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Lernen von Memphis

Untertitel: Der Wandel des Funktionalismusbegriffs

Seminararbeit, 2006, 10 Seiten
Autor: Diplom Produkt-Designer Johannes Müller
Fach: Design (Industrie, Grafik, Mode)

Details

Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2006
Seiten: 10
Note: 1,00
Literaturverzeichnis: ~ 10  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V119031
ISBN (E-Book): 978-3-640-22566-8

Dateigröße: 1508 KB

Zusammenfassung / Abstract

Ich habe versucht im Folgenden verschiedene Strömungen, insbesondere Radical-Design, Pop-Design, Alchimia und Memphis gegeneinander abzugrenzen bzw. Besonderheiten herauszuarbeiten. Dies insbesondere im Hinblick auf ein Verstehen von Memphis. Die meistgelesene Feststellung, dass der Funktionalismus kritisiert und in Frage gestellt wurde, griff für mich zu kurz und rechtfertigte Memphis für mich nicht, da die grundsätzliche Kritik und Infragestellung der bis dahin gültigen „guten Zweckform“ bereits Mitte der sechziger Jahre stattgefunden hatte. Auch meine Annahme, dass diese Auseinandersetzung sich noch nicht in Objekten manifestiert hatte, ist nur bedingt richtig. Gleichzeitig ist der Blick auf den Zeitraum von etwa 1950 bis etwa 1980 ein Blick auf den Wandel des Begriffs „Funktionalismus“. In den Nachkriegsjahren, also in den 50er und 60er Jahre hatte sich in Italien ein ästhetisch ausgereiftes, formal reduziertes, zweckdienliches und rationales Design durchgesetzt, das als „Bel Design“, also „Schönes Design“ bezeichnet wird. Aufgrund der tiefen Einbettung in industrielle Prozesse wurde auf „nutzloses“, d.h. vor allem produktionstechnisch widersinniges, Dekor verzichtet. Allgemeine Kritik an unreflektiertem Konsum, d.h. an einer allzu trägen Wohlstandsgesellschaft und die dämmernde Erkenntnis, dass besonders der Wohnungsbau des International Style mitunter menschenunwürdige Züge trägt, lassen in den 60er Jahren erstmals Stimmen gegen dieses Selbstverständnis von Design laut werden.


Textauszug (computergeneriert)

Lernen von Memphis

Der Wandel des Funktionalismusbegriffs

Hausarbeit

Johannes Müller, 2006


Inhaltsverzeichnis

01.

Inhaltsverzeichnis

02.

Einführung

03.

Bel Design / ital. Funktionalismus

04.

Radical Design

04a.

Radical Design

04b.

Pop Design

05.

Alchimia

06.

Memphis

06a.

Der Hintergrund

06b.

Die Objekte

07.

Fazit

08.

Zum Funktionalismus-Begriff

09.

Quellen

2


Einführung

Ich habe versucht im Folgenden verschiedene Strömungen, insbesondere Radical-De-

sign, Pop-Design, Alchimia und Memphis gegeneinander abzugrenzen bzw. Besonder-

heiten herauszuarbeiten. Dies insbesondere im Hinblick auf ein Verstehen von Memphis.

Die meistgelesene Feststellung, dass der Funktionalismus kritisiert und in Frage gestellt

wurde, griff für mich zu kurz und rechtfertigte Memphis für mich nicht, da die grundsätz-

liche Kritik und Infragestellung der bis dahin gültigen ,,guten Zweckform" bereits Mitte

der sechziger Jahre stattgefunden hatte. Auch meine Annahme, dass diese Auseinan-

dersetzung sich noch nicht in Objekten manifestiert hatte, ist nur bedingt richtig.

Gleichzeitig ist der Blick auf den Zeitraum von etwa 1950 bis etwa 1980 ein Blick auf den

Wandel des Begriffs ,,Funktionalismus".

Bel Design / ital. Funktionalismus

In den Nachkriegsjahren, also in den 50er und 60er Jahre hatte sich in Italien ein ästhe-

tisch ausgereiftes, formal reduziertes, zweckdienliches und rationales Design durchge-

setzt, das als ,,Bel Design", also ,,Schönes Design" bezeichnet wird. Aufgrund der tiefen

Einbettung in industrielle Prozesse wurde auf ,,nutzloses", d.h. vor allem produktions-

technisch widersinniges, Dekor verzichtet.

Kartell, 1959 B1

Radical Design

Allgemeine Kritik an unreflektiertem Konsum, d.h. an einer allzu trägen Wohlstands-

gesellschaft und die dämmernde Erkenntnis, dass besonders der Wohnungsbau des

International Style mitunter menschenunwürdige Züge trägt, lassen in den 60er Jahren

erstmals Stimmen gegen dieses Selbstverständnis von Design laut werden.

R. Sapper / Zanuso,

1964 B2

Einerseits wird die zunehmende Vereinnahmung des Designs durch die Industrie kriti-

siert, also der immergleiche Produktionskreislauf von Fertigung und Konsum, indem das

Design lediglich den engen Bereich eines Dieners der Industrie einnimmt.

Gruppen wie Archizoom (Andrea Branzi, Massimo Morozi, Gilberto Corretti, Paolo

Deganello) und Superstudio (Adolfo Natalini u.a.) fordern die Erweiterung des Wirkungs-

bereichs von Design, sie fordern eine Selbstreflexion der Disziplin. Der Fokus der Gestal-

tung solle auf sich verändernde Lebensumstände und -gewohnheiten gelegt werden,

also mit dem Blick von außen auf Entwicklungen der Gesellschaft eingehen. Dement-

sprechend entstehen utopische Stadtplanungen und Wohnszenarien, die den Blick auf

Ungewohntes lenken.

Andererseits wird das ins Dogmatische abgerutschte Designverständnis in Frage ge-

stellt. Kritisiert wird der unbegrenzte Glauben in den Zweck, der einzig bestimmendes

Gestaltungskriterium sein soll und der Glauben an die vermeintlich dem Zweck innelie-

gende Form, d.h. die ,,wahre" gute Form. Diese impliziert gewissermaßen, dass es ein

richtiges Design gibt und macht, und das wird wohl der damaligen Szene auch klar, alles

andere im Umkehrschluss zur schlechten Form bzw. zum falschen Design und verneint

3



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