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Scholary Paper (Seminar), 2007, 22 Pages
Author: Sophie Männel
Subject: German Studies - Modern German Literature
Details
Tags: Dürrenmatts, Mondfinsternis, Besuch, Dame, Entstehungshintergründe, Gegenüberstellung
Year: 2007
Pages: 22
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 11 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-22115-8
ISBN (Book): 978-3-640-23000-6
File size: 100 KB
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Abstract
Friedrich Dürrenmatts Tragikkomödie „Der Besuch der alten Dame“ ist eines seiner bekanntesten Werke und erfreut sich auch heute noch, über fünfzig Jahre nach seiner Veröffentlichung, großer Beliebtheit. Es gehört zum Standardrepertoire zahlreicher Bühnen und steht nach wie vor, zusammen mit „Die Physiker“, auf den Lehrplänen deutscher Schulen. Doch nur die Wenigsten wissen, dass „Der Besuch der alten Dame“ aus der Grundidee für die Novelle „Mondfinsternis“ hervorging. Dies soll der vorliegenden Hausarbeit als Ansatz dienen. Im ersten Teil der Arbeit setze ich mich mit der Entstehungsgeschichte von „Der Besuch der alten Dame“ und „Mondfinsternis“ auseinander. Im zweiten Teil werden die Inhalte der beiden Werke vorgestellt. Auf drei bedeutende Unterschiede, nämlich den Geschlechtsunterschied der beiden Hauptfiguren und die sich daraus ergebenden unterschiedlichen Motive soll dabei besonders eingegangen werden. Der Schwerpunkt soll im dritten und wichtigsten Teil, der Vorstellung und Gegenüberstellung der Figuren, liegen. Den Abschluss bildet ein kurzes Fazit.
Excerpt (computer-generated)
Dürrenmatts ,,Mondfinsternis" und ,,Der Besuch der alten
Dame"
-
Entstehungshintergründe und eine vergleichende
Gegenüberstellung
I
Inhaltsverzeichnis
1. Hinführung
Seite 01
2. Von ,,Mondfinsternis" zu ,,Der Besuch der alten Dame"
Seite 01
2.1. Entstehung und Veröffentlichung der Novelle ,,Mondfinsternis"
Seite 01
2.2. Die Idee zu ,,Der Besuch der alten Dame"
Seite 02
2.3. Aufführung und Rezeption des Stückes ,,Der Besuch der alten Dame"
Seite 03
3. Inhalte der Werke
Seite 04
4. Die Figuren - eine Gegenüberstellung
Seite 07
4.1 Claire Zachanassian - Walt Lotcher
Seite 07
4.2 Alfred Ill - Adolf Mani
Seite 10
4.3 Die Flötenbacher - Die Güllener
Seite 12
4.4 Zachanassians Gefolge - Die schwarze Dohle
Seite 15
5. Fazit
Seite 17
6. Literaturverzeichnis
Seite 19
II
1. Hinführung
Friedrich Dürrenmatts Tragikkomödie ,,Der Besuch der alten Dame" ist eines seiner
bekanntesten Werke und erfreut sich auch heute noch, über fünfzig Jahre nach seiner
Veröffentlichung, großer Beliebtheit. Es gehört zum Standardrepertoire zahlreicher
Bühnen und steht nach wie vor, zusammen mit ,,Die Physiker", auf den Lehrplänen
deutscher Schulen. Doch nur die Wenigsten wissen, dass ,,Der Besuch der alten Dame"
aus der Grundidee für die Novelle ,,Mondfinsternis" hervorging. Dies soll der
vorliegenden Hausarbeit als Ansatz dienen.
Im ersten Teil der Arbeit setze ich mich mit der Entstehungsgeschichte von ,,Der
Besuch der alten Dame" und ,,Mondfinsternis" auseinander. Im zweiten Teil werden die
Inhalte der beiden Werke vorgestellt. Auf drei bedeutende Unterschiede, nämlich den
Geschlechtsunterschied der beiden Hauptfiguren und die sich daraus ergebenden
unterschiedlichen Motive soll dabei besonders eingegangen werden.
Der Schwerpunkt soll im dritten und wichtigsten Teil, der Vorstellung und
Gegenüberstellung der Figuren, liegen. Den Abschluss bildet ein kurzes Fazit.
2. Von ,,Mondfinsternis" zu ,,Der Besuch der alten Dame"
Entstehungsgeschichtlich lassen sich drei Hauptphasen unterscheiden: Den
ursprünglichen Ansatz zu einer Novelle, die Umwandlung des Stoffs zu einem
theatertauglichen tragikkomischen Stück mit dem Titel ,,Der Besuch der alten Dame",
welches Dürrenmatts Welterfolg begründete, und letztendlich die Wiederaufnahme der
Novelle ,,Mondfinsternis" im Rahmen des Stoffe-Projekts. Im Folgenden soll darauf
näher eingegangen werden.1
2.1 Entstehung und Veröffentlichung der Novelle ,,Mondfinsternis"
Über die Entstehung der Novelle Mondfinsternis ist nur sehr wenig überliefert. Am 7.
Februar 1953 hält Dürrenmatt in seinem Notizbuch die Worte ,,Idee zur
Mondfinsternis" fest. Aus Dürrenmatts Aussagen geht jedoch hervor, dass die im
1 Vgl. Rusterholz/Wirtz 2000: S. 180
1
Nachlass überlieferten Fragmente des Stückes erst 1955 entstanden. Durch die
Umwandlung des früheren Ansatzes zur Novelle ,,Mondfinsternis" entsteht im selben
Jahr die Tragikkomödie ,,Der Besuch der alten Dame". Erst mehr als dreiundreißig
Jahre nach der Niederschrift der
Alten Dame
greift Dürrenmatt die ,,Mondfinsternis" im
Rahmen seines Stoffe-Projekts wieder auf:2
,,Ich habe letzthin in meiner noch unveröffentlichten Prosa den Versuch der
Rekonstruktion einer Novelle unternommen, die ich früher einmal begonnen hatte, von
der aber nur noch eine Seite übrig war."3
Die Erinnerungen an einen Bergdorfaufenthalt im Jahre 1941 vor Beginn seines
Studiums, und an das merkwürdige Aussehen des Vollmondes, das er als Student in
Bern in einer nebligen Winternacht beobachtet hatte, regten ihn dazu an.4
Er beginnt schließlich im Februar 1978 mit der Rekonstruktion der Erzählung und
bringt sie im Verlauf des Jahres in mehreren Überarbeitungsetappen zur Vollendung.5
2.2 Die Idee zu ,,Der Besuch der alten Dame"
In einem Gespräch über seine Werke mit Horst Bienek (1961) erläutert Friedrich
Dürrenmatt die Entstehung der tragischen Komödie ,,Der Besuch der alten Dame":
,,Zuerst hatte ich den Grundeinfall zur Story, zur Geschichte. Ich versuchte, eine
Novelle zu schreiben, Titel: Mondfinsternis. Die Geschichte spielte sich in einem
Bergdorfe ab, aus Amerika kehrte ein Auswanderer heim und nahm Rache an seinem
alten Rivalen. Das war die erste Phase. Dann die zweite: Aus dem Auswanderer wurde
eine Frau, die Multimilliardärin Claire Zachanassian. Aus dem Bergdorf: Güllen."6
Zu dieser ,,zweiten Phase" wurde Dürrenmatt bei einer Bahnfahrt angeregt. Er fuhr von
Neuenburg nach Bern und wieder zurück. Ihm fiel auf, dass in Kerzers und Ins
Schnellzüge anhielten an. Wenn diese Züge dort nicht mehr halten würden, wäre das der
Beginn des wirtschaftlichen und sozialen Abstiegs der beiden Dörfer, so glaubte
2 Vgl. Rusterholz/Wirtz 2000: S. 180
3 Song 2006: S. 60
4 Vgl. ebd: S. 60
5 Vgl. Rusterholz/Wirtz 2000: S. 181
6 Dürrenmatt 1996: S. 124
2
Dürrenmatt. Diese Tatsache regte ihn zum Nachdenken an und er beschloss sein
geplantes Theaterstück auf einem kleinen Dorfbahnhof beginnen zu lassen.7
Doch dies war nicht seine einzige Motivation. Dürrenmatt war in Schulden geraten und
da er der Meinung war, dass man die Novelle ,,Mondfinsternis" nur hätte schwer auf der
Bühne darstellen können, kam er auf die Idee sie in ein Theaterstück zu verwandeln.
,,Ich sah darin eine bessere Möglichkeit, Geld zu verdienen, als mit dem Schreiben
einer Novelle.
[...]
Und wie von selbst verwandelte sich im Weiterdenken das Bergdorf
in Güllen und Walt Lotcher in Claire Zachanassian."
8
Dürrenmatts geistiger Antrieb beim Schreiben des Stückes ,,Der Besuch der alten
Dame" war weniger der literarische Ruhm, sondern vielmehr der Ausweg aus seiner
finanziellen Zwangslage.
2.3 Aufführung und Rezeption des Stückes ,,Der Besuch der alten Dame"
Friedrich Dürrenmatts ,,tragische Komödie" in drei Akten wurde am 29. Januar 1956
unter der Regie von Oskar Wälterlin im Schauspielhaus Zürich uraufgeführt (mit
Therese Giehse als Claire Zachanassian und Gustav Knuth als Ill). ,,Der Besuch der
alten Dame" wurde zum uneingeschränkten Publikumserfolg der Spielsaison 1956 und
des Folgejahres. Es begründete Dürrenmatts Weltruhm als Bühnenautor und
Dramatiker.
In kurzer Zeit folgten Erstaufführungen auf allen großen Bühnen der Welt, unter
anderem in Japan, Paris, England, Warschau und New York.9 Man könnte es als Ironie
verstehen, dass der größte Zuspruch dabei von eben der gesellschaftlichen Schicht kam,
die mittels dieses Stückes kritisiert werden sollte.10
Dürrenmatt gab dem Stück ursprünglich den Untertitel ,,Komödie der Hochkonjuktur"
und betonte damit die Entwicklung der Schweiz in der Nachkriegszeit, die durch
Wohlstand und die Jahre der wirtschaftlichen Hochkonjunktur 1952 bis 1958 geprägt
war. Später wählte Dürrenmatt den Untertitel ,,eine tragische Komödie", wobei der
künstlerische Aspekt nun mehr als der politische und gesellschaftliche Hintergrund in
7 Vgl. Knopf 1976: S. 90
8 Goertz 1987: S. 69
9 Vgl. Knapp 1993: S. 83
10 Vgl. Knopf 1976: S. 92
3
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