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Subtitle: Argumentationsanalyse an einem ausgewählten Literaturbeispiel
Intermediate Diploma Thesis, 2006, 22 Pages
Author: Verena Imke
Subject: Pedagogy: Common Didactics, Educational Objectives
Details
Tags: Begründung, Konzept, Offener, Unterricht
Year: 2006
Pages: 22
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 5 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-22150-9
ISBN (Book): 978-3-640-22344-2
File size: 134 KB
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Abstract
Spätestens seit PISA und TIMMS ist die Diskussion über das bestehende deutsche Schulsystem neu entfacht. Der Ruf nach Veränderung und Reformierung wird immer lauter. Nicht nur auf wissenschaftlicher Seite, auch von Politik, Wirtschaft und Eltern wird gefordert, die für viele schockierenden Ergebnisse der oben angeführten Studien schnellst möglich zu verbessern um den Schülerinnen und Schülern (im Folgenden Schüler) einen besseren Start ins Leben zu ermöglichen. Im Rahmen der Diskussionen stellte sich mir die Frage, welche Konzepte zur besseren Strukturierung und Gestaltung des Unterrichts es gibt und wie diese diskutiert werden. Bei meiner Arbeit als Migrationshilfe an einer Bielefelder Grundschule bin ich auf das Konzept des offenen Unterrichts gestoßen und möchte in dieser Arbeit der Frage nachgehen, wie es begründet wird und ob diese Form des Unterrichts eine gute und erfolgbringende Alternative zur bestehenden Unterrichtspraxis sein kann. Ich habe mich entschieden das Buch von Eiko Jürgens „Die `neue` Reformpädagogik und die Bewegung Offener Unterricht“ (6.Auflage, 2004) genauer zu betrachten. Ziel der Arbeit soll sein, die Argumente von Jürgens herauszufiltern, zu schauen wie sie in seinem Buch gestützt werden und ob offener Unterricht, so wie von ihm begründet, bestimmte Prämissen (nach Paschen 1992) erfüllt. Des Weiteren möchte ich schauen, welche Pädagogik(en) im Konzept offener Unterricht enthalten ist. Die Seitenangaben beziehen sich, soweit nicht anders vermerkt auf das oben genannte Buch. In seiner Einleitung betont Jürgens zunächst einmal, dass offener Unterricht nicht gleichzeitig die Ablehnung von geschlossenen Unterrichtsformen implizieren muss. Er schreibt, dass "Offenheit und Geschlossenheit Pole eines gemeinsamen Ganzen sind und es der jeweiligen didaktischen Entscheidung bedarf, wann `offenere` und wann `geschlossenere` Lernformen für die Bewältigung bestimmter Lerninhalte bzw. Unterrichtsthemen angemessen zu sein scheinen.“ (S.16) So spricht er sich also, je nach Gegebenheiten und Lernzielen, für eine Mischung von lernzielorientierter Didaktik und der Praktizierung offenen Unterrichts aus. Aber was steckt hinter dem Begriff Offenheit? Jürgens Definition soll im Folgenden betrachtet werden.
Excerpt (computer-generated)
Schriftliche Diplom-Vorprüfung
Thema:
Begründungen vom Konzept offener Unterricht
-
Argumentationsanalyse an einem ausgewählten
Literaturbeispiel
von Verena Imke
Diplom Studiengang Erziehungswissenschaften
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
1. Einleitung 3
2. Das Problem des Begriffs der Offenheit 4
3. Argumente und deren Stützungen 5
3.1 Argumente 5
3.1.1 Das Argument veränderte familiare Lebenswirklichkeit 5
3.1.2 Das Elternerziehungsdefizit-Argument 6
3.1.3 Das Medienkonsum-Argument 9
3.1.4 Das Argument verändertes Spiel- und Freizeitverhalten 10
3.1.5 Das Argument des Umgangs mit Kulturenvielfalt 12
3.2 Stützungen 13
4. Prüfung der Argumente durch Prämissen 14
4.1 veränderte familiare Lebenswirklichkeit 14
4.2 Elternerziehung 15
4.3 Medienkonsum 16
4.4 Das Spiel- und Freizeitverhalten 16
4.5 Umgang mit Kulturenvielfalt 17
5. Prämissen bezogen auf das Gesamtkonzept 17
5.1 Alternativprämisse 17
5.2 Praxisprämisse 18
5.3 Adäquatheitsprämisse 18
5.4 Bedingungen 19
6. Schluss 20
Literaturverzeichnis 21
2
1 Einleitung
Spätestens seit PISA und TIMMS ist die Diskussion über das bestehende deutsche
Schulsystem neu entfacht. Der Ruf nach Veränderung und Reformierung wird immer
lauter. Nicht nur auf wissenschaftlicher Seite, auch von Politik, Wirtschaft und Eltern
wird gefordert, die für viele schockierenden Ergebnisse der oben angeführten Stu-
dien schnel st möglich zu verbessern um den Schülerinnen und Schülern (im Fol-
genden Schüler) einen besseren Start ins Leben zu ermöglichen. Im Rahmen der
Diskussionen stel te sich mir die Frage, welche Konzepte zur besseren Strukturie-
rung und Gestaltung des Unterrichts es gibt und wie diese diskutiert werden. Bei
meiner Arbeit als Migrationshilfe an einer Bielefelder Grundschule bin ich auf das
Konzept des offenen Unterrichts gestoßen und möchte in dieser Arbeit der Frage
nachgehen, wie es begründet wird und ob diese Form des Unterrichts eine gute und
erfolgbringende Alternative zur bestehenden Unterrichtspraxis sein kann.
Ich habe mich entschieden das Buch von Eiko Jürgens ,,Die `neue` Reformpädago-
gik und die Bewegung Offener Unterricht" (6.Auflage, 2004) genauer zu betrachten.
Ziel der Arbeit sol sein, die Argumente von Jürgens herauszufiltern, zu schauen wie
sie in seinem Buch gestützt werden und ob offener Unterricht, so wie von ihm be-
gründet, bestimmte Prämissen (nach Paschen 1992) erfül t. Des Weiteren möchte
ich schauen, welche Pädagogik(en) im Konzept offener Unterricht enthalten ist. Die
Seitenangaben beziehen sich, soweit nicht anders vermerkt auf das oben genannte
Buch.
In seiner Einleitung betont Jürgens zunächst einmal, dass offener Unterricht nicht
gleichzeitig die Ablehnung von geschlossenen Unterrichtsformen implizieren muss.
Er schreibt, dass "Offenheit und Geschlossenheit Pole eines gemeinsamen Ganzen
sind und es der jeweiligen didaktischen Entscheidung bedarf, wann `offenere` und
wann `geschlossenere` Lernformen für die Bewältigung bestimmter Lerninhalte
bzw. Unterrichtsthemen angemessen zu sein scheinen." (S.16) So spricht er sich
also, je nach Gegebenheiten und Lernzielen, für eine Mischung von lernzielorientier-
ter Didaktik und der Praktizierung offenen Unterrichts aus. Aber was steckt hinter
dem Begriff Offenheit? Jürgens Definition sol im Folgenden betrachtet werden.
3
2 Das Problem des Begriffs der Offenheit
In seinem Buch widmet Jürgens einen Abschnitt der Begriffsproblematik der Be-
zeichnung Offenheit. So konstatiert er, dass Offenheit als Terminus Einzug in die
pädagogische Sprache gehalten hat und damit für die Schulpraxis oft "konturenlos"
erscheint. (vgl. S.16) Durch die Verwendung des Begriffs können sachliche Differen-
zen entstehen und es bestehe die Gefahr, dass Offenheit als Schlagwort benutzt
werde und dadurch lediglich die Negation zu Geschlossenheit heraus gearbeitet
würde. Er schreibt, dass man bisher von keiner zugrunde liegenden Theorie päda-
gogischer Offenheit oder einer Theorie offenen Unterrichts sprechen könne. Jedoch,
so Jürgens, "(...) lassen sich eine Reihe rationaler, wissenschaftlich begründeter
Argumente für `offenere Lernformen` finden." (S.19) Auch er schließt sich Kasper
(1989) und Wal rabenstein (1991) an, welche Offenen Unterricht "(...) weiterhin
mehr als Oberbegriff zur Kennzeichnung vielfältiger unterrichtlicher Handlungs- und
Interaktionsformen (...)" verstanden sehen wol en. (ebd.) Jedoch hofft er, dass be-
stimmte Leitgedanken sich in den verschiedenen Formen wiederholen und damit
"(...) eine Art `Eckpfeilerfunktion` für die al mähliche Herausbildung einer `theoriege-
leiteten` Rahmenfunktion `Offenen Unterrichts` übernehmen könnten." (S.19). So
sieht er in einer Rahmenkonzeption die Chance die "(...) Basis für die Entwicklung
eines
theoretischen Wirkungsmodells
zu sein, das wiederum als Grundlage für die
Konzipierung und Auswertung empirischer Untersuchungen herangezogen werden
könnte." (ebd).
Er lehnt es ab, den Begriff in Hinblick auf seine semantische Grundbedeutung zu
definieren, da diese Definition weder Konkretisierung noch Rationalisierung zulasse.
Obwohl der Begriff Offenheit also zu einer Definitions- und Eingrenzungsproblematik
führe und sich eher als pädagogischer Slogan bezeichnen lasse, sieht Jürgens ge-
rade darin einen Vorteil. Er sieht "(...) griffige Slogans als einigende Kraftquel e (...)"
für praktische Pädagogik, die jedoch nicht ausreicht "(...) um als notwendig erkannte
Reformen rational zu begründen und abzusichern." (S.21) Offener Unterricht scheint
also ein Sammelbegriff zu sein. Jürgens möchte ihn als Bewegung bezeichnen,
womit er zum Ausdruck bringen will, "(...) dass es sich um eine Vielfalt von unter-
schiedlichen, zusammenströmenden Denk-, Motiv-, und Handlungsformen handelt,
denen der mehr oder weniger radikale Bruch mit der traditionel en Erziehungs- und
Unterrichtspraxis des Schulwesens gemeinsam ist." (S.24) Er möchte nicht nur dar-
4
stel en, dass das gemeinsame in der Negation des Bestehenden zu finden ist (wie
bereits vorher kritisiert), sondern auch auf die nach innen und außen wirkende Dy-
namik verweisen.
Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass Offenheit in diesem Zusammenhang
nicht genau Definierbar ist und eher als Oberbegriff für verschiedene Ansätze und
Formen von Unterricht verstanden werden sol .
3 Argumente und deren Stützungen
Im Folgenden Teil meiner Arbeit möchte ich mich mit den von Jürgens vorgebrach-
ten Argumenten für die Praktizierung offenen Unterrichts beschäftigen und untersu-
chen, wie und wodurch sie in seinem Buch Stützung erfahren. Es handelt sich um
gesel schaftliche und sozialisationstheoretische Argumente. Jürgens beschreibt die
sich veränderten Bedingungen und Aufgabenfelder der Schule. Diese führt er auf
veränderte gesel schaftliche Rahmenbedingungen zurück. So schreibt er, " Aber für
Schule stel t sich nicht nur die Frage nach den Möglichkeiten der Reaktion, sondern
vordringlicher der Aktion, d.h. was Schule tun kann, um von sich aus die Initiative
zum Handeln zu ergreifen, damit bestimmte gesel schaftliche Entwicklungen gar
nicht erst auftreten bzw. andere gefördert werden können." (S.27) Es scheint, als sei
Offener Unterricht ein Mittel, um den neuen Anforderungen an Schule gerechter zu
werden.
3.1 Argumente
An Hand einer zusammengefassten analytischen Betrachtung des heutigen Kinder-
al tags stel t er einige, für ihn besonders gravierende Veränderungen dar, durch die
sich Schule dazu veranlasst sehe, "(...) ihr Aufgaben- und Zuständigkeitsfeld inhalt-
lich neu mit anderen Schwerpunkten zu strukturieren und ggf. in einigen Bereichen
zu erweitern (...)" (S. 28)
3.1.1 Das Argument veränderte familiare Lebenswirklichkeit
Beziehungsstrukturen, und Lebensverhältnisse von Familien haben sich geändert
und das stel t für Schule veränderte Rahmenbedingungen dar, auf die sie reagieren
muss.
Zum einen bezieht sich Jürgens hier auf die veränderten Aufwachsbedingungen der
Kinder. 80% der Kinder wachsen als Einzelkinder oder mit einem Geschwisterteil
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