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Korruption und Korruptionsbekämpfung in Unternehmen

Subtitle: Eine ökonomische Analyse mit Beispiel des Volkswagen-Falles

Scholary Paper (Seminar), 2008, 25 Pages
Author: Christoph Siemroth
Subject: Economics / Business: Business Management, Corporate Governance

Details

Event: Seminar "Strategie und Führung in der Wissensökonomie"
Institution/College: University of Bayreuth
Tags: Korruption, Korruptionsbekämpfung, Unternehmen, Strategie, VW
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2008
Pages: 25
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 34  Entries
Language: German
Archive No.: V119063
ISBN (E-book): 978-3-640-22207-0
ISBN (Book): 978-3-640-22381-7
File size: 148 KB

Abstract

Nach einer Kurzrekonstruktion der VW-Affäre werden im zweiten Teil die Entstehung von Korruption durch Modellierung als Prinzipal-Agent-Klient-Beziehung erklärt sowie deren ökonomische Konsequenzen betrachtet. Der dritte Teil gibt eine Übersicht gängiger Anti-Korruptionsmaßnahmen in Unternehmen, reißt deren Vor- und Nachteile ab und schlägt eine Strategie zur Zusammensetzung dieser Maßnahmen vor. Abschließend werden Gründe genannt, die das Interesse der Unternehmensleitung erklären könnten, Anti-Korruption zu vernachlässigen. [...]


Excerpt (computer-generated)

Universität Bayreuth

Seminar "Strategie und Führung in der Wissensökonomie"

Korruption und Korruptionsbekämpfung in Unternehmen

Eine ökonomische Analyse mit Beispiel des Volkswagen-Falles

Christoph Siemroth

 

Inhaltsverzeichnis


Abkürzungsverzeichnis ... II


1. Einleitung ... 1

1.1. Motivation und Zielsetzung ... 1
1.2. Exkurs: Die Volkswagen Korruptionsaffäre ... 2

2. Theoretisches Fundament und Stand der Forschung ... 2

2.1. Begriffsabgrenzung und Typologie ... 2
2.2. Modellierung durch Erweiterung der Prinzipal-Agent-Theorie ... 4
2.2.1. Das Prinzipal-Agent-Klient-Modell ... 4
2.2.2. Entstehung von Korruption ... 5
2.3. Warum Korruption bekämpfen? – Ökonomische Konsequenzen von Korruption ... 6
2.3.1. Gesamtwirtschaftliche Konsequenzen ... 6
2.3.2. Konsequenzen für Unternehmen ... 7

3. Korruptionsbekämpfung auf Unternehmensebene ... 8

3.1. Kommunikation ... 8
3.1.1. Regeln klar definieren und kommunizieren (Codes of Conduct) ... 8
3.1.2. Anti-Korruption ist Chefsache ... 9
3.2. Aufdeckung ... 9
3.2.1. Anti-Korruptionseinheit ... 9
3.2.2. Ombudsleute / Vertrauenspersonen und Whistleblowing ... 10
3.2.3. Interne Revision ... 11
3.2.4. Transparenz schaffen ... 12
3.3. Prävention ... 12
3.3.1. Angemessene Löhne (Effizienzlöhne) ... 12
3.3.2. Unternehmenskultur gestalten ... 12
3.3.3. Positionsrotation ... 13
3.3.4. Trennung von Funktion und Kontrolle (Funktionstrennung) ... 13
3.4. Implementierung und Gestaltung der Maßnahmen ... 14
3.4.1. Das Kalkül hinter der Korruptionsbekämpfung ... 14
3.4.2. Zusammensetzung der Maßnahmen ... 14
3.4.3. Gründe zur Vernachlässigung von Anti-Korruption ... 15

4. Fazit ... 16


Literaturverzeichnis ... III

Presseverzeichnis ... VI

 

 

1. Einleitung


1.1. Motivation und Zielsetzung

Fast täglich ist Korruption in den Nachrichten. Geschrieben wird dabei nicht mehr nur über Fehlverhalten in Entwicklungsländern, sondern hier in Deutschland. Die Palette an Tätern ist dabei weitläufiger Natur: Hochschullehrer, Politiker, Beamte – aber vor allem über Korruption in Unternehmen wird vermehrt berichtet. Dass Korruption dabei einmal ein Tabu-Thema gewesen sein soll, wie die ältere Literatur1 zum Thema nahe legt, lässt sich nur noch schwer nachvollziehen. Wer die Presse aber auf dem Pfad der Rechtschaffenheit wähnt, dürfte weit daneben liegen. Denn oftmals scheint es die Art der Bestechungsleistung zu sein, die das Interesse oder die Empörung der Öffentlichkeit anzieht. Sei es der VW-Betriebsrat oder der „Doktormacher“ aus Hannover, welche durch sexuelle Gefälligkeiten entlohnt wurden. Korruption ist mittlerweile wohl unterhaltsamer als das ständige Fallen der Aktienindizes:


SPIEGEL: Das ganze System glich einem Nichtangriffspakt, der langfristig dem Unternehmen schadete.
Volkert: Sie mögen das aus heutiger Sicht so sehen. Aber VW hat seinen Börsenkurs damals verdreifacht. Die Belegschaft bekam gutes Geld. Ich kann da bis heute keinen Schaden erkennen.
SPIEGEL: Sie klingen fast, als würden Sie den jetzigen VW-Akteuren empfehlen, mal wieder einen draufzumachen auf Firmenkosten, dann stimmen auch die Zahlen.
2

Diese Arbeit wird mit ernstzunehmenderen Ratschlägen dienlich sein können. Sie soll das Problem der Korruption und deren Bekämpfung für Unternehmen in Deutschland aufarbeiten. Da Korruption ein sehr umfangreiches Thema ist, wird hier speziell die Korruption in Unternehmen Gegenstand der Analyse sein. Außerdem sollen die Gegenmaßnahmen auf die Unternehmensebene beschränkt sein, so dass die Rahmenbedingungen, wie sie in Deutschland herrschen, als gegeben angenommen werden.
Zunächst wird zur Veranschaulichung der Korruptionsfall bei VW nachgezeichnet, so dass deutlich wird, wie sich Korruption in der Realität manifestieren kann. Das zweite Kapitel widmet sich der Korruptionsforschung selbst, welche sich durch das historische Vorherrschen der politischen Korruption nicht nur auf Unternehmen beschränkt. Es beinhaltet sowohl Abgrenzung als auch ein Modell, anhand dessen später die Korruptionsbekämpfung erörtert wird. Das Kapitel soll ebenso erklären, wie Korruption entsteht und warum man dagegen vorgehen sollte. Das dritte Kapitel ist schließlich der Hauptteil, welcher Anti-Korruptionsmaßnahmen für Unternehmen erläutert, kurz diskutiert und zur Implementierung einen eigenen strategischen Zugang empfiehlt. Abschließend werden Motive erörtert, warum Anti- Korruption nicht so forciert wird, wie es sich etwa die Politik vielleicht wünscht.


1.2. Exkurs: Die Volkswagen Korruptionsaffäre

Dieser Abschnitt rekonstruiert die VW-Affäre selektiv, es werden also nur die für den Sachverhalt interessierenden Geschehnisse herausgegriffen. Die Rekonstruktion wird sowohl Beispiel als auch Ausgangspunkt für weitere Argumentation sein. Dabei eignet sie sich besonders als Praxisbeispiel, da vielseitige Formen der Korruption vorkommen und in der Presse eine umfangreiche Dokumentation der Aufklärung vorliegt.
Die „VW-Korruptionsaffäre“ soll hier den Skandal um rechtswidriges Verhalten einiger Führungspersönlichkeiten im VW-Konzern bezeichnen, welcher im Juni 2005 an die Öffentlichkeit kam. Tatsächlich hat diese Affäre noch ein weit größeres Ausmaß.3
Peter Hartz war von 1993 bis 2005 Personalvorstand des VW-Konzerns. Er hat gestanden, 2,6 Millionen Euro von VW veruntreut zu haben und diese als „Sonderbonuszahlungen“ an Klaus Volkert und seine Geliebte sowie zur Finanzierung von Dienstleistungen verwendet zu haben. Diese Zahlungen wurden dem Konzern gegenüber nicht offen gelegt und sind als Bestechungen zu verstehen. Im Januar 2007 wurde er wegen Untreue verurteilt.4
Klaus Volkert war Betriebsratsvorsitzender von 1990 bis 2005 und seine Stimmen waren als gewählter Arbeitnehmervertreter oft für Investitionsentscheidungen im Aufsichtsrat nötig. Man geht davon aus, dass er deswegen durch die Bestechungsgelder milde gestimmt werden sollte, auch wenn er selbst behauptet, durch die Zahlungen nicht beeinflusst worden zu sein. Als Motto galt im Bestecherkreis: „Geht es Volkert gut, geht es VW gut“. Er erhielt von 1995 bis 2005 knapp 2 Millionen Euro, außerdem wurden Reisen und ähnliches auf Konzernkosten beglichen. Des Weiteren erwirkte er einen Arbeitsvertrag für seine Geliebte, ohne dass diese dafür VW gegenüber Leistungen erbrachte. Der gesamte monetäre Schaden aus der Affäre wurde durch das Wirtschaftsprüfungsunternehmen KPMG auf rund 5 Millionen Euro beziffert.5


2. Theoretisches Fundament und Stand der Forschung


2.1. Begriffsabgrenzung und Typologie

Das Wort Korruption kann in seiner passiven Bedeutung körperlichen oder sittlichen Verfall bezeichnen. Im hier verwendeten Kontext, der administrativen Sphäre oder im juristischen Sinne, ist jedoch die aktive Bedeutung, der des Missbrauchs einer Vertrauensstellung, gemeint.6 Als Definition wird folgende verwendet: “Corruption is operationally defined as the misuse of entrusted power for private gain.”7 Sie ist anwendbar sowohl auf den öffentlichen Sektor als auch den privaten Sektor, um den es hier gehen soll. Heimlichkeit gehört nicht in die Definition, da sie lediglich eine Folgewirkung aus dem opportunistischen Kalkül des Korrumpierten ist, welcher offiziell sein anvertrautes Amt weiter ausfüllen und zusätzlich aus der Korruption profitieren will (siehe 2.2.1.).
Je nach Betrachtungsweise können verschiedene Formen der Korruption unterschieden werden. Man könnte z. B. nach Motivation8 oder anderem gliedern, aber das beste Kriterium zur Übersicht ist das Wesen der Korruptionshandlung. Demnach sind die drei wesentlichen Formen: Bestechung, Veruntreuung und Nepotismus.9 Alle drei Arten finden sich sowohl im öffentlichen wie auch im privaten Sektor.

 

[...]


1 Vgl. u. a. Myrdal (1968) und Klitgaard (1988): Preface.
2 Der Spiegel (2008b).
3 Vgl. FAZ (2006); FOCUS (2008); NDR (2008); Leyendecker (2007): S. 154-215 für chronol. Überblicke.
4 Vgl. Manager-Magazin (2007); Die Zeit (2007a).
5 Vgl. zu KPMG: Manager-Magazin (2005); zu Volkert: Der Spiegel (2008a); Die Welt (2007a und 2007b).
6 Vgl. für Begriffsabgrenzungen u. a.: Von Alemann (2005): S. 16ff.; Höffling (2002): S. 14ff.
7 Nach TI (2008); Aguilera et al. (2005): S. 2f. bezeichnen eine ähnliche Definition (“misuse of public power for private benefit“) als am häufigsten verwendet. Diese ist aber durch die Dominanz der politischen Korruption in der Forschung auf öffentliche Ämter zugeschnitten, welche in der Wirtschaft natürlich nicht vorliegen.
8 Wozu Korruption dient ist für die Frage, wie sie zu bekämpfen ist, nicht relevant, siehe Pies et al. (2006): S. 3; für die Frage, ob sie überhaupt zu bekämpfen ist, allerdings schon, vgl. Wieland (2005): S. 44.
9 Vgl. Payer (2001): Kapitel 3


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