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Subtitle: Kindertheologie als bibeldidaktischer Weg
Termpaper, 2008, 21 Pages
Author: Christina Busch
Subject: Theology - Didactics, Religion Pedagogy
Details
Institution/College: University of Osnabrück
Tags: Kinder, Bibel, Religionspädagogik/, Bibeldidaktik
Year: 2008
Pages: 21
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 13 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-22020-5
ISBN (Book): 978-3-640-23005-1
File size: 144 KB
Eine sehr gute Arbeit, die in überzeugender Gliederung die aktuelle bibeldidaktische Herausformung beschreibt und mit dem Programm der Kindertheologie diskursiv verbindet.
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Abstract
Kindertheologie als eine von Kindern selbst hervorgebrachte Theologie ist in den letzten Jahren auf breite Resonanz gestoßen. Verstanden als ein dreidimensionales Programm einer Theologie der Kinder, für Kinder und mit Kindern wird Kindertheologie zunehmend in das Bildungsprogramm von Kindergärten, Vorschulen und Schulen integriert, um durch eine bewusste Förderung kindlicher Theologie, d.h. einer selbsttätigen Entfaltung theologischer Kompetenzen, gleichsam eine umfassende und vielseitige Selbstbildung des Kindes zu gewährleisten, letztlich mit dem Ziel der `Entwicklung zu einer gemeinschaftsfähigen und eigenverantwortlichen Persönlichkeit´. Der Wandel im Kindesbild und das Vertrauen in die kindliche Kompetenz, eigenständig religiöse Vorstellungen entwickeln und reflektieren zu können, spielen dabei neben weiteren wesentlichen Grundsätzen des Programms, z.B. einer grundlegenden Ernstnahme kindlicher Äußerungen, eine entscheidende Rolle.1 Kindertheologie als Programm erstreckt sich über verschiedene Bereiche, die sowohl das eigenständige und selbsttätige Fragen-Stellen und Nachdenken der Kinder z.B. über Gott als auch das bewusste Theologisieren mit Kindern durch Eltern, ErzieherInnen und LehrerInnen implizieren. An dieser Stelle, an der Kommunikation und Interaktion zu tragenden Elementen des Umgangs mit Kindern und ihrer Theologie sowie kindliche Vorstellungen durch biblische Bezüge herausgefordert werden, setzt der religionspädagogische Ansatz der Bibeldidaktik ein. Wenngleich die bibeldidaktischen Aufgaben vielfältig sind, lassen sich doch grob auf einen Aspekt zusammenfassen: Bibeldidaktik soll den Zugang zu biblischen Texten durch Schaffung eines entsprechenden Rahmens ermöglichen, sodass subjektive Erfahrungen mit biblischen Traditionen in Verbindung gebracht werden können. Die Auslegung biblischer Texte durch Kinder bildet dabei eine nicht unbedeutsame Rolle. Wie deuten und verstehen Kinder biblische Texte? Kann man Kinder, wenn doch bereits als Theologen tituliert, dann nicht auch als eigenständige Exegeten bezeichnen? [...]
Excerpt (computer-generated)
Universität Osnabrück
Abgabedatum: 26.09.2008.
Fachbereich 03: Erziehungs- und
Kulturwissenschaften
SS 2008
Profilmodul: Religionspädagogik
Seminar: Neutestamentliche Wundergeschichten
im Religionsunterricht
Hausarbeit:
Wie verstehen Kinder die Bibel?
Kindertheologie als bibeldidaktischer Weg
Verfasserin:
Christina Busch
Zwei-Fach-Bachelor
Erziehungswissenschaften/
Evangelische Theologie
4. Semester
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Kindliche Exegese im Kontext der Bibeldidaktik 2
2.1 Die Bibeldidaktik: ein Überblick 2
2.2 Kinder als Exegeten? 5
3. Wie deuten Kinder biblische Geschichten? 9
3.1 Kindliche Interpretationen des Gleichnisses vom `verlorenen Schaf´ 10
4. Resümee 14
5. Literaturverzeichnis 17
1. Einleitung
Kindertheologie als eine von Kindern selbst hervorgebrachte Theologie ist in den letz-
ten Jahren auf breite Resonanz gestoßen. Verstanden als ein dreidimensionales Pro-
gramm einer Theologie
der
Kinder,
für
Kinder und
mit
Kindern wird Kindertheologie
zunehmend in das Bildungsprogramm von Kindergärten, Vorschulen und Schulen in-
tegriert, um durch eine bewusste Förderung kindlicher Theologie, d.h. einer selbsttäti-
gen Entfaltung theologischer Kompetenzen, gleichsam eine umfassende und vielseitige
Selbstbildung des Kindes zu gewährleisten, letztlich mit dem Ziel der `Entwicklung zu
einer gemeinschaftsfähigen und eigenverantwortlichen Persönlichkeit´. Der Wandel im
Kindesbild und das Vertrauen in die kindliche Kompetenz, eigenständig religiöse Vor-
stellungen entwickeln und reflektieren zu können, spielen dabei neben weiteren wesent-
lichen Grundsätzen des Programms, z.B. einer grundlegenden Ernstnahme kindlicher
Äußerungen, eine entscheidende Rolle.1
Kindertheologie als Programm erstreckt sich über verschiedene Bereiche, die sowohl
das eigenständige und selbsttätige Fragen-Stellen und Nachdenken der Kinder z.B. über
Gott als auch das bewusste Theologisieren mit Kindern durch Eltern, ErzieherInnen und
LehrerInnen implizieren. An dieser Stelle, an der Kommunikation und Interaktion zu
tragenden Elementen des Umgangs mit Kindern und ihrer Theologie sowie kindliche
Vorstellungen durch biblische Bezüge herausgefordert werden, setzt der religionspäda-
gogische Ansatz der Bibeldidaktik ein. Wenngleich die bibeldidaktischen Aufgaben
vielfältig sind, lassen sich doch grob auf einen Aspekt zusammenfassen: Bibeldidaktik
soll den Zugang zu biblischen Texten durch Schaffung eines entsprechenden Rahmens
ermöglichen, sodass subjektive Erfahrungen mit biblischen Traditionen in Verbindung
gebracht werden können. Die Auslegung biblischer Texte durch Kinder bildet dabei
eine nicht unbedeutsame Rolle. Wie deuten und verstehen Kinder biblische Texte?
Kann man Kinder, wenn doch bereits als Theologen tituliert, dann nicht auch als eigen-
ständige Exegeten bezeichnen?
Zur Klärung dieser Leitfragen soll im Folgenden zunächst der bibeldidaktische Ansatz
selbst ausgeführt und neben einer überblickhaften Darstellung der wesentlichen Grund-
sätze und Aufgaben auch seine Bedeutung für das Programm einer Kindertheologie
herausgestellt werden, bevor dann in einem nächsten Schritt die kindliche Exegese unter
vorheriger Berücksichtung der wissenschaftlichen Auslegungsmethodik beleuchtet und
1 Vgl. Bucher (2002): S.9ff. , Schweitzer (2003): S.9ff. sowie Kunze-Beiküfner (2008): S.47ff.
1
anhand eines Beispiels aus der Gattung der Gleichnisse untermauert werden soll. Den
Abschluss dieser Arbeit bildet dann ein Resümee, in dem alle wesentlichen Aspekte
kindlicher Deutung hinsichtlich der kindertheologischen und bibeldidaktischen Überle-
gungen noch einmal ausblickhaft zusammengefasst werden sollen.
Um dem Rahmen dieser Arbeit gerecht zu werden, bedarf es jedoch diverser Einschrän-
kungen: So werden weder die Geschlechtlichkeit der Kinder noch die einzelnen Gattun-
gen der Bibel berücksichtigt werden können.
2. Kindliche Exegese im Kontext der Bibeldidaktik
Das zunehmende Bemühen um eine Kindertheologie als eine von Kindern selbst her-
vorgebrachte und in dem Sinne selbsttätig entwickelte Theologie, in der Kinder die
Möglichkeit haben, ihre Gedanken über religiöse Aspekte auf ihre eigene Weise, d.h.
ohne belehrende Eingriffe von Seiten Erwachsener zu äußern und zu reflektieren, führt
letztlich dazu, Kinder als eigenständige Theologen zu bezeichnen, die in ihren theologi-
schen Kompetenzen und Einsichten durch Anregungen gefördert werden sollen. Dieses
kindertheologische Selbstverständnis schließt dabei sowohl die Entwicklung von Got-
tesbildern und anderen religiösen Glaubensinhalten als auch die Deutung biblischer Ge-
schichten mit ein.2 Hinsichtlich eines angemessenen, kindgerechten Umgangs mit kind-
lichen Vorstellungen und Deutungen ist dabei vor allem der im Folgenden näher auszu-
führende Ansatz einer Bibeldidaktik von besonderer Bedeutung.
2.1 Die Bibeldidaktik: ein Überblick
,,Die Religionspädagogik, in der Form, wie sie sich in der Neuzeit entwickelt hat,
nämlich als das Bemühen, Kindern einen angemessenen Zugang zum Glauben zu
ermöglichen, ist immer von bibeldidaktischen Überlegungen ausgegangen."3
Ein Blick auf die bibeldidaktische Entwicklung macht deutlich, dass Überlegungen hin-
sichtlich eines angemessenen Umgangs mit der Bibel im Religionsunterricht seit dem
Beginn der Entwicklung bewusst durchdachter Konzeptionen desselben stets eine be-
deutsame Rolle gespielt haben. Dem heutigen Verständnis von Bibeldidaktik und Reli-
gionsunterricht sind zahlreiche Konzepte und Ansätze vorausgegangen, die sich wie ein
2 Vgl. Bucher (2002): S.9ff. sowie Müller (2003): S.19.
3 Schori (1999):S.19.
2
roter Faden durch das 20. Jahrhundert ziehen. Im Vordergrund hat dabei stets die Frage
nach einem möglichen Zugang zu biblischen Texten gestanden, ein Zugang, mit dem
die Bedeutung der Bibel als Glaubenszeugnis bzw. Wort Gottes und der Inhalt der ein-
zelnen Texte angemessen vermittelt werden kann.4 Eine detaillierte und vergleichende
Darstellung der einzelnen Entwicklungsschritte und Konzepte wird an dieser Stelle je-
doch kaum möglich sein, da diese dem Rahmen der Arbeit nicht gerecht werden könnte,
sodass im Folgenden vorwiegend das aktuelle Bild der Bibeldidaktik mit Blick auf seine
Bedeutung für das Programm einer Kindertheologie im Fokus stehen wird.
Der religionspädagogische Ansatz der Bibeldidaktik hat seine Operationen zur Er-
schließung bibischer Texte stets auf der Voraussetzung eines `homogenen Kontexts´
gegründet, d.h. auf die mehr oder weniger wechselseitige Verbindung von historisch
bedeutenden Traditionen und der individuellen sowie sozialen Wirklichkeit, wobei den
Traditionen stets eine unbedingte Legitimität und Anerkennung zugekommen war.
Dieses Bild konnte den sich zunehmend verändernden Lebens- und Denkweisen der
Gesellschaft auf Dauer jedoch nicht standhalten: Die Gesellschaft zeichnete sich zu-
nehmend durch eine Multikulturalität aus, die es nahezu unmöglich machte, die Legiti-
mität des bisher vorherrschenden Traditionssystems aufrechtzuerhalten. Vielmehr war
der gesellschaftliche Kontext durch die Entstehung pluraler Traditions- und Lebensfor-
men gekennzeichnet, was sich zwangsläufig in einer Individualisierung und Mehr-
perspektivität in Bezug auf Traditionen, Werte und Lebensweisen äußerte, sodass sich
die Religionspädagogik in der Konsequenz vor die Aufgabe gestellt sah, die bisherigen
bibeldidaktischen Überlegungen von diesen Veränderungen her neu zu konzipieren.
Bibeldidaktik ist auf diesem Hintergrund als ein unmittelbarer Bestandteil des pädago-
gischen Feldes zu betrachten, in dem das Subjekt in seiner Beziehung zur Wirklichkeit,
zur Welt und zum Menschen das Zentrum bildet, mit dem Ziel, die Selbstkonstruktion
eines autonomen Subjekts durch die Suche nach Wahrheit in der Auseinandersetzung
mit den gegenwärtigen Grundfragen des sozialen und persönlichen Lebens zu fördern.5
,,Die pädagogische Aufgabe besteht deshalb darin, alles einzusetzen, damit das
Subjekt einen Weg zu seiner Umwelt findet, seine Verantwortung wahrnimmt, sich
die Grundfragen aneignet, auf die jeweiligen Antworten kritisch hört und sie auch
4 Berg (1993): S.96ff.
5 Baumann (1999): S.34ff.
3
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