Rizq, Rmiz. Mais al- abal. Luluat abal mil. Beirut 2005. S.11-12. Auch: Mervin, Sabrina. Un

réformmisme chiite. Paris 2000. S. 20.

3 Vgl. Fayya, Nawl. afat min Tr abal mil f al- ahdan al- umn wa-l-farans. Beirut 1998. S.

11-12.

4 Vgl. al- Amn, asan. abal mil: as- Saif wal- Qalam. Beirut 2003. S. 33-34.

4


Nachdem die Osmanen5 in dieser Region Fuß gefasst haben, wurde der Region ein anderer

Name gegeben und so hieß sie ab diesem Zeitpunkt bild bisra ( ). Die Historiker

sind sich über die Gründe und Ursprünge des Namen nicht einig. Die einen beziehen sich in

der Argumentation auf den bekannten Stamm Ban maan, dessen Emir Bisra hieß6.

Andere Wissenschaftler gehen nicht von der osmanischen Zeit aus, sondern stützen sich in

ihren Aussagen auf die Zeit der Ayyubiden in der Region. In diesem Zusammenhang soll

al ad- Dn einem seiner Mitkämpfer Muammad ibn Bisra die Oberhand über bild

mila gegeben haben.7

2.1.2. Religion und Konfession

Nachdem ich die beiden berühmten Bezeichnungen des abal mils ausführlich dargestellt

habe, soll nun in diesem Abschnitt die religiöse Geschichte desselben bis zur Gründung des

Libanon 1943 kurz aufgezeigt werden.

Zunächst kann die These aufgestellt werden, dass in jener Region des abals eine 12er-

Schiitisierung durchgeführt wurde und seither sich nicht anders konfessionalisieren ließ. In

seinem Werk amal al- mil f Ulam abal mil sagte al- urr al- mil, dass die

Region eher zum schiitischen Islam übergetreten ist als andere Regionen der islamischen

Welt: ,, ...Und drittens, dass ihre Schiitisierung älter als die Schiitisierung anderer ist..."8.

Danach setzt er fort und sagt, dass nachdem der Prophet gestorben war, waren dem

Gefährten, Schwiegersohn und Vetter des Propheten Al ibn noch vier Menschen treu

geblieben. Einer von ihnen war der berüchtigte Ab arr al- ifr, der durch seine

5 Vgl. Fayya, Nawl. afat min Tr abal mil f al- ahdan al- umn wa-l-farans. Beirut 1998. S. 12.

6 Vgl. Mervin, Sabrina. Un réformmisme chiite. Paris 2000. S. 20.

7 Vgl. Ab all, Wah. Al- Qulaila mamarr al- anbiy wa maqar al- awliy. Beirut 1998. S. 18.

8 Vgl. Al- urr al-mil. Amal al- mil f ikr ulam abal mil. Baghdad 1385 (H.). S. 13.

5



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