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Scholary Paper (Seminar), 2006, 31 Pages
Author: Lars Wegner
Subject: History - National Socialism, World War II
Details
Institution/College: Martin Luther University (Geschichte)
Tags: Fall, Paul, Merker, Antisemitismus, Grundlage, Schauprozess, Schauprozesse, Stalinisierung
Year: 2006
Pages: 31
Bibliography: ~ 9 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-22142-4
File size: 198 KB
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Abstract
Warum wurde gerade Paul Merker (*01.02.1894 - †13.05.1969) zur Hauptperson eines eventuellen Schauprozesses in der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands auserkoren? Augenscheinlich scheint seine Vita nur eine unter mehreren der kommunistischen Politiker in der Nachkriegszeit zu sein. Aber doch, so scheint es zumindest in Anbetracht der geschichtlichen Ereignisse, muss ein Unterschied vorliegen und diesen gilt es zu verdeutlichen. Nähert man sich dem Untersuchungsgegenstand ‚Merker’, so stößt man auf ein durchaus zwiespältiges Bild. Auf der einen Seite wären da Historiker, wie Wolfgang Kießling und Jeffrey Herf zu nennen, die dem Leser die Person Merkers als einen integren, makellosen, sozialistischen Helden, der ganz im Gegensatz zur ‚finsteren Machtclique’ um Ulbricht stand, vermitteln. Ihre Arbeiten lassen oftmals leider, neben der reichhaltigen Fülle an wissenschaftlich auswertbaren Materialien, kritische Anmerkungen und die Berücksichtigung globaler Zusammenhänge vermissen. Derart kann nun jedoch beim Leser der Eindruck entstehen, Merker wäre zeitlebens mehr gewesen, als ein, wenn auch nicht gänzlich unbedeutender Teil im großen Gesamtgefüge der KPD- bzw. der später daraus entstehenden SED-Politik. Andere neuere Ansätze, wie die eines Stefan Meining oder einer Karin Hartewig nähern sich dem Untersuchungsgegenstand wesentlich kritischer und mehrdimensionaler. Zugleich können sie aber nicht auf eigene reale Erfahrungen mit dem ‚Objekt der Betrachtungen’, wie sie Kießling hat, rekurrieren. Ihr Motiv, die ‚uneingeschränkte’ Kritik an der Person und dessen Umfeld wirkt daher manchmal zwanghaft und allzu künstlich. Insbesondere bei der pauschalisierten Verknüpfung von Entscheidungen sowjetischer und ost-deutscher Nachkriegspolitik mit angeblich existierenden aber nicht klar belegbaren antisemitischen Vorurteilen der Akteure treten daher Mängel zu Tage. An diesen Stellen wird offensichtlich, dass sich den oben angeführten ‚merkophilen’ nun klar ‚merkophobe’ Tendenzen entgegenstellen. Inwiefern nun diese neuerliche subjektive Betrachtung im folgenden Aufsatz einem zu starren Schema unterliegt, mögen andere entscheiden. Fakt ist, damit reiht sich eine weitere Meinung in den großen Reigen der vielen Deutungen ein. Und vielleicht besteht das Ziel wissenschaftlicher Arbeit gerade darin, die kleinsten gemeinsamen Nenner der sich hier gegenüberstehenden Positionen herauszuarbeiten, um das Wahrscheinlichste zu erhalten.
Excerpt (computer-generated)
Martin-Luther-Universität Halle/Wittenberg
Institut für Geschichte
Proseminar: Schauprozesse als Stalinisierung...
Der Fall Paul Merker und der Antisemitismus als mögliche Grundlage für einen deutschen Schauprozess
Lars Wegner
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung ... 2
2 Der Merker-Prozess ... 3
3 Die Karriere des Politikers P. Merker vom ersten bis zum Ende des zweiten Weltkrieges
3.1 P. Merkers politisches Verständnis und seine Rolle in der KPD von 1918 bis 1935 ... 4
3.2 P. Merker beim Versuch einer Volksfrontbildung und deren Ende durch den ‚Hitler-Stalin-Pakt’ ... 6
3.2.1 Der Versuch einer einheitlichen Oppositionsbildung ... 6
3.2.2 Der ‚Hitler-Stalin-Pakt’ und seine Folgen ... 8
3.3 P. Merker und seine Verbindungen zu N. Field ... 10
3.4 P. Merker in der mexikanischen Emigration ... 11
3.5 P. Merkers Vision des deutsch-jüdischen Verhältnisses nach dem Sturz des Hitlerregimes ... 12
3.6 P. Merkers Freundschaft zu H. Mann ... 13
4 P. Merkers Heimkehr ins ‚Neue Deutschland’ und seine Rolle im Machtapparat der sich formierenden SED ... 15
4.1 Die Grundlagen des Wiedergutmachungsstreites in der SBZ ... 15
4.2 P. Merkers Rolle im Machtapparat der sich neu formierenden SED und ihre Stellung zur Wiedergutmachungsfrage ... 16
4.3 Die Neuauflage des stalinistischen Terrors im Kampf gegen den ‚amerikanischen Imperialismus’ ... 18
4.4 P. Merker im Netz der stalinistischen Säuberungen in der SED ... 20
4.4.1 P. Merkers Parteiausschluss ... 20
4.4.2 Von der Verhaftung P. Merkers bis zum Prozessbeginn ... 22
5 Fazit ... 25
1 Einleitung
Warum wurde gerade Paul Merker (*01.02.1894 - †13.05.1969) zur Hauptperson eines eventuellen Schauprozesses in der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands auserkoren? Augenscheinlich scheint seine Vita nur eine unter mehreren der kommunistischen Politiker in der Nachkriegszeit zu sein. Aber doch, so scheint es zumindest in Anbetracht der geschichtlichen Ereignisse, muss ein Unterschied vorliegen und diesen gilt es zu verdeutlichen. Nähert man sich dem Untersuchungsgegenstand ‚Merker’, so stößt man auf ein durchaus zwiespältiges Bild. Auf der einen Seite wären da Historiker, wie Wolfgang Kießling und Jeffrey Herf zu nennen, die dem Leser die Person Merkers als einen integren, makellosen, sozialistischen Helden, der ganz im Gegensatz zur ‚finsteren Machtclique’ um Ulbricht stand, vermitteln. Ihre Arbeiten lassen oftmals leider, neben der reichhaltigen Fülle an wissenschaftlich auswertbaren Materialien, kritische Anmerkungen und die Berücksichtigung globaler Zusammenhänge vermissen. Derart kann nun jedoch beim Leser der Eindruck entstehen, Merker wäre zeitlebens mehr gewesen, als ein, wenn auch nicht gänzlich unbedeutender Teil im großen Gesamtgefüge der KPD- bzw. der später daraus entstehenden SED-Politik.
Andere neuere Ansätze, wie die eines Stefan Meining oder einer Karin Hartewig nähern sich dem Untersuchungsgegenstand wesentlich kritischer und mehrdimensionaler. Zugleich können sie aber nicht auf eigene reale Erfahrungen mit dem ‚Objekt der Betrachtungen’, wie sie Kießling hat, rekurrieren. Ihr Motiv, die ‚uneingeschränkte’ Kritik an der Person und dessen Umfeld wirkt daher manchmal zwanghaft und allzu künstlich. Insbesondere bei der pauschalisierten Verknüpfung von Entscheidungen sowjetischer und ost-deutscher Nachkriegspolitik mit angeblich existierenden aber nicht klar belegbaren antisemitischen Vorurteilen der Akteure treten daher Mängel zu Tage. An diesen Stellen wird offensichtlich, dass sich den oben angeführten ‚merkophilen’ nun klar ‚merkophobe’ Tendenzen entgegenstellen.
Inwiefern nun diese neuerliche subjektive Betrachtung im folgenden Aufsatz einem zu starren Schema unterliegt, mögen andere entscheiden. Fakt ist, damit reiht sich eine weitere Meinung in den großen Reigen der vielen Deutungen ein. Und vielleicht besteht das Ziel wissenschaftlicher Arbeit gerade darin, die kleinsten gemeinsamen Nenner der sich hier gegenüberstehenden Positionen herauszuarbeiten, um das Wahrscheinlichste zu erhalten.
2 Der Merker-Prozess
In der Sitzung vom 29. und 30. März des Jahres 1955 lautete das Urteil des ‚Ersten Strafsenats des Obersten Gerichts der DDR’, „in der Strafsache gegen den Kellner Paul Merker“ (Herf 1994, S. 643ff.): „Wegen Verbrechen gegen Artikel 6 der Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik und Kontrollratsgesetz Nr. 10 Art. II Ziff. 1a vom 20. Dezember 1945, in Verbindung mit Abschn. II Art. III A III der Direktive des Kontrollrats Nr. 38 vom 12. Oktober 1946, wird der Angeklagte Paul Merker zu 8 – acht – Jahren Zuchthaus verurteilt.“ Diesem Passus folgten die Nennungen weiterer Einschränkungen, für die Zeit nach seiner Freilassung. Bei der Analyse des Urteils kann man sich nur unschwer des Eindrucks erwehren, dass Merker durch den Vollzug der ihm auferlegten strafrechtlichen Sühnemaßnahmen zur ‚Unperson’ gemacht werden sollte. Worin lagen nun die Verstöße Merkers gegen die genannten Artikel und welche weiteren Verfehlungen benannte das Gericht in der Anklageschrift?
1. 1924, gehörte Merker zum rechten, versöhnlerischen Flügel der KPD;
2. 1930, äußerte er sektiererische und trotzkistische Auffassungen;
3. 1930, vertrat er eine der Parteilinie entgegen gesetzte Tendenz;
4. 1930, lehnte er es ab, der KPD bei der Organisation der Gewerkschaftsarbeit zu helfen
und
5. setzte sich nach den USA ab, wo er in engstem Kontakt zu Earl Browder stand;
6. 1936-42, zeigte er politische Inaktivität bei seiner Arbeit für die KPD in Frankreich;
7. 1939, machte er gegen die Politik des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt Stimmung;
8. 1939, unterstützte er die Registrierung und daraus resultierende Liquidierung der KPD in Frankreich;
9. 1942, flüchtete er aus der Internierung mit Hilfe einer jüdischen Hilfsorganisation, den von der KPF
10. befassten Beschluss, im besetzten Frankreich Untergrundarbeit zu leisten, erkannte er nicht an;
11. 1942-46, tat er sich durch einen ‚repressiven’ Machtanspruch innerhalb der KPD-Exilgruppe hervor;
12. 1942, deckte er den Spion Otto Katz und entfernte die beschuldigenden Genossen ausder Partei, mit
13. diesem Beschluss zerstörte er auch die politische Arbeit der KPD innerhalb der Emigration und
14. vergrößerte den Einfluss kapitalistischer jüdischer Emigranten, zudem
15. setzte er sich für die Entschädigung jüdischer Kapitalisten ein und
16. lehnte die der antifaschistischen Widerstandskämpfer ab, all diese Handlungsweisen entsprachen
17. nicht dem Interesse des deutschen Volkes, sondern denen des amerikanischen Imperialismus;
18. 1942-46 betrieb er in Mexiko die gezielte Verdunkelung seiner politischen Aktivität;
19. 1949, führte er mit dem Agenten Slánský mehrere interne Besprechungen in Prag durch und
20. er pflegte die Verbindungen zu weiteren inzwischen überführten und verurteilten Agenten.
[...]
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