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Subtitle: Die Darstellung des Rollentausches der Zwillinge in der Buch- und Filmvorlage mit Hilfe der "Theory of Mind"
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2007, 26 Pages
Author: Mandy Stein
Subject: German Studies - Miscellaneous
Details
Tags: Doppelte, Lottchen, Erich, Kästner
Year: 2007
Pages: 26
Grade: 2,3
Bibliography: ~ 13 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-22609-2
ISBN (Book): 978-3-640-23129-4
File size: 157 KB
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Abstract
„Es ist nicht zu fassen. Zwei wildfremde Mädchen und eine solche Ähnlichkeit!“1 Dieser Satz stammt aus der Feder von Erich Kästner, der besonders für seine Kinderbücher bekannt geworden ist und das noch bis in die heutige Zeit andauert. „Emil und die Detektive“, „Pünktchen und Anton“, „Das fliegenden Klassenzimmer“ sind aus keinem Kinderzimmer mehr wegzudenken und die zahlreichen Neuauflagen der Bücher und die dazugehörigen Verfilmungen sprechen für den andauernden Erfolg. Doch das „Doppelte Lottchen“ von 1949 hat einen besonderen Stellenwert in dieser außergewöhnlichen Kinderbuchreihe Kästners. Neben dem delikaten Thema der Scheidung, was eine heftige Diskussion im Deutschland der Nachkriegszeit auslöste, brachte die Verfilmung 1950 den durchschlagenden Erfolg. Allein bis zum Jahre 2007 wurde das Buch neun Mal verfilmt, mehr oder minder eng an die textliche Vorlage angelehnt. Aber was macht diesen ungebrochenen Bann aus, ein Thema zu verfilmen, in dem sich zwei Menschen, die sich bis dahin unbekannt waren, begegnen und bemerken, dass ihrer beider Leben eng miteinander verknüpft sind und die dieses nicht weiter hinnehmen wollen? Ist es die Möglichkeit aus dem eigenen Alltag auszubrechen und in einen anderen zu schauen, ohne durch äußerliche Unterschiede aufzufallen, die gewohnte Rolle und Umgebung zu verlassen und das Abenteuer zu wagen oder die Tatsache, eine „Ungerechtigkeit“ wie die Trennung der Eltern ungeschehen zu machen? Doch wie schafft es dann das Buch als auch der Film dem Leser/Zuschauer deutlich zu machen, dass er es entweder mit Lotte oder Luise zu tun hat, aber den Eltern dieser Unterschied nicht bewusst ist und erst durch eine Fotografie der beiden Mädchen aufgedeckt wird? [...]
Excerpt (computer-generated)
Georg August-Universität Göttingen
Seminar für Deutsche Philologie
Abteilung für Neuere Deutsche Literatur
Hauptseminar: Literaturverfilmungen
"Das Doppelte Lottchen" von Erich Kästner
Die Darstellung des Rollentausches der Zwillinge in der Buch- und Filmvorlage mit Hilfe der "Theory of Mind"
Mandy Stein
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung ... 2
1. Die Buchvorlage ... 4
2. Die Verfilmung ... 7
3. Die „Theory of Mind“ ... 10
4. Die Vertauschungsszenen ... 13
4.1. Im Kinderheim: der erste Tausch ... 13
4.2. Das Treffen mit den Eltern ... 17
5. Zusammenfassung ... 22
6. Literaturverzeichnis ... 23
0. Einleitung
„Es ist nicht zu fassen. Zwei wildfremde Mädchen und eine solche Ähnlichkeit!“1 Dieser Satz stammt aus der Feder von Erich Kästner, der besonders für seine Kinderbücher bekannt geworden ist und das noch bis in die heutige Zeit andauert. „Emil und die Detektive“, „Pünktchen und Anton“, „Das fliegenden Klassenzimmer“ sind aus keinem Kinderzimmer mehr wegzudenken und die zahlreichen Neuauflagen der Bücher und die dazugehörigen Verfilmungen sprechen für den andauernden Erfolg.
Doch das „Doppelte Lottchen“ von 1949 hat einen besonderen Stellenwert in dieser außergewöhnlichen Kinderbuchreihe Kästners. Neben dem delikaten Thema der Scheidung, was eine heftige Diskussion im Deutschland der Nachkriegszeit auslöste, brachte die Verfilmung 1950 den durchschlagenden Erfolg. Allein bis zum Jahre 2007 wurde das Buch neun Mal verfilmt, mehr oder minder eng an die textliche Vorlage angelehnt. Aber was macht diesen ungebrochenen Bann aus, ein Thema zu verfilmen, in dem sich zwei Menschen, die sich bis dahin unbekannt waren, begegnen und bemerken, dass ihrer beider Leben eng miteinander verknüpft sind und die dieses nicht weiter hinnehmen wollen? Ist es die Möglichkeit aus dem eigenen Alltag auszubrechen und in einen anderen zu schauen, ohne durch äußerliche Unterschiede aufzufallen, die gewohnte Rolle und Umgebung zu verlassen und das Abenteuer zu wagen oder die Tatsache, eine „Ungerechtigkeit“ wie die Trennung der Eltern ungeschehen zu machen? Doch wie schafft es dann das Buch als auch der Film dem Leser/Zuschauer deutlich zu machen, dass er es entweder mit Lotte oder Luise zu tun hat, aber den Eltern dieser Unterschied nicht bewusst ist und erst durch eine Fotografie der beiden Mädchen aufgedeckt wird?
Neben einer emanzipierten Mutter und einem Vater, der durchaus erzieherische als auch menschliche Schwächen aufweist, zeigt der Roman zwei Kinder mit Ängsten und Wünschen, genauso wie Tugenden der deutschen Nachkriegszeit. Kästner zeigt moderne Menschen mit ihren Problemen und trotz Happy End wird veranschaulicht, dass auch Eltern Fehler haben sowie Frauen allein ihr Leben erfolgreich führen können.
Erich Kästner persönlich schrieb das Drehbuch für die erste Verfilmung des „Doppelten Lottchens“, was ihm eine Auszeichnung einbrachte2 und er übernimmt auch den Part des Erzählers, zuerst visuell und später aus dem Off.
Ziel dieser Arbeit ist es anhand der Vertauschungsszenen der beiden Mädchen in der Romanvorlage sowie auch in der Verfilmung von 1950 mit Hilfe der „Theory of Mind“, die „von Premack und Woodruff (1978) wie folgt definiert (wird): „An individual has a theory of mind if he imputes mental states to himself and others.“3, zu veranschaulichen wie sowohl Leser als auch der Zuschauer in der Lage sind, den Tausch der Mädchen bewusst zu erleben und wahrzunehmen, während die Eltern ohne jegliche Ahnung sind und dies bis zu einem bestimmten Zeitpunkt bleiben. Mit Hilfe filmtechnischer und literaturwissenschaftlicher Analysetechniken sollen die jeweiligen Textstellen bzw. Filmszenen analysiert und verglichen werden.
Schafft es der Film den Tausch besser darzustellen als das Buch oder ist es umgekehrt? Oft ist das Mittel mit dem unbewussten Spiel des Zuschauerwissens ein beliebtes um Komik oder Trauer darzustellen. Die Frage ist: In welchen Zusammenhang wird es in diesem Fall benutzt? Um die bestimmten Szenen zu veranschaulichen, werde ich zuerst einen kurzen Abriss über das Buch sowie den Film im Allgemeinen geben. Anschließend wird die „Theory of Mind“ erläutert werden, da hiermit das Täuschen der Mädchen erklärbar gemacht werden soll. Danach folgt der Szenenvergleich zwischen Buch und Film, wobei zu Beginn der erste Tausch der Mädchen und anschließend das Leben mit den Eltern bis zum Aufdecken des Geheimnisses vorgestellt wird. Abschließend folgt eine Zusammenfassung der Ergebnisse und die Analyse welches Medium den Tausch besser darstellt.
[...]
1 Erich Kästner: Das Doppelte Lottchen, Dressler Verlag; Auflage: 2, 2000, S. 20 (die Buchausgabe wird im folgenden zitiert unter der Verwendung der Sigle BDDL und Seitenangabe)
2 Vgl. Sven Hanuschek: Keiner blickt dir hinter das Gesicht: das Leben Erich Kästners, München [u.a.]: Hansers, 1999, S. 358 „Der (Film) […] gewann 1951 die ersten überhaupt vergebenen Bundesfilmpreise für Drehbuch, Produktion und Regie […]“
3 Julia Kern: Zur Entwicklung des Verstehens von Wünschen und Überzeugungen: Elemente der kindlichen Theory of Mind. http://deposit.ddb.de/cgi-bin/dokserv?idn=975996940, (25.08.07).S. 4
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