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Termpaper, 2008, 56 Pages
Author: Monika Skolud
Subject: Philosophy - General Essays, Eras
Details
Institution/College: Free University of Berlin (Institut für Philosophie)
Tags: Böse, Immanuel, Kant, Banalität, Bösen, Hannah, Arendt, Immanuel, Kant, Religion, Grenzen, Vernunft
Year: 2008
Pages: 56
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 47 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-22190-5
File size: 273 KB
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Abstract
„Εναντίον δέ έοτιν άγαθώ μεν έξ άναγκης κακόν.“ Gegenüberliegend ist dem »gut« notwendig das »schlecht«. Dem Guten wie dem Schlechten oder dem Bösen eignet keine präzise und allgemeingültige Bestimmung. Die Begriffe bilden eine Entgegensetzung, so sind Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit gegenüberliegende Gegensätze die einer Seinsgattung angehören und, nach Aristoteles, in der menschlichen Seele auftreten. Im Unterschied dazu sind »gut« und »böse« >nicht in einer Gattung, sondern das sind selbst Seinsgattungen von anderem.< Damit ist gesagt, dass das Böse in unterschiedlicher Weise ausgesagt werden kann. Es kann ebenso »ein böses Geschwür« wie »eine böse Handlung« bezeichnen. Diese Arbeit betrachtet und diskutiert Positionen des moralisch Bösen. Das moralisch Böse ist bei Immanuel Kant ein radikal Böses in der menschlichen Natur. Hannah Arendt prägte – für das moralisch Böse - im Anschluss an ihre Auseinandersetzung mit dem »Fall Eichmann« den Begriff der Banalität des Bösen. In beiden Moralkonzeptionen geht es um die menschliche Fähigkeit Recht von Unrecht zu scheiden, die Möglichkeit gut oder böse sein zu können. Das gute wie das böse Handeln stellen Seinsmöglichkeiten der Menschen dar und so geht es, bei Kant und Arendt, um die Auseinandersetzung angesichts des Bösen das Gute zu erkennen, zu wollen und zu tun. Diese Arbeit gliedert sich in fünf Teile. Nach einer kurzen Einführung in den Begriff und die Definition des Bösen wird im zweiten Kapitel die Entwicklung des Begriffs des radikal Bösen bei Immanuel Kant beschrieben. Dies geschieht auf der Grundlage seiner Moralphilosophie und vor allem an Hand der Schrift: Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft von 1793. Der dritte Abschnitt zeigt die Argumentation, die Hannah Arendt für die Entwicklung der »Linie der moralischen Kompetenzen« geltend macht. Die Entfaltung ihrer Moralkonzeption geschieht vor dem Hintergrund der Philosophie Kants. Textgrundlage ist hier vor allem ihre Vorlesung zu Fragen der Ethik aus dem Jahre 1965: Über das Böse. Im vierten Kapitel werden die Differenzen der Denkmodelle von Kant und Arendt an Hand der Konzeptionen der Persönlichkeit, des Gewissens, der Vernunft und der Kompetenzen im Hinblick auf die Grundlagen und Motivationen für moralisches Handeln, diskutiert. Der abschließende fünfte Abschnitt resümiert die vorgetragenen Positionen und stellt die Frage: Was sollen wir tun? im Sinne eines Ausblicks. [...]
Excerpt (computer-generated)
Freie Universität Berlin
Institut für Philosophie
Masterkolloquium Nr. 16 171: Immanuel Kant: Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft
Das radikal Böse bei Immanuel Kant und die Banalität des Bösen bei Hannah Arendt
Monika Skolud
Inhaltsverzeichnis
Einleitung ... 2
1. Das Böse ... 3
1.1 Begriff und Definition des Bösen ... 3
2. Das radikal Böse bei Immanuel Kant ... 4
2.1 Von der Einwohnung des bösen Prinzips neben dem guten: oder über das radikal Böse in der menschlichen Natur ... 6
2.2. Von der ursprünglichen Anlage zum Guten in der menschlichen Natur ... 8
2.3. Von dem Hange zum Bösen in der menschlichen Natur ... 9
2.4 Der Mensch ist von Natur böse ... 11
2.5 Vom Ursprung des Bösen in der menschlichen Natur ... 14
2.6 Von der Wiederherstellung der ursprünglichen Anlage zum Guten in ihre Kraft ... 16
3. Die Banalität des Bösen bei Hannah Arendt ... 19
3.1 Eichmann und der ‚Kategorische Imperativ für den Hausgebrauch’ ... 20
3.2 Das Denken ... 22
3.3 Das Wollen ... 24
3.4 Das Urteilen ... 25
3.5 Freiheit und Verantwortung ... 28
4. Grundlagen des moralischen Handelns bei Immanuel Kant und Hannah Arendt ... 29
4.1 Die Persönlichkeit bei Immanuel Kant und Hannah Arendt ... 30
4.1.1 Die Persönlichkeit bei Immanuel Kant ... 30
4.1.2 Die Persönlichkeit bei Hannah Arendt ... 31
4.1.3 Moralisches Gefühl versus Ergebnis des Denkens ... 32
4.2 Das Gewissen bei Immanuel Kant und Hannah Arendt ... 34
4.2.1 Das Gewissen bei Immanuel Kant ... 34
4.2.2 Das Gewissen bei Hannah Arendt ... 36
4.2.3 Kultivierte Pflicht versus moralische Vorschrift ... 38
4.3 Kant: Mit Vernunft und Hoffnung gegen das radikal Böse ... 40
4.4 Arendt: Mit moralischen Kompetenzen gegen die Banalität des Bösen ... 43
5. Schluss ... 46
5.1 Resümee oder: Geliebte Pflicht versus verantwortliches Denken ... 46
5.2 Ausblick oder: Was sollen wir tun? ... 49
6.1 Siglen ... 54
Einleitung
„Εναντίον δέ έοτιν άγαθώ μεν έξ άναγκης κακόν.“1
Gegenüberliegend ist dem »gut« notwendig das »schlecht«.
Dem Guten wie dem Schlechten oder dem Bösen eignet keine präzise und allgemeingültige Bestimmung. Die Begriffe bilden eine Entgegensetzung, so sind Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit gegenüberliegende Gegensätze die einer Seinsgattung angehören und, nach Aristoteles, in der menschlichen Seele auftreten. Im Unterschied dazu sind »gut« und »böse« >nicht in einer Gattung, sondern das sind selbst Seinsgattungen von anderem.<2 Damit ist gesagt, dass das Böse in unterschiedlicher Weise ausgesagt werden kann. Es kann ebenso »ein böses Geschwür« wie »eine böse Handlung« bezeichnen. Diese Arbeit betrachtet und diskutiert Positionen des moralisch Bösen.
Das moralisch Böse ist bei Immanuel Kant ein radikal Böses in der menschlichen Natur. Hannah Arendt prägte – für das moralisch Böse - im Anschluss an ihre Auseinandersetzung mit dem »Fall Eichmann« den Begriff der Banalität des Bösen. In beiden Moralkonzeptionen geht es um die menschliche Fähigkeit Recht von Unrecht zu scheiden, die Möglichkeit gut oder böse sein zu können. Das gute wie das böse Handeln stellen Seinsmöglichkeiten der Menschen dar und so geht es, bei Kant und Arendt, um die Auseinandersetzung angesichts des Bösen das Gute zu erkennen, zu wollen und zu tun.
Diese Arbeit gliedert sich in fünf Teile. Nach einer kurzen Einführung in den Begriff und die Definition des Bösen wird im zweiten Kapitel die Entwicklung des Begriffs des radikal Bösen bei Immanuel Kant beschrieben. Dies geschieht auf der Grundlage seiner Moralphilosophie und vor allem an Hand der Schrift: Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft von 1793. Der dritte Abschnitt zeigt die Argumentation, die Hannah Arendt für die Entwicklung der »Linie der moralischen Kompetenzen« geltend macht. Die Entfaltung ihrer Moralkonzeption geschieht vor dem Hintergrund der Philosophie Kants. Textgrundlage ist hier vor allem ihre Vorlesung zu Fragen der Ethik aus dem Jahre 1965: Über das Böse. Im vierten Kapitel werden die Differenzen der Denkmodelle von Kant und Arendt an Hand der Konzeptionen der Persönlichkeit, des Gewissens, der Vernunft und der Kompetenzen im Hinblick auf die Grundlagen und Motivationen für moralisches Handeln, diskutiert. Der abschließende fünfte Abschnitt resümiert die vorgetragenen Positionen und stellt die Frage: Was sollen wir tun? im Sinne eines Ausblicks.
1. Das Böse
„Das Böse ist ein Begriff, der nicht präzise zu bestimmen ist; [...]
Das Böse ist der Inbegriff dessen, was schlechthin abzulehnen, verworfen werden muss, was zum Unglück und Leiden führt.“3
Ausgangspunkt der Auseinandersetzung mit dem moralisch Bösen ist sowohl bei Immanuel Kant als auch bei Hannah Arendt die Evidenz des Bösen in der Erfahrung. Die unmittelbare Gewissheit des anschaulich Eingesehenen lässt das Böse zu einem Gegenstand des notwendig zu Denkenden werden. Für Kant liefert die von ihm geltend gemachte
„...Menge schreiender Beispiele, [...] [der] Erfahrung...“4
einen ausreichenden Grund das radikal Böse nicht zu übergehen.
Auch für Hannah Arendt ist das Böse evident. Exemplarisch beschreibt sie den »Fall Eichmann« als eine
„...Lektion in Sachen menschlicher Verruchtheit, der wir beigewohnt hatten – das Fazit von der furchtbaren Banalität des Bösen, vor der das Wort versagt und an der das Denken scheitert.“6
1.1 Begriff und Definition des Bösen
„...böse drückt sehr oft den gegensatz des guten oder nützlichen, frommen, das untaugende, nichtsnutze aus. [...] In so allgemeinem ausdruck kann es bald nur eine schwierige, bedenkliche, misliche sache, bald eine ungerechte, verworfene, schlechte bezeichnen.“6
Dies ist die Bedeutung des Begriffs Böse in Grimms Wörterbuch. Auffällig ist, dass hier nicht ausdrücklich auf den moralischen Sinn hingewiesen wird. Die Bedeutung des Begriffs hat sich in neuerer Zeit auf den Gebrauch des moralischen Sinnes von Böse verschoben. Als böse wird demnach bezeichnet, was >als »schlecht, schlimm oder übel«. Entweder a) in einem moralischen Sinn verwerflich, bezogen auf einen Menschen, eine Tat oder eine Absicht. Oder b) in einem allgemeinen Sinn, etwa »ein böser Traum«, »eine böse Ahnung«, »ein böses Ende« ist.<7 Das Böse gilt als das, was schadet oder als Schaden selbst. Das Böse gilt als zerstörerisch, aggressiv, bedrohlich und gefährlich. Es stellt das ohne Einschränkung Schlechte dar. Dem moralisch Bösen diametral ist das moralisch Gute. >Die Annahme einer entsprechenden Negativität ist nicht vorstellbar, ohne dass ein entsprechender positiver Wert negiert würde.<8
In einer ersten Annäherung an den Begriff des Bösen kann das moralisch Böse durch folgende Kennzeichen definiert werden: es gilt als eine absichtliche, bewusste und an sich schlechte Handlung, diese Handlung ist nicht zu rechtfertigen und, da die Menschen frei sind in ihren Handlungen, ist sie den Handelnden zuzurechnen. Der Ausgangspunkt einer so verstandenen bösen Handlung liegt in einer bösen Gesinnung oder einem bösen Willen. Hans-Jörg Ehni verortet die >Grundelemente der alltagssprachlichen Wortbedeutung des moralisch Bösen in seiner Zurechenbarkeit und seiner uneingeschränkten Negativität.<9
[...]
1 Aristoteles: Organon. Bd. 2 Kategorien [u.a.]. Griechisch-deutsch, hrsg., übers., mit Einl. und Anm. vers. von Hans Günter Zekl. Meiner, 1998. Kategorien 13b 36
2 ebd. Kategorien 14a 21-23
3 Ulfig, Alexander (Hrsg.): Lexikon der philosophischen Begriffe. Köln, 2003. Seite 65
4 Rel, B 27 / B 28
5 Eich, Seite 371
6 Grimm, Jakob; Grimm, Wilhelm: Deutsches Wörterbuch, Leipzig, 1860. Spalte 252 bis 254
7 Ehni, Hans-Jörg: Das moralisch Böse. Überlegungen nach Kant und Ricoer. München, 2006. Seite 30
8 Ehni, Hans-Jörg: Das moralisch Böse. Seite 226f
9 Ehni, Hans-Jörg: Das moralisch Böse. Seite 38
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