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Studienarbeit, 2008, 34 Seiten
Autoren: Thomas Kühne, Matthias Bachmann
Fach: Wirtschaft - Didaktik, Wirtschaftspädagogik
Details
Institution/Hochschule: Hochschule für Technik und Wirtschaft, Chur
Tags: Eine, Kreativitätstechniken, Einsatz, Praxis, Semesterarbeit, Allgemeine, Betriebswirtschaftslehre
Jahr: 2008
Seiten: 34
Note: 5.5
Literaturverzeichnis: ~ 45 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-640-21938-4
Dateigröße: 952 KB
Zum Thema Kreativitätstechniken sind bisher nur sehr wenige grundlegende Arbeiten vorhanden, die Kreativitätstechniken nicht mit einem ganz bestimmten Gebiet (z.B. Projektmanagement, Marketing, etc.) verbinden. In diesem Sinne kann unsere Arbeit eine bestehende Lücke füllen. (Note entspricht einer 1,5 nach deutschen Benotungssystem)
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Zusammenfassung / Abstract
[„Heureka!“ (griech.: „Ich hab’s (gefunden)“) Archimedes, (287 - 212 v. Chr.), griechischer Physiker, Mathematiker und Mechaniker, als er das Archimedische Prinzip entdeckt hatte.] Geniale Ideen hatten die Menschen schon im antiken Griechenland, wie das oben erwähnte Zitat von Archimedes beweist. Auch in der griechischen Mythologie war es Odysseus, der mit seiner Idee vom trojanischen Pferd den jahrzehntelangen Krieg entschied. Im Laufe der Geschichte gab es noch eine ganze Reihe berühmter Persönlichkeiten, die ebenfalls geniale Ideen hatten. Newton erkannte der Anekdote nach das Prinzip der Gravitation durch einen auf ihn hinunter fallenden Apfel. Ob diese Geschichten nun exakt stimmen oder nicht – wir verbinden grundsätzlich einzelne Genies mit den genialen Einfällen im Laufe der Geschichte. Diese Studienarbeit handelt im Grundsatz ebenfalls von genialen Ideen, genauer gesagt vom Prozess zur Generierung solcher Ideen. Denn jede Idee ist ein Produkt der Kreativität. Aber ist Kreativität wirklich den wenigen Genies vorbehalten? In welchen Fällen ist eine einzelne Person tatsächlich kreativer als eine Gruppe? Was gilt es bei den Kreativitätstechniken zu beachten? Und wie werden diese Techniken in der Praxis eingesetzt? Diese Fragen werden wir in den nächsten Kapiteln beantworten. Unser Fokus liegt dabei auf der Präsentation der wichtigsten Kreativitätstechniken und deren Einsatz in der Praxis. Zusätzlich dazu erläutern wir in den nächsten Kapiteln kurz einige generelle Aspekte zur Kreativität und ordnen die Kreativitätstechniken in ein bekanntes Problemlösungsschema ein.
Volltext (computergeneriert)
EINE ÜBERSICHT DER WICHTIGSTEN KREATIVITÄTS-
TECHNIKEN UND DEREN EINSATZ IN DER PRAXIS
HOCHSCHULE FÜR TECHNIK UND WIRTSCHAFT
HTW Chur
BACHELOR-STUDIUM BETRIEBSÖKONOMIE
Teilzeitlehrgang 2006 - 2010
SEMESTERARBEIT 2
Dozent:
Professor für Projektmanagement und Statistik
Bachmann Matthias
Kühne Thomas
2. September 2008
Eine Übersicht der wichtigsten Kreativitätstechniken
Matthias Bachmann
und deren Einsatz in der Praxis
Thomas Kühne
INHALTSVERZEICHNIS
1
GENERELLE ASPEKTE ZUR KREATIVITÄT
3
1.1
Einleitende Gedanken
3
1.1.1
Einleitung
3
1.1.2
Definition von Kreativität
3
1.1.3
Ist Kreativität erlernbar?
4
1.1.4
Kreativität als Gruppen- oder Einzelleistung
4
1.2
Kreativitätstechniken in der Betriebswirtschaftslehre
5
1.2.1
Einordnung in die St. Galler Entscheidungsmethodik
5
1.2.2
Kreativität und Unternehmenskultur
6
2
ÜBERSICHT DER WICHTIGSTEN KREATIVITÄTSTECHNIKEN
7
2.1
Auswahl der untersuchten Kreativitätstechniken
7
2.2
Brainstorming
7
2.3
Methode 635
8
2.4
Bionik
9
2.4.1
Bionik und Technik
9
2.4.2
Bionik und Management
11
2.5
Morphologische Analyse
12
2.6
Hutwechsel-Methode
13
3
EINSATZ DER KREATIVITÄTSTECHNIKEN IN DER PRAXIS
14
3.1
Brainstorming
14
3.2
Methode 635
15
3.3
Bionik
16
3.3.1
Technische Bionik
16
3.3.2
Schwarmintelligenz
17
3.4
Morphologische Analyse
18
3.5
Hutwechsel-Methode
19
4
FAZIT
20
VERZEICHNISSE UND ANHANG
21
Literaturverzeichnis
21
Abbildungsverzeichnis
26
Anhang
27
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Eine Übersicht der wichtigsten Kreativitätstechniken
Matthias Bachmann
und deren Einsatz in der Praxis
Thomas Kühne
1 GENERELLE ASPEKTE ZUR KREATIVITÄT
1.1 Einleitende Gedanken
1.1.1
Einleitung
,,Für eine Idee braucht man keinen Krieg
,,Heureka!" (griech.: ,,Ich hab′s (gefunden)")
zu führen: Ideen kommen ohne Pulver
Archimedes, (287 - 212 v. Chr.), griechischer Physiker, Mathematiker
und Blei durch die Welt."
und Mechaniker, als er das Archimedische Prinzip entdeckt hatte.
Paul Anton de Lagarde, (1827 - 1891), deutscher Orientalist
und Kulturphilosoph, eigentlich Paul Anton Bötticher
Geniale Ideen hatten die Menschen schon im antiken Griechenland, wie das oben erwähnte Zitat von
Archimedes beweist. Auch in der griechischen Mythologie war es Odysseus, der mit seiner Idee vom tro-
janischen Pferd den jahrzehntelangen Krieg entschied. Im Laufe der Geschichte gab es noch eine ganze
Reihe berühmter Persönlichkeiten, die ebenfalls geniale Ideen hatten. Newton erkannte der Anekdote
nach das Prinzip der Gravitation durch einen auf ihn hinunter fallenden Apfel. Ob diese Geschichten nun
exakt stimmen oder nicht wir verbinden grundsätzlich einzelne Genies mit den genialen Einfällen im
Laufe der Geschichte.
Diese Studienarbeit handelt im Grundsatz ebenfalls von genialen Ideen, genauer gesagt vom Prozess zur
Generierung solcher Ideen. Denn jede Idee ist ein Produkt der Kreativität. Aber ist Kreativität wirklich den
wenigen Genies vorbehalten? In welchen Fällen ist eine einzelne Person tatsächlich kreativer als eine
Gruppe? Was gilt es bei den Kreativitätstechniken zu beachten? Und wie werden diese Techniken in der
Praxis eingesetzt? Diese Fragen werden wir in den nächsten Kapiteln beantworten.
Unser Fokus liegt dabei auf der Präsentation der wichtigsten Kreativitätstechniken und deren Einsatz in
der Praxis. Zusätzlich dazu erläutern wir in den nächsten Kapiteln kurz einige generelle Aspekte zur Kreati-
vität und ordnen die Kreativitätstechniken in ein bekanntes Problemlösungsschema ein.
1.1.2
Definition von Kreativität
Keiser (2003) ist der Auffassung, dass Kreativität im Kopf stattfindet und sich als schöpferische Kraft äus-
sert (S. 2). Gleichzeitig betont sie aber, dass keine abschliessend richtige Definition von Kreativität existie-
re. Styhre und Sundgren (2005) haben sich intensiv mit der Definition von Kreativität befasst. Im Zusam-
menhang mit der Definition von Kreativität erscheint uns im Bezug auf den Gebrauch von Kreativität in
Kreativitätstechniken vor allem die Klärung der Beziehung zwischen der Kreativität einer Person und der
(Kreativitäts-) Technik wichtig:
,,In a humanist, subject-centred epistemology, creativity is what is safely located within the human sub-
ject; his or her abilities to conceive of new ideas and new statement of empirical investigations are only
supported by the use of technology and tools." (S. 46).
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Eine Übersicht der wichtigsten Kreativitätstechniken
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Thomas Kühne
1.1.3
Ist Kreativität erlernbar?
Wie im ersten Kapitel erwähnt, entsteht häufig der Eindruck, Kreativität sei eine angeborene Gabe und
darum nur wenigen Personen vorbehalten. Die anderen Leute müssten sich damit abfinden, dass sie nicht
kreativ sind. Edward de Bono ist ein bekannter Autor und Dozent im Themenbereich der Kreativität. Er
bestreitet vehement, dass Kreativität nicht lernbar ist:
Wir können kreatives Denken genauso lernen wie Mathematik, Kochen oder Tennisspielen. Das be-
deutet nicht, dass jeder, der sein kreatives Potential weiterentwickelt, gleich ein schöpferisches Ge-
nie sein muss. Es kann ja auch nicht jeder, der Tennis spielen lernt und sich dabei einigermassen ge-
schickt anstellt, Wimbledon gewinnen. Es gibt zahlreiche Abstufungen, die auf der Kreativitätsskala
zwischen genial und im Alltag nützlich angesiedelt sind. (1996, S. 257)
Dazu muss man festgefahrene Denkmuster bei sich selber erkennen und systematisch durchbrechen. De
Bono nennt diesen Prozess ,,laterales Denken" (S. 51). Eine Möglichkeit, laterales Denken zu fördern, sieht
de Bono in der so genannten ,,Hutwechsel-Methode" (S. 73), die in späteren Kapiteln dieser Studienarbeit
noch ausführlicher behandelt wird. Laterales Denken kann aber auch schon durch eine kreative Grundhal-
tung (S. 146) gefördert werden:
...die Bereitschaft, konstruktiv und mit offenem Blick neue Wege zu erforschen, statt auf der Stelle
zu treten und zu beurteilen, ob ein Lösungsansatz richtig oder falsch ist. Kreativität beinhaltet das
Interesse, praktische, nützliche und stichhaltige Ideen zu entwickeln. Der Kreative geht im Unter-
schied zu den ,,Eingleisigen" davon aus, dass viele Wege zum Ziel führen. Nicht jeder Schritt in die-
sem Prozess muss die Hürde des Urteils nehmen und von der Vernunft akzeptiert werden.
1.1.4
Kreativität als Gruppen- oder Einzelleistung
Um die beiden Formen des kreativen Prozesses übersichtlich zu vergleichen, haben wir zwei Tabellen mit
Vor- und Nachteilen erstellt, die auf de Bonos Erkenntnissen (S. 218) basieren:
Tabelle 1: Die Kreativität des Einzelnen
Vorteile
Nachteile
Kann viele Marschrouten gleichzeitig erkunden.
Hängt vom kreativen Potential des Einzelnen ab.
Schnell, da er nicht reden und zuhören muss.
Fehlende Akzeptanz in der Gruppe , da der Vor-
schlag ,,nur" von einem Einzelnen erarbeitet wur-
de.
Kann einem ,,Hirngespinst" nachhängen und solan-
ge daran feilen, bis es Sinn macht.
Zeitlich und örtlich flexibel: braucht keine Grup-
pensitzung (z.B. kann man auch am Feierabend
plötzlich einen genialen Einfall haben1).
1 Diese Einfälle während dem Feierabend sind der so genannten Phase der Inkubation zuzuordnen. Gemäss
Keiser (2003) stellt die Inkubation die zweite von insgesamt vier Phasen des kreativen Prozesses dar, bei der
man das Unterbewusstsein arbeiten lässt. Es ist empfehlenswert, sich während der Inkubation nicht mit dem
Problem zu befassen. Aus diesem Grund hat man geniale Einfälle relativ häufig während dem Feierabend.
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Eine Übersicht der wichtigsten Kreativitätstechniken
Matthias Bachmann
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Thomas Kühne
Tabelle 2: Die Kreativität in der Gruppe
Vorteile
Nachteile
Grosse Akzeptanz der Vorschläge, da gemeinsamer
Trotz klarer Regeln kann manchmal ein Vorschlag
,,Besitzerstolz".
aus Schüchternheit nicht gesagt werden.
Ideen können sehr gut weiterentwickelt werden.
In der Gruppe ist der gesamte Prozess zeitintensi-
ver.
Die Gruppensitzung ist zeitlich und räumlich be-
schränkt, nur Ideen während dieser Zeit werden
berücksichtigt.
Konklusion
De Bono sieht die Kreativität des Einzelnen vor allem dann angebracht, wenn völlig neue Wege gefunden
werden müssen. Diese Ideen können dann sehr gut in der Gruppe weiterentwickelt werden (S. 218). Wo
eine grosse Akzeptanz der Idee gefragt ist, sollten möglichst alle Gruppenmitglieder einbezogen werden.
Auch Collins (2001) ist der Ansicht, dass gerade Führungskräfte motivierter sind, wenn sie in die Ideenfin-
dung einbezogen werden und nicht aufgrund einer Idee eines Einzelnen vor vollendete Tatsachen gestellt
werden.
1.2 Kreativitätstechniken in der Betriebswirtschaftslehre
1.2.1
Einordnung in die St. Galler Entscheidungsmethodik
Abbildung 1: Die St. Galler Entscheidungsmethodik im Überblick (Nikitin, 2007)
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Kreativitätstechniken kommen gemäss Abbildung 1 als integrierter Bestandteil der St. Galler Entschei-
dungsmethodik erst dann zum Einsatz, wenn das Problem bereits erfasst ist und eine Ist-Analyse durchge-
führt wurde. Kreativitätstechniken dienen im Rahmen dieses Modells ausschliesslich zur Entwicklung von
Varianten, die Bewertung der ausgearbeiteten Varianten wird danach zum Beispiel mit einer Nutzwert-
analyse vollzogen. Diese Abgrenzungen erscheinen uns wichtig, da zum Beispiel das Ursache-Wirkungs-
Diagramm2 in der Literatur teilweise auch als Kreativitätstechnik bezeichnet werden (Boche, 2003, S. 118).
Mit dem Ursache-Wirkungs-Diagramm von Kaoru Ishikawa können aber wohl eher Probleme erfasst als
Lösungsvarianten entwickelt werden. Um eine optimale Integration der von uns untersuchten Kreativi-
tätstechniken in die St. Galler Entscheidungsmethodik zu gewährleisten, selektionierten wir nur diejeni-
gen Kreativitätstechniken, die auch tatsächlich einen Beitrag zur Entwicklung von Lösungsvarianten leisten
können.
1.2.2
Kreativität und Unternehmenskultur
Gemäss De Bono (1996) sollte jede Unternehmung ein grosses Interesse daran haben, in das kreative
Potential der Mitarbeiter zu investieren. Dabei sei nicht einmal die tatsächliche monetäre Investition ent-
scheidend, sondern der Stellenwert, der dem kreativen Potential beigemessen wird: David Tanner grün-
dete als Prozessmanager bei Du Pont ein Kreativitätszentrum, das sich unweit des Büros des CEO`s be-
fand. ,,Das ist genau die Ernsthaftigkeit, mit der man das Thema Kreativität im Unternehmen angehen
sollte. Die Investition in das kreative Potential hat Ähnlichkeit mit der Investition in die Forschung sie
kostet nur weniger." (S. 243)
Ein Kreativitätszentrum organisiert Seminare und Schulungen für die Belegschaft. Schliesslich spielt es
aber keine Rolle, ob man die Mitarbeiter mit einem Kreativitätszentrum oder auf andere Wege (z.B. mit
externen Seminaren, Intranetmitteilungen oder Lernprogrammen) mit dem Thema Kreativität konfron-
tiert, es sollte letztlich jeder einzelne Mitarbeiter auf das Thema Kreativität sensibilisiert worden sein:
,,Der Kreativität im Job stehen viele Hindernisse im Weg, zuallererst die Unternehmenskultur. Kreativität
muss man zulassen und fördern", erklärt Lilo Endriss, Psychologin und Inhaberin der Hamburger Beratung
"Kreatives Management". Das sei eine Führungsaufgabe. Auch Beatris Uhlig, Berliner Psychologin, Wirt-
schaftswissenschaftlerin und Trainerin bei Eisberg-Seminare teilt diese Ansicht: "Gutes Arbeitsklima und
Führungsverhalten sind die Voraussetzungen. Und ,,gut" heisst in diesem Zusammenhang, dass Andersar-
tigkeit toleriert wird." (Pawlik, 2006, S. 69)
Unter Zulassen und Fördern von Kreativität könnte man beispielsweise eine einfache Möglichkeit zur De-
ponierung von Verbesserungsmöglichkeiten mit entsprechender Honorierung von später umgesetzten
Vorschlägen verstehen. Thomas Kühne weiss aus seiner Tätigkeit bei der UBS, dass dieser Prozess dort so
festgelegt und verankert ist. Als abschliessende Bemerkung zu diesem Kapitel bleibt zu erwähnen, dass
2 Cf. Figure 1 in Berry, P. H. & Dahl, J.L (2000). The new JCAHO pain standards: Implications for pain
management nurses, Pain Management Nursing, 1(1), 3-12. Retrieved May 12, 2008 at
http://www.sciencedirect.com/science/article/B6WP6-45SR86H-2/1/4971e19b88e3cddd7c2bc4ce053e229a.
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Matthias Bachmann
und deren Einsatz in der Praxis
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selbst die beste Unternehmenskultur nichts nützt, wenn die Kreativitätstechniken nicht bekannt sind oder
falsch angewendet werden. Im nächsten Kapitel werden wir Ihnen darum einen Überblick über die Funk-
tionsweise von fünf ausgewählten Kreativitätstechniken verschaffen.
2 EIN ÜBERBLICK ÜBER DIE WICHTIGSTEN KREATIVITÄTSTECHNIKEN
2.1 Auswahl der untersuchten Kreativitätstechniken
Da wir im Rahmen dieser Semesterarbeit eine formelle Einschränkung von maximal 15 Textseiten einhal-
ten müssen, haben wir uns entschieden, wenige Kreativitätstechniken ausführlich zu behandeln. Alterna-
tiv dazu wäre uns auch die Möglichkeit offen gestanden, sämtliche oder die meisten bekannten Kreativi-
tätstechniken vorzustellen. Bei einer solch umfassenden Präsentation hätten wir aber nicht vertieft auf
die einzelnen Techniken eingehen können und auch der Praxiserfahrung hätte ein jeweils kleinerer Rah-
men beigemessen werden müssen. Zur Vervollständigung ist aber eine ausführliche Auflistung diverser
Kreativitätstechniken nach Keiser (2003) im Anhang unter Abbildung 1 aufgeführt.
Zwei massgebliche Selektionskriterien waren eine möglichst problemlose Eingliederung in die bereits
erläuterte St. Galler Entscheidungsmethodik (Kapitel 1.2.1) und eine häufige Erwähnung in der wissen-
schaftlichen und praxisbezogenen Literatur. Als Indikatoren für unseren Entscheid können zum Beispiel
Higgins und Wiese (1996, S. XI), Boche (2003, S. 111), Rizzi (2007), Nöllke (2006, S. 5) oder Zeller (2005, S.
47) angeführt werden. Ausserdem achteten wir auf eine diversifizierte Auswahl von verschiedenen Arten
von Kreativitätstechniken sowie auf den Einbezug von expliziten Gruppentechniken und solchen Techni-
ken, die auch von einer Einzelperson angewendet werden können. Im Weiteren verzichten wir aus Platz-
gründen auf die explizite Begründung, warum die jeweilige Kreativitätstechnik unsere Selektionskriterien
erfüllt hat.
2.2 Brainstorming
Eine weit verbreitete Kreativitätstechnik ist das Brainstorming. Diese Technik gehört zu den intuitiven
Methoden. Intuitive Methoden haben gemäss Keiser (2003) vor allem zum Zweck, die Phase der Inkubati-
on zu beschleunigen, während die Qualität der Vorschläge vorerst im Hintergrund steht. Die Ideen wer-
den in dieser Phase auch nicht ausgearbeitet und Kritik ist prinzipiell verboten. Intuitive Methoden wer-
den meistens in Gruppen angewendet, wobei sich die Gruppenmitglieder gegenseitig anregen sollten (S.
8).
Das Brainstorming findet in beinahe allen Schulstufen sowie in der Praxis häufig ihre Anwendung und
auch die Literatur hat sich bereits intensiv damit beschäftigt. Zweck dieser Kreativitätstechnik war ur-
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und deren Einsatz in der Praxis
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sprünglich eine Steigerung der Qualität sowie Quantität verkaufsfördernder Ideen (Osborn, 1953, S. 297 -
304, zit. in Higgins und Wiese, 1996, S. 126).
Voraussetzung für den Einsatz des Brainstormings ist eine lockere Atmosphäre, welche kreatives Denken
ermöglicht. In einer ersten Phase werden jegliche Gedanken und Lösungsvorschläge in Bezug auf das
Thema aufgenommen und schriftlich festgehalten. Die Teilnehmer sollen dabei möglichst wenig einge-
schränkt werden. Letter (2008) erklärt dazu, dass es keine schlechten Ideen gibt und somit jegliche Ansät-
ze notiert werden. Higgins und Wiese (1996) betonen ausserdem, dass die Quantität der Beiträge im Zent-
rum steht und über die einzelnen Wortmeldungen nicht diskutiert wird (S. 126). Bayerl (2003) bestätigt
ebenfalls, es sei verboten, einen Vorschlag zu kritisieren.
Eine wichtige Rolle kommt dem Moderator zu. Zu Beginn der Sitzung notiert er das Wort zentral auf der
Schreibfläche. Anschliessend nimmt er erste Ideen auf und hält seinerseits kritische Aussagen bereit, falls
das Brainstorming und die Quantität der Beiträge abzuflachen droht. Werlen (2003) fügt hinzu, dass sich
auch die Teilnehmer vorzubereiten haben und ihre Ideen somit gut durchdacht sind. Mittels professionel-
ler Führung der Sitzung strebt der Moderator einen strukturierten Ablauf an. Kürten (1997) führt dazu als
wichtige Regel aus: ,,Die absolute Trennung zwischen der Phase der Ideenproduktion und der Phase der
Bewertung."
Der anschliessende Bewertungsprozess umfasst hauptsächlich die Gliederung der Inputs in übergeordnete
Gruppen sowie deren Priorisierung. Letter (2008) stellt dabei das realistische Denken in den Vordergrund
und schreibt, dass am Ende der Bewertung lediglich die umsetzbaren Ideen übrig bleiben sollten.
2.3 Methode 635
Die Methode 635 gehört gemäss Jungbluth (1998) zu den Brainwriting-Methoden und ist ebenfalls eine
intuitive Methode. Mit dieser Kreativitätstechnik können sich die Teilnehmer dank dem einfachen Vorge-
hen innert kürzester Zeit auseinandersetzen. Die drei Buchstaben stehen dabei für je eine wichtige Kom-
ponente des Verfahrens:
Sechs Teilnehmer werden benötigt, um je
drei Ideen innert
fünf Minuten auszuarbeiten.
Die Ideen werden jeweils auf einem Stück Papier, welches nach fünf Minuten zum nächsten Teilnehmer
weitergereicht wird, notiert. Dabei können die auf dem vorliegenden Papier festgehaltenen Ideen laufend
weiterentwickelt werden. Die Teilnehmer erhalten durch die Zirkulation der Ideen stets neue Inputs. Hig-
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und deren Einsatz in der Praxis
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gins und Wiese (1996) weisen darauf hin, dass die erste Runde auch auf zwei Minuten begrenzt werden
kann, da in dieser Runde noch keine bestehenden Ideen gelesen und weiterentwickelt werden müssen (S.
133). In einer Runde werden somit 18 Ideen notiert, was nach sechs Runden und somit 30 Minuten folg-
lich zu 108 Ideen führt. Letter (2008) hält fest, dass anschliessend die nicht vermeidbaren Doppelungen zu
löschen sind sowie danach die verbleibenden Ideen auf deren Realisierbarkeit geprüft werden müssen.
Gemäss Higgins und Wiese (1996) verbleiben anschliessend rund 60 gute Ideen (S. 133).
Zusammenfassend lässt sich somit sagen, dass trotz etlicher Doppelungen viele brauchbare Ideen übrig
bleiben sollten. Jungbluth (1998) schreibt jedoch, dass die Ideen bezüglich Spontaneität und Phantasie
qualitativ nicht dasselbe Niveau wie das Brainstorming erreichen. Zudem macht Jungbluth auf den wach-
senden Zeitdruck während des Verfahrens aufmerksam. Dies mag insofern stimmen, da wie oben erwähnt
mit exakten Zeitvorgaben gearbeitet wird, was beispielsweise beim Brainstorming nicht der Fall ist. Dem
gegenüber kann es möglicherweise ein Vorteil sein, dass jeder Teilnehmer stets drei neue Ideen zu entwi-
ckeln hat. Eine vergleichbare Vorgabe an Quantität fehlt hier jedoch beim Brainstorming.
2.4 Bionik
,,Natura nihil est callidius"
(lat.: ,,Es gibt nichts Erfinderischeres als die Natur"),
Marcus Tullius Cicero (106-43 v. Chr.)
2.4.1
Bionik und Technik
Die Bionik gehört zu den recherchebasierten Methoden. Recherchebasierte Methoden werden gemäss
Keiser (2003) vor allem in der ersten Phase der Problemlösung angewendet und können auch als Vorbe-
reitung auf eine andere Kreativitätstechnik eingesetzt werden.
Abbildung 2: Der ,,Smartfish"
Dabei befasst man sich intensiv mit dem Problem und versucht mit
orientiert sich an der Form
Hilfe von empirischen Forschungsmethoden eine Lösung des
des Thunfischs
Problems zu finden. In der Bionik kommen dabei vor allem die
Literaturrecherche, das Experiment und die Beobachtung zur
Anwendung. Eine recherchebasierte Methode kann in der Regel
sowohl von einer Einzelperson wie auch von mehreren Personen
durchgeführt werden.
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Eine Übersicht der wichtigsten Kreativitätstechniken
Matthias Bachmann
und deren Einsatz in der Praxis
Thomas Kühne
Der Begriff Bionik ist ein Kunstwort zwischen Biologie und Technik. Die Bionik sucht in der Natur Lösungen
oder Lösungsansätze für (technische) Probleme. Nachtigall (1991, zit. In Gramann, 2003, S. 67) beschreibt
die Bionik als Synthese betreibende Disziplin, bei der die
Vorarbeit von der technischen Biologie3 geleistet wird.
Abbildung 3: Ansatz von Gramann (2003) zur
Lösung von technischen Problemen mit
Die Idealvorstellung, dass die technische
Vorlagen aus der Natur
Forschungsabteilung einer Unternehmung mittels Litera-
turrecherche auf die Forschungsergebnisse aus
Beobachtungen und Experimenten der technischen Biolo-
gie zugreifen und entsprechende Analogien finden kann,
scheitert gemäss Gramann (2003, S. 67-71) einerseits am
Zeitdruck und andererseits an den Informationsbarrieren
zwischen Biologie und Technik. Die Informationsbarriere
besteht nach Gramann vor allem darin, dass die meisten
Techniker nicht über das erforderliche Fachwissen für
eine intensive Literaturrecherche im Bereich der
technischen Biologie verfügen. Um also für technische
Problemstellungen Lösungen aus der Natur zu finden,
drängen sich systematische Arbeitsmethoden förmlich
auf (S. 71). Als Beispiele von solchen Methoden lassen
sich gemäss Gramann die Ansätze nach Zerbst4 (1987)
oder Hill5 (1997) aufführen. Beim Ansatz nach Zerbst handelt es sich um eine algorithmische Suchstrate-
gie. Eine entsprechende Grafik des Ansatzes von Zerbst ist im Anhang (Abbildung 2) aufgeführt. Während
Gramann beim Ansatz von Zerbst vor allem die zu eng gefasste Definition von Ähnlichkeit zwischen Natur
und Technik bemängelt, kommentiert er das Vorgehen von Hill als unspezifisch und zu kurz greifend, da er
keine Hilfestellung zur Überschreitung der erwähnten Informationsbarriere bietet.
Der Ansatz von Gramann ist in Abbildung 3 dargestellt und wird durch eine Assoziationsliste6 ergänzt, die
den Zugang zur Fachliteratur erleichtern und somit die Informationsbarriere überschreiten soll. Die Asso-
ziationsliste zeichnet sich insbesondere durch die wissenschaftlichen Bezeichnungen der biologischen
Organismen aus, die den ,,Technikern" ansonsten meistens völlig unbekannt sind. Damit wird einerseits
die Anzahl an irrelevanten Suchergebnissen verkleinert und andererseits auch in allen Sprachen gesucht,
3 Die technische Biologie ist eine eigene Wissenschaftsdisziplin und sollte nicht mit der Biologie im Allgemeinen
verwechselt werden. Sie untersucht und beschreibt gem. Nachtigall (1991, zit. In Gramann, 2003, S. 67) Kon-
struktionen und Verfahrensweisen der Natur unter Einbezug der Analyse- und Deskriptionsverfahren der Physik
und Technik.
4 Vgl. Zerbst, E. (1987). Bionik: biologische Funktionsprinzipien und ihre Anwendung. Stuttgart: Teubner.
5 Vgl. Hill, B. (1997). Innovationsquelle Natur: Naturorientierte Innovationsstrategie für Entwickler, Konstrukteu-
re und Designer. Aachen: Shaker.
6 Ein Ausschnitt aus der Assoziationsliste ist im Anhang unter Abbildung 3 aufgeführt. Die vollständige Liste
kann in der im Literaturverzeichnis aufgeführten Dissertation von Gramann (2003) konsultiert werden.
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Eine Übersicht der wichtigsten Kreativitätstechniken
Matthias Bachmann
und deren Einsatz in der Praxis
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da die wissenschaftlichen Bezeichnungen lateinischen oder griechischen Ursprungs sind. Beispielsweise
erhält man auf der Suchmaschine Google (www.google.ch) für den englischen Begriff für Gepard (,,Chee-
tah") über 12′700′000 Suchtreffer, während man für die wissenschaftliche Bezeichnung ,,Acinonyx juba-
tus" nur 92′200 Suchresultate erzielt (12.04.2008). Die Suchresultate betragen also nur noch 0.7 % der
ursprünglichen Ergebnisse.
2.4.2
Bionik und Management
Malik (2000, S. 176) geht davon aus, dass eine Unternehmung ein selbstorganisierendes System ist, das
sich nur in wesentlich geringerem Ausmass beherrschen lässt, als allgemein angenommen ist. Daraus
abgeleitet geht er davon aus, dass man ein besseres Regulierungssystem zum Management einer Unter-
nehmung ebenfalls von der Natur ableiten kann (2006, S. 91). Er stützt
Abbildung 4: Titelblatt des
sich dabei vor allem auf das ,,Viable Systems Management7 (VSM)" des
Magazins ,,Nature" vom
britischen Kybernetikers8 Stafford Beer. Wippermann und Helden (2006,
03. Februar 2005
S. 102) betonen die mit empirischen Methoden erhaltenen Ergebnisse,
die besagen, dass viele Organisationsformen der Natur nicht (wie früher
angenommen) über eine Hierarchie verfügen, sondern selbstlenkende
Systeme sind.
Als Beispiele lassen sich Vögel- oder Fischschwärme wie auch die
teilweise riesigen Herden von Gnus, Gazellen und anderen Herdentieren
anführen. Die Erforschung dieser so genannten ,,Schwarmintelligenz"
obliegt primär Biologen wie Hens Krause. Dessen mit I.C. Couzin, N.R.
Franks und S.A. Levin verfasster Artikel über die Schwarmintelligenz war
2005 auf dem Titelblatt des renommierten naturwissenschaftlichen
Magazins ,,Nature" ersichtlich (siehe Abbildung 4). Gemäss diesem Artikel lassen sich bei der Entschei-
dungsfindung dieser Schwärme demokratische Muster und Kompromisslösungen erkennen. Dass sich
mittlerweile auch Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler wie Peter Wippermann, Jörg Helden oder Steffan
Heuer mit der Schwarmintelligenz und somit mit Inhalten des ,,Nature" beschäftigen, verdeutlicht nicht
nur die Parallelen zwischen der ,,menschlichen" und der ,,natürlichen" Gesellschaft, sondern bedeutet im
wissenschaftlichen Kontext auch die schleichende Auflösung der seit ungefähr 200 Jahren üblichen Tren-
nung der Wissenschaftsdisziplinen. Dazu Malik (2006, S.83): ,,Diese Art der Organisation wissenschaftli-
cher Arbeit hat zweifellos zum Fortschritt der Wissenschaft beigetragen; aber sie ist auch ein ständiges
Problem, und dürfte wahrscheinlich ebenso oft für Stagnation und Irrelevanz der Wissenschaft verant-
wortlich sein." Wippermann und Helden (2006, S. 106) erkennen in den durch die Technik ermöglichten
Kommunikationsformen wie Blogging, Online-Communities (z.B. MySpace.com) oder Wikipedia klare Ähn-
7 Vgl. Beer, S. (1981). Brain of the firm (2nd ed.). London: John Wiley & Sons
8 Kybernetik beinhaltet gemäss Hetzler (2006, S. 96) die Erforschung komplexer Systeme, ihres Verhaltens und
ihrer Regulierung.
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Eine Übersicht der wichtigsten Kreativitätstechniken
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und deren Einsatz in der Praxis
Thomas Kühne
lichkeiten zum Schwarmintelligenz-Modell der Biologie und betonen, dass sich statt des bisherigen Top-
down-Prinzips ein Bottom-up-Ansatz etabliert (S. 107). Von diesem Bottom-up-Ansatz spricht in impliziter
Art auch Böhm (2007), der fordert, dass man das kreative Potential sämtlicher Mitarbeiter besser fördern
und verknüpfen sollte, um Schwarmintelligenz-Effekte zu erzielen. Er verweist hierzu darauf, dass einige
grosse Unternehmungen ihre Hierarchiestufen bereits massiv verflacht hätten, ohne allerdings Namen zu
nennen. Abschliessend lässt sich sagen, dass die Nutzung der Schwarmintelligenz eine sehr junge Metho-
de ist, denn Bonabeu und Meyer stellten die wirtschaftliche Integration der Schwarmintelligenz 2001 als
etwas völlig Neues dar (S. 106).
2.5 Morphologische Analyse
Die morphologische Analyse, welche zu den diskursiven Methoden gehört, unterscheidet sich in einem
wesentlichen Punkt von vielen anderen Kreativitätstechniken. Die Anwendung dieser Technik setzt nicht
zum Ziel, neue Ideen zu generieren, sondern die optimale Kombination verschiedener Möglichkeiten zu
erreichen. Jungbluth (1998) bestätigt, dass sich die morphologische Analyse hauptsächlich mit Analyse-
sowie Konstellationsproblemen beschäftigt. Backerra (2005) fügt hinzu, dass der griechische Begriff Mor-
phologie frei übersetzt ,,Lehre des geordneten Denkens" bedeutet. Zudem erklärt er, dass diese Technik
vom Schweizer Astrophysiker Fritz Zwicky entwickelt wurde.
Mittels Tabelle werden in der ersten Spalte je nach Angelegenheit die Teilprobleme oder beispielsweise
auch die einzelnen Komponenten eines neuen Produktes aufgeführt. TriSolver Consulting (2002) erklärt,
dass der Ursprung des Namens dieser Technik mit dessen Vorgehen zusammenhängt. Die in den Zeilen
aufgeführten Bestandteile (Morpheme) stehen dabei im Zentrum.
In den weiteren Spalten folgen die entsprechenden Lösungsvorschläge, respektive die verschiedenen
Ausprägungen der in der ersten Spalte aufgeführten Merkmale. Wird eine dritte Dimension hinzugefügt,
spricht man gemäss TriSolver Consulting von einem morphologischen Kasten9. Anschliessend besteht die
Aufgabe darin, aus jeder Zeile die optimale Variante zu wählen, um letztendlich alle besten Varianten
miteinander kombinieren zu können. Somit konnte beispielsweise ein Problem in Teilprobleme gegliedert
werden, die wiederum bestmöglich gelöst wurden.
Higgins und Wiese (1996) schreiben, dass die grosse Zahl entwickelter Ideen der grösste Vorteil einer
morphologischen Analyse sei. Ein morphologischer Kasten der Grösse 10*10*10 zeigt beispielsweise be-
reits 1`000 Ideen (S. 153).
9 Zur Veranschaulichung sind Im Anhang unter Abbildung 4 und 5 Beispiele von einer morphologischen Matrix
und einem morphologischen Kasten aufgeführt.
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Matthias Bachmann
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Kasan, Sander und Puri (2002) sehen in der morphologischen Analyse einen bedeutenden Nachteil. Sie
halten fest, dass die Informationen in den einzelnen Zellen der Tabellen doch sehr beschränkt sind und
folglich keine vertiefte Analyse zulassen. Mit dieser Kreativitätstechnik könne lediglich eine Strukturierung
erreicht werden. Dies mag insofern stimmen, dass die Tabelle meist dicht erstellt wird und für Ausführun-
gen folglich der nötige Platz fehlt.
2.6 Hutwechsel-Methode
Die Hutwechsel-Methode ist auch unter den Namen ,,Denkhüte" oder ,,Sechs Hüte" bekannt. Sie gehört
zu den Kombimethoden. Der Begriff Denkhüte stammt von der englischen Redewendung ,,to put one′s
thinking hat on" ab, was ,,über ein Problem nachdenken" bedeutet (Fey & Weichbrodt, 2005, S. 38). Da
der in einem früheren Kapitel bereits erwähnte Erfinder der Methode, Edward de Bono, die Methode als
Hutwechsel-Methode bezeichnet (1996, S. 73), werden wir uns der besseren Lesbarkeit halber ebenfalls
an diesen Begriff halten. Die sechs Hüte widerspiegeln folgende Eigenschaften:
Tabelle 3: Hutwechsel-Methode
Daten und Informati-
Weisser Hut
Fehlende Informationen
Informationsbeschaffung
onen
Gefühl, Intuition, In-
Gefühle ohne Entschuldigung oder Rechtfertigung of-
Roter Hut
stinkt & Emotionen
fenbaren
Realisierbarkeit, Legalität
Schwarzer Hut
Zur Vorsicht mahnen
Kritische Stellungnahme
und Rendite aufzeigen
Optimistische Grund-
(Rationale) Vorteile suchen Realisationsmöglichkeiten
Gelber Hut
einstellung
und hervorheben
suchen
Grüner Hut
Kreatives Denken
Neue Ideen
Zusätzliche Alternativen
Blauer Hut
Moderationsrolle
Objektive Prüfung
Methodische Prüfung
Der Zweck der Hutwechsel-Methode ist weniger derjenige der unermüdlichen und quantitativ hohen
Ideengenerierung, als viel mehr derjenige der Blockadenlösung. Während Hans das Projekt meistens
befürwortet, Peter es strikt ablehnt, Heidi immer schwarz malt und die Debatten endlos lang werden,
können mit der Hutwechsel-Methode verschiedene Standpunkte von der gleichen Person vertreten wer-
den. Der Teilnehmer,,schützt" seine Argumente vor Angriffen auf seine Person, da er ,,nur" die Denkweise
des jeweiligen Hutes wiedergibt (de Bono, 1996, S. 77). Somit sollte die Diskussion sachlicher und dank
den Hutwechseln auch weniger festgefahren sein, was der Ideengenerierung selbstverständlich förderlich
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ist. Ausserdem wird der häufig übervertretene Standpunkt der Schwarzmalerei auf diese Art beschränkt
(S. 75) und es wird sichergestellt, dass kein Standpunkt ausser Acht gelassen wird (S. 77).
Anwendung der Technik
Fey und Weichbrodt (2005) sehen in der eindimensionalen Reihenfolge der Hüte einen möglichen An-
wendungsprozess: Man teilt dem Diskussionsleiter den blauen Hut zu, den er nur bei Bedarf einsetzt.
Danach wenden sich sämtliche Teilnehmer (inklusive Diskussionsleiter) einem spezifischen Hut zu. Dabei
sollte man beachten, dass jedem Hut schon in Vornherein eine bestimmte Zeitdauer (als Standarddauer
können vier Minuten gelten) eingeräumt wird. Meistens beginnt man mit dem weissen Hut, um die In-
formationslage abzuklären. Dabei stellt sich oft heraus, dass man die weitere Diskussion verschieben
muss, da noch zu wenige Informationen vorhanden sind. So erspart man sich lange Diskussionen, bevor
man einsieht, dass mehr Informationen benötigt werden. Danach ist die Reihenfolge relativ offen: Der
gelbe Hut sollte immer vor und der grüne immer nach dem schwarzen Hut angewendet werden. Damit
können erstmals die Vorteile genannt werden und die negativen Aspekte des schwarzen Hutes nachher
kreativ gelöst werden (S. 39).
Neben diesem strukturierten Prozess kann es aber auch schon genügen, im Rahmen einer gewöhnlichen
Diskussion jemandem zum Beispiel den gelben oder grünen Hut zuzuteilen, um bei den Beteiligten ein
generelles Umdenken auszulösen (de Bono, 1996, S. 80).
3 KREATIVITÄTSTECHNIKEN IN DER PRAXIS
3.1 Brainstorming
Das Brainstorming ist äusserst simpel anzuwenden. Folglich haben sich in der Vergangenheit bereits zahl-
reiche Unternehmungen dieser Kreativitätstechnik bedient. Da die Technik keine Vorkenntnisse erfordert
und zudem kaum Moderationsmaterial benötigt wird, ist das Einsatzgebiet des Brainstormings grundsätz-
lich nicht beschränkt.
Barodte, Boutellier und Montagne (2008) berichten von einem Projekt zur Einführung eines Risiko-
managements, in welchem das Elektrizitätswerk Obwalden (EWO) vom ETH RMT [Risiko-Management-
Team der Eidgenössisch Technischen Hochschule Zürich] unterstützt wurde. Dabei diente ein Brainstor-
ming dazu, Ursachen für verschiedene Risikofaktoren des EWO zusammenzutragen. Barodte et al. kom-
mentieren das Vorgehen:
. . . jeder Teilnehmer die häufigsten Ursachen zu jedem Toprisiko notierte und anschliessend der
Gruppe präsentierte. Dadurch wurden pro Toprisiko fünf bis 12 Ursachen identifiziert, welche der
Workshopmoderator inklusive Beschreibung festhielt. Zur Bewertung der Ursachen erhielt jeder
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Teilnehmer pro Risiko fünf Punkte, welche er nach Häufigkeit vergeben konnte. Das Resultat zeigte
die Ursachen der internen Toprisiken und deren Bewertung nach Häufigkeit auf. (S. 139)
Dieses Praxisbeispiel zeigt die professionelle Anwendung des Brainstormings in einer Unternehmung. Die
Technik kann folglich ohne weiteres in einen grösseren Prozess, in diesem Beispiel in die Einführung eines
Risikomanagements, integriert werden.
Des Weiteren verweisen Higgins und Wiese (1996) auf andere konkrete Praxisverwendungen des Brain-
stormings. Zwecks Qualitätssicherung setzte beispielsweise FedEx zur Erörterung verschiedener Probleme
in der Unternehmung erfolgreich ein Brainstorming ein. Ausserdem fand die Kreativitätstechnik bei AT&T
Anwendung. Um die Schwächen der Strategie zu eruieren, wurden die wirtschaftsstrategischen Szenarien
des nächsten Jahrhunderts mittels eines Brainstormings ermittelt (S. 129). Die beiden Beispiele zeigen,
dass sich auch international renommierte Unternehmungen des Brainstormings bedienen und dessen
Anwendungen äusserst vielfältig sind.
Als weitere Anwendungsmöglichkeit schreiben Craig, Davis und Samuelson (2006), dass der Harvard Busi-
ness Review zusammen mit dem Weltwirtschaftsforum Ideen zu Trends, Produkten und Strategien des
Jahres 2006 durch den Einsatz eines Brainstormings sammelte. Die weltweit 20 besten Inputs wurden
daraufhin weiterverfolgt. Dieses Beispiel zeigt somit, dass das Brainstorming nicht nur in kleinen Gruppen,
sondern auch global eingesetzt werden kann.
3.2 Methode 635
Da die Methode 635 grundsätzlich eine Weiterentwicklung des Brainstormings ist und somit noch nicht
gleich lange existiert, sind Praxisbeispiele bedeutend schwieriger zu finden. Zudem ist diese Kreativitäts-
technik nicht im gleichen Mass verbreitet.
Blum (2001) berichtet jedoch von einem Projekt der Sommeruniversität Blossin, wo sich 30 Schülerinnen
und Schüler verschiedenen Alters- und Schulstufen aus diversen EU-Staaten mit einer Unternehmens-
gründung beschäftigten. Die Methode 635 diente dabei dazu, Ideen zur Umsetzung bereits erarbeiteter
Einzelprojekte auszuarbeiten. Das Beispiel zeigt, dass die Methode 635 bereits während der obligatori-
schen Schulzeit ihre Anwendung findet und zudem, wie in diesem Beispiel, auch als Mosaikstein eines
grossen Projektes eingesetzt werden kann.
Einen weiteren interessanten Ansatz dokumentieren Dill, Scharer und Spath (2001). In einem Artikel, wel-
cher sich mit der methodischen Unterstützung beim Prozess der Entstehung von neuen Produkten be-
schäftigt, wird die Methode 635 explizit erwähnt. Dill et al. betonen dabei einen in diesem Fall entschei-
denden Vorteil dieser Kreativitätstechnik: Sie bietet insbesondere die Möglichkeit einer anonymen Durch-
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führung. Beim Brainstorming ist dies beispielsweise nicht möglich. Auch ein Moderator ist bei der Anwen-
dung der Methode 635 nicht erforderlich. Im oben erwähnten Beispiel wurde der Vorteil der Anonymität
ausgeschöpft und das Verfahren computerunterstützt durchgeführt.
Es ist gut denkbar, dass die Möglichkeit der anonymen Anwendung oft den Ausschlag zugunsten der Me-
thode 635 geben könnte. Wird heute doch nicht selten beobachtet, dass sich einzelne Individuen mit
ihren Positionen nicht gerne öffentlich äussern, ist dieser Vorteil gross. Durch das Fehlen eines Modera-
tors fällt zudem eine offene hierarchische Gliederung weg, was wiederum eine entspanntere Atmosphäre
schafft und somit den Grundstein für kreatives Denken legt.
3.3 Bionik
3.3.1
Technische Bionik
Das Atlantic-Hotel in Hamburg wurde gemäss Rudelt (2007) mit einem Oberflächenmaterial bemalt, das
den Lotus-Effekt beinhaltet. Das Blatt der Lotusblüte ist dank mikroskopisch kleiner Noppenstruktur voll-
ständig wasserabweisend und selbstreinigend. Reye (2007) erklärt, dass der von Willhelm Barthlott (Uni-
versität Bonn) patentierte Lotus-Effekt mittlerweile bei Autolackierungen, Dachziegeln, Spezialgläsern bei
Kameras an Autobahnen und Textilien verwendet wird.
Auch im Spitzensport hält die Bionik Einzug: Bei den Olympischen Spielen in Athen 2004 gewannen Athle-
ten mit dem Schwimmanzug von Speedo gemäss Beck (2008) insgesamt 46 Medaillen. Die stromlinien-
förmige Oberflächenstruktur dieses Schwimmanzugs orientiert sich an der Haut von Haien. Die Unter-
nehmung Speedo weiss um den enormen Marketingeffekt in einem Markt, der gemäss Beck alleine in den
USA auf 4.3 Billionen USD Marktvolumen geschätzt wird.
Die Unternehmung Gottlieb Binder entwickelt gemäss Gorb (2007) zusammen mit dem Max-Planck-
Institut einen Haftstoff, der dasselbe Prinzip nutzt wie Fliegen, Bienen oder Geckos, wenn sie an den De-
cken und Wänden krabbeln. Der Schweizer de Mestral hat gemäss Barthlott und Cerman (2006) den heu-
te weltbekannten Klettverschluss aufgrund des Klett-Labkrauts mit seiner Unternehmung Velco 1951
patentieren lassen. Leishman (2004) weist darauf hin, dass auch der Gyrocopter10 den Flug der Ahornsame
technisch umsetzte. Allgemein lassen sich aus einer historischen Perspektive vor allem die Aviatik und die
Nautik als Paradebeispiele für Bionik anführen. Von Da Vinci bis Lilienthal nutzten viele Erfinder ihre Er-
kenntnisse aus der Natur.
10 "The Gyrocopter [...] is characterized [...] as an aircraft having an overhead, freely turning rotary wing (rotor
blades). The aircraft flies in constant autorotation, powered by an engine-driven propeller that provides
forward thrust. Lift is created by air flowing aft and upward through the moving rotor blades, which are tilted
back on their mast mount. A variable pitch mechanism allows the Hawk to make smooth vertical takeoffs by
increasing rotor pitch via the collective and adding power. At liftoff, the prerotation system automatically
disengages, enabling normal, autorotative forward flight." (Scott, 1992)
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3.3.2
Schwarmintelligenz
Heuer (2006, S. 155) nennt im Rahmen der Schwarmintelligenz Icosystem und BiosGroup als die beiden
einzigen bekannten Unternehmen, die eine Beratung aufgrund der Schwarmintelligenz anbieten. Bi-
osGroup wurde unterdessen von NuTech übernommen. Eric Bonabeau (zit. In Heuer, 2006, S. 155), Vor-
standsvorsitzender von Icosystem, erklärt, dass neben dem US-Militär Vertreter beinahe sämtlicher Bran-
chen zu ihren Kunden gehören. Gleichzeitig betont er das grosse Bedürfnis nach Geheimhaltung und er-
klärt damit die spärliche Informationsbereitschaft seiner Unternehmung und seiner Klienten: ,,This is
competitive intelligence". Bei seiner Konkurrenz sieht die Situation etwas anders aus: Hier stehen gleich
mehrere Case Studies zur Verfügung11. Ausserdem kann die Plattform des eigentlichen Kernstücks der
Optimierungsprozesse, des Agentenmodells, sogar als Software heruntergeladen werden12. Die in der
Software integrierten Beispiele zeigen zwar das immense Potential dieser Art von Modellen auf, aber für
den Laien nützt das Programm aus unserer Sicht kaum etwas. Vielmehr erkennt man nun die eminente
Relevanz des bestimmten Algorithmus, den man für das entsprechende Problem anwenden muss.
Aus der Case Study von NuTech (2003) über die Optimierung des Frachtgeschäfts der Fluggesellschaft
Southwest Airlines wird ersichtlich, dass dort ein Algorithmus analog einer Ameisengemeinschaft ange-
wendet wurde. Vor der Optimierung schickten die Mitarbeiter eine Luftfracht mit dem nächsten verfügba-
ren Flug in die entsprechende Richtung des Zielorts. Dort musste die Fracht dann aber eventuell nochmals
umgeladen werden und verursachte wieder Engpässe und dementsprechend Geld- und Zeitverlust. Nach
der Optimierung wurden die Mitarbeiter angewiesen, sämtliche Frachten nur noch in Flugzeuge zu verla-
den, die den Zielflughafen anfliegen, auch wenn dazwischen noch viele Zwischenstopps liegen und die
Fracht so meistens auch etwas später verschickt werden konnte. Das Resultat:
By using the recommended routing strategy for putting cargo on "same plane" flights, the amount
of freight handled by ground personnel was reduced by 20%, and the amount of freight that was
handled multiple times was reduced by 75%, allowing Southwest to increase its cargo revenues by
$10 million without incurring additional labour costs.
Heuer (2006, S. 155) ergänzt hier, dass der ganze Optimierungsprozess (Recherche und Simulation)
Southwest insgesamt nur 60′000 USD kostete.
Eine ähnliche Optimierung im Transportwesen führte NuTech auch bei der texanischen American Air Li-
quide durch. Bülow (2007) präzisiert hier, dass das Nahrungssuchverhalten der argentinischen Ameise
Linepithema humile als Vorbild genommen wurden. Auch hier können gemäss der Case Study (2005) jähr-
11 Vgl. www.nutechsolutions.com/lit_featured.asp, gefunden am 04. Mai 2008.
12 Vgl. www.nutechsolutions.com/ibe_simulation.asp, gefunden am 04. Mai 2008.
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lich 6 Millionen USD gespart werden. Heuer (2006, S. 153) nennt Eli Lilly, Schlumberger, Unilever und
General Motors als weitere Anwender der Schwarmintelligenz. Er nennt auch Procter & Gamble als Bei-
spiel, die dank der Produktoptimierung von NuTech über 300 Mio USD eingespart haben. Weder in der
Case Study von NuTech (2003) noch im Text von Heuer selbst findet sich allerdings ein Hinweis, dass diese
Einsparung tatsächlich dank Erkenntnissen aus der Biologie gemacht werden konnten. Vielmehr zeigt sich
hier die Effizienz des komplexen und kybernetischen Ansatzes des Agenten-Modells. Bei einigen Erfolgs-
meldungen ist also Vorsicht geboten.
Trotzdem: In Zukunft werden wohl noch viele weitere Unternehmungen die Erkenntnisse der noch jungen
Schwarmintelligenzforschung nutzen. Zum Abschluss zwei Zitate zweier bekannter Experten auf diesem
Gebiet:
,,Ich vermute, dass wir in Zukunft für die
,,Die Natur ist ein Unternehmen, das in
Führung eines Unternehmens [...] mehr aus
Millionen Jahren nicht Pleite gemacht hat."
den biologischen Wissenschaften als aus den
Frederic Vester (zit. in Nöllke, 2006, S. 246)
Wirtschaftswissenschaften lernen können."
Fredmund Malik (2000, S. 83)
3.4 Morphologische Analyse
Gemäss Higgins und Wiese (1996) findet diese Technik hauptsächlich in Gruppen Anwendung. Sie halten
jedoch fest, dass auch einzelne bereits erfolgreich damit gearbeitet haben. Bevor man die morphologische
Analyse einsetzt, sollte man sich einiger Tatsachen bewusst sein. So erklärt TriSolver Consulting (2002)
beispielsweise, dass zur Erreichung einer optimalen Lösung je Morphem höchstens 100 Varianten zu be-
rücksichtigen sind. Eine höhere Zahl verschiedener Ausprägungen führe oft zu Verwirrung.
In der Literatur sind einige konkrete Praxisanwendungen dokumentiert. Mit der Distributionspolitik hat
sich etwa Kaapke (2003) beschäftigt. Mittels morphologischer Analyse wollte er auf die optimale Kombi-
nation der verschiedenen Parameter (beispielsweise Ort des Kaufes, Initiative zum Interaktionsprozess
etc.) schliessen. Kaapke schreibt jedoch, dass die Gliederung in die verschiedenen Varianten äussert prob-
lematisch ist. Es ergeben sich folglich viele Mischformen. Ein Verkaufswagen beispielsweise, geht einer-
seits auf die Kunden zu, indem er verschiedene Gemeinden ansteuert. Andererseits bewegen sich dabei
auch die Käufer in Richtung Unternehmung, da der Verkaufswagen normalerweise nicht gleich vor dem
Haus hält. Hier liegt also eine Mischform, welche sich schwer in einer morphologischen Matrix fassen
lässt, vor.
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Matthias Bachmann
und deren Einsatz in der Praxis
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Des weitern empfehlen Aurich, Barbian, Fuchs und Jenne (2002) den Einsatz eines morphologischen Kas-
tens im Serviceproduktentwicklungsprojekt. Aurich et al. sehen diese Kreativitätstechnik als ersten Schritt
in der Projektdurchführung vor. Als Beispiel wird in der Literatur dabei eine zweidimensionale morpholo-
gische Matrix abgebildet. Beschriftet ist diese Tabelle ohne dritte Dimension jedoch als morphologischer
Kasten. Dieser Umstand lässt erkennen, dass der Begriff des morphologischen Kastens im Alltag oft mit
der morphologischen Matrix gleichgesetzt wird, was jedoch nicht korrekt ist.
3.5 Die Hutwechsel-Methode
Als die Hutwechsel-Methode 1986 in japanischer Sprache publiziert wurde, bat der CEO der Nippon Te-
lephone and Telegraph (NTT) seine leitenden Mitarbeiter, das entsprechende Buch13 von Edward de Bono
zu lesen. NTT war mit 350′000 Mitarbeitern eine der grössten Unternehmungen und an der Börse höher
gehandelt als die fünf höchstkapitalisierten amerikanischen Unternehmen zusammen. Nach sechs Mona-
ten seien die Mitarbeiter der Führungsebene dank der Hutwechsel-Methode merklich kreativer und kon-
struktiver geworden.
Bei IBM wurde die Hutwechsel-Methode 1990 als Kernprogramm in Schulungen integriert und stand im
Jahre 1996 unter anderem auch bei Du Pont und Prudential hoch im Kurs, weil sie auf Anhieb anwendbar
sei und spürbare Ergebnisse zeige (De Bono, 1996, S. 73).
Als der bekannte Mars-Riegel seinen grossen Marktanteil immer schlechter verteidigen konnte, wurden
unter anderem mit Hilfe der Hutwechsel-Methode neuere Produktvarianten wie Mars King Size, Mars
Celebrations oder Mars Ice Cream lanciert (Landale, 2005, S. 36). Gemäss Suzik (1999) wird die Hutwech-
sel-Methode bei der ABB Corp Research Oy in Vaasa, Finnland vor allem genutzt, um die Interaktion zwi-
schen verschiedenen Kulturen zu erleichtern. "The Six Thinking Hats is useful for levelling the cultural playing
field in a multinational company like ABB.", sagt Alex D′Anci, Kreativitätstrainer und Schulungsleiter bei ABB.
Gemäss dem Artikel ,,Innovative, creative" (1997) haben auch Unternehmen wie die NASA, Texas Instru-
ments, Siemens oder Federal Express viel in die Hutwechsel-Methode investiert. Gemäss Thompson und
Brooks (1997) haben auch Unternehmen wie Monsanto, Royal Bank, Disney, Thomson Corporation, Bell,
Hewlett Packard, Bank of Montreal oder Ciba Vision Schulungsprogramme für die Hutwechsel-Methode
eingerichtet. Erwähnenswert ist dabei, dass die Hutwechsel-Methode bei Disney, Royal Trust und Cam-
bridge Shopping Centres auch spezifisch zur strategischen Planung angewendet wird.
Weichbrodt und Fey (2004) berichten ausführlich über die Einführung der Hutwechsel-Methode bei der
Brühne Baustoff und Transport GmbH & Co. KG in Dortmund. So verzichtete man auf das effektive aufset-
13 De Bono, E., (1986). Six Thinking Hats. London: Penguin Books.
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zen der Hüte, um die Vorbehalte gegenüber der Methode möglichst klein zu halten. Mit den Hutfarben
bedruckte Karten lagen aber als Erinnerung jeweils auf dem Tisch. Es genügte, dass der Moderator konse-
quent auf die Einhaltung der Perspektiven beharrte. Die Einstellung der Mitarbeiter gegenüber der Me-
thode ist sehr unterschiedlich: Von absoluter Begeisterung bis zur Verurteilung als ,,unseriöses Hüt-
chenspiel" sind alle Meinungen vertreten. Trotzdem zeigte sich sehr schnell, dass die Effizienz von Mee-
tings genau dann stieg, wenn die Hutwechsel-Methode angewendet wurde. Ausserdem ist eine Steige-
rung der Fähigkeit zur Selbstreflexion und zum Perspektivenwechsel bei den Führungskräften feststellbar.
Die Frage ,,welchen Hut haben Sie auf?" taucht mittlerweile ganz selbstverständlich auf oder der Mitarbei-
ter gibt von sich aus automatisch bekannt, welchen Hut er auf hat. Dieser Prozess geschieht völlig unver-
krampft und mit dem nötigen Mass an Humor.
4 FAZIT
Abschliessend kann festgehalten werden, dass Kreativität durchaus lernbar ist, Kreativitätstechniken so-
wohl in Gruppen wie auch von Einzelpersonen angewendet werden können und in der Praxis problemlos
in Ideenfindungs- und Problemlösungsprozessen integriert werden. Sämtliche untersuchten Kreativitäts-
techniken werden in der Praxis vielfältig eingesetzt und finden vom Mikrobetrieb bis zum Internationalen
Grosskonzern Anwendung. In der Literatur werden dabei teilweise äusserst viele Methoden als Kreativi-
tätstechniken bezeichnet, wobei das in unsere Arbeit integrierte St. Galler Problemlöseschema diese Viel-
falt an Methoden aber durch die klare Zielsetzung ,,Entwicklung von (Lösungs-) Varianten" im betriebs-
wirtschaftlichen Kontext unseres Erachtens sinnvoll einschränkt.
In Anbetracht der breiten Verwendung von Kreativitätstechniken in der Praxis erscheint es uns hilfreich,
die Grundlagen dieser Methoden zu kennen. Ausserdem haben wir in unserer Arbeit aufgezeigt, dass dank
den mit Hilfe von Kreativitätstechniken gefundenen Lösungen teilweise beträchtliche Einsparungen ge-
macht werden können. Wir erachten es aber nicht nur darum als fundamental notwendig, dass diese
Techniken entsprechend in der Unternehmenskultur verankert werden; schliesslich können die Kreativi-
tätstechniken auch als Plattform zur Integration von verschiedenen Kulturen genutzt werden , zur Verbes-
serung der Kommunikation innerhalb der Unternehmung dienen und vor allem zur Ausschöpfung des
kreativen Potentials der Mitarbeitenden beitragen. Gerade Letzteres ist heute unerlässlich, da genau jene
gesamtheitliche Nutzung des vorhandenen kreativen Potentials der Mitarbeiter die im hart umkämpften
und globalen Wettbewerb dringend benötigte Innovation fördert. Somit haben Kreativitätstechniken so-
wohl monetär wie auch kulturell einen durchaus positiven Einfluss auf die langfristige Entwicklung der
Geschäftstätigkeit einer Unternehmung.
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Eine Übersicht der wichtigsten Kreativitätstechniken
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Matthias Bachmann
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Thomas Kühne
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Matthias Bachmann
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Eine Übersicht der wichtigsten Kreativitätstechniken
Matthias Bachmann
und deren Einsatz in der Praxis
Thomas Kühne
ABBILDUNGSVERZEICHNIS
Abbildung 1
Die St. Galler Entscheidungsmethodik im Überblick
Nikitin, I. (2007). Die St. Galler Entscheidungsmethodik. Schriftliche Abgabe der Präsenta-
tion im Rahmen des Unterrichts zur Entscheidungsmethodik an der HTW Chur, S. 3.
Abbildung 2
Der ,,Smartfish" orientiert sich an der Form des Thunfischs
Team SmartFish GmbH (2006). SmartFish. Retrieved May 11, 2008 at
http://www.smartfish.ch/index.cfm/fuseaction/show/path/1-2.htm.
Abbildung 3
Ansatz von Gramann (2003) zur Lösung von technischen Problemen mit Vorlagen aus der
Natur
Gramann, J. (2003). Problemmodelle und Bionik als Methode. Dissertation, Technische
Universität München (Abbildung 6-2, S. 98). Gefunden am 05. März 2008 unter
http://tumb1.biblio.tu-muenchen.de/publ/diss/mw/2004/gramann.pdf.
Abbildung 4
Titelblatt des Magazins ,,Nature" vom 03. Februar 2005
Faculty of Biological Sciences, University of Leeds (2008). Leadership by numbers. Retrie-
ved April 25, 2008 at http://www.fbs.leeds.ac.uk/research/nature0502/cover.htm.
Tabelle 1
Die Kreativität des Einzelnen
Basierend auf: De Bono, E. (1996). Serious creativity: die Entwicklung neuer Ideen durch
die Kraft lateralen Denkens (S. 218). Stuttgart: Schäffer-Poeschel.
Tabelle 2
Die Kreativität in der Gruppe
Basierend auf: De Bono, E. (1996). Serious creativity: die Entwicklung neuer Ideen durch
die Kraft lateralen Denkens (S. 218). Stuttgart: Schäffer-Poeschel.
Tabelle 3
Hutwechsel-Methode
Basierend auf: De Bono, E. (1996). Serious creativity: die Entwicklung neuer Ideen durch
die Kraft lateralen Denkens (S. 74-76). Stuttgart: Schäffer-Poeschel.
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Eine Übersicht der wichtigsten Kreativitätstechniken
Matthias Bachmann
und deren Einsatz in der Praxis
Thomas Kühne
ANHANG
Abbildung 1
Ausführliche Auflistung diverser Kreativitätsmethoden
Keiser, C. (2003). Ideenfindungs- und Kreativitätsmethoden im analogen und digitalen
Umfeld. Semesterarbeit, Eidgenössische Technische Hochschule, Zürich. (Tabelle B.1, S.
A-3). Gefunden am 15. April 2008 unter http://www.icvr.ethz.ch/vrai_english/projekte/
fertigprojekte/crion/crion_data/components/Kreativit%E4tsmethoden%20Bericht.pdf.
Abbildung 2
Ansatz von Zerbst
Zerbst, E. (1987). zit. in Gramann, J. (2003). Problemmodelle und Bionik als Methode.
Dissertation, Technische Universität München. (Abbildung 4-12, S. 73). Gefunden am 05.
März 2008 unter http://tumb1.biblio.tu-muenchen.de/publ/diss/mw/2004/
gramann.pdf.
Abbildung 3
Ausschnitt aus der Assoziationsliste von Gramann
Gramann, J. (2003). Problemmodelle und Bionik als Methode. Dissertation, Technische
Universität München (S. 145). Gefunden am 05. März 2008 unter http://tumb1.biblio.tu-
muenchen.de/publ/diss/mw/2004/gramann.pdf.
Abbildung 4
Beispiel eines morphologischen Kastens
Eigene Abbildung.
Abbildung 5
Beispiel einer morphologischen Matrix
Karger, P. & Wrobel D. (2008). Morphologie. In Bundesministerium des Innern (Hrsg).
Handbuch für Organisationsuntersuchungen und Personalbedarfsermittlung. (Kapitel
6.4.4). Berlin: BMI. Gefunden am 11. Mai 2008 unter
http://www.orghandbuch.de/cln_047/nn_413962/
OrganisationsHandbuch/DE/6__MethodenTechniken/64__Kreativtechniken/
644__Morphologie/morphologie-node.html?__nnn=true
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Matthias Bachmann
und deren Einsatz in der Praxis
Thomas Kühne
Abbildung 1: Ausführliche Auflistung diverser Kreativitätsmethoden
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Matthias Bachmann
und deren Einsatz in der Praxis
Thomas Kühne
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Eine Übersicht der wichtigsten Kreativitätstechniken
Matthias Bachmann
und deren Einsatz in der Praxis
Thomas Kühne
Abbildung 2: Ansatz von Zerbst
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Eine Übersicht der wichtigsten Kreativitätstechniken
Matthias Bachmann
und deren Einsatz in der Praxis
Thomas Kühne
Abbildung 3: Ausschnitt aus der Assoziationsliste von Gramann
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Matthias Bachmann
und deren Einsatz in der Praxis
Thomas Kühne
Abbildung 4: Beispiel eines morphologischen Kastens
Ausprägungsformen einer Flasche:
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Matthias Bachmann
und deren Einsatz in der Praxis
Thomas Kühne
Abbildung 5: Beispiel einer morphologischen Matrix
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