Register or log in at GRIN

Your e-mail-address or password is wrong
Register now
For new authors: free, easy and fast
This will be used as your user name, please specify a valid e-mail address

Lost password

Your e-mail-address or password is wrong

Request a new password
Formen und Funktion der Konstruktion australischer Geschichte in Thomas Keneally... close

Please wait

Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.

Formen und Funktion der Konstruktion australischer Geschichte in Thomas Keneallys "The Playmaker" und David Maloufs "The Conversations at Curlow Creek"

Examination Thesis, 2008, 79 Pages
Author: Julia Emde
Subject: English Language and Literature Studies - Linguistics

Details

Category: Examination Thesis
Year: 2008
Pages: 79
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 53  Entries
Language: German
Archive No.: V118823
ISBN (E-book): 978-3-640-21708-3
ISBN (Book): 978-3-640-21722-9
File size: 325 KB

Abstract

[…] Diese Arbeit wird sich mit der Haltlosigkeit essentialistischer Geschichtskonzeptionen beschäftigen, indem zunächst in Kapitel zwei die Idee der Geschichtswissenschaft als objektiver Rekonstruktion der Vergangenheit widerlegt wird. Dabei soll auf die Theorie der Différance von Jacques Derrida eingegangen werden, die zeigt, dass alle Bedeutungen nur im Kontext der Zeichensysteme einer Kultur erzeugt werden, womit auch die teleologische Geschichtsschreibung als kulturelles Konstrukt zu betrachten ist. […] Darauf aufbauend wird das Konzept der Nation problematisiert, und verdeutlicht, inwiefern bestimmte Vorstellungen über das Phänomen der Nation in der Vergangenheit zu Gräueltaten und Diskriminierung geführt haben. […] Danach wird in Kapitel drei der Bogen zur australischen Geschichte geschlagen, und auf Probleme der populären australischen Geschichtsschreibung hingewiesen. Im Besonderen soll dabei auf die Erfahrung des Exils, als Schlüsselerlebnis im australischen Bewusstsein, eingegangen werden. Anschließend wird die frühe Phase der Kolonisierung in New South Wales näher beleuchtet, und veranschaulicht, inwiefern das historische Wissen über diese Zeit durch literarische Werke und Mythen geprägt wurde. […] Vor diesem Hintergrund soll schließlich in Kapitel vier anhand der zwei Romane The Playmaker, von Thomas Keneally, und The Conversations at Curlow Creek, von David Malouf, der literarische Umgang zeitgenössischer Schriftsteller mit dem kolonialen Erbe demonstriert und analysiert werden.


Excerpt (computer-generated)

Universität zu Köln
Englisches Seminar

Schriftliche Hausarbeit im Rahmen der Ersten Staatsprüfung für das
Lehramt für die Sekundarstufe II mit Zusatzprüfung für die Sekundarstufe
I, dem Landesprüfungsamt für Erste Staatsprüfungen für Lehrämter an
Schulen in Köln vorgelegt

Formen und Funktion der Konstruktion australischer Geschichte in Thomas Keneallys "The Playmaker" und David Maloufs "The Conversations at Curlow Creek"

Julia Emde

 

Inhaltsverzeichnis


1. Einleitung ... 3

2. Die Begriffe der Geschichte und Geschichtsschreibung ... 9

2.1 Im Fokus poststrukturalistischer Theorien ... 11
2.1.1 Die Différance ... 11
2.1.2 Diskurs und Macht ... 15
2.1.3 New Historicism und Cultural Materialism ... 19
2.2 Im Fokus postmoderner Theorien ... 24
2.2.1 Das Konzept der Nation ... 24
2.2.2 Historiographische Metafiktion ... 29

3. Australiens koloniales Erbe ... 34

3.1 Problematisierung der Geschichtsdarstellung ... 34
3.2 Exile ... 39
3.3 Convicts und Bushrangers ... 42

4. Entwürfe australischer Geschichte ... 47

4.1 The Playmaker ... 47
4.1.1 Fakt und Fiktion ... 47
4.1.2 Raum und Zeit ... 49
4.1.3 Theater und Identität ... 53
4.2 The Conversations at Curlow Creek ... 57
4.2.1 Erinnerung ... 57
4.2.2 Reconciliation ... 59
4.2.3 Legenden und Träume ... 64

5. Schlussbemerkung ... 70

6. Literaturverzeichnis ... 73

 

 

1. Einleitung

Beim Stichwort Australien wird der heutige Leser wahrscheinlich zunächst an einen modernen Industriestaat denken. Des Weiteren ist Australien in Deutschland vor allem als fernes aber beliebtes Reiseziel bekannt, das mit seinen klimatischen und landschaftlichen Reizen, wie dem Great Barrier Reef oder dem Ayers Rock, sowie den Metropolen Sydney und Melbourne lockt. Die Bezeichnung Ayers Rock ist jedoch schon vor längerer Zeit aus Respekt vor der Kultur der Ureinwohner Australiens, die diesen Ort als heilige Stätte verehren, in Uluru umbenannt worden. Dieser Begriff, so Therese-Marie Meyer sei in Deutschland aber nicht geläufig, was für sie ein Zeichen dafür ist, dass "despite – or because of – tourism and the internet, Australian culture and literature have remained largely unknown in Germany“ (178). In Deutschland, so Meyer, würde Australien immer noch im Hinblick auf landschaftliche und naturbezogene Klischees definiert, was auf den mangelnden kulturellen Dialog beider Länder hinweise (Meyer, Australia 178). Deshalb beschränkt sich der Bekanntheitsgrad australischer Literatur in Deutschland, ihrer Ansicht nach, auch hauptsächlich auf Werke der kommerziellen Populärliteratur, die das Verlangen der deutschen Leserschaft nach exotischem Lesestoff über den fünften Kontinent befriedigen (178). Autoren, die sich gesellschaftskritisch mit der australischen Kultur und Politik auseinander setzen, sind außerhalb der Universitäten hingegen kaum bekannt.

Fragt man nach den Gründen für diesen Zustand, so sind diese in der Geschichte Australiens und damit unweigerlich auch in der Geschichte Englands, sowie der geschichtlichen, kulturellen und politischen Verflochtenheit dieser beiden Länder zu finden. Denn obgleich Australien heute eine Industrienation ist, so darf man nicht vergessen, dass dieses Land als politischer Staat noch relativ jung ist, und erst 1901 formell von England unabhängig wurde. Deshalb ist Australien heute zeitlich betrachtet ein postkoloniales Land, dessen Staatsoberhaupt allerdings immer noch die englische Königin ist. Während der Zeit der Kolonisierung, die in Australien seit 1788 systematisch betrieben wurde, entwickelten sich in Europa, durch Tagebücher und Reiseberichte von Kolonisten, sowie durch literarische Werke, Vorstellungen von Australien als Hölle und unnatürlichem Gegensatz zu Europa. Des weiteren betrachtete man Australien als ein einziges großes Gefängnis, da England den Kontinent dazu nutzte, um seine Kriminellen und Verbrecher, für die es in englischen Gefängnissen keine Kapazitäten mehr gab, dorthin abzuschieben (Brydon and Tiffin 39/40). Australien wurde dabei politisch wie kulturell von England dominiert und durch den Prozess des othering marginalisiert, also gegenüber Europa als minderwertig dargestellt (Brydon and Tiffin 42). Durch diese Stigmatisierung Australiens während der Kolonialzeit bildeten sich Klischees, die noch lange Zeit nachwirken sollten, so dass man das Land noch Mitte des 20. Jahrhunderts als "second-rate derivation of Britain“ (Curthoys, Cultural History 23) betrachtete. Eine eigene australische Kultur und Geschichte wurde dem Land nicht zugestanden, was sich z.B. daran zeigte, dass in australischen Schulen die Imperialgeschichte Englands unterrichtet wurde, in der Australien nur eine untergeordnete Rolle spielte (Brydon and Tiffin 49). In Universitäten standen fast ausschließlich Werke britischer Autoren auf dem Lehrplan, die die Kolonie als naturgegeben, andersartig und minderwertig darstellten. Somit musste sich Australien an britischen Werten und Traditionen orientieren und messen lassen, wobei sowohl Aborigines, als auch anglokeltische Australier diskriminiert wurden. Diese Erfahrung führte dazu, dass auch heute noch viele Australier europäischer Abstammung an einem Minderwertigkeitskomplex, dem "cultural cringe“ (Brydon and Tiffin 50), leiden. Die Tatsache, dass die Existenz einer eigenständigen australischen Kultur, die sich seit dem Beginn der Kolonialzeit, entwickelt hatte, geleugnet oder als Kopie des englischen Originals betrachtet wurde, ist dabei die Ursache für die bis heute andauernde Unbekanntheit oder Verzerrung der australischen Kultur in Deutschland. Wobei hier, im Hinblick auf die Aborigines, nicht der Eindruck erweckt werden soll, dass es in Australien vor der Ankunft der Europäer keine Kultur gegeben hätte.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entwickelten sich in Australien zwar bereits starke nationalistische Strömungen, die schließlich die politische Unabhängigkeit des Landes erwirkten, doch bedeutete diese formelle Loslösung von England keinesfalls den kulturellen Bruch mit der Kolonialmacht. Australien verstand sich weiterhin als Teil einer "pan-Britishness“ (Meaney 121). Diese Britishness beruhte dabei vor allem auf rassistischen Theorien und Vorstellungen, die nur ′weiße′ Australier als rechtmäßige Einwohner des Landes anerkannte: "Australia′s Britishness was a white Britishness [...]“ (Meaney 126). Somit wurden essentialistische europäische Konzepte übernommen, die auch heute noch die australische Gesellschaft prägen, wie z.B. die Vorstellungen einer modernen Nation und ihrer Geschichte. Als australische Historiker begannen, die Geschichte Australiens aus der Perspektive der ehemaligen Kolonie zu schreiben, orientierten sie sich an europäischen Geschichtskonzeptionen, die sich durch ihre "teleology of constitutional progress“ (Curthoys, Cultural History, 24) auszeichneten. Durch die Übernahme dieses Verständnisses entstand eine lineare Geschichtsschreibung, die die Entwicklung Australiens von einer primitiven Kolonie hin zu einer florierenden Nation mit britischen Idealen und Errungenschaften beschrieb. Dabei wurde die Enteignung der Urbevölkerung gänzlich ausgeklammert (Curthoys, Cultural History 25). Erst durch den wachsenden Druck der Bürgerrechtsbewegungen in den späten 1960er Jahren, die den nationalen und internationalen Rassismus zu einer öffentlichen Debatte machten, änderte sich die Auffassung von Geschichte. Historiker widmeten sich nun vermehrt der Geschichte indigener Völker. Seit den 1980er Jahren schließlich begann man die australische Nationalgeschichte im Rahmen kulturtheoretischer Modelle zu analysieren. Dabei haben sich besonders postkoloniale Theoretiker mit den imperialen und nationalen Diskursen, in deren Kontext sich die Mischung aus Nationalismus, Rassismus und imperialer Loyalität der weißen australischen Gesellschaft entwickeln konnte, beschäftigt, und somit zur Denaturalisierung des Konzepts der Nation beigetragen (Curthoys, Cultural History, 28). Die Nation und ihre Geschichte wurden als Konstrukte enttarnt, die keineswegs natürliche Elemente, sondern vielmehr Erfindungen der menschlichen Psyche sind.

Das Konzept der einen, allein gültigen Geschichte wurde im Zuge dieser Entwicklung durch das Aufkommen unterschiedlicher Perspektiven auf die Vergangenheit, wie z.B. feministische Sichtweisen, zunehmend zerstückelt, so dass es heute nicht mehr möglich ist, von Geschichte als einer einzigen wahren Rekonstruktion der Vergangenheit zu sprechen. Dies wiederum führte dazu, dass auch das Verhältnis von Fakten und Fiktionen bzw. von Realität und Literatur, unter Berücksichtigung menschlicher Wahrnehmungsmechanismen, hinterfragt wurde. Das Resultat war, dass poststrukturalistische und postmoderne Kritiker den Objektivitäts- und Wahrheitsanspruch der Geschichtswissenschaft als haltlos und unbegründet zurückwiesen, indem sie die absolute Wahrheit als Illusion enthüllten. Ihrer Auffassung entsprechend, sind auch Autoren fiktionaler Romane oder Dramen in der Lage, Geschichten zu schreiben, und Versionen der Vergangenheit zu konstruieren, die nicht weniger authentisch, wahr und gültig sind, als die von Historikern. Postmoderne Schriftsteller entwerfen dabei bewusst Gegenentwürfe zu traditionellen Geschichtsdarstellungen, um ihre Leserschaft für Pluralität und Unterschiede in der Gesellschaft zu sensibilisieren.

 

[...]


 


Comments

No comments yet

Add Comment
Your comment is reviewed before being published

Other users also were interested in the following titles:

Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit

Author: Claudia Nickel
Presentations, Models, Tutorials, Instructions, 2006 Download as PDF-file for 4,99 EUR

Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens

Author: Maik Philipp
Presentations, Models, Tutorials, Instructions, 2004 Download as PDF-file for 5,99 EUR

This text can be quoted and accessed from this url:

http://www.grin.com/e-book/118823/formen-und-funktion-der-konstruktion-australischer-geschichte-in-thomas
please wait Please wait