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Subtitle: Die Forschung Sigmund Freuds
Termpaper, 2008, 38 Pages
Author: Frank Bodesohn
Subject: Psychology - General
Details
Institution/College: Saarland University
Tags: Psychoanalytische, Betrachtung, Angst, Interaktion, Kommunikation
Year: 2008
Pages: 38
Grade: 0,7
Bibliography: ~ 45 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-22209-4
ISBN (Book): 978-3-640-22383-1
File size: 178 KB
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Abstract
„Die Psychoanalyse ist eine wissenschaftliche Disziplin, die von Sigmund Freud begrün-det wurde und mit seinem Namen auch heute noch unlösbar verknüpft ist.“ (Brenner, 1972/1976, S. 14). Diese Aussage ist mit zwei Aufgaben verbunden: einerseits Erklärung der Wissenschaft Psychoanalyse und Betrachtung des Werdegangs des Arztes Freud, der die Wissenschaft ins Leben rief und sie als Therapieform nutzte; und andererseits Aufzeigen der Verbindung zwischen Freud und „seiner“ Wissenschaft. Dazu ist es notwendig, zunächst den Menschen Sigmund Freud und seine Forschungstätigkeit näher zu betrachten. Ordnet man seine Ergebnisse und Publikationen biografisch, wird man feststellen, dass sich gerade bezüglich der Untersuchung der Ursachen von Angst und ihrer Störungen ein Wandel vom Früh- zum Spätwerk des Psychoanalytikers vollzogen hat. Exemplarisch für diesen Wandel sind die beiden folgenden Zitate aus den Werken Freuds, die im Abstand von ungefähr fünfzehn Jahren entstanden (S. Freud, 1961, S. 4): „In manchen Zuständen von Aufregung kann man auch die Vermengung von Libido und Angst und die endliche Ersetzung der Libido durch die Angst direkt beobachten.“ (S. Freud, 1994, S. 384). „Niemals geht die Angst aus der verdrängten Libido hervor.“ (S. Freud, 2006, S. 55). Die Angst stellt im Unterschied zu anderen wissenschaftlichen Disziplinen, die sich mit der menschlichen Psyche beschäftigen, in der Psychoanalyse eines ihrer komplexesten Phänomene dar. Durch die Untersuchung sowohl physiologischer als auch pathologischer Angsterscheinungen entstanden in der Psychoanalyse eine Vielzahl von Konzepten und Schulen (Meyer, 2005, S. 2). Dies sind jedoch nicht die einzigen Gründe, warum es interessant erscheint, sich mit den Angsttheorien Freuds zu beschäftigen. Psychoanalyse hat einen interdisziplinären Charakter: Sie ist nicht nur Wissenschaft, die sich mit der theoretischen Erforschung der Tiefen und Untiefen der Psyche beschäftigt. Sie ist auch eine Therapieform zur Behandlung psychischer Erkrankungen, die seit jeher polarisiert. Das Außergewöhnliche dabei ist, dass die Wissenschaft in ihrer Frühzeit aus der Behandlung heraus entstand, während auf der anderen Seite die Behandlung ohne den wissenschaftlichen Unterbau nicht möglich war. Außerdem kann die Psychoanalyse für sich in Anspruch nehmen, einzige Therapieform mit philosophischem Hintergrund zu sein (Possemeyer & Unruh, 2006, S. 162).
Excerpt (computer-generated)
Universität des Saarlandes
Fakultät 5, Fachrichtung 5.1, Erziehungswissenschaft
Sommersemester 2008
Hauptseminar: Interaktion und Kommunikation
Psychoanalytische Betrachtung der Angst
Die Forschung Sigmund Freuds
verfasst von:
Frank Bodesohn
8. Semester
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung _______________________________________________________________ 3
2. Biografisches, Hintergründe ________________________________________________ 4
3. Die Entstehung der Psychoanalyse ___________________________________________ 5
4. Die Angsttheorien Sigmund Freuds __________________________________________ 7
4.1 Angst aus Libido ____________________________________________________________ 7
4.2 Revision des Verhältnisses von Angst und Libido ________________________________ 15
5. Reaktionen _____________________________________________________________ 22
5.1 Zeitgenössischer Umgang mit den psychoanalytischen Angsttheorien _______________ 22
5.2 Die Angst in der Nachfolge Freuds ____________________________________________ 25
6. Ausblick _______________________________________________________________ 31
7. Literatur _______________________________________________________________ 32
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1. Einleitung
,,Die Psychoanalyse ist eine wissenschaftliche Disziplin, die von Sigmund Freud begründet
wurde und mit seinem Namen auch heute noch unlösbar verknüpft ist." (Brenner, 1972/1976,
S. 14). Diese Aussage ist mit zwei Aufgaben verbunden: einerseits Erklärung der Wissen-
schaft Psychoanalyse und Betrachtung des Werdegangs des Arztes Freud, der die Wissen-
schaft ins Leben rief und sie als Therapieform nutzte; und andererseits Aufzeigen der Verbin-
dung zwischen Freud und ,,seiner" Wissenschaft. Dazu ist es notwendig, zunächst den Men-
schen Sigmund Freud und seine Forschungstätigkeit näher zu betrachten. Ordnet man seine
Ergebnisse und Publikationen biografisch, wird man feststellen, dass sich gerade bezüglich
der Untersuchung der Ursachen von Angst und ihrer Störungen ein Wandel vom Früh- zum
Spätwerk des Psychoanalytikers vollzogen hat. Exemplarisch für diesen Wandel sind die bei-
den folgenden Zitate aus den Werken Freuds, die im Abstand von ungefähr fünfzehn Jahren
entstanden (S. Freud, 1961, S. 4): ,,In manchen Zuständen von Aufregung kann man auch die
Vermengung von Libido und Angst und die endliche Ersetzung der Libido durch die Angst
direkt beobachten." (S. Freud, 1994, S. 384). ,,Niemals geht die Angst aus der verdrängten
Libido hervor." (S. Freud, 2006, S. 55).
Die Angst stellt im Unterschied zu anderen wissenschaftlichen Disziplinen, die sich mit
der menschlichen Psyche beschäftigen, in der Psychoanalyse eines ihrer komplexesten Phä-
nomene dar. Durch die Untersuchung sowohl physiologischer als auch pathologischer Angst-
erscheinungen entstanden in der Psychoanalyse eine Vielzahl von Konzepten und Schulen
(Meyer, 2005, S. 2).
Dies sind jedoch nicht die einzigen Gründe, warum es interessant erscheint, sich mit den
Angsttheorien Freuds zu beschäftigen. Psychoanalyse hat einen interdisziplinären Charakter:
Sie ist nicht nur Wissenschaft, die sich mit der theoretischen Erforschung der Tiefen und Un-
tiefen der Psyche beschäftigt. Sie ist auch eine Therapieform zur Behandlung psychischer
Erkrankungen, die seit jeher polarisiert. Das Außergewöhnliche dabei ist, dass die Wissen-
schaft in ihrer Frühzeit aus der Behandlung heraus entstand, während auf der anderen Seite
die Behandlung ohne den wissenschaftlichen Unterbau nicht möglich war. Außerdem kann
die Psychoanalyse für sich in Anspruch nehmen, einzige Therapieform mit philosophischem
Hintergrund zu sein (Possemeyer & Unruh, 2006, S. 162).
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Die folgenden Ausführungen beschäftigen sich mit dem Verständnis des Phänomens
Angst innerhalb der Psychoanalyse, indem sie einen Abriss der Wissenschaftsgeschichte ge-
ben. Andere Bereiche der Psychoanalyse, wie z.B. Traumdeutung oder Narzissmus, werden
nur soweit behandelt, wie sie für das Angstverständnis nötig sind.
2. Biografisches, Hintergründe
Sigmund Freud, als Schlomo Sigismund Freud am 6. Mai 1856 in Freiberg in Mähren (heuti-
ges Pibor/ Tschechien) geboren, studierte ab 1873 in Wien Medizin, wobei er sich auf positi-
vistische Wissenschaften mit Hauptaugenmerk der Darwinschen Biologie konzentrierte. Zu
Beginn seiner Karriere beschäftigte sich Freud mit Zoologie. So veröffentlichte er z.B. als
sein erstes Werk histologische Untersuchungen an den Geschlechtsorganen von Flussaalen.
Nach seiner Promotion zum Doktor der Gesamten Heilkunde 1881 arbeitete er ab dem
Jahre 1882 im Allgemeinen Krankenhaus in Wien. U.a. in Selbstversuchen, aber auch in der
Anwendung an Patienten erforschte er die Wirkung von Kokain, wobei er jedoch weder das
Suchtpotential noch die anästhesiologische Wirkung der als Medikament verabreichten Droge
einschätzen konnte. Die Ernennung zum Privatdozenten für Neurologie im Jahre 1885 be-
scherte ihm ein Reisestipendium in Paris. Die Beschäftigung mit Hysterie und Hypnose des
Arztes und Neurologen Jean Martin Charcot an der Pariser Salpêtrière faszinierte Freud, was
ihn zur Beschäftigung mit Neurosen als Gegenstück zu den bisher von ihm untersuchten or-
ganischen Erkrankungen des Nervensystems anregte. Die Therapie neurotischer Störungen
wurde von Freud weiterentwickelt, wobei der Einstieg in das Unbewusste durch Hypnose als
Beginn des therapeutischen Schaffens Freuds zu sehen ist. Er begründete eine Therapieform,
die er zuerst 1896 als Psychoanalyse bezeichnete, womit eine Redekur gemeint war. Die Be-
deutung Freuds liegt darin, dass er dem Unbewussten eine zentrale Rolle in der Erforschung
der menschlichen Psyche zugestand. Anfangs des 20. Jahrhunderts erlangte die Psychoanalyse
vermehrt Popularität, was sich anhand einer Vielzahl von Publikationen Sigmund Freuds ei-
nerseits, aber auch kritischer Veröffentlichungen andererseits zeigt. Der Ansatz der Psycho-
analyse, aktuelle Störungen der Psyche durch Erleben von auslösenden Situationen der Ver-
gangenheit in der Erinnerung wiederholt vom Unterbewusstsein ins Bewusstsein zu holen,
spiegelte sich beispielsweise auch in der Einrichtung von Freuds Sprechzimmer, das er mit
Erinnerungsstücken verschiedenartigster Kulturen ausstattete.
4
Freud entwickelte seine Psychoanalyse kontinuierlich weiter und veränderte seine Theo-
rien mehrmals. Bis zu seinem Tod im Jahr 1939, der auf sein Bitten von seinem Arzt durch
eine Morphiuminjektion herbeigeführt wurde, veröffentlichte er eine Vielzahl von Schriften,
die sich mit der Analyse der Psyche und den Ursachen ihrer Störung beschäftigen (Ancona,
1971/2007, Sp. 1712; Gaede, 2007, S. 182; Lindner, 2006, S. 135-160; Roudinesco & Plon,
1997/2004, S. 299-308; Storr o.J./2004, S. 6-8).
3. Die Entstehung der Psychoanalyse
Der Wandel Freuds vom Mediziner, der sich mit der Anatomie des Gehirns und seinen Ner-
venleitsystemen beschäftigte, zum Analytiker, der sich mit externen und internen Einflüssen
auf die menschliche Psyche auseinander setzte und an ihnen forschte, begann mit der o.g.
Hospitation an der Pariser Salpêtrière. Seine Bekanntschaft mit Charcot, der sich der Erfor-
schung der Hypnose widmete, im Winter 1885/86 überzeugte Freud, dass Vorstellungen als
Ursache für Neurosenbildung in Frage kommen. Das Neue an Charcots Auffassung war, dass
hysterische Lähmungen entgegen der damaligen Forschungsmeinung nicht durch körperliche
Ursachen ausgelöst werden, sondern dass sie Folge eines seelischen Schocks seien (Mertens,
2004a, S. 147).
Die Folge davon war, dass Freud sich nach anfänglicher Skepsis von der Neurologie ab-
und sich der Psychologie zuwandte. Bei der Behandlung neurotischer Patienten mit Hypnose
spielte die später in der Psychoanalyse so bedeutend gewordene Instanz der Psyche Ich eine
durchweg negative Rolle. Die Absicht des Therapeuten war die Erfassung des Unbewussten,
was durch die Ausschaltung des Bewussten, das man hierbei als störend ansah, angestrebt
wurde. Durch die Hypnose erlangte das Unbewusste Zugang zum Bewusstsein, was lösende
Wirkung auf das Symptom hatte. In den 1895 von Freud und Breuer ,,Studien über Hysterie"
(1970) stellten die beiden Forscher ihren Standpunkt zur Notwendigkeit der Hypnose folgen-
dermaßen dar:
Angeregt durch eine zufällige Beobachtung [Behandlung der Anna O.]
forschen wir seit einer Reihe von Jahren bei den verschiedensten For-
men und Symptomen der Hysterie nach der Veranlassung, dem Vor-
gange, welcher das betreffende Phänomen zum ersten Male, oft vor vie-
len Jahren, hervorgerufen hat. In der großen Mehrzahl der Fälle ge-
lingt es nicht, durch das einfache, wenn auch noch so eingehende
Krankenexamen [die Anamnese], diesen Ausgangspunkt klarzustellen,
teilweise, weil es sich oft um Erlebnisse handelt, deren Besprechung
5
dem Kranken unangenehm ist, hauptsächlich aber, weil sie sich wirk-
lich nicht daran erinnern, oft den ursächlichen Zusammenhang des
veranlassenden Vorganges und des pathologischen Phänomens nicht
ahnen. Meistens ist es nötig, die Kranken zu hypnotisieren und in der
Hypnose die Erinnerungen jener Zeit, wo das Symptom zum ersten Ma-
le auftrat, wachzurufen; dann gelingt es, jenen Zusammenhang aufs
deutlichste und überzeugendste darzulegen
(S. Freud & Breuer, 1970,
S. 7).
Das Ich wurde in den therapeutischen Prozess jedoch nicht mit einbezogen. Die Folge
dieses Vorgehens war, dass nach dem Einfluss des Therapeuten das Bewusste gegen das ihm
aufgenötigte Unbewusste revoltierte, was einen Dauererfolg der Therapie unmöglich machte
und zu Enttäuschung führte (A. Freud, 2006, S. 21f). Ähnliches gilt für die psychotherapeuti-
sche Behandlungsform, in der der Arzt den Patienten zur freien Assoziation auffordert. Der
Hauptunterschied zur Hypnose besteht darin, dass der Patient aufgefordert wird, sein Ich
selbst auszuschalten und die Gedanken, die er gerade hegt, unreflektiert zu äußern, was zu
einer einseitigen Konzentration auf das Es führt. Die freie Assoziation kann wegen Einmi-
schung des Ichs jedoch nicht in Reinform erfolgen, da dem Therapeuten der Zugang zum
durch das Bewusste gefilterte Unbewusste verwehrt wird (A. Freud, 2006, S. 22f; Toman,
1971/2007a, Sp. 161).
Freuds Erkenntnisse im Umgang mit Hypnose, die er bis 1896 in der Behandlung von
Neurosen anwandte, waren, dass die Hysterie von Patienten verschwanden, wenn es gelang,
den ersten Moment des Auftretens der Erkrankung mit dem begleitenden Affekt dem Betrof-
fenen wieder in Erinnerung zu rufen. Freud stützte sich hierbei auf die Forschungsergebnisse
seines Kollegen Josef Breuer, die dieser bei der Behandlung von Bertha Pappenheim (alias
Anna O.) erlangte (Storr, o.J./2004, S. 17f). Bertha Pappenheim litt u.a. unter Lähmungen,
Trancezuständen, Sehstörungen. Die Versetzung in Hypnose durch Breuer (1970) konnte die
Symptome beseitigen. Freud (1971, S. 16) folgerte aus dem Erfolg der hypnotischen Thera-
pie, dass ,,hinter den meisten, wenn nicht hinter allen Phänomenen der Hysterie ein mit Affekt
betontes Erlebnis steckt." Der Erfolg dieser Therapie, die im Bewusstmachen des Unbewuss-
ten bestand, wird als Ausgangspunkt der Psychoanalyse gewertet. Freud beschäftigte sich in
Folge verstärkt mit dem Unbewussten der menschlichen Psyche, um z.B. Angststörungen zu
heilen, die er analytisch auf ihren Ursprung zurückführte. Am Rande festzuhalten bleibt, dass
Anna O. nie wirkliche Heilung erfuhr. Mehr als 40 Jahre, nachdem Breuer Anna O. hypno-
tisch behandelte, berichtete Freud Carl Gustav Jung vom Versagen der Therapie. Demnach litt
6
die Patientin weiterhin unter den ursprünglichen Symptomen und war zudem aufgrund einer
Morphiumbehandlung stark abhängig (Comer 1995/1995, S. 402; S. Freud, 1971, S. 15f).
Dies tat der psychoanalytischen Forschung keinen Abbruch. Eine einzelne Therapie ist für
eine Richtung der Medizin nicht repräsentativ. Außerdem ist dies als erster Versuch einer auf
psychoanalytischen Grundsätzen basierenden Therapiemöglichkeit zu werten, die sich seit-
dem kontinuierlich weiterentwickelt hat (Mertens, 2004a, S. 149f).
Nach anderen Ansichten wird der Beginn der Psychoanalyse nicht auf das Jahr 1895, in
dem Freud zusammen mit Breuer (1970) die ,,Studien über Hysterie" herausgab, datiert, son-
dern beginnt mit dem Erscheinen von Freuds (1991) Werk ,,Die Traumdeutung" in den Jahren
1899/ 1900 (Brenner, 1972/1976, S. 14; Gay, 1991/1994, S. 451; Mertens, 2008, S. 7). In Ab-
grenzung zu anderen Schulrichtungen auf dem psychoanalytischen Gebiet wie z.B. ,,Objekt-
beziehungstheorie" oder ,,Sozialwissenschaftliche Psychoanalyse" wird die Lehre des jungen
Sigmund Freud ,,Trieb- und Strukturtheorie", sein von seiner Tochter Anna beeinflusstes Al-
terswerk ,,Ich-Psychologie" genannt (Mertens, 2008, S. 17-22).
4. Die Angsttheorien Sigmund Freuds
Die Frage nach den Ansichten Sigmund Freuds zum Thema Angst ist nicht einfach zu beant-
worten. Freud entwickelte als Forscher und Therapeut zwei Theorien, die sich mit dem Phä-
nomen der Angst beschäftigen. Lag zunächst sein Hauptaugenmerk auf der menschlichen
Libido als Quelle der Angst, bestimmte er nach der Aufgliederung der menschlichen Seele in
die Orte Über-Ich, Ich und Es das Ich zum Sitz der Angst (von Schumacher, 1976, S. 25).
4.1 Angst aus Libido
Sigmund Freud dozierte in seiner Vorlesungsreihe ,,Zur Einführung in die Psychoanalyse"
unter dem Überbegriff ,,Allgemeine Neurosenlehre" zum Thema Angst. Dabei begann er mit
der Darlegung, dass dieses Thema den Zuhörern ein bekanntes sein müsse, da das Angstge-
fühl jedem Menschen vertraut sei: ,,Jeder von uns hat diese Empfindung ... aus eigenem ken-
nengelernt." (1994, S. 375). Dabei beschreibt Freud Angst als einen ,,subjektive[n] Zustand,
in dem man durch die Wahrnehmung der Angstentwicklung gerät." Diese Empfindung ,,be-
zieht sich auf den Zustand und sieht vom Objekt ab." (von Schumacher, 1976, S. 26). Freud
(1994, S. 375) grenzte die Angst vor der Nervosität ab. Er argumentierte, dass ,,die Nervösen"
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