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Untertitel: Bd. V: Die Carpeteria von Palindromien
Fachbuch, 2008, 59 Seiten
Autor: Prof. Dr. Günter Kröber
Fach: Mathematik - Sonstiges
Details
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Zusammenfassung / Abstract
"Ababa" ist der Name der vierstelligen Zahlensequenz a(a-1(b-a-1)b-a),in der b die Basis des jeweiligen Zahlensystems bedeutet und a < b sein soll. Sie spielt in sog. Palindromisierungsprozessen eine herausragende Rolle. Ein solcher Prozess liegt vor, wenn eine natürliche Zahl umgekehrt wird, Ausgangs- und Umkehrzahl sodann addiert oder voneinander subtrahiert werden, und wenn mit dem Ergebnis in der gleichen Weise verfahren wird. Ordnet man den einzelnen Ziffern Farben zu und arrangiert die Ergebnisse zentriert untereinander, so können Muster von faszinierender Schönheit entstehen, die z. T. auch in der Natur vorkommen (DNS, Feldlinien,Kristallgittter u.a.). In den fünf Bänden des Ababa-Zyklus wird die Problematik der Strukturbildung durch Palindromisierung in anschaulicher und phantasievoller Form abgehandelt. Im ersten ist Ababa ein junge Prinzessin, um deren Hand sich viele Freier bewerben, die ihr mittels Palindromisierung zu einer gefälligen Figur verhelfen müssen. Der zweite sieht sie als gefeierte Tänzerin, die mit ihrer Truppe "Numbers on Ice" und ihren gekonnten Pirouetten das Publikum begeistert. Im dritten gründet sie nach dem Vorbild vom Madame Tussauds Londoner Wachsfigurenkabinett in Palindromien ein Palfigurenkabinett mit vielen bemerkenswerten Ausstellungsstücken. Im vierten erscheinen ihr Paradieszahlen, welche keine palindromische Vorgeschichte haben, und Parmenides-Zahlen, die ohne palindromische Zukunft sind. Der vorliegende fünfte Band führt in eine Teppichmanufaktur, in der nach von Ababa vorgegebenen Regeln Teppichmuster gefertigt werden. Alle Bände sind reich bebildert und mit farbigen Computergraphiken ausgestattet.
Textauszug (computergeneriert)
Ababa von Palindromien - Leben und Ansichten einer berühmten Zahl, in Wort und Bild aufgezeichnet von einem ihrer Verehrer.
Bd. V: Die Carpeteria von Palindromien
Günter Kröber
Inhaltsverzeichnis
1. Der Rundgang
2. Die Galerie
3. Das Kabinett der Verborgenen Similaritäten
4. Das Sierpinski-Zimmer
5. Auf dem Flur
6. Ababa von Palindromien
1. Der Rundgang
Die Finger kreisten. In sanften Kurven glitten sie zart und geschmeidig den Rücken hinab, deuteten Spiralen an, liefen von links nach rechts und wieder zurück, verweilten hier und da und gaben sich mit leichtem Druck zu erkennen, gelegentlich auch eine Melodie vortäuschend. Sie erspähten die leiseste Unebenheit auf seiner Haut, umgingen oder glätteten sie, spielten auf den dünnen Härchen wie auf den tönenden Saiten einer Geige.
„Noch eine Minute“, pflegte er zu bitten, wenn sie inne hielten und Anna ihn zum Aufstehen mahnte. Von allen Minuten dieses Tages war diese eine stets die längste. Heute aber duldete die frühe Stunde keinen Aufschub der Gefühle wegen. Eine Reisegruppe war angesagt.
Mit Besuchern hatten sie schon hinlänglich Erfahrung. In den seltensten Fällen kam jemand in diese abgelegene Gegend in Palindromien mit dem Vorsatz, einen der kostbaren Teppiche aus der reichen Auswahl, die ihre Manufaktur zu bieten hatte, käuflich zu erwerben. Der Verkauf ihrer textilen Kunstwerke – anders konnte man die aus Seide oder Wolle gefertigten Stücke nicht bezeichnen - vollzog sich in der Regel über andere Kanäle, über Groß- und Zwischenhändler zumeist ausländischer Herkunft. Besonders begehrt waren Auftragsarbeiten, darunter solche mit enormen Abmessungen. Kaiserpaläste, königliche Höfe und weltweit bekannte und geachtete Firmennamen gehörten zu den Auftraggebern. Ging auch einmal ein gut bezahltes Einzelstück per Zufall weg, so war dies ein willkommener Anlass zum Feiern, verhalf der Umsatzkurve insgesamt jedoch keineswegs zu einem steilen Anstieg. Nichtsdestotrotz musste jede Gelegenheit genutzt werden, die Schätze einem breiten Publikum zu präsentieren, immer mit der Absicht und in der Hoffnung, so viele wie möglich von ihnen und so günstig wie möglich zu verkaufen.
Die Leitung der Manufaktur unterhielt deshalb intensive Beziehungen zu in- und ausländischen Reiseunternehmen. Es kam mit diesen zu Absprachen darüber, dass bei Fahrten durch das Land ganze Gruppen in der Carpeteria – so nannte man die Teppichmanufaktur, die zugleich eine Verkaufseinrichtung war - Station machen sollten. Der Chef der Manufaktur, Dr, Agard,* empfing die Gäste dann gewöhnlich in einem Vorraum, gab hier einen kurzen Abriss der Geschichte des Unternehmens, informierte über Sinn und Zweck ihres Wirkens und erläuterte Struktur und Abfolge der von ihnen geleisteten Arbeitsgänge. Dann folgte der Rundgang. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hatten ihre Plätze eingenommen und gaben ihr Bestes, um den Gästen viele „Ah“s und „Oh“s zu entlocken. Bei Anna verweilten sie in der Regel besonders lange.
Die Finger kamen zur Ruhe. Nur der Daumen drückte sich noch einmal unter das Schulterblatt und schlug sieben mal an.
„Ede, es ist Zeit. Für acht Uhr ist die erste Gruppe angesagt.“.
Eduard Raude war der Designer der Carpeteria. Er entwarf die Muster, nach denen „die Damen“, wie die Teppichknüpferinnen vom Management genannt wurden, die kunstvollen Gebilde mittels ihrer flinken und feingliedrigen Hände herstellten.
„Wieder so ein Tag“, brummte er. „Wieder nur reden und schwatzen. Wenn sie in ihren Bus zurück steigen, haben sie ohnehin schon alles wieder vergessen. Und kaufen wollen sie meistens auch nichts.“
Er liebte die Tage, an denen die Minute vor dem Aufstehen sich hinzog, bis er sie selbst für abgelaufen erklärte. An solchen Tagen hatte er keine Eile, sein Arbeitszimmer aufzusuchen. Niemand interessierte sich dafür, wann er dort erschien. Nur Sir Simon, der Computer, stimmte ein frohes Summen an, weil er jetzt wieder zeigen konnte, was an Rechenkapazität in ihm steckte.
Heute aber war wieder einmal Reden angesagt. Das hieß, dass beide die morgendliche Toilette im Eiltempo zu absolvieren hatten. Während er sich als erster in das kleine, bescheiden ausgestattete Badezimmer begab, hörte Anna – noch im Bett – die Sieben-Uhr-Nachrichten aus Palindromien und dem Rest der Welt, wartete noch den Wetterbericht ab und wäre fast noch einmal eingeschlafen, wenn Ede nach einer halben Stunde nicht lärmend an ihrem Bett erschienen wäre und ihr die Decke weggezogen hätte. Kreischend flog sie auf, verschwand ihrerseits im Bad und ward erst nach einer weiteren halben Stunde wieder zu sehen, frisch gebadet, stilvoll geschminkt und mit tadelloser Frisur.
Für ein beschauliches Frühstück war kaum mehr Zeit. Die Reisebusse fuhren meistens pünktlich vor. Und selbst, wenn man bedachte, dass der Chef für den Empfang der Gäste und für seinen einleitenden Vortrag eine gute Viertelstunde benötigte, hieß es, sich zu sputen, um rechtzeitig am Arbeitsplatz zu sein, wenn die Tür sich öffnete und die Gäste neugierig herein strömten.
Dr. Agard beschränkte sich in seiner Begrüßung gewöhnlich auf einen kurzen Abriss der Geschichte der Teppichknüpferei und die geschäftlichen Daten seiner Manufaktur (Zahl der Mitarbeiter, Umsatz, Spezialisierung, Ausbildung von Fachkräften usw.).
„Der Teppich“, so begann er seine Rede zumeist, „dient dem menschlichen Bedürfnis nach Sicherheit und Komfort. Eines der wichtigsten Möbelstücke früher Nomadenstämme war die Eingangstür zur Jurte. Sie bestand aus einem soliden Teppich, der das Innere der Behausung nicht nur vor neugierigen oder gar feindlichen Blicken verbarg, sondern im Winter und in frostigen Nächten auch die Kälte abhielt. Dieses Möbelstück ließ sich zudem auf ganz praktische Weise bei ihren Wanderungen transportieren. Man brauchte ihn nur einzurollen, auf ein Kamel, oder was sonst als Transportmittel in Frage kam, zu packen, und am neuen Standort wurde er einfach wieder ausgerollt und aufgehängt. Oder ausgelegt, denn Teppiche waren auch als Isolation des Fußbodens gegen kalte Wüstennächte gefragt. Das Bedecken von Wänden und Böden ist bis heute die wichtigste Funktion von Teppichen geblieben. Im Verlaufe einer über Jahrtausende währenden Entwicklung der Teppichknüpferei wurde diese indes zunehmend auch zu einem Feld der individuellen, künstlerischen Gestaltung. Der Entwurf von Mustern und die Farbgebung gewannen historisch immer mehr an Gewicht und Bedeutung. Zu der ursprünglichen Funktion von Teppichen kommen im Laufe der Zeit neue hinzu, die durch neue Arten von Teppichen wahrgenommen werden: Läufer, Brücken, Gebetsteppiche oder auch bloße Schmuckstücke.“
[...]
* Palindromisch strukturierte Namen oder Sentenzen, die bei ihrer ersten Nennung in Kursiv stehen, sind dem „Pendelbuch für Rechts- und Linksleser“ - „Annasusanna“ - von Hansgeorg Stengel entnommen (List Verlag München – Leipzig 1995).
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