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Thesis (M.A.), 2008, 83 Pages
Author: Mathias Mayrbäurl
Subject: Musicology
Details
Tags: Messiaens, Modi, Verwendung, Musik
Year: 2008
Pages: 83
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 34 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-22173-8
ISBN (Book): 978-3-640-22360-2
File size: 498 KB
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Abstract
Die Musik des 20. Jahrhunderts präsentierte eine Dichte an Innovationen und Klangexperimenten aus verschiedensten künstlerischen Perspektiven. Man denke an die Dodekaphonie eines Schönbergs oder Hauers oder an die Entwicklung des Serialismus, an der Messiaen – wenn auch etwas unfreiwillig – maßgeblich beteiligt war. Man denke an die Einführung der Aleatorik oder die Verwendung elektronischer Musikinstrumente bis hin zur Computermusik. Messiaens Beitrag zur musikalischen Biographie dieses Jahrhunderts ist nicht zuletzt dank der Entwicklung seiner sieben Modi als eine der wichtigen Innovationen dieser Zeit zu betrachten. Seine symmetrisch aufgebauten Modi und deren fesselnde Klangästhetik sind ein noch nicht allzu oft untersuchtes Gebiet. Diese Arbeit möchte die Modi in Relation zu den zwei großen Stilausprägungen des 20. Jahrhunderts, der Klassik und des Jazz, setzen und ist daher in zwei Teile gegliedert. Der erste Teil untersucht die Modi in ihrem ursprünglichen Umfeld, der zeitgenössischen Musik des 20. Jahrhunderts. Kernfragen, die hier beantwortet werden sollen, sind: Welche Kriterien muss eine Skala erfüllen, um als Modus nach Messiaen bezeichnet werden zu können? Wie hat Messiaen seine Modi in seinen Kompositionen verarbeitet? Welches kultursoziologisches Weltbild prägte den Menschen Oliver Messiaen und wie sah sein musikalisches Umfeld aus, das ihm zur Entwicklung seiner Modi inspirierte? Wie gingen Komponisten vor dem Wirken Messiaens mit symmetrischem Tonmaterial um? Hat Messiaen mit seinen sieben Modi eine komplette Sammlung an allen möglichen symmetrischen Skalen, die die Kriterien eines Modus erfüllen, ausgeschöpft? Jeder Fragestellung ist ein Kapitel gewidmet. Der zweite Teil dieser Arbeit stellt die Modi in Verbindung zur improvisierten Musik. Hier wird der Frage nachgegangen, welche Verwendungsweisen sich bereits in der Jazzgeschichte und in der schulischen Jazzvermittlung etabliert haben. Noch nicht beachtete Verwendungsmöglichkeiten sollen in einem eigenen Kapitel ausgearbeitet werden. Die Erläuterungen und Analysen werden von kurzen Notenbeispielen unterstützt, um einen praktischen Zusammenhang zu gewährleisten. Schließlich richtet sich diese Arbeit auch an dem praktizierenden Musiker, der sein musikalisches Vokabular erweitern möchte.
Excerpt (computer-generated)
Universität für Musik und darstellende Kunst Wien
Mathias Mayrbäurl
MESSIAENS MODI UND DEREN VERWENDUNG IN DER
IMPROVISIERTEN MUSIK
MAGISTERARBEIT IN DER STUDIENRICHTUNG IGP SAXOHON (POPULARMUSIK)
AM INSTITUT FÜR POPULARMUSIK
Wien, im August 2008
SEITE 2
INHALTSVERZEICHNIS
VORWORT
4
1. EINLEITUNG
6
1.1 EINFÜHRUNG UND FRAGESTELLUNG
6
1.2 FASZINATION SYMMETRIK
7
2. OLIVIER MESSIAEN - BIOGRAPHIE
9
2.1 EINLEITUNG
9
2.2 DIE ERSTEN LEBENSJAHRE
9
2.3 STUDENT IN PARIS
11
2.4 MESSIAEN ALS KOMPONIST UND ORGANIST VOR DEM 2. WELTKRIEG
12
2.5 IN KRIEGSGEFANGENSCHAFT
14
2.6 LEHRER AM CONSERVATOIRE
16
2.7 ERFOLGE IN DER GANZEN WELT
18
2.8 1970-1992
20
3. MESSIAENS MODI
22
3.1 BEGRIFFSDEFINITION
22
3.2 STRUKTUR DER MODI
23
3.2.1 ZYKLISCHE INTERVALLSTRUKTUR
23
3.2.2 BEGRENZTE TRANSPOSITIONSMÖGLICHKEIT
24
3.2.3 FEHLENDE TONALE FIXIERUNG
24
3.3 ERSTER MODUS
25
3.3.1 STECKBRIEF
25
3.3.2 BESCHREIBUNG
26
3.3.3 VERWENDUNG
26
3.4
ZWEITER MODUS
27
3.4.1 STECKBRIEF
27
3.4.2 BESCHREIBUNG
28
3.4.3 VERWENDUNG
29
3.5
DRITTER MODUS
30
3.5.1 STECKBRIEF
30
3.5.2 BESCHREIBUNG
31
3.5.3 VERWENDUNG
31
3.6
VIERTER SIEBTER MODUS
32
3.5.1 STECKBRIEF
32
3.6.2 BESCHREIBUNG
33
3.6.3 VERWENDUNG
34
3.7
MESSIAENS FEHLER NACH KOEPF
36
SEITE 3
4. VERWENDUNG SYMMETRISCHER SKALEN VOR MESSIAEN
40
4.1 TONARTEN-DISPOSITION
40
4.2 SYMMETRISCHES TONMATERIAL
41
4.2.1 CÉSAR FRANCK
41
4.2.2 FRANZ LISZT
42
4.2.3 FRANZÖSISCHE IMPRESSIONISTEN
44
4.2.4 ALEXANDER SKRJABIN
45
5. VERWENDUNG IM JAZZ
48
5.1 MODUS 1, DIE GANZTONLEITER
48
5.1.1 AKKORDE
48
5.1.2 TUNES
49
5.1.3 PATTERNS
51
5.2 MODUS 2, DIE HALBTONGANZTONLEITER
51
5.2.1 AKKORDE
52
5.2.2 TUNES
53
5.2.3 PATTERNS
54
5.3
DIE HEXATONIK
56
5.2.3 AKKORDE
57
5.2.5 PATTERNS UND TUNES
58
5.4
HANS KOLLER
59
6. EIGENE MUSIKTHEORETISCHE AUSARBEITUNG ANHAND VON BEISPIELEN 61
6.1 DOMINATFUNKTION
61
6.1.2 V7 I MAJ7
61
6.1.2 IIM7 V7 I MAJ7
62
6.2 BLUES
63
6.3 OUTSIDE
65
6.3.1 MODALER JAZZ
65
6.3.2 ALL THE THINGS YOU ARE
66
6.4 HARMONIC GENERALIZATION
67
6.4.1 COLTRANE II-V-I
67
6.4.2 RHYTHM CHANGES
68
6.5 MELODIEFINDUNG
69
6.5.1 LACOUR
69
6.5.2 BASSLINIE
71
6.5.3 ZEITGENÖSSISCHE JAZZKOMPOSITION
71
7. ZUSAMMENFASSUNG
74
8. QUELLENVERZEICHNIS
75
ANHANG
78
ÜBER DEN AUTOR
82
SEITE 4
VORWORT
Das Thema dieser Arbeit ist untrennbar mit meinem eigenen musikalischen Werdegang
verbunden. Im zweiten Jahr meines Baccelauriatsstudiums an der Anton-Bruckner-
Privatuniversität Linz lernte ich die Modi des Olivier Messiaen kennen und auch bald zu
schätzen.
Im Rahmen des Saxophonunterrichts bei Mag. Florian Bramböck habe ich Guy Lacours
Etüdenheft "28 Éutdes sur les modes à transpositions limitées d′ Olivier Messiaen pour
saxophone" erübt. Jede Etüde dieses Bandes ist auf einem Modus oder dessen
Transposition aufgebaut. Die abstrakte und sich frei im Raum bewegende Melodieführung
faszinierte mich und rief Assoziationen an die zeitgenössische Malerei in mir wach. Seit
nunmehr acht Jahren arbeite ich an diesem Material, ohne das jemals Langeweile oder
Müdigkeitserscheinungen entstanden wären.
Im Laufe der Zeit bemerkte ich in meinen eigenen Improvisationen, dass bestimmte
Motive unbewusst Eingang in mein Spiel gefunden haben. Auch das wachsende Interesse
an zeitgenössischen Werken der Klassik wie auch des Jazz haben den Wunsch nach einer
genauen Auseinandersetzung mit diesen Skalen geprägt. Mangelnde Fachliteratur, vor
allem bezüglich der Anwendung der Modi in der improvisierten Musik, haben mich dazu
bewogen diesen Themenkomplex in meiner Master Thesis näher zu beleuchten. Ganz im
Sinne Messiaens habe ich versucht, die theoretische Aspekte der Harmonielehre nicht
federführend wirken zu lassen, sondern auch die Faszination dieser Klangästhetik und den
Menschen Olivier Messiaen zu beschreiben.
Der Blick in den Kalender zeigt, dass Zeitpunkt für diese Arbeit gut gewählt ist. Nachdem
Messiaen im Jahr 1908 geboren ist, würde er heuer seinen 100. Geburtstag feiern. Auch
wenn er, gemessen an seiner Bedeutung für die Musik der Gegenwart, noch selten
aufgeführt wird, bietet dieses Jubiläum Anlass zur intensiveren Auseinandersetzung mit
diesem faszinierenden Komponisten.
SEITE 5
Natürlich darf ein Vorwort nicht ohne Danksagung zum Ende kommen.
Mein Dank gilt meinem Betreuer Prof. Mag. Dr. Harald Huber sowie Wolfgang Puschnig,
der mich saxophonistisch durch das Magisterstudium begleitet hat.
Vor allem möchte ich mich bei meiner Familie bedanken, insbesonders bei meinem Bruder
Andreas, dessen Erfahrung im Verfassen wissenschaftlicher Arbeiten stets eine große Hilfe
war. Speziellen Dank möchte ich meiner Freundin Sabine aussprechen, die neben
emotionaler Unterstützung auch durch kritischer Analyse einen wesentlichen Beitrag zum
Gelingen dieser Arbeit geleistet hat.
Lobend müssen auch die MitarbeiterInnen der Stadtbücherei Wien mit ihrem Willen zur
Verlängerung erwähnt werden.
Wien, am 20. August 2008
SEITE 6
1. EINLEITUNG
,,Denken wir an den Hörer unserer modalen und rhythmischen Musik; er wird im Konzert
nicht die Zeit haben, die Nicht-transponierbarkeit und Nicht-umkehrbarkeit nachzuprüfen,
und diese Fragen werden ihn dann auch nicht mehr interessieren: sein einziger Wunsch
wird sein, bezaubert zu werden. Und eben das wird geschehen; ohne sein Zutun wird er
dem seltsamen Reiz der Unmöglichkeiten erliegen; eine gewisse Wirkung von tonaler
Allgegenwart in der Nicht-transponierbarkeit, eine gewisse Einheit der Bewegung (worin
sich Anfang und Ende, weil identisch, miteinander vermischen) in der Nicht-
umkehrbarkeit all dies wird ihn nach und nach zu jener Art von
theologischem
Regenbogen
führen, der die musikalische Sprache, deren Aufbau und Theorie wir
erforschen, zu sein versucht."1
Diese Worte des Komponisten und Organisten Oliver Messiaen ordnen die Musiktheorie
der emotionalen Wirkung des Klangerlebnisses unter. Die Theorie mit all ihren Regeln ist
ein Hilfswerkzeug, um schneller und präziser das gewünschte musikalische Endprodukt zu
erreichen, sei es nun in der Komposition oder in der Improvisation. Für diese Arbeit soll
dieses Plädoyer als Leitfaden dienen.
1.1 EINFÜHRUNG UND FRAGESTELLUNG
Die Musik des 20. Jahrhunderts präsentierte eine Dichte an Innovationen und
Klangexperimenten aus verschiedensten künstlerischen Perspektiven. Man denke an die
Dodekaphonie eines Schönbergs oder Hauers oder an die Entwicklung des Serialismus, an
der Messiaen wenn auch etwas unfreiwillig maßgeblich beteiligt war. Man denke an
die Einführung der Aleatorik oder die Verwendung elektronischer Musikinstrumente bis
hin zur Computermusik. Messiaens Beitrag zur musikalischen Biographie dieses
Jahrhunderts ist nicht zuletzt dank der Entwicklung seiner sieben Modi als eine der
wichtigen Innovationen dieser Zeit zu betrachten.
1 MESSIAEN, 1. Band, S. 61, 1966
SEITE 7
Seine symmetrisch aufgebauten Modi und deren fesselnde Klangästhetik sind ein noch
nicht allzu oft untersuchtes Gebiet. Diese Arbeit möchte die Modi in Relation zu den zwei
großen Stilausprägungen des 20. Jahrhunderts, der Klassik und des Jazz, setzen und ist
daher in zwei Teile gegliedert.
Der erste Teil untersucht die Modi in ihrem ursprünglichen Umfeld, der zeitgenössischen
Musik des 20. Jahrhunderts. Kernfragen, die hier beantwortet werden sollen, sind:
Welche Kriterien muss eine Skala erfüllen, um als Modus nach Messiaen bezeichnet
werden zu können? Wie hat Messiaen seine Modi in seinen Kompositionen verarbeitet?
Welches kultursoziologisches Weltbild prägte den Menschen Oliver Messiaen und wie sah
sein musikalisches Umfeld aus, das ihm zur Entwicklung seiner Modi inspirierte? Wie
gingen Komponisten vor dem Wirken Messiaens mit symmetrischem Tonmaterial um? Hat
Messiaen mit seinen sieben Modi eine komplette Sammlung an allen möglichen
symmetrischen Skalen, die die Kriterien eines Modus erfüllen, ausgeschöpft? Jeder
Fragestellung ist ein Kapitel gewidmet.
Der zweite Teil dieser Arbeit stellt die Modi in Verbindung zur improvisierten Musik. Hier
wird der Frage nachgegangen, welche Verwendungsweisen sich bereits in der
Jazzgeschichte und in der schulischen Jazzvermittlung etabliert haben. Noch nicht
beachtete Verwendungsmöglichkeiten sollen in einem eigenen Kapitel ausgearbeitet
werden.
Die Erläuterungen und Analysen werden von kurzen Notenbeispielen unterstützt, um einen
praktischen Zusammenhang zu gewährleisten. Schließlich richtet sich diese Arbeit auch an
dem praktizierenden Musiker, der sein musikalisches Vokabular erweitern möchte.
1.2 FASZINATION SYMMETRIK
Jeder Mensch findet Gefallen an der Symmetrie, deren Ursprung in visuellen Formen zu
suchen ist. In der Antike führten die Griechen diesen Begriff in die Geometrie ein.2 Schon
seit Menschengedenken finden wir in zahllosen, von Menschen hervorgebrachtem,
Symmetrie. Sie gilt als ästhetisch, sei es nun im handwerklichen Bereich, in der
Architektur oder in der Kunst.
2 vgl. WERNER, S. 1, 1969
SEITE 8
Untersuchungen haben ergeben, dass selbst der Attraktivitätsfaktor eines menschlichen
Gesichtes von symmetrischen Kriterien beeinflusst wird. So gilt ein symmetrisches Gesicht
als ein Indikator für Gesundheit und verweist auf gute Gene. Das sind Faktoren, die für den
Menschen in seiner Partnerwahl entscheidend sind.3
In der westlichen Musik lassen sich unzählige Beispiele für symmetrische Formen finden.
Auf der rhythmischen Ebene ist der 4/4 Takt durch seine gleichmäßige Schwerpunkt-
setzung und Teilbarkeit das natürlichste Metrum. Ungerade Taktarten finden, bis auf dem
Walzer und spezielle Ausformungen in der Volksmusik bestimmter Regionen, nur schwer
Zugang zum Ohr des Durchschnittshörers.
Aus der natürlichen Obertonreihe wurde die wohltemperierte Stimmung entwickelt. Sie
bringt jedoch keine symmetrische Tonanordnung im hier behandelten Sinn hervor, sondern
folgt dem Prinzip der Vervielfachung der Grundtonfrequenz. Die mitschwingenden
Untertöne befinden sich zwar in einem symmetrischen Verhältnis zur Obertonreihe, die
Forschung auf diesem Gebiet hat jedoch noch nicht genügend Beweise für diese Theorie
gefunden.4
Werden nun die zwölf Töne der Oktave in eine mathematisch symmetrischen Anordnung
gebracht, entsteht ein zunächst unfamiliärer Klang, dessen Symmetrie aber dennoch
fasziniert. Eine absolute Erklärung, warum und wie bestimmte Klänge auf uns wirken,
kann nicht gefunden werden. Ein Versuch der Annäherung an dieses Faszinosum und die
Untersuchung der einzelnen Bausteine der Musik ist es allemal wert. Eine mögliche
Antwort auf diese Frage liegt vielleicht darin, dass uns die Musik Wege der Vermittlung
von Emotionen und Informationen eröffnet, die im Unbewussten verborgen liegen.
,,Wie verstehen wir diese unbewussten Kräfte? Wie vermitteln wir sie anderen? Obgleich
sie nicht in Begriffe gefasst werden können, kann man sie erleben und nach Schopenhauers
Meinung direkt, ohne Worte, auf dem Wege der Kunst kommunizieren. Deshalb sollte er
der Kunst, vor allem der Musik, mehr Aufmerksamkeit widmen, als jeder andere
Philosph."5
3 vgl. LIVIO, http://plus.maths.org/issue38/features/livio/index.html, 08/2008
4 vgl. KOTSCHY, http://www.naturton-musik.de/harmonik_5_1_5.html, 08/2008
5 vgl. YALOM, S. 293, 2005
SEITE 9
2. OLIVIER MESSIAEN - BIOGRAPHIE
2.1 EINLEITUNG
Dieses Kapitel basiert sofern nicht anders angegeben auf Theo Hirsbrunners ,,Olivier
Messiaen Leben und Werk" und Christopher Dingles ,,The life of Messiaen" (siehe
Quellenverzeichnis).
Olivier Messiaen gilt heute als einer der bedeutendsten und einflussreichsten Komponisten
in der Musik des 20. Jahrhunderts. Er kreierte nicht nur die ,,Modi mit begrenzter
Transpositionsmöglichkeit (,,les modes à transpositions limitèes") und die ,,Nicht-
umkehrbaren Rhythmen" sondern war auch Wegbereiter des Serialismus. Aus seinem
Leben ist nur wenig Persönliches bekannt. Messiaen verstand es sein Privatleben
abzuschirmen, sowie er auch immer größten Wert darauf legte, dass unfertige Werke oder
Skizzen nicht an das Licht der Öffentlichkeit dringen.
2.2 DIE ERSTEN LEBENSJAHRE
Olivier Eugène Prosper Charles Messiaen wurde am 10. Dezember 1908 in Avignon,
Frankreich, geboren. Beide Elternteile beschäftigten sich mit Literatur. Sein Vater
unterrichtete Englisch und verbrachte den Großteil seines Arbeitslebens mit Shakespear-
Übersetzungen. Messiaens Mutter, Cècile Sauvage, war Dichterin, deren Werke heute in
Vergessenheit geraten sind. Jedoch verdanken wir ihrem Einfluss, dass Messiaen für
nahezu all seine Vokalstücke den Text selbst verfasste. Inspiriert von Shakespeares
Arbeiten entdeckte er früh seine Begeisterung für das Märchen und alles Fabelhafte. Die
sinnliche Welt hat es ihm angetan, sein Interesse für Politik und Gesellschaft hielt sich
zeitlebens in Grenzen.
,,Bereits im Kindesalter bin ich unwiderstehlich vom katholischen Glauben, von der Musik
und auch vom Theater mit seinem Dekorationen angezogen worden", konstatiert Messiaen
selbst in einem Interview. 6
6 SCHWEITZER, S. 56, 1982
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